Freude und Schmerz – Zwei Seiten einer Medaille
Eine kleine Geschichte: Ein Schüler ging zu seinem Meister und sagte: "Meister, ich bin nicht imstande, zu meditieren. Meine Beine schmerzen und ich bin zerstreut." Der Meister sagte nur: "Das geht vorbei."
Nach zwei Wochen kehrte der Schüler zum Meister zurück. Dieses mal sagte er: "Meine Meditation ist nun gut, ich verharre in einem gesammelten und glückseligen Zustand."
Der Meister antwortete wiederum: "Das geht vorbei."
Freude und Schmerz haben dieselbe Wurzel. Es ist die gleiche Empfindung mit zwei Namen. Es ist ungefähr so: Ein Masseur gibt zwei Personen eine Massage. Der eine findet, dass es eine schöne, erfrischende Erfahrung war, während der andere meint, nichts als Schmerzen gespürt zu haben. Je nach Person, kann dieselbe Massage als angenehm oder schmerzhaft erlebt werden.
Das Leben besteht aus diesen beiden Gegensätzen – Freude und Schmerz. Beide, Freude und Schmerz sind ein Produkt des Verstandes. Das Denken bewegt sich immer von einem Extrem in das andere. Es findet seinen Platz selten in der Mitte. Von der Freude bewegst du dich zum Schmerz und vom Schmerz zur Freude. Wie wir vorher gesehen haben, sind Schmerz und Freude vollkommen von der Person abhängig, die diese Erfahrung macht. Du magst etwas als Freude empfinden und eine andere Person empfindet es als Schmerz.
In der Bhagavad Gita, die die verschiedenen Pfade zur Erleuchtung lehrt, sagt der erleuchtete Meister Krishna auf schöne Weise: " Derjenige, der alles gleich ansieht und behandelt, Freude und Schmerz, einen Stein und ein Stück Gold, Lob und Tadel, Ehre und Schmach, Freund und Feind, von dem wird gesagt, dass er über die Natur hinausgegangen ist. Freude und Schmerz sind gleichbedeutend für ihn und er ist bereit für die Erleuchtung.
Befreie dich von Freude und Schmerz
Buddha, ein erleuchteter Meister, sagte: "Befreie dich sowohl von Freude, als auch von Schmerz." Genusssucht und Schmerzvermeidung sind zwei Aspekte derselben Sache. Beide sind wie Ketten. Schmerz mag aussehen wie eine hässliche Kette und Freude mag aussehen wie eine schöne Kette. Wie der Tag auf die Nacht folgt und die Nacht auf den Tag, wechseln Freude und Schmerz einander ab.
Wenn du einmal verstehst, dass Freude und Schmerz nur das Werk deines Verstandes sind, wirst du merken, dass sie nur vorübergehend sind. Sie kommen und gehen wie Seifenblasen. Es ist gar nicht notwendig, dass jemand kommt, um dir deine Freude wegzunehmen, denn dein Verstand wird seiner Natur gemäß wie ein Pendel zum anderen Extrem, dem Schmerz, hinüberschwingen.
Der einzige Weg liegt darin, beide, Freude und Schmerz, zu transzendieren. Das bedeutet nicht, die Freude zu unterdrücken und den Schmerz zu vergessen. Es ist Bewusstheit, die Schmerz in höchstes Glück verwandelt – es ist die Energie, die existiert, egal wie die äußere Situation sein mag. Glückseligkeit ist deine eigentliche Natur und kann nicht verloren gehen. Nur wegen deines Widerstandes gegen die gegenwärtigen Geschehnisse, geht diese Glückseligkeit verloren und du fühlst Schmerzen.