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KAPITEL 1 – WECHSELWIRKUNGEN

Was ist Negativität?

Angenommenen, aus irgendeinem Grunde widerfährt dir ein geschäftlicher Misserfolg, wie würdest du reagieren? Du würdest dich traurig fühlen, einen Fehler begangen zu haben; das ist in Ordnung. Aber du würdest es nicht dabei belassen. Du wirst dich frustriert und ärgerlich fühlen und allen möglichen Argumenten in deinem Kopf freien Lauf lassen.

Oh, das ist meine schlechte Phase!

Ich bin zu nichts gut!

Warum bin ich immer so unglücklich?

Was werde ich nur tun? … und so weiter!

Das ist Negativität; das sind die Wurzeln von Sorgen. Das Besondere mit den Sorgen ist, dass 99% unserer Sorgen niemals wahr sind. 99% unserer Sorgen sind vollkommen unberechtigt.

Diese negativen Angewohnheiten, dieses negative Gerede verfestigt sich in deinem Wesen und wird zu einer Art negativer Einfluss bei allem, was du tust. Zudem bist du dir völlig unbewusst über all diese verfestigten Dinge dir; das ist die größte Gefahr. Dir dieses Stromes in deinem System gewahr zu werden ist eine große Aufgabe, denn er ist zu deiner eigenen Natur geworden. Du kannst ihn nicht als etwas von dir Verschiedenes erkennen. Du bist ein Teil davon geworden.

Der klinische Name für dieses negative Verhalten ist Depression. Manche Menschen sind weniger deprimiert, manche Menschen mehr. Je mehr du zulässt, dass dieses Gerede dich vereinnahmt, desto deprimierter wirst du. Die Menschen, die weniger deprimiert sind, fühlen dies nur von Zeit zu Zeit und wenn, dann auch nur in einem geringen Ausmaß, wohingegen Menschen, die stärker deprimiert sind, es meist auf heftige Weise fühlen. Aber der Strom ist bei allen immer vorhanden.

Daher ist Depression oder Negativität nichts anderes als eine Ansammlung von negativen Gedanken, die du zu dir selber sprichst. Wenn du einmal solchen Gedanken erlaubst, dass sie in deinen Verstand eindringen, dann werden die gleichen Gedanken wieder auftauchen, sobald du einen kleinen Fehler begehst. Dies wird das Verhalten wiederum verstärken. Letzten Endes sind Sorgen nur eine sehr starke Angewohnheit.

Da sie aber reine Gewohnheit sind, kannst du sie fallen lassen wie jede andere Gewohnheit! Aber du erkennst nicht, dass es sich nur um eine Gewohnheit handelt; du denkst, dass es eine feste und ernste Realität sei. Das ist das Problem. Deswegen kannst du sie nicht fallen lassen.

Der Verstand ist ein ausgezeichneter Rekorder. Er speichert deine negativen Gedanken, Muster, Komplexe und deine Sorgen. Was immer du dem Verstand beibringst, lernt und wiederholt er gewissenhaft. So erzeugst du ein festes geistiges Muster mit all seiner Negativität. Sei also sehr vorsichtig bei dem, was du deinem Verstand erzählst. Wir sind immer sehr vorsichtig bei dem, was wir anderen erzählen, achten aber nie genug darauf, was wir zu uns selber sprechen.

So wie schlechte Essgewohnheiten der Grund für Cholesterin-Ansammlungen in unseren Arterien sind, so kann anhaltende Kümmernis das sich sorgen in unserem Wesen verfestigen. In gleicher Weise wie Cholesterin Blockaden in unseren Arterien erzeugt, erzeugen Sorgen Energieblockaden in unserem Wesen.

Mit der Zeit werden Sorgen Teil unserer Natur; sie werden zum unbewussten Vorgang. Selbst wenn du sie bemerkst, bleibt die niedrige Stimmung trotzdem erhalten. Warum? Weil all deine Sorgen und all dein Ärger, die du jahrelang unterdrückt hast, immer noch als eine unsichtbare Ebene in deinem Wesen vorhanden sind. Sorgen sind die Wellen, die von Zeit zu Zeit aufsteigen, aber Depression ist das Wasser selber.

Wie gelangen wir jenseits von Depression oder Negativität?

Sei einfach nur bewusst und wachsam. Wann immer du negative Gedanken aufsteigen merkst, zerstreue die negativen Worte und beobachte, wie sie zerstieben. Wenn du damit fortfährst, lässt du nicht zu, dass sich die negativen Muster festsetzen, und mit der Zeit werden sich deine geistigen Muster bzw. deine geistigen Programmierungen ändern; sie werden nicht mehr negativ sein.

Wenn du nur für einige Momente das negative Gerede sein lassen kannst, dann wirst du bewusster und lebendiger werden. Verstehe einfach, dass Sorgen wirklich überflüssig sind. Dann werden sich dir die Schätze des Manipuraka Chakra auf natürliche Weise erschließen.

Frage: Sind Gedanken ein Teil des Verstandes, oder sind sie ein Ausdruck des Verstandes?

Dein Verstand und deine Gedanken sind ein und dasselbe. Es gibt keinen Unterschied zwischen Verstand und Gedanken. Der Verstand besteht aus Gedanken und Gedanken ergeben den Verstand. Der Verstand ist also nicht mehr als die Ansammlung deiner Gedanken, der fortwährende Strom von Einfällen. Und Gedanken sind nicht mehr als die Worte, die du andauernd in dir sprichst.

Wenn du dich sorgst, dann erlaube dir tief in die Sorgen mit Akzeptanz und Klarheit einzudringen. Habe keine Angst in sie einzudringen. Erinnere dich: Akzeptanz ist keine Kraftlosigkeit. Akzeptanz ist eine großartige Beschwichtigungstechnik. Akzeptanz setzt viel Energie frei und gibt dir große Klarheit und Befreiung.

Wenn du deine Sorgen akzeptierst, wenn du tief in sie eindringst, dann erlangst du ein unglaubliches Verständnis darüber, dass all deine Sorgen nur deine eigene Schöpfung sind. Du wirst erkennen wie dein Verstand spielt und dabei Spannungen in dir verursacht.

Wenn ich dir dies erzähle, dann kannst du das nur intellektuell verstehen. Erst wenn es zu deiner eigenen Erfahrung wird, erst wenn du diese Klarheit selber besitzt, wirst du jenseits von Sorgen gelangen. Dann kann dich Depression nicht mehr berühren. Du wirst das Elend überwinden.

Eine kleine Geschichte:

Als ich in Kalkutta war und Unterricht in der Isha Vasya Upanishad bekam, kam ein Mann um mich zu sehen. Er sagte: "Swamiji, ich habe ein Problem. Ich schlafe nachts nicht gut, weil ich in einer Gegend lebe, wo es viele Straßenhunde gibt. Jede Nacht fangen sie an zu bellen und das bis Sonnenaufgang. Ich habe bereits einen sehr leichten Schlaf, und ich kann einfach keine Ruhe finden aufgrund dieses Krachs."

Ich sagte zu ihm: "Geh nach Hause und versuche folgendes heute Nacht. Wenn du das Bellen hörst, lass einfach den Ärger fallen, die negativen Gefühle, die in dir aufsteigen. Höre einfach dem Klang des Bellens zu ohne Widerstand. Sage dir, dass die Hunde bellen, das ist alles. Lasse nicht zu darauf zu reagieren. Das Problem ist nicht das Gebelle sondern dein Widerstand dem gegenüber." Der Mann ging zurück und versuchte das, was ich ihm sagte. Nach ein paar Tagen kam er zurück und berichtete: "Swamiji, ich habe versucht all meine Widerstände fallen zu lassen, wie du gesagt hast. Anstelle zu denken: "Wie können es diese blöden Hunde wagen, meinen Schlaf zu stören!", habe ich versucht, meine Gedanken allmählich zu ändern:

"Die Hunde bellen. Das stört meinen Schlaf…"

"Die Hunde bellen…"

"Einige Tiere erzeugen Geräusche…"

Als ich nach einiger Zeit zu diesem Satz kam, schlief ich ein. Wie dem auch sei, ich hatte einen ausgezeichneten Schlaf all die Tage. Vielen Dank Swamiji!

Entsprechend kannst du auch vorgehen. Jede Situation kann bewältigt werden, wenn du weißt, wie du deine Negativität loslassen kannst, wenn du erkennst, wie du deine diesbezügliche negative Reaktion unterlassen kannst. Das ist der Schlüssel zum Öffnen des Manipuraka Chakra.

Aber dein Verstand ist so begierig darauf, sich in den Mustern des inneren Geschwätzes niederzulassen und es zu fördern. Dies ist die Grundlage der Funktionsweise des Sich Sorgens. Der Verstand versucht immer die Dinge festzulegen. Er muss ständig vergleichen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und dieser Vergleich, dieser Bezug, diese Beurteilung ist es, der das Sich-Sorgen hervorbringt.

Höre auf dich zu sorgen: lebe im Moment

Sorgen sind nichts anderes als das gewohnte Verweilen in den Mustern unseres Verstandes. Diese gewohnten Muster werden im Bereich der menschlichen Psychologie Engramme genannt. Engramme sind eingravierte Erinnerungen an die Vergangenheit, die in uns als unerwünschter Quell für all unsere gegenwärtigen und zukünftigen Handlungen dienen. Wegen dieser gespeicherten Engramme reagieren wir unlogisch in der Gegenwart.

Warum können wir nicht jeden Moment so nehmen wie er ist? Warum müssen wir den Moment mit Vergangenheit und Zukunft verbinden, um dann Schlüsse daraus zu ziehen? Warum hält der Verstand Ausschau nach Beständigkeit bei allem was er sieht? Und wenn er keine findet, warum ist es dann so schwer für ihn, das zu verkraften? Das ist so, weil du immer wieder versuchst, die Dinge mit deinen geistigen Konzepten einzurahmen, mit Hilfe deiner gespeicherten Engramme; und wenn dir das nicht gelingt, reagierst du sorgenvoll.

Hast du mich jemals sorgenvoll gesehen? Viele von euch haben mich gefragt, wie ich die ganze Zeit über fröhlich und gelassen bleiben kann? Der Grund dafür ist, dass ich einfach im Moment lebe, das ist alles. Ich trage nicht die Vergangenheit als Bezugspunkt in meinen Geist. Ich belaste meinen Geist nicht mit all dem Vergangenen. Ich handle aus Spontanität heraus, nicht aus Mustern.

Ich bin wie ein fließender Fluss. Viele von euch, die mich begleitet haben, haben den Ganges-Fluss im Himalaya gesehen. Er ist wunderschön. An einigen Orten erscheint er ruhig, turbulent an anderen, kristallklar zu Zeiten und schlammig zu anderen. Entsprechend dem Ort, w*o* ihm jemand begegnet, wird die Erfahrung sein, die er am Ganges macht.

Können zwei Menschen die dem Ganges begegnet sind, ihre Erfahrungen vergleichen und sich dann beklagen, dass sie nicht übereinstimmen? Wie dumm das wäre! Der Fluss fließt einfach zur Musik der Existenz, das ist alles! Er hat keinen Plan. Ich bin wie der Ganges. Ich fließe ohne einen Plan, einfach spontan, ohne jegliche Sorgen. Die Existenz ist der Meisterplaner.

Wegen meiner Spontanität verurteilen mich manche Leute; sie meinen, dass ich unbeständig sei. Wie viele von euch hier haben sich über meine sogenannten inkonsistenten Worte und Verhaltensweisen beschwert? Kommt, hebt eure Hände!

(Nach einer langen Pause, einige Mutige…) Seht! Ich bin mir sicher, dass alle von euch diesen Gedanken während der Zeit hatten, aber nur diese paar Leute haben den Mut, ihre Hand zu heben.

Kann man sagen, dass der Ganges widersprüchlich ist? Kann man sagen, dass der Ganges auf eine ordentlichere Art und Weise fließen sollte? Nein! Das ist die Art und Weise wie der Fluss fließt, das ist alles; du kannst ihn deswegen nicht verurteilen. In gleicher Weise fließe ich wie ein Fluss und du kannst mich deswegen nicht inkonsistent nennen. Ich lebe von Moment zu Moment, während du mit zusammengesetzten, stark verbundenen und komplizierten Momenten lebst. Was ist das Ergebnis? Du fühlst dich belastet und sorgenvoll.

Wenn es so viele Momente gibt, die auf dir lasten, wirst du dich dann nicht unweigerlich schwer fühlen? In gleicher Weise, wenn es nur den jetzigen Moment in dir gibt, wirst du dich dann nicht leicht fühlen? Alle deine Sorgen kommen daher, weil du die Gegenwart und die Zukunft mit vergangenen Mustern verbindest. In diesem ganzen Prozess verpasst du die Gegenwart, die wahrlich ein Geschenk ist. Andauernd verpasst du die Gegenwart um der Vergangenheit und Zukunft willen. Letztendlich verbleiben dir nur Zukunft und Vergangenheit, niemals jedoch die Gegenwart.

Diese Muster, die der Grund für deine Sorgen sind, sind zu lebenserhaltenden Elementen für deinen Verstand geworden.

Eine kleine Geschichte:

Zwei Freunde gingen in ein Kino, um einen neu erschienenen Film anzusehen.

Der eine bemerkte, dass der andere häufig auf seine Uhr sah.

Schließlich flüsterte er zu ihm: "Genießt du den Film?"

Der Freund antwortete: "Ja, mach ich. Ich sehe nur nach, wie viel Zeit noch übrig bleibt um zu genießen."

Tatsächlich sind die meisten von uns so. Wir sind so darauf eingestellt uns zu sorgen, dass selbst wenn es nichts zu sorgen gibt, wir uns darum sorgen, wie lange der sorgenfreie Zustand noch anhalten wird. Wie willst du dann jemals genießen? Wenn du andauernd so denkst, dann hältst du dich ständig in der Zukunft. Wenn du einen zukünftigen Moment des Vergnügens festzuhalten versuchst, dann verpasst du das Vergnügen des gegenwärtigen Moments.

Kannst du dem folgen, was ich dir mitteilen möchte?

Wenn du dich selbst und die anderen Mitglieder deiner Familie tief analysierst, dann wirst du das beobachten können, was ich sage.

Jeder fühlt sich wichtig und produktiv, indem er Sorgen in sich trägt. Tatsächlich fühlt sich eine Person umso besser, je mehr Sorgen sie hat, weil sich ihr Ego gut dabei fühlt so viele Sorgen bewältigen zu können! Deswegen hörst du meistens, wenn du zu jemanden über deine Sorgen sprichst: "Ah! Das ist noch Garnichts; höre von meinen Problemen; dann wirst du wissen was Sorgen sind." Das kommt daher, weil die Leute sich überlegen fühlen, wenn sie große Sorgen tragen können.

Was geschieht durch andauerndes Denken an die Sorgen? Nichts. Zu deinen zehn Sorgen wird sich eine elfte hinzugesellen, die da heißt Depression, das ist alles.

Wir sorgen uns während wir arbeiten. Wenn es Sorgen gibt, dann kannst du nicht arbeiten, und wenn du wirklich arbeitest, kannst du dich nicht sorgen. Wo Sorgen sind, dort herrscht keine Kreativität und wo Kreativität ist, dort können keine Sorgen sein. Entweder können Sorgen oder Kreativität zu einer gegebenen Zeit existieren, niemals aber beide gleichzeitig. Kreativität ist wahre Anbetung. Wenn du erschaffst, dann bist du Gott nahe. Kreativität kommt aus dem Herzen. Sorgen kommen vom Verstand.

Indem du dem Vergangenen hinterherrennst oder über die Zukunft nachdenkst, versäumst du die Gegenwart. In der Spiritualität geht es darum, das Vergangene fallenzulassen und in der Gegenwart zu leben. Jetzt sammelst du das Vergangene wie alles andere. Deine Last wird von Tag zu Tag schwerer. Deswegen fühlst du dich zerstreut.

Du weißt nicht, wie du dich des Vergangenen entledigen kannst; du weißt nur, wie du es mit dir herumtragen kannst. Du fühlst, dass du es mit dir tragen musst. Die Gesellschaft lehrte dir, dass du es bei dir tragen musst. Dir wurde beigebracht dich schuldig zu fühlen, wenn du es fallenzulassen versuchst.

Die Gesellschaft sagte dir, dass du undankbar bist, wenn du die Vergangenheit fallen lässt, aber das ist einfach Unsinn. Es gibt absolut keinen Grund dafür, dass du dein Vergangenes mit dir herumträgst. Die Leute, die dir solche Dinge erzählen wissen nicht, dass Dankbarkeit etwas ist, dass du andauernd in dir fühlen musst, der Existenz gegenüber und einfach allem insgesamt, und dass Dankbarkeit nicht etwas ist, das du gegenüber einzelnen Ereignissen im Leben fühlst.

Wenn du dein Vergangenes fallen lässt, wird dich die Gegenwart überraschen. Die Gesellschaft lehrt dir immer, das Gegenwärtige in Form des Vergangenen zu genießen, es niemals aber als das Gegenwärtige an sich zu genießen. Sie lehrt dir, alles zum Vergangenen zu machen und es dann zu genießen.

Ich habe Leute gesehen, die in Ferien gefahren sind – sie sind die ganze Zeit mit ihrem Fotoapparat und ihrer Videokamera unterwegs. Anstatt an den landschaftlichen schönsten Orten die Natur zu genießen, wursteln sie mit ihrer Kamera herum, um die Landschaft durch die Linse festzuhalten.

Dann kehren sie nach Hause zurück, entwickeln ihre Filmrollen und sitzen auf dem Sofa in ihren vier Wänden und genießen die gleichen Landschaften mittels der Fotos und Videos. Sie haben einfach alles verpasst, das ist alles. Und all die Fotos werden nur deswegen den Familien und Freunden gezeigt, um ihnen damit zu sagen, dass sie diese Orte auf den Bildern gesehen haben. Aber sie haben die Orte nie genossen als sie dort waren. Sie haben sie wie alles andere einfach versäumt.

Andauernd genießt du die Gegenwart, nachdem du sie zur Vergangenheit gemacht hast. Deswegen sagen die Leute: "Dies waren die goldenen Tage." Als die Tage aber tatsächlich da waren, da hast du sicherlich nicht gedacht, dass sie golden waren. Zu dieser Zeit hattest du sicherlich gesagt, dass die früheren Tage die goldenen Tage waren! So täuschst du dich selber mittels deiner Sorgen.

Du verpasst total die Schönheit der Gegenwart. Wenn du im Einklang mit der Gegenwart bist, wird jeder Moment ein Fest und du wirst nicht vergangene Ereignisse feiern wollen. Wenn jeder Moment ein Fest ist, wirst du weiterhin in der Gegenwart bleiben, weil du jeden Moment zelebrierst. Du wirst dann niemals in die Vergangenheit gehen um zu feiern.

Außerdem ist es solch ein Zeitverlust, das Vergangene nach Sorgen zu durchsuchen, weil du in jedem Moment ein neuer Mensch bist! Jeden Moment entwickelst du dich; jeden Moment wirst du erneuert. Du bist ein Teil der Existenz, und die Existenz ändert sich jeden Moment. Wie kannst du also vergangene Ereignisse mit deiner erneuerten Intelligenz untersuchen? Das ist vollkommen bedeutungslos.

Analysiere niemals das Vergangene mit erneuerter Intelligenz. Das zu tun ist vollkommen töricht. Das führt nur zu mehr Sorgen und mehr Schuldgefühlen. Jeden Moment stirbst du und wirst eine neue Person. Das ist die Wahrheit. Versuche einfach zu verstehen.

Hast du je einen Büffel oder eine Kuh gesehen, die sich sorgen? Hast du von einer Pflanze gehört, die sich sorgt? Führen sie ihr Leben nicht auch mit Schwierigkeiten? Warum sorgst du dich also? Ich sage dir: Sich zu sorgen ist die unproduktivste Gewohnheit des Menschen. Sorgen werden andauernd in dir als ein inneres Geschwätz produziert, welches dich unproduktiv in sich gefangen hält.

All deine Sorgen sind nichts weiter als eine Ansammlung von Worten in der Sprache, die du kennst. Und sie verursachen so viel Durcheinander und Fehleinschätzungen in dir. Worte sind die Grundursache für all die falschen Auffassungen. Aber was kann man tun? Worte sind die einzige Form der Kommunikation, mit der du vertraut bist.

Ich sage den Leuten immer: wenn ich etwas sage, dann versteht ihr es anders als ich es meine. Und hier beginnt das Problem. Jeder hat sein eigenes Wörterbuch und interpretiert die Worte auf seine eigene Weise.

Eine kleine Geschichte:

Ein Mann sagte seiner Frau: "Weißt du, es wird berichtet, dass über 5000 Kamele jährlich benötigt werden um Farbpinsel herzustellen."

Die Frau erwiderte: "Oh Gott! Ist es nicht erstaunlich, zu was sie die Tiere alles bringen können?"

Der Mann sagte etwas, und die Frau verstand es ganz anderes. So stehen die meisten von uns miteinander in Beziehung. Deswegen sage ich, Worte erzeugen Durcheinander. Es ist traurig, dass Worte die einzige Form der Kommunikation sind, die die Menschen kennen. Sie werden in mehr und mehr Worten gefangen.

Seht ihr, Worte geben immer Anlass zu noch mehr Worten. Aber es gibt eine Lücke zwischen den Worten - eine winzige, für uns nicht wahrnehmbare Lücke; dieser Lücke müssen wir gewahr werden. Diese Lücke enthält das, was wir suchen.

Diese Lücke ist so mikrokosmisch und obwohl wir sie täglich nutzen, sind wir ihrer doch nicht bewusst. Wenn ich spreche, dann vertieft ihr euch intensiv in meine Rede, ohne viel inneres Geschwätz. Wenn ihr ganz vertieft in meine Worte seid, dann lasse ich einige Lücken, und die Stille in diesen Lücken ist die wahre Lösung, die ihr sucht.

Manchmal lasse ich in meinen Reden lange Pausen. Ich lasse diese Lücken für euch, damit ihr die Stille aufnehmen und wahrnehmen könnt, was die Wahrnehmung in euch steigern könnte. Aber was geschieht jedes Mal? In dem Moment wo ich eine Pause lasse, werden die Leute unruhig. Sie beginnen mit ihren Sachen herumzuspielen oder schauen sich um und sprechen – wieder Worte sammelnd!

Wahre Stille ist das, was ausschließlich mit Bewusstheit gefüllt ist und nichts sonst. Es bedeutet nicht nur, deinen Mund geschlossen zu halten. Wenn du flüchtige Blicke auf diese Stille werfen kannst, auf diese Bewusstheit, dann wirst du verstehen über was ich die ganze Zeit spreche.

Nun wird dein Verstand fragen: "Wie kann ich dieses innere Geschwätz und die Gedanken stoppen? Wie kann ich wahre Stille erfahren?" Solche Gedanken werden dich jagen und du wirst ein Problem mehr haben.

Versuche zu verstehen: du kannst das Denken niemals stoppen. Der Gedanke, dass du das Denken anhalten musst, ist selbst ein weiterer Gedanke! Wenn du zwanghaft versuchst für einen Moment lang still zu sein, dann ist diese Stille nicht die Stille, die wir zu erreichen suchen, sondern nur eine erzwungene und tote Stille. Die Stille die wir zu erreichen suchen ist eine vibrierende und glückselige Stille – die Stille der Existenz.

Was muss also getan werden? Beobachte einfach den Verstand, das ist alles. Sei ein Beobachter. Urteile nicht; widerstehe keinen Gedanken. Beobachte deinen Verstand in tiefer Dankbarkeit, dass er Gottes Geschenk an dich ist. Das ist der erste Schritt zu innerer Stille.

Deine Bewusstheit wird langsam wachsen und dich in dir noch mehr zentrieren und wird die Stille in dir vergrößern. Wenn ich sage, dass ihr die Stille vergrößern sollt, dann meine ich damit, dass dein inneres Geschwätz sich reduzieren und dass du mehr zu einem Beobachter werden sollst. Mit dieser vergrößerten Stille wird sich noch mehr Bewusstheit in dir einstellen, und dies wird ein zyklischer Prozess in dir sein.

Mit dieser erweiterten Bewusstheit wirst du fähig sein, die dich umgebende Schönheit zu genießen. Es ist nicht so, dass die Schönheit plötzlich auftaucht; sie war immer da! Aber du warst ihrer nicht bewusst. Du warst nur zu sehr mit dir selber beschäftigt und so hast du sie nicht wahrgenommen. Jetzt wirst du aber mit deiner erweiterten Bewusstheit fähig sein sie zu feiern! Plötzlich wird sich dir die Natur in ihrer ganzen Schönheit offenbaren. Dein inneres Selbst wird sich transformieren und wenn dies geschieht, transformiert sich die äußere Welt automatisch!

Wenn du lernst in Bewusstheit zu sein, dann kannst du deinen Verstand nach deinem Ermessen benutzen. Er wird zu einem wichtigen Werkzeug werden, das dir zur Verfügung steht. Du kannst ihn dann nutzen, wenn du ihn brauchst. Von einem gefährlichen Feind entwickelt er sich somit zu einem verlässlichen Freund.

Wenn dein inneres Geschwätz sich beruhigt, wenn dein TPS (Thoughts Per Second) bzw. deine Gedanken pro Sekunde weniger werden, selbst für den Bruchteil einer Sekunde, dann bist du für diesen Sekundenbruchteil vollkommen in der Gegenwart und hast für diesen Sekundenbruchteil die Fähigkeit, deine Vergangenheit und Zukunft wie ein offenes Buch zu lesen. Wenn dein inneres Geschwätz stark ist, dann ist dein TPS hoch, und du bist die ganze Zeit entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft, niemals aber in der Gegenwart.

Lass mich dir genau erklären, was ich damit meine, fähig zu sein, Zugang zu deiner Vergangenheit und Zukunft zu haben. Du hast vielleicht schon die Erfahrung gemacht, als du zum Beispiel in einem Vortrag oder auf einer Party warst, oder an einem anderen Ort, dass du plötzlich wie aus dem Nichts heraus das Gefühl hattest, die ganze Szene schon zuvor erlebt zu haben. Die Stimmen, die Gespräche, der Ort, selbst einige Besonderheiten des Ortes, alles wirkt wie die Wiederholung einer Szene, die du zuvor schon erlebt hast. Du bist versetzt.

Oder plötzlich denkst du an eine bestimmte Person, einen Freund zum Beispiel, den du schon lange nicht mehr kontaktiert hast, und in dem Moment ruft diese Person auf deinem Telefon an. Du hast die Fähigkeit vorherzusagen, was in den nächsten Momenten geschehen wird. Du fühlst dich versetzt, wenn dir solche Dinge widerfahren. In diesen Momenten bist du vollkommen in der Gegenwart. Irgendwie versehentlich bist du in die Gegenwart versetzt worden.

Niemals bist du bewusst in der Gegenwart. Du bist immer in der Vergangenheit oder Zukunft. Du bewegst dich von der Vergangenheit zur Zukunft ohne die Gegenwart zu berühren. Das ist die Wahrheit. Aber versehentlich sind für einen Moment lang deine Gedanken pro Sekunde wenig, und so wirst du in die Gegenwart versetzt.

Wenn du vollkommen in der Gegenwart bist, selbst nur für einen kurzen Moment, dann werden dir deine Vergangenheit und Zukunft transparent. Daher erlebst du solche intuitiven Dinge.

Unser Denken ist niemals klar. Es ist immer nur Assoziierung; es ist niemals wahres Denken.

Lasst mich erklären, was ich mit Assoziierung meine. Du wachst am Morgen auf und siehst eine Rose, die in deinem Garten blüht. Sofort geht dein Verstand zu jemandem, der dir eine Rose in der Vergangenheit geschenkt hat. Deine Gedanken spielen dann die Reaktionen durch, die du zu jener Zeit mit dieser Blume hattest, oder du denkst über die Person nach. Dann denkst du über die Ereignisse nach, die mit dieser Person verbunden sind. Was geschieht am Ende? Du vergisst die Rose zu genießen die vor dir ist!

So rennst du hinter dem Vergangenen her und verpasst die Gegenwart. Das meine ich mit dem Wort Assoziation. Dies ist die Natur deiner gegenwärtigen geistigen Struktur. Solange deine geistige Struktur nichts außer Assoziation ist, wirst du damit fortfahren, hinter dem Vergangenen oder Zukünftigen herzulaufen und wirst nur immer mehr Worte in dir erzeugen.

Meister leben immer in der Gegenwart. Deswegen haben sie Zugang zu dem riesigen Ozean, der das Vergangene und die Zukunft ist. Für dich ist es ein Zufall. Es ist in einem Sekundenbruchteil, wenn dir dies geschieht. Du fühlst dich sogar geängstigt, wenn dies vorkommt! Du bist so daran gewohnt unbewusst zu leben, dass, wenn du in Bewusstheit gedrängt wirst, dies zu viel für dich ist. Die Wirklichkeit wird zu viel für dich!

Deine TPS spielen eine wichtige Rolle bei der Bestimmung, wie weit du von der Wirklichkeit oder der Gegenwart entfernt bist. Du lebst unbewusst, wenn dein TPS hoch ist. Dann bist du weit von der Wirklichkeit entfernt.

Verstehe: nur deine Handlung spricht für dich. Deine Rede kann nichts für dich tun. Ob du innerlich oder äußerlich sprichst, spielt dabei keine Rolle. Bringe einfach Bewusstheit hinein, und du wirst aufhören, unnötig zu sprechen.

Menschen sagen mir: "Swamiji, wir wollten in Ferien gehen, und sie entpuppten sich als die Hölle." Ich sage dir: die Hölle ist in dir; du nimmst sie überallhin mit. Offensichtlich findest du sie dann überall vor, wo du auch hingehst! Während du lebst, bringst du anderen die Hölle und wenn du stirbst, kommst du selbst in die Hölle. Wo immer du hingehst, möchtest du deine Hölle mitnehmen. Du bist so an die Hölle gewöhnt, und selbst wenn dir der Himmel gezeigt würde, fühltest du dich dort als Außenseiter!

Eine kleine Geschichte:

Drei Fischersfrauen gingen um Fische zu verkaufen und als sie heimkehrten, war es tiefe Nacht.

So entschlossen sie sich, die Nacht über in einem Haus am Wegesrand zu verbringen.

Sie kamen zu dem Haus einer Dame, die Jasminblüten zu ihrem Lebensunterhalt verkaufte und sie fragten an, ob sie die Nacht bei ihr verbringen dürften.

Die Dame stimmte zu und so gingen sie in den Raum, der ihnen zugewiesen wurde.

Das Haus war erfüllt mit dem Duft von Jasminblüten.

Aber so sehr die Fischersfrauen es auch versuchten, sie konnten nicht einschlafen.

Sie drehten sich unruhig hin und her und wussten nicht, was sie tun sollten.

Plötzlich stand eine von ihnen auf, holte einen leeren Fischkorb und legte ihn an ihre Köpfe – und da schliefen sie sogleich ein!

Wir tragen unsere Sorgen überall mit hin und fühlen uns wohl dabei, sie zu nähren. Aber gleichzeitig beschweren wir uns, dass wir andauernd so besorgt sind! Wir wollen von etwas loskommen, sind aber nicht dazu bereit, uns zu transformieren und frei davon zu werden. So widersprüchlich sind wir.

Wissen – der Übeltäter

Wie können wir trotzdem davon freikommen? Wie sollte unsere Einstellung sein?

Wie davon freizukommen und was unsere Einstellung sei – beide Fragen haben nur eine Antwort: was immer du tust, du solltest fähig dazu sein, es mit dem Gefühl von Glückseligkeit zu tun, das ist alles. Siehst du, der Raum in dir oder dein Bewusstsein bestimmen die Qualität deines Lebens. Dieser Raum sollte immer rein und glückselig sein.

Es ist erwiesen, dass das Bewusstsein eines Wissenschaftlers die Hauptrolle bei dem Experiment spielt, das er durchführt. Es wurde beobachtet, dass ein und dasselbe Experiment, das unter gleichbleibenden kontrollierten Randbedingungen durchgeführt wurde, unterschiedliche Ergebnisse hervorbrachte, wenn es durch verschiedene Wissenschaftler ausgeführt wurde. Es wurde klar bewiesen, dass unsere innere Geisteshaltung unsere Handlungen und die daraus folgenden Ergebnisse bestimmt.

"Ananda bzw. Glückseligkeit zieht Glück an." Dies ist eine große Wahrheit. Wenn du glückselig bist, wirkt automatisch die Existenz, und materieller Wohlstand wird dir zuteilwerden. Sei immer mit einem Gefühl von Dankbarkeit. Der Rest geschieht von alleine.

Entscheide dich einfach, dich aus welchen Gründen auch immer nicht schlecht zu fühlen. Wenn dir irgendeine Sorge oder ein Schuldgefühl oder trauriger Vorfall in den Sinn kommt, schau sie dir nur lächelnd an und sage: "Nein, ich werde mich nicht von ihnen beeinflussen lassen." Schau sie einfach an und sage dies. Automatisch wird der Vorfall oder das Schuldgefühl keinen Einfluss mehr auf dich haben. Wenn du zulassen würdest, dass sie dich angreifen, würdest du dadurch etwas gewinnen? Nein! Nur dadurch, dass du sie anschaust und sagst, dass du dich nicht angreifen lässt, verhindert du das Elend. Ich sage nicht, dass du vor ihnen weglaufen sollst. Ich sage dir, dass du sie ansehen und dies sagen sollst. Verstehe diesen Punkt deutlich.

Wenn du diese Gedanken zu unterdrücken versuchst, dann werden sie in deinem Verstand lauern und drohen jeden Moment wieder zu erscheinen. Erlaube ihnen hervorzukommen. Aber schaue sie einfach an und sage ihnen, dass sie machtlos sind; du wirst sehen, dass sie automatisch verschwinden. Sie werden einsehen, dass es sinnlos ist, dich zu verfolgen und sie werden einfach verschwinden!

Alles was dir Stärke mittels deines Körpers, Verstandes oder Geistes gibt, ist Spiritualität und wird dich automatisch zur Glückseligkeit führen. Alles was dich schwächt ist keine Spiritualität; führe es daher einfach nicht fort. Dies ist die Daumenregel, der du folgen sollst. Vergiss niemals, dass Glückseligkeit deine wahre Natur ist.

Und noch eines: Erfahre alles Schöne was du siehst, anstatt es mit deinen Mustern zu besetzen und dabei nur als kalter Beobachter zu verbleiben. Hast du den Sonnenauf- und den Sonnenuntergang im Ashram oder sonstwo gesehen? Bist du jemals stehen geblieben und hast die schöne Transformation der Farben und Lichtstrahlen beobachtet, wie sie sich am Himmel ausbreiten? Die meisten von uns wissen entweder nicht, dass die Sonne untergeht oder sagen einfach: "Ja, die Sonne geht unter; na und? Sie geht sowieso jeden Tag unter."

Wissen reduziert deine Unschuld und macht dein Leben dumpf. Wenn du den Sonnenunter- oder Sonnenaufgang siehst, dann kann dies eine wundervolle Meditation für dich werden. Anstatt sie mit deinem weltlichen Wissen anzuschauen, kannst du Teil davon werden und mit ihm verschmelzen und du wirst erkennen, dass du ein Staubkörnchen dieser gewaltigen Existenz bist, die da feiert. Du wirst dann spontan an dieser Feier teilnehmen.

Aber wir sind stumpfsinnig geworden durch unser sogenanntes Wissen, welches nichts weiter ist als eine Sammlung von Worten und zudem ein weiterer Grund für inneres Geschwätz und Sorgen. Wir haben so viele Worte gesammelt und leben mit ihnen, und deswegen überrascht uns nichts mehr. Selbst wenn Gott zu dir käme und sagte, dass er Gott sei, dann würdest du sagen: "Na wenn schon!" Aufgrund deines Wissens betrachtest du alles als selbstverständlich.

Die gesamte Existenz wird als selbstverständlich betrachtet aufgrund deines sogenannten Wissens. Auf diese Weise verpasst du die ganze Existenz. Du rennst hinter weltlichen Dingen her, die dir nur mehr und mehr Gier, Sorgen und Angst bereiten. Diese Dinge entfernen dich nur weiter von deinem inneren Kern. Sie veranlassen dich nach außen zu schauen, anstatt nach innen. Sie machen dich vollkommen abhängig von den Dingen der äußeren Welt, anstatt deiner eigenen inneren Stärke zu folgen, und sie schleudern dich abwechselnd zwischen Depression und Freude hin und her, anstatt dich permanent in Glückseligkeit zentriert zu halten.

Du fühlst, dass alles außerhalb von dir geschieht und dass du dich beeilen musst, um es einzufangen bevor es zu spät ist. Deswegen bist du immer in Eile, redest andauernd in dir selber. Deswegen bist du im Konkurrenzkampf. Daher befindest du dich immer in der Zukunft und niemals in der Gegenwart.

Wissen ist einfach eine Ansammlung von Daten, Fakten, Statistiken; es ist tot. Sammele Wissen, aber lass es dich in keiner Weise kontrollieren. Lerne das Wissen beiseite zu tun und das Leben mit Ehrfurcht anzuschauen. Der Verstand versucht immer Schüsse zu ziehen, zusammenzufassen, zu bewerten und Informationen zu sammeln bei allem, was er sieht. Du möchtest mehr und mehr Worte sammeln, das ist alles. Welchen Nutzen hat das?

Ich nahm einige Schüler mit nach Mathura, dem Geburtsort von Krishna. Es war so schön. Wir fuhren im Boot auf dem Yamuna-Fluss und erlebten die Tage Krishnas wieder. Ich teilte meine Glückseligkeit mit den Schülern – einer Gruppe von stark intellektuellen Menschen. Hier ließ ich die Tage von Krishna wiederaufleben, zeigte ihnen wo Ras Leela sich ereignete, ich war so erfüllt von Ekstase, aber die Schüler erzählten mir, dass die Bodenplatten so aussähen, als seien sie renoviert worden! Ich war vollkommen schockiert. Ich habe ihnen gesagt, dass ich besser Menschen mit geringerem Wissen mitgenommen hätte, die aber mehr Ehrfurcht gehabt hätten, damit ich meine Ekstase mit ihnen hätte teilen können.

Wissen ist letzten Endes tot. Irgendwie nutzen Leute das Wissen, um den Wert einer Person zu bestimmen. Je mehr Wissen du hast, desto mehr wirst du respektiert.

Durch dein Wissen lebst du andauernd in deinen Verstand. Du kannst niemals die Existenz mit deinen Verstand erkennen.

Die Existenz ist jenseits von Logik

Du kannst die Existenz nur durch dein Herz erkennen. Nur durch Liebe kannst du die Existenz erkennen. Der Verstand kennt keine Liebe, nur das Herz kennt Liebe. Der Verstand kennt nur berechnende Liebe, die letztlich keine Liebe ist. Sie ist nur eine weitere Berechnung die du anstellst, um dich oberflächlich zufrieden zu stellen.

Spiritualität handelt vom Verständnis der perfekten Harmonie, der tiefen Verbindung zwischen Mensch und Existenz. Wenn du dies verstehst und deinen ganzen Kampf fallen lässt, dann wirst du wie ein Fluss dahinfließen. Der Fluss wird seinen Lauf nehmen und dem mächtigen Ozean zueilen. Du musst nur loslassen.

Ich meine damit nicht, dass du in einer Ecke sitzen sollst und dabei von einem Fluss weggespült wirst. Du machst einfach deine Arbeit mit unerschütterlichem Glauben und dem Gefühl, dass es die Lebenskraft ist, die dieses Universum leitet und die sich auch um dich kümmert, den Atem in dich hinein- und herausfließen lässt. Das ist genug.

Schiebe einfach die Verantwortung auf eine höhere Instanz und entspanne dich. Dann wirst du wie ein König leben! Dann wirst du auf die synchrone Musik des fließenden Flusses hören, auf die Existenz die dich mitnimmt, auf die Harmonie zwischen dir und der Existenz. Diese Harmonie ist es, in die du dich einstimmen musst. Und dann werden all deine Sorgen verschwinden!

Natürlich gibt es keinen Beweis, dass die Existenz für uns sorgt. Gewisse Dinge können nicht bewiesen werden. Kannst du beweisen, dass diese Richtung Osten ist? Nein! Kannst du das Phänomen des Sonnenaufgangs und Sonnenuntergangs beweisen? Nein! Du kannst es nur erfahren. Kannst du es damit widerlegen, nur weil du es nicht beweisen kannst? Kannst du die Sonne durch Wissenschaft daran hindern täglich auf- und unterzugehen?

Versteht, dass die Existenz das Einzige jenseits von aller Logik ist. Wenn du die Existenz mit Logik beweisen könntest, dann hieße das, dass die Logik größer wäre als die Existenz, und das kann niemals sein!

Ein Mann fragte mich: "Swamiji, sollte ich ein Hindu werden um spirituell zu sein?" Ich war erstaunt über diese Frage! Ich sagte ihm, dass er kein Hindu werden müsse. Sei dir ganz klar: Alles was dein Wahrnehmungsfeld trübt, steht sicher nicht mit Spiritualität in Verbindung. Spiritualität ist immer allumfassend.

Lass alle Wahrnehmungen fallen von "Ich bin dies" und "Ich bin das". Lass dein Leben offen. Das ist die Basis für Spiritualität. Es ist so: eine Person die immer in einem abgeschlossenen Raum lebt, kennt nicht das Freie und die Brise. Sie wird ungeheuer festgefahrene Gedanken haben. In dem Moment, wo du derartige Begrenzungen annimmst weißt du nichts über die unendliche Liebe und das Mitgefühl, die in dir liegen. Du wirst dich nur sorgen und dich beschweren. Du wirst aber nicht erblühen.

Buddha wurde einst gefragt, welche Art von Hölle Menschen gegeben wird, die nicht mitfühlend sind. Er antwortete: "Du kannst sie nicht in die Hölle werfen, weil sie schon in der Hölle sind!" Nur wenn du in der Hölle bist, wirst du die Hölle für andere erzeugen, weil du nur das geben kannst, was du bereits hast.

Eine kleine Geschichte:

Eine Mutter und ihr Sohn hatten eine hitzige Diskussion, und sie fragte ihn: "Hast du Verstand?

Der Sohn lachte.

Die Mutter fragte ihn: "Warum lachst du?"

Die Junge antwortete: "Nur wenn du etwas nicht hast, dann bittest du andere darum!"

Wenn wir selber nicht friedlich sind, dann stören wir den Frieden der Anderen.

Wahrer Friede

Wir sollten immer wieder mit unserem Verstand arbeiten, um zu sehen, was der Grund für unsere Freude und unser Friede ist. Sei dir ganz klar: Fröhlichkeit und Glückseligkeit sind verschieden. Glückseligkeit ist ein schönes und intensives inneres Gefühl, das dir den Eindruck vermittelt, auf einer anderen Ebene der Existenz zu sein. Glück oder Vergnügen sind meist mit Objekten der äußeren Welt verbunden, und bereiten uns fortwährend Schmerzen.

Heute ist relativ, während Glückseligkeit absolut ist. Glückseligkeit hat keine Gegensätze. Wenn du fröhlich bist, dann ist Traurigkeit gleich um die Ecke. Wenn es viel Vergnügen gibt, dann bist du bereits auf dem Amboss der Schmerzen. Aber wenn du in Glückseligkeit bist, dann bist du einfach, und es gibt keinen Gegensatz dazu. Freude und Vergnügen sind wie Pendel, die schwingen und das andere Ende erreichen müssen, bevor sie zurückkommen. Aber Glückseligkeit ist kein Pendel; sie ist jenseits von Dualität; sie schwankt niemals. Sie IST einfach.

Untersuche immer wieder deinen Verstand und beobachte, was dir Freude bereitet. Folge dann diesem. Wenn es je etwas in dir gibt, das dir sagt, dass du dich anhaltender Freude in dir näherst, wenn du diese Überzeugung in dir findest, dann lenke und regele die Dinge die dein Leben betreffen neu, um sie an der Glückseligkeit zu auszurichten. Jede Handlung und jeder Gedanke sollte sich an dem Gefühl dieser Glückseligkeit ausrichten. Ausgegebene Energie wird so zur gewonnenen Energie. Du wirst dann immer energiegeladen sein.

Manche Menschen sagen, dass sie in Frieden gelassen bzw. ohne Sorgen bleiben wollen. Der Friede, von dem sie sprechen ist kein lebendiger Friede, sondern ein toter Friede. Es ist ein unlebendiger und schlafender Friede als Folge der Unfähigkeit, im Leben mit den verschiedenen Emotionen umzugehen. Es ist ein Friede den sie erflehen, weil das Leben für sie zu schwierig ist damit umzugehen. Es ist so als wenn man "saure Trauben" sagt und sich dann davon abwendet.

Wahrer Friede ist etwas, das immer in dir vorhanden ist, unabhängig von dem, was außen vor sich geht; du bist einfach glücklich mit dir selber; du betrachtest jemanden oder etwas wie eine vorbeiziehende Brise, die dich küsst und weitergeht. Welcher Mensch oder welche Sache auch immer vor dir ist, dein Friede bleibt davon unberührt. Menschen oder Umstände ändern sich in keiner Weise.

Friede ist nichts anderes als Glückseligkeit, die innerlich wahrgenommen wird. Wenn Friede aus Glückseligkeit geboren wird, dann belässt er dich und die Anderen in einem friedvollen Zustand. Wenn du je diesen Frieden in dir gefunden hast, dann wirst du niemals mehr Dinge sagen wie: "Lass mich zufrieden, ich möchte im Frieden sein" usw. Wenn du so etwas sagst, dann bedeutet das, dass du durch die Gnade der Anderen friedvoll sein willst, was aber letztlich kein echter Friede ist.

Friede ist ein stabiles Zentrum, das sich in dir entwickelt und dich immer glücklich mit dir selbst erhält. Alles was außerhalb geschieht, wird nur ein weiteres Ereignis sein. Du wirst deinen Frieden nicht einmal in Beziehung zu etwas setzen können. Von dem Moment, wo du ein Ereignis mit deinem Frieden in Beziehung setzt, sei dir ganz klar: wahrer Friede hat sich in dir noch nicht verwirklicht.