Die Meisten beten aus Angst zu Gott
Die Meisten von uns beten aus Angst zu Gott. Es gibt Mütter, die ihren Kindern sagen, dass, wenn sie gewisse Dinge nicht tun, Gott mit ihnen ärgerlich wird. Solche Aussagen verwurzeln sich tief in sehr jungem Alter in den Kindern und verleihen ihnen ein falsches Konzept von Gott. Das ist z.B. eine Konditionierung, die ihr euren Kindern in frühem Alter gebt. Wenn sie aufwachsen, geraten sie deswegen in ein ernstes Dilemma. Anstatt die Existenz vor lauter Liebe und Dankbarkeit zu umarmen, halten sie sich fern von ihr, vor lauter Respekt und Angst.
Religion wird dich nirgendwohin bringen, wenn du ihr aus Angst folgst; sie wird dir nicht den Weg für eine Transformation bahnen, die sich in dir ereignen sollte. Du könntest vielleicht materiellen Fortschritt erlangen durch deinen Glauben an deine Bitten, aber du wirst auf der Seins-Ebene dort bleiben, wo du bist. Der Zweck des Lebens bzw. die wahre Erfüllung kann sich jedoch niemals auf dem materiellen Pfad ereignen. Menschen, die unter dem leiden, was wir eine Depression des Erfolgs nennen, können mehr damit anfangen, was ich soeben gesagt habe. Wir haben das Thema der Depression des Erfolgs in früheren Vorträgen bereits besprochen.
Der Religion sollte aus tiefer Liebe und Dankbarkeit gefolgt werden wegen des Göttlichen bzw. der Existenz. Obwohl die Gesellschaft dir beibringt Gott in Verbindung mit Angst zu verehren, sage ich dir: tue dies niemals. Bitte immer aus Liebe und Dankbarkeit dem Göttlichen gegenüber.
Eine kleine Geschichte:
Ein Sufi-Meister namens Junnaid pflegte seine Dankbarkeit Gott gegenüber fünfmal am Tag auszudrücken.
Eines Tages kamen er und seine Schüler durch einige Dörfer, in denen Sufismus nicht als Religion akzeptiert wurde.
Im ersten Dorf wurden sie des Bettelns bezichtigt, und die Bewohner warfen ihnen nur karge Almosen hin.
Am nächsten Tag verweigerten ihnen die Leute jegliche Almosen.
Am dritten Tag war ihnen die Ortschaft, durch die sie hindurch kamen, derart feindlich gesonnen, dass sie mit Stöcken und Steinen von den Dorfbewohnern verjagt wurden.
An diesem Abend, kniete Junnaid wie gewöhnlich nieder und brachte Gott seine Dankbarkeit dar.
Seine Schüler beobachteten ihn. Das war jedoch zu viel für sie. Sie konnte nicht verstehen, warum Junnaid Gott dankte. Sie waren aufgebracht.
Sie riefen heraus: "Meister! Seit drei Tagen haben wir kein Essen mehr bekommen. Heute sind wir sogar wie die Hunde aus dem Dorf gejagt worden! Ist es das, wofür du Dankbarkeit zeigst?"
Junnaid sah sie an und sagte: "Du sprichst über drei Tage Hunger! Hast du Gott dafür je gedankt, dass du 30 Jahre lang Nahrung erhalten hast? Und außerdem: meine Dankbarkeit bezieht sich nicht darauf, etwas zu erhalten oder nicht erhalten zu haben. Sie ist einfach nur Ausdruck tiefer Freude und Liebe in meinem Wesen; sie ist ein unvoreingenommener und andächtiger Ausdruck, das ist alles."
Wenn du in dir mit solch einer überwältigenden Dankbarkeit lebst, dann hast du den Raum gefunden, worin es nichts anderes mehr bedarf. Das bedeutet, dass du in Meditation gegangen bist. Dann wirst du dich über nichts mehr sorgen. Du bist dann auf der richtigen Spur. Dein Verstand ist nicht länger ein Hindernis für dein Wachstum; dein Verstand ist verschwunden. Der Verstand kann dann nicht mehr eingreifen, weil dein Herz übersprudelt. Es gibt dann keinen Raum mehr für deinen Verstand. Und wenn es keinen Raum mehr für deinen Verstand gibt, woher könnte dann Unzufriedenheit kommen? Unzufriedenheit kann nicht aus dem Herzen kommen. Sie ist ganz und gar ein Produkt des Verstandes.