Was sind Sorgen?
Eine kleine Geschichte: In großer Aufregung betrat ein Mann eine Bar.
Der Barkeeper fragte ihn: "Was ist los? Sie haben bestimmt ein großes Problem."
Der Mann sagte: "Meine Frau und ich haben uns gestritten und meine Frau drohte mir, dass sie für einen Monat nicht mehr mit mir reden werde."
Der Barkeeper beruhigte ihn: " Das ist nicht so schlimm. Ein Monat geht schnell vorbei."
Der Mann sagte: " Ich weiß, der Monat ist heute vorbei."
Jeder hat sein eigenes Bündel von Sorgen. Wenn ich dich frage, über was du dich sorgst, antwortest du vielleicht: "Ich habe keinen Job, das ist meine Sorge." Dein Nachbar sagt vielleicht: " Mein Job ist meine größte Sorge." Noch jemand sagt: "Meine Kinder sind die Ursache meiner Sorgen.". Wieder ein anderer sagt: "Ich habe keine Kinder, das ist meine Sorge." Was für den einen ein Traum ist, ist eine Sorge für den anderen! Du wirst hier überhaupt keine Logik finden können.
Was ist mit "Sorge" gemeint? Sorgen tauchen immer dann auf, wenn sich die Dinge nicht so entwickeln, wie sie sich entsprechend deinen Wünschen entwickeln sollten. Es ist die fehlende Übereinstimmung zwischen deinen Wünschen und der Realität. Du möchtest zum Beispiel, dass dein Sohn bei dir zu Hause bleibt, während er für sich alleine sein möchte - weg von dir. Du möchtest ein gewisses Projekt innerhalb einer gewissen Zeit abschließen. Aber alles geht zu langsam und es scheint ein aussichtsloses Unterfangen. All das sind Gründe für Sorgen. Was du dir wünschst und erwartest, stimmt nicht mit dem überein, was andere sich wünschen und erwarten.
Wie entstehen Sorgen
Sorgen entstehen aus deinen eigenen Gedanken und Worten. Diese manifestieren sich in dir fortlaufend als Dialog oder als Monolog, was ich auch als inneres Geschwätz bezeichne. Entweder sprichst du zu Menschen außerhalb von dir oder du redest andauernd mit dir selbst. Jedenfalls bilden Gedanken und Worte die Bausteine, aus denen die Sorgen zusammengesetzt sind.
Wenn du zu anderen sprichst, ist das, was du sagst, streng von gesellschaftlichen Normen reglementiert. Du benutzt zum Beispiel automatisch keine verbotenen oder unangemessenen Worte. Was du aber innerhalb dir selber sagst, weiß niemand außer dir. Die Gedanken, die du im Inneren erzeugst, bilden deine eigentlichen Sorgen.
Es ist ungefähr so: Es gibt in dir einen Strom von Gedanken, der sich vierundzwanzig Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr ununterbrochen fortbewegt. Von diesem Strom erheben sich einige Gedanken, die du dann als Sorgen fühlst und ausdrückst. Sorgen sind nichts anderes, als Erhebungen im Gedankenstrom, der sich kontinuierlich in dir fortbewegt.
Die Gedanken sind überwiegend negativer Art. Das ist das Problem. Wenn ich dich bitten würde, deine Lebensgeschichte auf einigen Seiten niederzuschreiben, würdest du einige Zwischenfälle hervorheben und beschreiben, wann und wo du in Schwierigkeiten warst. Du würdest nicht die vielen freudvollen Begebenheiten herausheben, die sich dazwischen abspielten. Unser Denken ist in einer Weise geschult worden, dass es nur negative Dinge festhält. Sogar im Falle eines freudigen Ereignisses, erinnerst du dich nur an den Moment, als es endete, nicht aber an die freudigen Momente selbst. Denn sogar auf dem Höhepunkt eines freudigen Erlebnisses bist du immer in Sorge, wann die Freude enden wird. Der Verstand wird von Kindheit an geschult, das Leben als eine Abfolge von Sorgen und Schmerzen, nicht von freudigen Ereignissen anzusehen.
In einem Klassenzimmer bemerkte die Lehrerin einen Jungen, der ein sehr bekümmertes Gesicht machte.
Sie fragte ihn: " Was ist passiert? Du schaust so traurig drein?"
Der Knabe antwortete: "Es ist wegen meiner Eltern. Mein Vater arbeitet den ganzen Tag, damit ich schöne Kleider und eine gute Ausbildung bekomme. Er kauft mir alles, was ich möchte. Meine
Mutter kocht das beste Essen für mich und umsorgt mich von früh morgens bis ich ins Bett gehe".
Die Lehrerin fragte: "Wo ist dann dein Problem? Warum bist du so bekümmert?".
Der Junge antwortete: "Ich habe Angst, dass sie weglaufen".
Der Verstand hat nur mit Schmerz eine klare Identität, niemals mit Freude! Aus diesem Grunde ist es sogar schmerzhaft, sich an freudige Ereignisse zu erinnern.
Freudige Erlebnisse werden nie als Gedanken aufgezeichnet, Schmerzen aber schon. Deshalb bestehen unsere inneren Aufzeichnungen immer aus negativen Gedanken. Freude ist wie eine leere Aufzeichnung. Wenn wir uns unser Leben als eine Zeitachse vorstellen, so gibt es auf dieser Achse bei den freudigen Momenten nur leere Stellen! Es gibt dort keine entsprechenden Aufzeichnungen. Aber die schmerzlichen und sorgenvollen Momente sind klar als schwarze Eindrücke vermerkt.
Sieh, was ist, so wie es ist – und lass es hinter dir
Buddha, der erleuchtete Meister, benutzte das Wort Tathata - die Dinge so sehen, wie sie SIND. Es bedeutet die Realität so sehen, wie sie ist, ohne jede Beurteilung.*
Die meiste Zeit sehen wir die Dinge jedoch verzerrt durch unsere Sorgen. Es gibt das Sprichwort: "Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind. Wir sehen die Dinge, wie wir sind." Wenn du meinst, es ist etwas falsch mit dem, was du gerade siehst, dann solltest du dein Inneres beobachten, denn was du außerhalb von dir siehst, ist nur eine Reflexion deines Inneren. Wenn du reine Liebe in dir fühlst, siehst du auch reine Liebe außerhalb von dir. Es ist immer von dir abhängig, was du siehst, nicht von den Objekten, die du siehst.
Wie kannst du Gedanken von dem fernhalten, was wirklich IST? Wie kannst du jederzeit, jeden Moment genießen.
Probiere diese einfache Technik. Wenn du irgendetwas siehst - sagen wir eine Person oder eine Situation oder ein Buch oder sonst was tauchen in dir normalerweise gleichzeitig alte Gedanken und vertraute Reaktionen auf. Nun versuche durch erhöhte Aufmerksamkeit nicht auf diese Gedanken und Reaktionen einzugehen, sondern stelle dir bildhaft vor, wie du diese zerschmetterst. Als nächstes, sieh die Situation, die Person oder das Objekt mit einem frischen Blick, als ob du alles zum ersten Mal sehen würdest! Du wirst augenblicklich sehen, was dir alles wegen deiner Sorgen und Gedanken entgangen ist.
Auch wenn du deinen Ehemann, deine Frau, deinen Bruder oder sonst jemanden siehst, betrachte sie als ob du sie zum ersten Mal sehen würdest. Du wirst merken, dass nicht nur keine Sorgen mehr in dir hochkommen, sondern du siehst jeden Menschen gleich – egal, ob er dir fremd oder vertraut ist. Das ist der richtige Weg. Niemand ist vertraut oder unveränderlich. Sogar deine Frau ist dir nicht bekannt. Jeder verändert sich jeden Moment andauernd, zusammen mit der gesamten Existenz. Nur unser Verstand versucht Beständigkeit in die Unbeständigkeit hinein zu projizieren.
Wenn du einmal begonnen hast, die Dinge zu sehen, wie sie sind, wird sich all deine Energie in dir vereinigen. Es gibt keine Sorgen mehr, keine Konflikte mehr.
Jemand fragte den berühmten hindu Philosoph J. Krishnamurti, wie man mit dem, was IST, in Einklang sein kann. Er antwortete auf schöne Weise: " Du brauchst dem, was IST nur keinen Namen zu geben, und du wirst sehen, dass du im Einklang bist."*
Wenn wir etwas sehen, versuchen wir uns normalerweise damit zu identifizieren oder es zu verurteilen. Wenn dir zum Beispiel jemand sagt, dass du arrogant bist, dann kannst du es entweder akzeptieren oder du versuchst nicht arrogant zu sein. Du versucht nicht, Arroganz zu verstehen oder über sie hinauszugehen. Du kannst sie nur innerhalb deines vertrauten Bezugsrahmens verstehen. Deshalb bist du in einer begrenzten Anzahl von Möglichkeiten gefangen. Um wirklich zu verstehen, musst du über diese begrenzte Sichtweise hinausgehen. Um das zu tun, musst du aufhören, die Arroganz als Arroganz zu bezeichnen, das ist alles. Es wird keine Arroganz mehr da sein. Nur wenn du sie benennst, beginnt der Konflikt. So siehst du, was wirklich IST - indem du keine Namen gibst.
Wenn du das, was ist, so siehst, wie es ist, bist du im Himmel. Wenn du siehst, was du sehen willst, bist du in der Hölle. Wenn du verstehst, dass nichts besser sein kann, als wie es gerade ist, wirst du deine Erwartungen fallen lassen und die Dinge sehen wie sie sind. Denn alles ist vollkommen, so wie es ist.
Eine kleine Geschichte: Ein Schüler fragte den Meister immer wieder: "Meister, wo ist das Paradies?"
Schließlich fragte ihn der Meister eines Tages: "Willst du es wirklich wissen?"
Der Schüler antwortete voller Erwartung: "Ja!"
Der Meister sagte: " Gut, mein erster Schüler Hemachendra ist im Paradies." Nachdem er diese Worte sagte, schloss er die Augen und begann zu meditieren.
Der Schüler wusste, dass viel Zeit vergehen würde, bevor der Meister seine Augen wieder öffnet. So ging er zu einigen anderen Schülern und fragte sie, ob Sie wissen, wo Hemachendra wohnen würde. Niemand wusste aber davon.
Schließlich sagte ein Schüler: "Ich weiß den Weg dorthin, bin selbst aber noch nie dort gewesen. Seine Hütte befindet sich in einem tiefen Tal, hinter einer Kette von schneebedeckten Bergen.
Der Schüler notierte sich sorgfältig die Hinweise und begab sich zum Meister. Er sagte: " Meister, ich möchte Hemachendra einen Besuch abstatten!"
Der Meister war tief in seine Arbeit vertieft und ohne aufzuschauen antwortete er: "Mach nur!"
Der Schüler begann seine Reise. Er kämpfte gegen alle Unbilden der Natur und wanderte viele Tage in Sonne, Regen und Schnee. Er war total erschöpft und dem Tod nahe. Er benötigte hundert Tage um das Tal zu erreichen. Als er es schließlich erreichte, betrachtete er das Tal und dachte: "Dieses Tal ist nichts Besonderes. Ich habe schon viel schönere Täler gesehen. Warum nur hat der Meister es Paradies genannt?"
Er schaute herum, ging weiter und entdeckte schließlich Hemachandras Hütte. Hemachandra freute sich sehr, ihn zu sehen. Er bereitete ihm was zu essen und erkundigte sich über das Befinden des Meisters und seiner Schüler.
Gleichzeitig fragte sich der Schüler dauernd: "Der Meister nannte dies ein Paradies, ich kann es nicht glauben."
Nachdem er eine Woche in dem Tal verbracht hatte, machte er sich auf den Rückweg zu seinem Meister, für den er wiederum hundert Tage benötigte.
Er suchte geradewegs seinen Meister auf, und sagte: "Du sagtest dieser Platz sei das Paradies, aber was ich gesehen habe, war der gewöhnlichste Ort den ich kenne."
Der Meister antwortete: "Oh Gott, hättest du mir damals Genaueres über dein Vorhaben erzählt, hätte ich dir die Wahrheit gesagt."
Der Schüler fragte: "Was ist die Wahrheit?"
Der Meister antwortete: "Hemachendra ist nicht im Paradies. Das Paradies ist in ihm!"
Wenn du eng mit der Existenz zusammenlebst und ohne Erwartungen bist, wenn du die Dinge siehst, wie sie sind und sie zu schätzen weißt, wirst du den Himmel in dir tragen. Der Himmel ist nicht geographisch, er ist psychologisch. Er ist nicht physisch, er ist mental. Wenn du dich entscheidest, kannst du gerade jetzt im Himmel sein.
Buddha – Erleuchteter Meister und Gründer des Buddhismus. J. Krishnamurti – Berühmter hindu Philosoph
Sorgen, ein weitergegebenes Erbe
Sorgen sind ein ungewolltes Erbstück, das von den Großeltern zu den Eltern und dann zu deren Kindern weitergegeben wird. Kinder sind wie Schwämme. Sie absorbieren einfach die Körpersprache und Einstellung der Eltern. Den Eltern ist gar nicht bewusst, dass dies geschieht. Wenn ein Bub zum Beispiel hört, wie seine Mutter vier oder fünfmal dieselbe Besorgnis ausspricht, dann wird diese Gewohnheit verinnerlicht. Er wird fortan Bemerkungen unnötigerweise wiederholen, was ein Charakteristikum der Sorge ist.
Schließlich nimmt er als Erwachsener diese Gewohnheit, sich Sorgen zu machen mit in die Ehe und dann müssen beide, er und seine Frau damit fertig werden, obwohl es eigentlich die Sorge der Mutter war. Sie werden sie dann an ihre Kinder weitergeben, außer sie hören auf die Sorgen zu benennen und lernen mit dem zu leben, was IST.
Ein Mann versuchte sein Kind in einen Kinderwagen zu legen. Das Kind schrie aus voller Kehle. Der Mann wiederholte dabei immer wieder: " Bleib ruhig Georg. Schrei nicht. Es wird alles gut."
Seine Frau sagte zu ihm, er solle still sein.
Eine Dame, die all dies mit ansah, sagte: "Warum sind sie so grob zu ihm. Er tut sein Bestes um das Kind zu beruhigen."
Die Frau schaute sie mit Groll an und sagte, indem sie auf ihren Mann zeigte: "Er selbst ist Georg."
Wenn Eltern dauernd ihre Sorgen ausdrücken, wachsen die Kinder heran und denken, dass das Leben nur wegen der Sorgen weitergeht! Verstehe, dass das Leben nicht wegen uns weitergeht, sondern trotz uns!
Das Problem ist, dass die Eltern von ihren Kindern erwarten, dass sie sich sorgen! Wenn sie sich um nichts sorgen, werden sie als verantwortungslos gebrandmarkt. Es ist möglich verantwortungsbewusst zu sein, ohne sich zu sorgen. Verantwortungsbewusst zu sein, heißt etwas tun, sich zu sorgen heißt nur zu schwätzen. Es ist nutzlos zu schwätzen. Schwätzen ist, wie wenn man versucht eine Brücke zu überqueren, bevor sie kommt.
Ein junger Mann fuhr seine Mutter in das Nachbardorf. Als sie sich dem Dorf näherten, erinnerten sie sich, dass sie bald eine alte, desolate Brücke überqueren müssten.
Die Mutter wurde ängstlich und sagte: "Diese Brücke mit dem Auto zu überqueren ist lebensgefährlich."
Der Sohn sagte: "Lass uns zuerst sehen, in welchem Zustand sie ist, wenn wir dort sind."
Die Mutter sagte: " Ich bin mir sicher, dass sie zusammenbricht, wenn wir versuchen sie zu überqueren."
Der Sohn antwortete: "Lass uns sehen wie stark sie ist. Wir werden nicht darüberfahren, ohne sie zuerst sorgfältig inspiziert zu haben."
Die Mutter sagte: "Sollte dir oder mir etwas passieren, wird mir das dein Vater niemals verzeihen." Auf dies Weise jammerte sie weiter und wurde immer aufgeregter.
Als sie die Brücke schließlich erreichten, stellten sie fest, dass die alte Brücke durch eine neue ersetzt worden war.
In diesem Zusammenhang müssen wir zwei Dinge unterscheiden und verstehen: Die chronologische Planung und die psychologische Sorge. Eine chronologische Planung ist notwendig, um einen Ablaufplan zu erstellen, damit bestimmte Aufgaben oder Projekte durchgeführt werden können. Zum Beispiel planst du folgenden Tagesablauf: Du stehst um sechs Uhr auf und machst deine Meditation. Um sieben Uhr nimmst du eine Dusche und um acht Uhr machst du dich auf den Weg ins Büro. Um fünf Uhr beendest du deine Arbeit und um sechs Uhr bist du wieder zu Hause.
Diese Art von Planung ist vollkommen in Ordnung. Aber bevor du zu den einzelnen Aufgaben deines Tagesablaufs kommst, beginnst du dir darüber Gedanken zu machen. Du denkst über Sinn und Sinnlosigkeit, Vor- und Nachteile der anstehenden Aufgaben nach. Dies ist psychologische Sorge!
Das ist nicht nötig. Chronologische Planung ist in Ordnung, aber psychologische Sorge ist nicht notwendig. Es ist so, als ob man versucht eine Brücke zu überqueren, noch bevor sie da ist.
Soviel Energie wird aufgewendet, um sich zu sorgen – und das ohne den geringsten Nutzen. In der Geschichte, die ich eben erzählte, ist nicht gemeint, dass der Sohn nicht vorsichtig wäre. Er ist vorsichtig, ohne sich zu sorgen, das ist alles. Warum über die Brücke nachsinnen, bevor sie da ist?
Du kannst die festen Teile deines Hauses, wie Teppiche und Böden, reinigen, was aber ist mit dem Raum, der das Haus ausfüllt? Dieser Raum enthält die Energie, die im gesamten Haus zirkuliert. Er nimmt all die Gedanken auf, die von dir ausgestrahlt werden. Er bestimmt die eigentliche Stimmung im Haus. Deine Gedanken und Sorgen hängen wie Spinnengewebe im Raum deines Hauses. Das ist der Grund, warum beim Betreten deines Hauses immer die gleichen Gedankenprozesse in dir ablaufen. Die Gedankenmuster, welche sich im Raum deines Hauses befinden, ergreifen dich, sobald du in das Haus zurückkehrst. Verstehe, dass sich deine geistige Einstellung im Raum deines Hauses festsetzt.
Das große Problem liegt darin, dass du dich so an deine Gedankenmuster gewöhnst, dass du zu einer Insel wirst, die vom Wohlgeruch des Festlandes abgetrennt wird. Du wirst vom Duft der Existenz wegen deiner Sorgen abgeschnitten. Du übersiehst die Wunder der Existenz, die andauernd um dich herum geschehen. Du vergisst dankbar zu sein, erinnerst dich aber, dich dauernd zu beschweren. Du vergisst zu lachen, du erinnerst dich aber an deine Kümmernisse. Du vergisst das Glück, erinnerst Dich aber an Stress. Sich dieser negativen Dinge zu erinnern, wird zu einer festen Gewohnheit.
Gewahrsein, das gutartige Virus
Was ist das Mittel gegen diese falsch programmierte Software des Verstandes?
Das Mittel heißt: intensives Gewahrsein. Intensives Gewahrsein ist wie ein gutartiges Virus, falls es so etwas überhaupt gibt! Wenn das Gewahrsein einmal in dein System hineinkommt, wird es schließlich in deine Sorgen - Software eindringen und sie zerstören und das geschieht umso schneller, je mehr du dir deines Verstandes gewahr wirst.
Gewahrsein ist nichts anderes, als dass wir unsere Aufmerksamkeit genau auf das richten, was in uns und um uns herum passiert. Wir sehen alles als Zeuge, als unbeteiligte Beobachter. Jedes Ding, das wir mit Gewahrsein betrachten, löst sich auf. Das ist die Macht des Gewahr Seins. Egal, ob es sich um körperlichen oder mentalen Schmerz, Sorgen oder sonst was handelt, wenn wir mit Gewahrsein beobachten, stoppen wir den Konflikt, der sich irgendwo in uns abspielt. Wir bewegen uns nun in Einklang mit dem natürlichen Lauf der Dinge.
Sorgen mit Gewahrsein zu betrachten, bedeutet Licht auf die Sorgen zu werfen. Dabei können wir genau erkennen, wie sie erschaffen werden und wie sie existieren. Wenn das einmal passiert, beginnen sich die Sorgen aufzulösen und Klarheit beginnt sich durchzusetzen.
Dazu eine kleine Geschichte von Buddha und seinen Schülern: Eines Tages erschien Buddha zum üblichen morgendlichen Vortrag vor seinen Schülern. Er hatte ein geknotetes Taschentuch in der Hand. Er zeigte es den Schülern und fragte, ob jemand herkommen und den Knoten lösen könnte.
Ein Schüler kam und versuchte ihn zu lösen. Er zog und zog, und der Knoten wurde immer fester. Ein anderer Schüler kam heraus, betrachtete den Knoten für einige Sekunden und löste ihn leicht auf.
Alles was er tat war den Knoten zu betrachten und sogleich erkannte er wie der Knoten überhaupt geschlungen war. So brauchte er nur mehr die Verschlingung rückgängig zu machen und ihn zu lösen. Der Knoten selbst zeigte ihm wie er aufzulösen war.
Die Knoten im Taschentuch entsprechen den Sorgen im Leben. Wenn wir diese mit Gewahrsein betrachten, werden wir erkennen, wie sie aufzulösen sind. Wir sehen genau, wie die Sorgen gemacht sind und wie sie rückgängig gemacht werden können. Die Sorge selbst lehrt uns, wie wir uns von ihr befreien können.
Buddha – Erleuchteter Meister und Gründer des Buddhismus.
Arbeite mit Inspiration – nicht mit Sorge
Wenn du es genau beobachtest, wirst du merken, dass die Ziele, die wir uns setzen, immer Sorgen in uns erzeugen. Wir nähern uns unseren Zielen immer mit unserer Sorge über das Endresultat.
Krishna, ein erleuchteter Meister aus dem alten Bharat, sagt in der Bhagavad Gita, einer alten hinduistischen Schrift, auf schöne Weise: " Die Person, die in allem weder Gewinn noch Verlust erwartet, arbeitet glücklich und braucht nicht einmal eine Motivation."
Wenn du dir über das Ergebnis Gedanken machst, dann beeinträchtigen gerade diese Gedanken das Ergebnis. Denn deine Handlungen werden beeinträchtigt, wenn du dich sorgst. Arbeit sollte immer aus einer Inspiration heraus getan werden, nicht aus Sorge heraus. Die Motivation für jede Arbeit sollte Inspiration sein, nicht Sorge. Inspiration ist eine überfließende Energie, die deine Leistungsfähigkeit erhöht. Sie ist ein richtiger Energiespender. Sorgen auf der anderen Seite bewirken, dass deine Leistungsfähigkeit sinkt. Sie schränken deine tatsächlichen Fähigkeiten ein, da sie dich der Energie berauben.
Wenn du aus Sorge heraus arbeitest, bist du nur auf das Ergebnis fixiert. Wenn du aus Inspiration heraus arbeitest, machst du dir keine Gedanken wegen der Ergebnisse. Du bist nur darauf aus, die Aufgabe hundertprozentig zu erfüllen. Jede Arbeit, die mit Inspiration gemacht wird, bringt automatisch gute Ergebnisse mit sich. Auch wenn das erwartete Ergebnis nicht kommt, fühlst du dich deshalb nicht schlecht, denn du hast durch die Arbeit selbst eine tiefe Genugtuung erfahren. Die Arbeit an sich erfüllt dich.
Krishna– Erleuchteter hinduistischer Meister, der die Wahrheiten der Bhagavad Gita übermittelte.
Hindu – Anhänger des Hinduismus, welche auf über eine Milliarde Menschen geschätzt werden.
Bhagavad Gita – historische hinduistische Schrift, die von Krishna verfasst wurde und als die Essenz der Upanischaden gilt.
Gib den Sorgen keinen Raum in dir
Wenn du ohne Erwartungen lebst, bist du bereits erfüllt. Dann gibt es keinen Raum, in dem Unzufriedenheit und Sorge gedeihen könnten. Wenn du keine Sorgen hast, dann siehst du die Dinge, wie sie sind. Du sorgst dich nicht über das, was sein könnte und was nicht sein könnte. Bei den Sorgen ist es so, dass sie nur dann existieren, wenn du ihnen einen Raum gibst. Der Raum für die Sorge ist die Vergangenheit oder die Zukunft. In der Gegenwart gibt es keinen Raum für sie.
Eine kleine Geschichte: Eine Mutter bereitete Essen für ihren kleinen Sohn. Sie schüttete eine Dose Bohnen in eine Pfanne und stellte sie auf den Herd, als das Telefon läutete. Sie erwartete den Anruf und wollte ihn beantworten, war aber besorgt, das Kind für einige Minuten allein in der Küche zurückzulassen.
Sie sagte zu ihm mit erhobener Stimme: "Bleib hier während ich telefoniere. Ich bin gleich zurück. Stell nichts an und vor allem steckedir die Bohnen nicht in die Nase!"
Wir sorgen uns nicht nur andauernd darüber, was geschieht, sondern sogar darüber, was geschehen könnte. Der Bub hat sicher nicht im Entferntesten daran gedacht, sich die Bohnen in die Nase zu stecken. Seine Mutter hat ihn nun aber mit dieser Idee bekannt gemacht. Sorgen erwecken viele Dinge zum Leben, die es vorher gar nicht gegeben hat. Wenn nun der Junge beim Essen die Bohnen in die Nase steckt, werden sich ihre Sorgen als berechtigt erweisen und sie wird daraus folgern, dass ihre Sorgen immer richtig sind.