KAILASA Library/Living Enlightenment (Gospel of THE SUPREME PONTIFF OF HINDUISM BHAGAWAN SRI NITHYANANDA PARAMASHIVAM)/Sannyas ist das letzte SpielSign in
Living Enlightenment (Gospel of THE SUPREME PONTIFF OF HINDUISM BHAGAWAN SRI NITHYANANDA PARAMASHIVAM)

Sannyas ist das letzte Spiel

Ob es uns gelingt mit anderen Menschen und mit der Existenz in Einklang zu leben, hängt ganz von unserer Einstellung ab. Es hängt davon ab, welche Prioritäten wir in unserem Leben setzen. Was aber geschieht, wenn wir überhaupt keine Prioritäten setzen, was, wenn wir die Dinge einfach so akzeptieren wie sie ihren Lauf nehmen?

Es wird Zeit, über das Thema Entsagung zu sprechen. Entsagung bedeutet nicht, vom Leben wegzulaufen. Entsagung bedeutet, mit dem Leben zu fließen, ohne Widerstand zu leisten. Das Wort Sannyas stammt aus dem Sanskrit und bezieht sich auf einen inneren Zustand des Vertrauens in die Existenz, der uns erlaubt, alle anderen Dinge im Leben loszulassen.

Sannyas...

Eine schöne Geschichte aus dem Leben Buddhas:

Nach seiner Erleuchtung besuchte Buddha viele Orte, predigte sein Dhamma (Lehre) und initiierte viele Menschen in das spirituelle Leben.

Sein Weg führte ihn auch in seinen Geburtsort Kapilavastu. In safranrote Roben gekleidet schritten er und seine Schüler würdevoll durch die Straßen der Stadt. Die Leute liefen zusammen und betrachteten die Mönche mit großer Neugier. Buddhas Frau Yashodhara hörte den Lärm von der Straße und erkundigte sich nach dem Grund. Die Mägde sagten ihr, dass sich die Leute um einen Mönch scharen und dass es sich um niemand geringeren handelt, als um ihren eigenen Gemahl, der als Buddha, eine erleuchtete Seele, zurückgekehrt war. Sie ging nicht hinaus, um ihn zu treffen. Stattdessen rief sie ihren Sohn Rahul zu sich. Rahul wurde in jener Nacht geboren, als Buddha den Palast verließ, um sich auf die Suche nach der Erleuchtung zu begeben.

Sie fragte Rahul: "Siehst du den strahlenden Mann dort, der eine Bettelschale in der Hand hält und dennoch aussieht wie ein König? Es ist dein Vater. Geh hin und frag ihn nach deinem Erbe."

Der Knabe rannte die Treppen hinunter und bahnte sich seinen Weg durch die Menschenmenge bis er vor Buddha stand. Er kniete vor ihm nieder und fragte nach seinem Erbe, wie es ihm seine Mutter aufgetragen hatte. Buddha berührte sanft den Arm des Jungen und zog ihn hoch. Dann zog er dem Jungen sein mit Gold gesäumtes Hemd aus und vertauschte es mit einer safranfarbenen Kutte.

Somit erhielt der sieben Jahre alte Junge sein Erbe. Er war das erste und auch einzige Kind, das je in der Mönchsgemeinschaft Buddhas aufgenommen wurde.

Jemand fragte mich: "Alles auf der Welt entwickelt sich auf natürliche Weise durch den Prozess der Evolution. Der Affe entwickelte sich zum Menschen und das Schlechte zum Guten. Ist es nicht absehbar, dass sich der Mensch letztlich von alleine zu Gott hin entwickeln wird. Wo liegt dann die Notwendigkeit von Inspiration, Meditation, oder Sannyas?

Ich antwortete: "Der Mensch benötigte hunderttausend Jahre, um sich vom Affen zum Menschen zu entwickeln und es würde ebenso lange dauern, um Gott zu werden. Wenn du bereit bist, so lange zu warten, dann von mir aus!"

Andererseits kannst du jetzt, in diesem Moment die Entscheidung treffen, auf bewusste Weise zu leben, indem du die Gesetze des Universums und der Meditation verstehst. Du kannst den Prozess deiner Evolution revolutionieren. Die richtige Revolution führt zur Evolution oder zur Erleuchtung. Sannyas ist diese Revolution, die größte Revolution, die in einem Individuum stattfinden kann. Es bedeutet zu leben, wie ein Paramahamsa, wie ein erleuchtetes Wesen.

In seinem Werk Vivekachoodamani, sagt Adi Shankara, ein erleuchteter Meister aus Bharat, auf sehr schöne Weise:

Für alle Lebewesen ist die menschliche Geburt etwas Seltenes.

Noch seltener ist es, eine sattvische (gute) Einstellung zu haben.

Und noch seltener ist es, die Ausdauer und Standfestigkeit zu haben, den spirituellen Weg zu gehen, wie er in den Veden aufgezeigt wird.

Tausend Jahre nach Shankara markierten diese Worte den Wendepunkt im Leben von Swami Vivekananda, einem erleuchteten Meister aus Bharat. Als Swami Vivekananda sich für sein Abschlussexamen in Jura vorbereitete, schlugen diese Worte wie ein Donnerschlag in ihm ein. Er konnte keine weitere Zeile mehr lesen. Er verließ seine Bücher und rannte aus dem Haus, die Straßen entlang, zu seinem Meister, Ramakrishna Paramahamsa. Während er lief, hallten in seinem Innersten die Worte Shankaras nach. Er dachte: "Ich erfülle alle drei Voraussetzungen. Ich bin als ein menschliches Wesen geboren worden, habe den Wunsch nach Befreiung und zudem habe ich einen großen Meister. Warum bin ich dann immer noch dabei, mein Leben zu vergeuden?" Swami Vivekananda ging den spirituellen Weg, wurde erleuchtet und trug die Mission von Ramakrishna Paramahamsa in die Welt hinaus.

Sannyas ist der Weg für diejenigen, die sich selbst besiegen wollen. Die frei sein wollen von den Klauen der Eifersucht, von Zorn, Stress und Depressionen - für immer. Die Leute denken, nur Verlierertypen entscheiden sich für Sannyas. Nein. Natürlich kann es vorkommen, dass jemand Sannyas nimmt, weil er sonst mit seinem Leben nichts anzufangen weiß. Aber das ist nicht der Sinn von Sannyas.

Sannyas ist die Bemühung, sich zum ersten Mal über die Mechanismen bewusst zu werden, die dich als menschliches Wesen umgeben. Du bist ein Teil der Existenz. Die

Existenz bewegt sich mit einem ihr innewohnenden Mechanismus, mit ihrer eigenen Musik. Mit der Existenz in Einklang zu kommen, ist die Wissenschaft von Sannyas. Es ist eine Beziehung auf der Ebene des Seins – sich in Einklang mit der gesamten Existenz zu befinden. Es ist der kürzeste Weg, um im Leben erfolgreich zu sein.

Um das Lied der Existenz zu hören, musst du dich im richtigen Raum bewegen und um diesen Raum zu finden, musst du zuerst alles Bekannte aufgeben und dem Lied mit intensiver Aufmerksamkeit lauschen. Dann wirst du diesen Raum finden. In diesem Raum fließt das Leben wie ein Fluss, der sich in Richtung Meer bewegt. Jeder andere Weg ist ein Umweg.

Verwandelt sich das Leben zu einem frei fließenden Fluss, muss es sich früher oder später mit dem Meer vereinigen. Es gibt keinen anderen Weg. Sannyas ist die Wissenschaft, mit dem natürlichen Lauf der Existenz zu fließen und schließlich mit ihr eins zu werden.

Vivekachoodamani – das philosophische Werk des erleuchteten Meisters Adi Shankara

Die Veden – Alte, weise Schriften des Hinduismus. Es gibt vier Hauptveden: Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda. Die Texte beschreiben rituelle Handlungen und enthalten viele Geschichten und Gesänge. Hindus betrachten sie als eine Sammlung der Eingebungen von Mystikern und Sehern.

Fließe wie ein Fluss

Ein Fluss bewegt sich immer in Richtung Meer. Er stagniert nirgends. Ebenso bewegt sich ein Sannyasi immer in Richtung seines Zieles, welches nichts anderes ist, als Erleuchtung. Er kennt keine Ablenkungen. Der Fluss fließt unbeeindruckt dahin, auch wenn viele Dinge hineingeworfen werden: Blumen, Zweige, Essen, Tiere, Vögel, Leichen usw. Er lässt sich aber nicht davon beirren und fließt unaufhaltsam weiter in Richtung Meer.

Ebenso bewegt sich ein Sannyasi voller Freude und nichts kann ihn auf seinem Weg aufhalten. Mit Hilfe der Strömung überwindet der Fluss alle Hindernisse und rauscht in Richtung Meer. Außerdem unterstützt die kosmische Intelligenz den Sannyasi dabei, Hindernisse auf seinem Weg zu überwinden. Er kennt keine Hindernisse. Er betrachtet sie als Meilensteine auf seinem Weg zur Glückseligkeit.

Ein Zen-Meister wurde gefragt: "Was ist Zen?"

Seine Antwort war: "Geh weiter!

Im Zen-Buddhismus sagt man, dass das Leben wie ein Fluss dahinfließt und jede Form ausfüllt. Es sprengt seine eigenen Begrenzungen, um seinen Raum zu erweitern. Das ist die Essenz des Lebens und die Essenz von Sannyas. Es bedeutet zu lernen, während man handelt und das Leben sich fortbewegt. Es bedeutet nicht, zu philosophieren. Es ist eine Kraft, kein Dogma. Für einen echten Sannyasi bewegt sich das Leben ohne Anstrengung in die richtige Richtung. Das Lernen findet in der Bewegung statt, nicht abgetrennt davon.

Sannyas bedeutet, die Wahrheit in jedem Moment zu praktizieren. Es gibt genügend Philosophien in der Welt, aber niemanden, der sie befolgt. Sannyas ist einfach eine bewusste Entscheidung, die Wahrheit unmittelbar umzusetzen und zu leben.

Ein Zen-Meister sagte treffend zu seinen Schülern: "Wird die Wahrheit in Form von Philosophie studiert, sammelt man nur Material zum Predigen. Merkt euch, dass das Licht der Wahrheit ohne andauernde Übung verlischt."

Praxis ist nichts anderes, als ununterbrochen in die richtige Richtung zu fließen ohne zu stagnieren. Auch in der Stagnation gibt es Bewegung um das Hindernis. Der Versuch wieder weiter zu fließen beinhaltet eine ständige Bewegung.

Ein Sannyasi bewegt sich mit einer Haltung der Ergebenheit mit der Intelligenz der Existenz. Wenn ich Ergebenheit sage, dann meine ich damit nicht Passivität, sondern aktive Hingabe. Es gibt kein Anhalten. Der Sannyasi lebt im Augenblick, er verhält sich spontan, den Anforderungen des Moments entsprechend. Das ist es, was wir als Fluidität bezeichnen.

Sannyas ist nicht Entsagung

Sannyas wird fälschlicherweise immer mit Entsagung in Verbindung gebracht. Man braucht überhaupt nicht zu entsagen. Man muss nur verstehen, dass man nur ein vorübergehender Verwalter eines Besitzes ist. Der Besitz ist Teil der Existenz, genauso wie du. Deshalb besteht keine Notwendigkeit zu entsagen, denn du hast ja von Beginn an nichts besessen.

Dann wirst du nicht mehr das Gefühl haben, dass du deinen Besitz weggeben musst oder verlierst, auch wenn du dich von ihm trennen musst. Der Ursprung des Problems liegt im Besitzdenken, im Gefühl "Mein-Dein".

Weder muss ein Sannyasi der Welt entsagen, noch muss ein Samsari Angst haben, dass er entsagen muss. Es genügt das bloße Verständnis, dass die Existenz im rechten Moment gibt und im rechten Moment nimmt. Dann weißt du, dass das, was momentan im Leben geschieht, richtig und gut ist. Dadurch entsteht ein mentaler Abstand zwischen dir und deinem Besitz und dieser Abstand wird Entsagung genannt. Es ist nur eine Distanz, eine andere Einstellung zum Besitz, nichts anderes. Das Wort Entsagung wird im Kontext mit Sannyas meist falsch verwendet.

Eine kleine Geschichte: Zwei Mönche begaben sich gemeinsam auf Pilgerreise. Einer war überzeugt, dass man Reichtum ansammeln könne und dadurch Spiritualität praktizieren könne. Der andere folgte streng dem Weg der Entsagung. Sie diskutierten über diese beiden Ansätze. Während sie diskutierten, wurde es dunkel und sie kamen zu einem Fluss, den sie überqueren mussten.

Derjenige, der an die Entsagung glaubte, hatte kein Geld bei sich. Er sagte: "Wir haben kein Geld. Ich schlage vor, dass wir hier die Nacht verbringen. Morgen wird uns schon jemand mitnehmen."

Der andere erwiderte: "Das ist unmöglich. Wir werden von wilden Tieren gefressen, wenn wir hier übernachten. Ich habe Geld bei mir, wir können uns von einem Bootsmann übersetzen lassen."

Nachdem sie den Fluss sicher überquert hatten, fragte er seinen Gefährten: "Verstehst du nun den Wert des Geldes? Wäre auch ich ein Mann der Entsagung, was wäre dann aus uns geworden?"

Der erste antwortete: "Es war deine Entsagung, die es uns erlaubt hat, den Fluss zu überqueren. Es ist uns nur gelungen, weil du dein Geld losgelassen hast."

Entsagung bedeutet zu besitzen, ohne die Idee zu haben, dass man besitzt und sich zu trennen ohne die Idee zu haben, dass man sich trennt. Entsagst du nur deinem Reichtum, wirst du dabei nichts gewinnen, außer Schmerzen, die unweigerlich auftreten, wenn das "Mein" geopfert wird. Sannyas bedeutet, nicht vom "Mein" zu flüchten, sondern es zu transzendieren. Das wiederum ist nur mit einem klaren Verständnis möglich. Wenn du mit Verständnis entsagst, ist es o.k. Andernfalls wird das "Mein" in dir fortleben, egal wohin du gehst. Nicht nur das, wenn du glaubst, dass alles, dem du entsagt hast, wirklich dir gehörte, dann ist das eine richtige Handlung, aber aus einem falschen Grund heraus! Bei bloßer Entsagung des äußeren Wohlstandes, kann man niemals ein Sannyasi werden. Sannyas bedeutet eine Änderung in der inneren, der mentalen Einstellung, nicht ein Änderung in der äußeren, materiellen Einstellung. Wenn man dem materiellen Besitz entsagt, um ein Sannyasi zu sein, tut man etwas Richtiges, aber das Motiv ist verkehrt.

Wohlstand und Sannyas schließen einander nicht aus. In der Tat ist Sannyas die Kunst und die Wissenschaft, makellos Reichtum zu erschaffen.

In den vedischen Schriften liest man dauernd von Begebenheiten, in denen von Überfluss und der Fülle des Lebens die Rede ist. Es gibt keine Anweisungen dieser Fülle zu entfliehen. Sie lehren uns, die Identifikation mit unseren kleinen Besitztümern zu lockern. Wir brauchen nicht vor ihnen zu fliehen oder sie zu hassen. Sannyas bedeutet, die Fülle des ganzen Lebens zu sehen und nicht an den privaten kleinen Besitztümern zu hängen. Es bedeutet zu wissen, dass Reichtum auch eine Manifestation der Existenz ist und nicht die Essenz des Lebens selbst.

Sannyas ist nicht Selbstmord. Es ist Leben. Sannyas bedeutet in der inneren und äußeren Welt in vollkommener Schönheit zu leben.

Verstehe, äußere Schönheit und Reichtum sind keine Feinde, die man auf dem Weg von Sannyas bekämpfen müsste. Sie ergänzen sich. Sannyas fügt der äußeren Schönheit innere Schönheit hinzu und ergänzt den äußeren mit innerem Reichtum. Sannyas gibt uns die Intelligenz, äußeren Reichtum und äußere Schönheit zu besitzen, ohne unter ihnen leiden zu müssen.

Samsari – Einer der im Samsara gefangen ist und dem Kreislauf von Leben und Sterben unterworfen ist

Samsara und Sannyas

Samsara bedeutet wörtlich die Welt oder der Weg. Es bezieht sich auf das weltliche Leben, das die Ursache unzähliger Zyklen von Geburt und Tod ist.

Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Reise zu unternehmen. Man kann mit viel Gepäck und in Begleitung anderer Menschen aufbrechen oder man kann sich ohne Gepäck alleine auf den Weg machen. Im ersten Fall wird man wahrscheinlich sehr lange brauchen. Im zweiten Fall kann man sein Ziel schnell erreichen, sogar in dieser Minute.

Sannyas bedeutet, dass man sich entscheidet, keinen Ballast auf seinen Weg mitzunehmen. Du kannst alles haben, aber du musst es nicht mit dir herumschleppen. Wenn du nichts mit dir herumträgst, bringt dir die Existenz alles, was du in jedem Moment benötigst und das ist Sannyas.

Dazu gibt es eine schöne Geschichte aus Buddhas Leben: Buddha wurde einmal von seinen Schülern gebeten über das Wesen von Sannyas zu sprechen. Er erzählte ihnen eine kleine Geschichte:

Ein Mann lebte viele Jahre alleine auf einer Insel. Plötzlich drängte es ihn, die Insel zu verlassen. Da er kein Boot besaß, versuchte er mit Zweigen, Ästen und Blättern ein Boot zusammenzubasteln. Es war ein schwieriges Unterfangen, aber irgendwie schaffte er es, die Insel zu verlassen und an eine andere Küste zu gelangen.

Buddha fragte seine Schüler: "Soll der Mann nun das Boot, das ihm die Überfahrt ermöglichte, liegenlassen oder soll er es behalten?"

Die Schüler hatten verschiedene Antworten.

Schließlich erklärte er ihnen: "Ein Mann, der von Sannyas durchdrungen ist, trennt sich vom Boot, da er weiß, dass er alles erhält, was er in Zukunft benötigt. Der Mann, der im Samsara lebt, behält es, damit seine Anstrengungen nicht umsonst waren, falls er zurückreist."

Ein Sannyasi geht seinen Weg mit dem Gedanken an die Existenz. Eine Samsari richtet seine Gedanken darauf, wie er existieren kann. Ein Sannyasi benutzt das Boot, um durch den Ozean des Lebens zu segeln. Ein Samsari hält auch dann noch am Boot fest, wenn er es

nicht mehr benötigt. Er weiß nicht, dass er es aufgeben kann. Darin liegt der Unterschied. Es hat nichts mit richtig oder falsch zu tun. Es sind einfach zwei unterschiedliche Wege zu leben.

Lasst mich Sannyas noch im Kontext der Karmatheorie erklären. Sannyas ist wie eine Abkürzung bei der Abarbeitung unseres Karmas.

Karma ist nichts anders, als der Impuls, die unerfüllten Wünsche aus der Vergangenheit zu erfüllen. Sie zwingen dich immer wieder zu einer neuen Geburt, bis sie erfüllt sind. Es ist die eigentliche Ursache des Kreislaufes von Geburt und Tod. Dein Karma zwingt dich immer wieder zu einer neuen Geburt bis es aufgebraucht ist.

Früher oder später musst du drei Dinge tun, um das gesamte Karma restlos aufzubrauchen. Erstens sollte kein frisches Agyama Karma erzeugt werden, da sonst deine Schulden, das Sanchita an deinem Lebensende, vergrößert werden. Zweitens, das Prarabdha, mit dem du gekommen bist, sollte in diesem Leben aufgebraucht werden ohne eine Spur zu hinterlassen. Drittens sollte das Volumen des Sanchita irgendwie verringert werden, damit sich die Anzahl deiner Geburten verringert.

Wird das Prarabhda auf richtige Weise aufgebraucht, wird Agyama nicht erzeugt. Die selbe Intelligenz, die das Prarabdha aufbraucht, wird dafür sorgen, dass kein neues Agyama gebildet wird. Das Sanchita selbst kann nur durch die Gnade eines erleuchteten Meisters eliminiert werden.

Wenn die Fantasie deines Prarabdha grösser ist als deine Intelligenz, dann ist Samsara (Ehe) dein Weg. Ist die Fantasie deines Prarabdha kleiner als deine Intelligenz, dann ist Sannyas der Weg für dich! Auf dem Weg von Sannyas gewinnt deine Intelligenz die Oberhand über dein Prarabdha, bringt es unter Kontrolle und braucht es auf. Auf dem Weg des Samsara lehrt dich das Leben auf verschiedene Arten und du benötigst Millionen von Geburten, um dein Prarabdha aufzubrauchen.

In den Yoga Sutras beschreibt Patanjali einen achtfachen Weg zur Erleuchtung. Alle acht Teile müssen gleichzeitig befolgt werden. Drei davon sind Pratyahara, Dharana und Dhyana. Pratyahara zieht den Verstand nach innen - weg von den fünf Sinnen. Dharana ist das Verschmelzen des Verstandes mit dem inneren Selbst. Dhyana bedeutet Meditation.

Den Verstand von den fünf Sinnen zurückzuziehen, kann nur dann geschehen, wenn der Verstand mit dem inneren Selbst verschmilzt! So kann dein Fuß zum Beispiel erst die unteren Sprosse der Leiter verlassen, wenn der andere Fuß sicher auf der oberen Sprosse steht. Du kannst den unteren Ast des Baumes erst loslassen, wenn du mit der anderen Hand den oberen Ast ergriffen hast. Wir alle glauben, dass wir erst Gott erreichen können, nachdem wir die weltlichen Anhaftungen aufgegeben haben. Nein!

In Wahrheit bist du erst dann in der Lage, weltliche Dinge abzuschütteln, nachdem du Gott erreicht hast. Erst nachdem du THE SUPREME PONTIFF OF HINDUISM BHAGAWAN SRI NITHYANANDA PARAMASHIVAM - das ewige Glück - erfahren hast, kannst du Mithyananda - die weltlichen Fantasien abschütteln.

Wenn du dir der höheren Stufe bewusst wirst, und diese fest ergreifst, kannst du die tiefere Stufe leichter verlassen. Diese Bewusstheit wird Sannyas genannt. Es ist der Prozess, in dem man sich durch ein neues Verständnis auf eine höhere Stufe begibt und so die niedrigere Stufe verlassen kann. In diesem Prozess reift Entsagung als ein Nebenprodukt. Dir wird nämlich klar, dass du außer dir selbst nichts benötigst, um höher hinaufzuklettern. Alles, was du mitnimmst, ist nur Ballast beim Klettern.

Ein Samsari bewegt sich, um seine Fantasien zu verfolgen. Er reist herum, um die Schönheiten der Existenz zu bewundern. Ein Sannyasi sieht bereits alles als göttlich und schön um sich herum. Beginnt ein Samsari sich nach innen zu wenden, wird er zu einem Sannyasi. Bis er den brennenden Wunsch danach verspürt, ist es für ihn besser, weiterhin seiner gewohnten Tätigkeit nachzugehen. Für einen Sannyasi ist der Verstand die ganze Zeit glücklich. Was er erhält, ist das, was er will. Er befindet sich fortwährend in einer Stimmung von dankbarer und willkommener Akzeptanz. Der Verstand eines Samsari ist mit zu vielen Konflikten beschäftigt. Er versucht immer wieder zu bekommen, was er möchte. Mit Intelligenz kann er aber die Wahrheit erkennen:. Er erhält immer das, was für den Moment und für seine höchste Erfüllung notwendig ist.

Der Samsari interessiert sich für materielle Dinge und lebt sein Leben auf eingeschränkte Weise. Der Sannyasi beschäftigt sich mit dem Tod. Dem Tod von allem, das er nicht ist: Ego, Besitzgier, Lust, Zorn, Eifersucht und Unzufriedenheit. Er weiß, dass er etwas ist, das sich jenseits davon befindet – seine Seele. Und seine ganze Anstrengung ist darauf ausgerichtet, sie zu finden. Denn sobald er sie findet, hat er die

höhere Sprosse der Leiter gefunden und endlich kann er die niedere Sprosse, auf der das ganze Hin und Her der Emotionen und der materiellen Dinge passiert, verlassen.

Sannyas ist die Suche nach der Antwort auf die Frage: "Wer bin ich?" Ein Sannyasi nutzt seine gesamte Energie, um eine Antwort auf diese Frage zu finden. Wirst du mit der Frage konfrontiert: "Wer bist du?", wirst du wahrscheinlich antworten: " Ich bin der Sohn von XY, ich bin ein Ingenieur, ich bin ein Professor." Aber diese Worte beschreiben dich nur aufgrund deiner Beziehungen mit der Welt. Gäbe es keine Welt, wer bist du dann?

Die großen erleuchteten Meister und Gründer der Weltreligionen haben die eine Wahrheit auf verschiedene Arten ausgedrückt: Aham Brahmasmi – "Ich bin Das", in der Hindu Tradition oder "Sei still und wisse, ich bin Gott", im Christentum oder Anal Haq – "Ich bin die Wahrheit" in der islamischen Tradition. Zu erfahren, dass man Gott ist, ist die Bestimmung des menschlichen Lebens.

Wenn diese Bestimmung einmal erfahren wird, beginnt sich das innere Glück, von dem alle Meister sprechen, zu entfalten. Dann verstehst du, dass die äußere Welt eine wunderbare Bühne für das göttliche Schauspiel ist. Es ist die endgültige Befreiung von allen weltlichen Schwierigkeiten. Du handelst und doch bist du es nicht, der handelt. Du sprichst und doch bist du es nicht, der spricht. Du weinst und doch bist du es nicht, der weint. Dein inneres Selbst bleibt unberührt. Du befindest dich in ewiger Glückseligkeit, in Nithya Ananda.

Das Problem liegt in der weitverbreiteten Überzeugung, dass Sannyas eine Behinderung des weltlichen Lebens bedeutet. Die Menschen glauben, Sannyas bedeute Ernsthaftigkeit. Nein! Sannyas ist eine Qualität, die es uns ermöglicht, das Leben optimal zu leben. Ernsthaftigkeit wird uns niemals helfen, das ganze Potential des Lebens auszuschöpfen. Nur Aufrichtigkeit und Lachen können dabei helfen. Lachen ist die größte spirituelle Qualität überhaupt.

Ein Meister saß mit seinen Schülern zusammen. Er war in entspannter Stimmung und so fragten ihn die Schüler nach den verschiedenen Abschnitten seiner spirituellen Entwicklung.

Der Meister begann:

"Gott nahm mich bei der Hand und führte mich als erstes in das Land des Dienens. Dort verbrachte ich einige Jahre bis Gott zurückkam und mich in das Land der Traurigkeit führte. Dort überkam mich eine

abgrundtiefe Traurigkeit, aber mit der Zeit konnte ich sie überwinden. Ich war wieder glücklich. Da brachte mich Gott plötzlich in das Land der Liebe. Ich ging durch brennende Emotionen und fand mich danach vollkommen gereinigt wieder. Darauf brachte mich Gott in das Land der Stille. Dort erfuhr ich die Mysterien von Leben und Tod.

Die Schüler fragten: "War dies die letzte Etappe deiner Suche?"

Der Meister antwortete: "Nein, eines Tages sagte Gott: "Heute zeige ich dir das Innerste meines Herzens und er brachte mich in das Land des Lachens."

Sannyas ist deine eigentliche Energie. Wie kann es dann ein Hindernis für irgendetwas sein? Mit der Energie von Sannyas bleibst du immer jung und du bist den Herausforderungen des Lebens gewachsen.

Die Leute fragen mich: "Warum können wir nicht in Samsar bleiben und dort mit dem Bewusstseins eines Sannyasi leben?" Nun, die Natur des Menschen ist derart, dass es sehr schwierig ist, ohne eine bewusste Entscheidung eine dauerhafte Transformation des Bewusstseins herbeizuführen. Sannyas ist die bewusste Entscheidung, das Bewusstsein zu transformieren. Das ist der Grund, warum es notwendig ist, Sannyas zu nehmen. Eine bewusste Entscheidung bewirkt ein ununterbrochenes Gewahrsein und ein ununterbrochenes Gewahrsein verhindert einen Rückfall. Ohne Sannyas gibt es nichts, das einen motivieren würde, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Ohne Sannyas ist es fast unausweichlich, dass man ausrutscht und fällt.

Mit Sannyas wirst du weiterhin das machen, was du jetzt tust, aber auf eine sehr viel effektivere Weise. Sannyas bewirkt in dir, dass du alles aufmerksam zu beobachten beginnst. Du wirst zu einem Zeugen. Aufgrund dieses Beobachtens entsteht ein Abstand zwischen dir und der anderen Person. Dieser Abstand wird als Entsagung missverstanden. Wenn du acht gibst, war der Abstand vorher nicht da. Jeder erstickte den anderen. Jetzt ist ein Zwischenraum da. Kein räumlicher Zwischenraum, sondern ein Abstand der Bewusstheit.

Sannyas bedeutet auch, ein Leben ohne die Bürde der inneren Frau oder des inneren Mannes zu führen. Was meine ich mit der inneren Frau oder dem inneren Mann? Die sexuelle Lust liegt in deiner Psyche verborgen. Es sind Fantasien, die du mit deinem Verstand erzeugt hast. Shiva erläutert im Tantra: "Ein Mann, der seine innere Frau verlassen hat, - in seiner Psyche - ist ein Sannyasi, auch wenn er noch in einer Familie lebt. Andererseits kann ein Mann nicht als Sannyasi

bezeichnet werden, wenn Gedanken an eine Frau in ihm fortbestehen." Dies ist der Maßstab, um festzustellen, ob jemand ein Sannyasi ist oder nicht.

In den Lehren Buddhas handelt die zweite der vier noblen Wahrheiten von den Ursachen des Leidens. Er sagt auf treffende Weise, dass die Ursache unseres Leidens auf Ansprüche zurückzuführen ist, die wir in jedem Moment an das Leben stellen. Es ist, als ob man von einem Bananenbaum verlangen würde, Mangos hervorzubringen! Wir können unsere Angewohnheit erst richtig erkennen, wenn wir mehr Bewusstheit in unser Leben hineinbringen.

Darüber hinaus kannst du bei genauer Beobachtung die Vorgänge erkennen, die in Beziehungen ablaufen. Du siehst, dass alle Beziehungen von Erwartungen beherrscht werden. Du siehst die Hintergedanken bei allen Handlungen.