Weil wir nicht im Spiel verwickelt sind...?
Ja! Tatsächlich, der Mensch der zuschaut, steht nicht unter Druck gewinnen zu müssen. Druck und Stress machen den Geist dumpf. Daher kann nur der Mensch, der sich aus dem Spiel zurückgezogen hat, ein reiner Beobachter sein, der dir die richtige Idee gibt. Ein Meister ist jemand, der das Ganze kennt. Deswegen wird er zur Autorität bei jedem Thema.
Was ist also Sexualität?
Heutzutage ist es biologisch erwiesen, dass kein Mann zu 100% Mann und keine Frau zu 100% Frau ist. Ein Mann ist zu 51% Mann und zu 59% Frau. Entsprechend ist eine Frau zu 51% Frau und zu 49% Mann; nur ein Unterschied von 1%.
Ihr seid geboren aus den Muladhara eures Vaters und des Muladhara eurer Mutter. Also, wie kannst du dann nur männlich oder nur weiblich sein? Die beiden Qualitäten sind dazu bestimmt, in dir zu sein!
Das ist die Grundlage hinter der symbolischen Repräsentation von Gott Shiva als Ardhanarishwara – der Figur, die halb männlich und halb weiblich ist. Ob wir es akzeptieren oder nicht, wir sind eine Verkörperung von beiden, männlicher und weiblicher Energie. Wir sind ganz, nicht geteilt.
Tantra handelt sehr schön von dem ganzen Konzept der Sexualität. In den Schriften spricht Gott Shiva zu Devi Parvati über dieses Thema. Diese Einsichten, die vor über 5000 Jahren aufgezeichnet worden sind, sind heutzutage für die Biologie als relevant erkannt worden.
Um vollständig zu sein, um ganz zu sein, ist es von grundlegender Bedeutung, dass wir fähig sind, den männlichen und weiblichen Aspekt unserer Natur zu akzeptieren und auszudrücken.
Aber ist das der Fall? Haben wir überhaupt die Freiheit, beide Aspekte auszudrücken?
Vom Moment der Geburt an bezeichnet dich die Gesellschaft entweder als männlich oder weiblich. Und sie erwartet von dir, dass du dich entsprechend verhältst. Die Gesellschaft erlaubt Jungen einfach nicht ihre weibliche Seite, und Mädchen nicht ihre männliche Seite auszudrücken. Gleich von sehr jungem Alter an wird eine Hälfte deines Wesens unterdrückt.
Bis zum Alter von sieben, bevor die soziale Konditionierung innerlich tiefe Wurzeln geschlagen hat, ist das Kind nicht bewusst männlich oder weiblich. Deswegen haben die kleinen Kinder einen Sinn für Ganzheit. Sie sind zentriert und sicher. Sie sind so schön und freudvoll anzusehen! Mit dem Alter von sieben geraten die Kinder dann unter die Kontrolle der Gesellschaft.
Ein männliches Kind wird nicht ermutigt, mit Puppen und Küchenutensilien zu spielen. Ein weibliches Kind wird missbilligend angesehen, wenn es mit Rennwagen und Raketen spielen möchte. Selbst wenn es um Farben ihrer Kleidung und andere Belange geht, herrscht Diskriminierung. Du wählst blau für Jungen und rosa für Mädchen.
In früheren Zeiten lag die Verantwortung der Eltern nur darin, das Kind zu gebären. Im Alter von vier Jahren überließen sie das Kind dem Meister eines Gurukul. Im Gurukul wurde den Kindern das Gayatri Mantra gelehrt – ein Initiationsgesang, um die Intelligenz des Kindes im Alter von sieben Jahren zu entfachen. Wenn sie bis zum Alter von 14 Jahren eine irgendwie geartete spirituelle Erfahrung hatten, wurde ihnen das Brahma Sutra gelehrt – das größte Buch über Welt Philosophien, und ansonsten wurde ihnen das Kama Sutra gelehrt – die Wissenschaft der Sexualität, sodass sie die Kunst des Familienlebens erlernten. Wenn sie vor dem Alter von 21 Jahren erleuchtet waren, dann wurden sie in Sannyas eingeweiht. Wenn nicht, dann wurden ihnen die Yoga Shastras gelehrt. So wurde den Kindern ermöglicht, sich unter der Führung und Liebe des Meisters auf eigene Weise zu entwickeln.
Aber jetzt wirkt solch eine starke Konditionierung auf das Kind ein, welche sehr schädlich für es ist. Das Kind beginnt den Teil in sich zu unterdrücken, der nicht von der Gesellschaft gebilligt wird. Wir bemerken das zwar nicht, aber diese Periode ist traumatisch für das Kind. Es fühlt sich plötzlich entwurzelt, abgeschnitten von einer Hälfte seines Wesens. Es beginnt nach der unterdrückten Hälfte im Außen zu suchen.
Die dem Menschen innewohnende Natur ist Erfüllung. Er kam aus der Erfüllung und strebt danach, sie wieder zu erlangen. So beginnt er unbewusst nach seiner verlorenen Hälfte zu suchen, seiner unterdrückten Hälfte. Er beginnt in der äußeren Welt nach einem Ersatz für seine verlorene Hälfte zu suchen. Das männliche Kind beginnt nach einer weiblichen Gegenwart, und das weibliche Kind nach einer männlichen Gegenwart zu suchen.
Das ist der Moment, wo die ganze Idee von Sexualität ihren Anfang nimmt. So etabliert sich die Idee von Sexualität.
In dem Alter von 7 bis 14 Jahren ist das Kind seinen Eltern am nächsten. Von ihnen gewinnt das Kind die Bilder, wie die ideale Frau oder der ideale Mann sein sollte. Für das männliche Kind wird die unterdrückte Hälfte seiner eigenen Persönlichkeit mit dem Bild der Mutter besetzt, und für das Mädchen wird die unterdrückte Hälfte ihrer Persönlichkeit mit dem Bild ihres Vaters besetzt.
Deswegen ist die erste Heldin eines jeden Jungen seine Mutter, und der erste Held eines jeden Mädchen ist der Vater. Dies ist ein ungeschriebenes Gesetz! Diese tiefverwurzelte Suche ist das, was hinter dem sogenannten Ödipus- und Ophelia-Komplex der Freudschen Psychologie steckt. Der Junge erwartet Fürsorge von seiner Frau, wie er sie von seiner Mutter erhalten hat, und das Mädchen erwartet Sicherheit und Vertrauen von ihrem Mann, wie sie sie von ihrem Vater genossen hat.
Im zerbrochenen Zuhause, wo das Kind der Gegenwart des Vaters oder der Mutter beraubt wurde, wegen Tod oder Scheidung, trägt das Kind ein Gefühl von Unvollständigkeit in sich, weil die Prägung von den Eltern die erste und die tiefste ist. Selbst lange nachdem du ein Erwachsener geworden bist, unabhängig davon wie viele Meinungsverschiedenheiten du mit deiner Mutter oder deinem Vater hattest, kannst du niemals ihre Prägung von deinem Wesen entfernen.
Mit 14 Jahren erlangt das Kind körperliche Reife. Natürlicherweise erlauben ihnen die gesellschaftlichen Regeln nicht, die gleiche Nähe mit dem Elternteil des entgegengesetzten Geschlechts beizubehalten wie zuvor, und außerdem werden ihre Aktivitäten vielfältiger und sie verbringen nicht mehr so viel Zeit mit ihren Eltern.
So setzt sich ab 14 die Suche fort, aber diesmal in der äußeren Welt. Heutzutage geschieht dies viel früher als mit 14 Jahren. Heute sind die Kinder schon in sehr jungem Alter dem Fernsehen und dem Internet ausgesetzt. Deswegen entwickeln sie sich geistig schneller. Dies ist jedoch kein gesundes Zeichen. Wie dem auch sei, mit ungefähr 14 Jahren, beginnt die Suche in der äußeren Welt.
Das Kind beginnt nun Bilder von Außenstehenden und Medien zu sammeln. Die Medien sind sich dessen vollkommen bewusst. Deswegen siehst du dass all die Werbungen immer einen sexuellen Unterton haben – eine attraktive Frau oder attraktiver Mann posieren für ein Produkt, selbst wenn das Produkt nichts mit ihnen zu tun hat.
Fast alle Motorradwerbungen zeigen Frauen, und wie viele Frauen fahren Motorräder? Was auch immer das Produkt sein mag, du wirst eine lächelnde Frau sehen, die es empfiehlt. Und wenn du in den Markt gehst, prompt nimmst du dieses Produkt – und hast ganz vergessen, dass diese Frau nicht mitgeliefert wird! Selbst einfache Kekse-Werbung zeigt nur Frauen! Das ist die Art der Medien, deine unterdrückten Wünsche abzukassieren.