KAILASA Library/Living Enlightenment (Gospel of THE SUPREME PONTIFF OF HINDUISM BHAGAWAN SRI NITHYANANDA PARAMASHIVAM)/Gott und der MeisterSign in
Living Enlightenment (Gospel of THE SUPREME PONTIFF OF HINDUISM BHAGAWAN SRI NITHYANANDA PARAMASHIVAM)

Gott und der Meister

Der Dichter und Mystiker Kabir drückt es sehr schön aus: "Meister und Gott, beide erscheinen vor mir. Vor wem soll ich mich niederwerfen?*

Ich verbeuge mich vor dem Meister, denn er hat mich mit Gott bekannt gemacht."

Bei einer Diskussion mit seinen Schülern bezeichnete Vivekananda seinen Meister Ramakrishna Paramahamsa* als Gott. Ein Schüler wandte ein: "Dies ist sicherlich eine extreme Ausdrucksweise. Ich bin damit einverstanden, dass der Meister erleuchtet ist, aber wie kann er Gott sein?"*

Vivekananda fragte ihn: "Was weißt du über Gott?" Der Schüler antwortete: "Oh, Gott ist allmächtig, allwissend und allgegenwärtig."

Vivekananda fragte: "Was meinst du mit allgegenwärtig?" Der Schüler sagte: "Gott ist überall." Vivekananda sagte: "Gewiss müsstest du dann in der Lage sein, ihn zu sehen." Der Schüler war verwirrt und wusste nicht mehr, was er antworten sollte.

Vivekananda fuhr fort: "Gott ist für dich nur ein Konzept, das du nicht sehen kannst, ein Gedankenkonstrukt, das du weder kennen noch begreifen kannst. Der Meister aber ist Gott zum anfassen."

Jemand hat mich gefragt, was der Unterschied zwischen Meister und Gott sei.

Ich fragte ihn: "Was weißt du schon von Gott? Dein Wissen besteht nur aus Worten und Konzepten. Du hast keine Ahnung, wovon du redest, wenn du das Wort Gott in den Mund nimmst. Gott ist nur eine Idee für dich. Du stellst dir Gott als höchste Energie oder universales Bewusstsein oder sonst was vor. Das sind alles nur Worte, die sich auf etwas beziehen von dem du überhaupt keine Ahnung hast."

Im Brahmanda Purana steht:*

Der Meister ist Shiva ohne seine drei Augen Vishnu ohne seine vier Arme Brahma ohne seine vier Köpfe Er ist Parama Shiva selbst in menschlicher Form*

Der Meister ist echt, ein reiner Ausdruck der höchsten kosmischen Energie. Er ist hier und jetzt. Er ist in der Gegenwart, ja er ist die Gegenwart. Er ist die Brücke zwischen dir und deinem Konzept von Gott. In diesem Sinne übertrifft er Gott.

Die Leute fragen mich: "Bist du Gott?" Ich antworte ihnen: "Du weißt nicht, wer oder was Gott ist. Wie kannst du mich dann fragen ob ich Gott bin?" Gott kann nicht definiert werden. Er kann nur erfahren werden.

Ich bin nicht hier um zu beweisen, dass ich Gott bin. Ich bin hier um zu beweisen, dass du Gott bist. Ich bin nicht hier, um meine Göttlichkeit zu beweisen. Ich bin hier um deine Göttlichkeit zu beweisen.

Der Meister gleicht einem Flächenbrand, der an einer Seite des Flusses wütet. Der Schüler befindet sich auf der anderen Seite des Flusses. Der Fluss heißt Samsara, der Fluss von Geburt und Wiedergeburt. Wird über den Fluss eine Brücke errichtet, dann kann das Feuer des Meisters über die Brücke gelangen und den Schüler erreichen. Es spielt keine Rolle, ob die Brücke aus Holz oder Beton gemacht ist, es kommt nur darauf an, dass das Feuer den Fluss überqueren und den Schüler erreichen kann. Auf dieselbe Weise, egal was für eine Beziehung du zum Meister hast, gehe vollkommen in dieser Beziehung auf.

Wenn du dich in ihr auflöst, wird diese Beziehung deine Gefühle erfüllen und dich zum höchsten Zustand des ewigen Glücks führen. Wenn du diese Wahrheit wirklich verstehst und sie mit Entschlossenheit praktizierst, indem du dir sagst: "Ich will mich auf das Gefühl konzentrieren und mich in der Meister-Schüler-Beziehung auflösen", wird es dich zu diesem Zustand führen. Denke nicht, dass du nicht weißt, wie man sich in diesem Zustand auflöst. Die Entschlossenheit dazu genügt. Es wird automatisch in dir passieren. Jedes Hindernis zwischen Meister und Schüler wird sich auflösen, wenn man seine ganze Aufmerksamkeit auf diese Auflösung richtet.

Kabir – In Varanasi am Ganges als Weber lebender, Mystiker und Sänger Vivekananda – Schüler und Nachfolger von Ramakrishna Paramahamsa Brahmanda Purana – Eine Sammlung von 12000 Versen, die allgemein als die 18. und letzte der Puranas bezeichnet wird. Diese Purana erzählt von der Erschaffung des Universums durch Brahma.

Fünf Wege der Interaktion mit dem Meister

Man kann fünf verschiedene Haltungen unterscheiden, um mit dem Meister in Beziehung zu treten. Jede dieser Haltungen ist ein Weg, der dich näher zu dir selbst führt.

Die erste Haltung besteht darin, den Meister als sein Kind zu betrachten. Ein Beispiel dieser Haltung ist die Beziehung zwischen Krishna und Yashoda, seiner Pflegemutter.

Die nächste gleicht der Haltung eines Kindes zu seiner Mutter. Diese wird Matru Bhava genannt. Ramakrishna näherte sich der Göttin Kali auf diese Weise. Der Meister wird hier als Mutter verehrt.

Die dritte Haltung ist die eines Freundes; du betrachtest den Meister als deinen Freund. Dies wird Sakha Bhava genannt. Kuchela und Arjuna begegneten Krishna mit einer freundschaftlichen Haltung.*

Dann gibt es die Haltung des Dieners gegenüber seinem Herrn. Diese wird Dasa Bhava genannt. Der Schüler versteht sich dabei als treuer Diener seines Meisters. In dem berühmten hinduisches Epos Ramayana ist die Beziehung zwischen dem Affengott Hanuman und Rama von dieser Haltung geprägt.

Die höchste aller Haltungen ist die Haltung des Geliebten. Sie wird Madhura Bhava genannt. Dies war die Einstellung von Radha, der Milchmädchengeliebten von Krishna. Ich möchte klar zum Ausdruck bringen, dass die Haltung eines Liebenden nicht das Geringste damit zu tun hat, ob man männlich oder weiblich ist. Die Einstellung des Geliebten hat nichts mit dem Körper tun. Sie ist jenseits des Körpers. Sie hat ihren Ursprung im Sein.

Falls der Meister männlich ist und du auch, dann bedeutet das nicht, dass Madhura Bhava nicht geschehen kann. Madhura Bhava hat überhaupt nichts mit dem Geschlecht zu tun. Es befindet sich jenseits vom Geschlechtsbewusstsein. Es ist ein Gefühl von tiefer Verbundenheit.

Das letzte ist Maha Bhava. Es ist alle fünf Bhavas zusammengenommen und noch etwas mehr! Das ist es, was die Meister- Schüler-Beziehung ausmacht. Manchmal hast du das Gefühl, dass der Meister dein Sohn ist. Zu anderen Zeiten behandelst du ihn wie eine Mutter. Manchmal du fühlst du, dass er dein Herr ist. Dann nimmst du ihn wieder mehr als Freund wahr oder als Geliebten, der dich tröstet. Die Beziehung mit dem Meister ist alle diese Beziehungen zusammengenommen und noch etwas mehr.

Du kannst dich dem Meister mit einer dieser fünf Haltungen oder Bhavas oder mit allen gleichzeitig nähern.

Kuchela – Krischnas Freund im Kindesalter. Die beiden sind ein Beispiel für eine Meister – Schüler - Beziehung

Verschiedene Phasen der Meister-Schüler-Beziehung

Die Beziehung zwischen Meister und Schüler geht durch verschiedene Stadien. Zu Beginn spielt sich die Beziehung auf rein intellektueller Ebene ab und sie ist vorwiegend von Zweifeln gekennzeichnet. Es kommen zahlreiche Zweifel hoch. Du denkst: "Hm, er ist kaum dreißig Jahre alt. Wie kann er in diesem Alter schon ein Meister sein? Er scheint weder eine gute Ausbildung genossen haben noch sonstige Qualifikationen zu besitzen. Wie kommt es, dass ihm tausende von Menschen zuhören?" Du hast deine Zweifel, du bist zynisch. In der Zone des reinen Intellektes kann sich die Beziehung nicht vertiefen.

Dann gehst du einen Schritt weiter, vom Intellekt zur Intelligenz. Du lässt die Negativität des Zweifels hinter dir und sagst dir: "Warum nicht ein Programm besuchen und schauen was er wirklich drauf hat?" Anstatt beim "Was kann er tun?" zu bleiben, gehst du weiter zu "Vielleicht steckt doch etwas dahinter, ich bin offen und möchte es sehen." Der Intellekt wird zunehmend durch Intelligenz ersetzt.

In der nächsten Phase der Beziehung machst noch einen Schritt weiter und zwar von der Intelligenz hin zu einer Mischung aus Intelligenz und Gefühl. Es ist ein Mix aus sechzig Prozent Intelligenz und vierzig Prozent Emotion. Du fühlst, dass der Meister ein guter Freund ist. Du denkst: "Er kann mir da und dort ein wenig helfen und mich aus schwierigen Situationen führen. Er muss mich nicht über alles belehren, da ich selbst eine Vorstellung habe, wie mein Leben sein sollte, aber bei einigen Entscheidungen kann ich seinen Ratschlag einholen." Du betrachtest den Meister als Freund. Dieses freundschaftliche Verhältnis wird als Sakha Bhava bezeichnet.

Man benutzt den Meister quasi als Gehstock. Einen Stock benötigt man, wenn es steil bergauf oder bergab geht. Wenn du zeitweilig ernsthafte Probleme hast, wenn du dich in einer depressiven Phase befindest und wenn dir auch die Worte des Meisters nicht mehr helfen können, dann fragst du ihn: "Deine Lehren sind großartig, doch im jetzigen Zustand bin ich nicht in der Lage, sie zu befolgen. Was soll ich tun?" Dann unterstützt er dich mental und psychologisch und du realisierst, dass der Stock vielleicht doch nicht ausreicht. Dir wird klar, dass du mehr Unterstützung benötigst. Dann ergreifst du seine Hand

und mit seiner Hilfe beginnst du wieder zu gehen. Wenn du seine Hand hältst, steigt auch die Dankbarkeit ihm gegenüber.

Wenn du nur den Stock hast, dann ist es eine freundliche Haltung, eine intelligente Emotion. Wenn du seine Hand hältst, wirst du von ihm emporgehoben und das Gefühl übersteigt nun die Intelligenz. In dieser Phase bewegst du dich von der reinen Intelligenz zur Intelligenz mit Emotion im Verhältnis sechzig zu vierzig. Bei dieser Haltung betrachtet man den Meister als seinen Vater oder seine Mutter.

Zuerst sah man ihn als Freund, aber jetzt ist er wie Vater oder Mutter. Langsam, ganz langsam vertieft sich die Beziehung. Du gewöhnst dich an ihn und denkst: "Er ist nicht bloß ein Freund, er ist nicht bloß jemand, der Ratschläge und Ideen gibt. Er holt mich auch aus dem Wirrwarr meiner Probleme heraus."

Langsam, ganz langsam, indem er dir immer wieder, wider Erwarten hilft, steigert sich das Gefühl ihm gegenüber zu purer Emotion. Dein Herz ist nun gänzlich von ihm erfüllt. Du kannst ihn nicht mehr vergessen. Das ist der Moment, in dem du das Bedürfnis hast, dich wie ein Diener vor ihm zu verbeugen, nicht in Scham, sondern in verehrender Demut und Dankbarkeit. Du bist dankbar, dass du jemanden gefunden hast, bei dem du all deine Probleme abladen kannst. So fühlte Hanuman seinem Meister Rama gegenüber im hinduisches Epos Ramayana. Er verehrte Rama wie einen Gott. Diese Art von Beziehung ist von tiefen Gefühlen gekennzeichnet. Es ist eine Mischung von sechzig Prozent Emotion und vierzig Prozent Intelligenz.

Nach und nach werden deine Gefühle tiefer. Du willst für den Meister sorgen und ihn beschützen. Anstatt Aufmerksamkeit von ihm zu verlangen und von ihm Hilfe anzunehmen, willst du ihn nun unterstützen, lieben und ihm dienen. Du nimmst die Haltung einer fürsorglichen Mutter an. Es ist dies ein Zustand reiner Emotion. Für eine Mutter ist das Wohlergehen ihres Kindes die oberste Priorität.

In diesen vier Phasen von Intelligenz, Intelligenz-Emotion, Emotion-Intelligenz und purer Emotion, ist dein Leben eigenständig und unabhängig vom Leben des Meisters. Du nimmst einfach Hilfe von ihm an, um dein Leben besser in den Griff zu bekommen und um dein Leben zu bereichern, das ist alles.

Reift die emotionale Haltung weiter, dann beginnst du zu fühlen, dass dein Leben nicht länger von seinem getrennt ist. Dann bewegst du dich von der emotionalen Ebene zur Seins-Ebene. Du möchtest dich aufopfern, um für ihn zu sorgen und ihm dein Leben widmen. Auf der Seins-Ebene gibt es eine Verschmelzung, die noch stärker ist, als die emotionale Verbindung zwischen Mutter und Kind. Es ist eine Verbindung in tiefer Liebe, ohne jegliches Geschlechtsbewusstsein. Dies wird Madhura Bhava genannt. Es ist eine Mischung von Gefühl und Sein.

Wenn Madhura Bhava zunimmt, erkennst du plötzlich, dass er und du nicht getrennt seid. Ihr seid nicht zwei unterschiedliche Wesen. Du und er ist ein und derselbe. Du erfährst Maha Bhava – du erfährst dich selbst als der Meister. Du erfährst das höchste - Tat Tvam Asi – du bist DAS.

Es beginnt mit Intellekt, dann kommt die Intelligenz, dann sechzig Prozent Intelligenz und vierzig Prozent Emotion, dann sechzig Prozent Emotion und vierzig Prozent Intelligenz, dann hundert Prozent Emotion, dann sechzig Prozent Emotion und vierzig Prozent Sein, dann hundert Prozent Sein.

Auf diese Weise erlebst du, wie sich die Meister-Schüler Beziehung nach und nach vertieft. Aber zu jeder Zeit kann jeder dieser Beziehungsaspekte der vorrangige sein.

Alle Schüler wachsen gemeinsam in ihrer Energie, aber die Beziehung jedes einzelnen Schülers mit dem Meister ist einzigartig. Das ist das Wunderbare! Sei es Dasa Bahva, das Meister-Diener-Verhältnis, wie zwischen Rama und Hanuman, oder Vatsalya Bhava, die Mutterliebe, wie zwischen Yashoda und Krishna oder Sakha Bhava, wie bei der Freundschaft zwischen Krishna und Arjuna oder Matru Bhava, der Kindesliebe für die Mutter, wie zwischen Ramakrishna und Mutter Kali oder Madhura Bhava, die Liebe des Geliebten wie zwischen Rhada und Krishna - jeder Aspekt ist einzigartig in der Beziehung zwischen Schüler und Meister. Jeder Schüler schreitet auf seiner Suche nach der Verwirklichung mit dem Meister auf seinem individuellen Weg voran.

Wie soll man sich dem Meister gegenüber geben? Sei offen!

Wenn du mit dem Meister zusammen bist, sei völlig offen. Sei nicht festgefahren. Das Leben ist viel mehr als nur Logik. Lass deine Logik hinter dir und sei komplett offen und gewahr.Da der Meister eine derart intensive, lebendige Energie verkörpert, wirst du in seiner Nähe notgedrungen eine Transformation erleben, wenn du offen bist und dich gehen lässt. Du wirst zu einem neuen Wesen, zu einer neuen Energie. Du wirst zu einem neues Bewusstsein.

Ich kann es mit einem Satz ausdrücken: Du wirst neu sein! Du wirst "neu" und "klar" sein – du wirst "nuklear" sein!

Du wirst dich leicht fühlen, da die Last deiner 'Tumore" von dir abgefallen ist. Du hast sie mit dir herumgeschleppt, obwohl sie nicht zu dir gehört haben und dich nur gestört haben. Eine Störung kann niemals als ein Teil von dir geplant worden sein. Sei einfach offen, damit der Meisterchirurg die Tumore entfernen kann, die du seit vielen Leben mit dir herumträgst.

Wenn du mit dem Meister bist, sei total. Es geht nicht darum, ob du mit dem Meister übereinstimmst oder nicht. Du musst Zustimmung und Ablehnung transzendieren. Wenn du die Sonne aufgehen siehst, kannst du dann sagen, dass du dafür oder dagegen bist? Nein! Sie ist da, das ist alles. Ebenso ist der Meister da, das ist alles. Wenn du erst einmal dieses Gefühl verinnerlichst, muss von dir aus nichts mehr getan werden – du hast dann dem Meister die Erlaubnis gegeben, dass er dich dir selbst enthüllen kann.

Ein Schüler zu sein, bedeutet, sich dem Meister ohne Furcht vollständig zu öffnen und sich nicht zu verstecken. Es bedeutet vollkommen authentisch zu sein.

Dann kann der Meister sein Werk beginnen. Er zwingt dich in Bereiche, von denen du niemals gedacht hast, dass du sie meistern könntest. Er inspiriert dich. In schwierigen Situationen, in denen du dich sonst geängstigt hättest, macht er dir Mut. Er weitet deine Grenzen aus bis du letztlich erkennst, dass es keine Grenzen gibt. Dann wirst auch du sein wie er. Auch du wirst zu einem vollkommen freien, alle Begrenzungen überschreitenden Paramahamsa! Sich dem Meister und der Existenz gegenüber total zu öffnen, ist alles, was man tun muss.

Eine kleine Geschichte: Ein Meister und sein Schüler gingen am Ufer des Ganges spazieren, als der Schüler plötzlich sein Gleichgewicht verlor und ins Wasser fiel. Der Schüler schrie: "Hilf mir! Hilf mir! Gott hilf mir! Meister hilf mir!"

Der Meister sagte: "Dummkopf! Steh auf. Rette dich selbst." Der Schüler schrie zurück: "Lehre mich deine Philosophie später, rette mich zuerst, mein Leben ist in Gefahr!"

Der Meister rührte sich nicht und wiederholte: "Dummkopf, rette dich selbst und steh auf." Der Schüler klagte: "Ich dachte, du bist mein Meister, rette mich, rette mich!" Nun schrie der Meister in einem lautem Ton: "Idiot, steh auf!"

Der Schüler bekam Angst und stand auf. Jetzt bemerkte er, dass ihm das Wasser nur bis zu den Hüften reichte!

Auch du bist ins Wasser gefallen und auch du mühst dich, ab ohne zu verstehen, dass das Wasser nur bis zu deinen Hüften reicht. Du merkst es erst, wenn du auf den Meister hörst und aufstehst. Dann erst wird dir bewusst, dass du dich eigentlich entspannen kannst, dass all deine Sorgen und Befürchtungen über dein Leben in Wirklichkeit völlig unbegründet sind. Sie sind zum größten Teil nur Einbildung und werden sich nie bewahrheiten.

Wenn ich sage, "Ich werde mich darum kümmern", dann gebe ich dir in Wirklichkeit einen Stock, mit dem du aufstehen kannst. Wenn der Meister sagt: "Ich kümmere mich darum", und du zweifelst daran, dann versäumst du eine Gelegenheit, aufzustehen.

Verbrenne deine Samskaras in der Gegenwart des Meisters Ein Zwischenfall im Leben von Ramana Maharshi:

Ein Schüler von Ramana Maharshi war damit beschäftigt, das Ramana Purana, die Lobgesänge auf Ramana Maharshi zu schreiben. Er blieb an einem bestimmten Punkt stecken und wusste nicht mehr weiter. Er litt unter der bei Schriftstellern gefürchteten Schreibblockade. Sie tritt auf, wenn das Ego zu stark involviert ist. Jedenfalls ging der Schüler zu Ramana Maharshi und sagte: "Bhagavan, ich komm keinen Schritt mehr weiter, bitte hilf mir". Dieser antwortete: "Lass das Manuskript da. Geh und ruhe dich aus. Ich werde später mit dir darüber sprechen." Der Schüler gehorchte und ging. Als er am nächsten Tag wiederkam, bemerkte er, dass das Werk fertiggestellt war! Ramana Maharshi hatte den letzten Teil des Buches selbst geschrieben. Bei der Veröffentlichung wurde dieser letzte Teil, der aus 300 Zeilen bestand, in Anführungszeichen gesetzt und mit folgender Fußnote versehen: "Diese 300 Zeilen wurden von Bhagavan selbst geschrieben."

Als der Schüler das fertige Buch Bhagavan zeigte und dieser die Fußnote bemerkte, fragte er: "Oh! Alles andere wurde also von dir geschrieben? Na gut!"

Später gestand der Schüler: "Als er das sagte, zerbrach irgendetwas in mir. Tränen rollten über mein Gesicht. Ich fiel vor die Füße Bhagavans und stand nie wieder auf."

Dieser eine Kommentar genügte für diesen Schüler, Muruganar, um erleuchtet zu werden!

Ähnlich dem Engramm oder der Schreibblockade von Muruganar, trägst auch du viele Engramme mit dir herum. Wenn dich ein Engramm beherrscht, bleib einfach in der Nähe des Meisters. Du wirst gänzlich davon geheilt werden.

Das Hauptproblem liegt darin, dass dich das Engramm selbst daran hindert zu erkennen, dass du überhaupt ein Engramm hast. Es wird sich selbst rechtfertigen, denn es geht um sein Überleben.

Deshalb sage ich den Leuten immer, dass sie niemals eine wichtige Entscheidung treffen sollen, solange sie in Engrammen gefangen sind. Wird man von den machtvollen und unbewussten Kräften wie Lust, Gier, Angst, Depression oder Eifersucht überwältigt, ist es am besten, die Gegenwart des Meisters aufzusuchen. Versäume niemals diese wundervolle Gelegenheit. Du wirst vollständig kuriert und du wirst imstande sein, aus dem Tief herauszukommen. Flüchte niemals vor dem Meister, wenn du in Engrammen gefangen bist.

Jedesmal, wenn jemand in eine Depression fällt und mich verlässt, bin ich davon tief bewegt. Nicht weil ich einen Menschen weniger in meiner Mission habe. Nein! Ich fühle mit dieser Person, weil sie mich in einer depressiven Phase verlassen hat. Wenn mich die Person in einer glücklichen Phase verlässt, dann ist es kein Problem. Es ist eine Beziehung. Die Person verlässt mich und wird mich im Herzen behalten, wohin sie auch geht. Aber in einem depressiven Zustand kann sie sich nicht weiterentwickeln und niemals aus dem Engramm herausfinden. Es wird zu einer offenen Wunde. Die Person gleicht einer Katze, die von heißer Milch verbrannt wurde. Sie wird sich der Milch niemals wieder nähern.

Triff niemals eine Entscheidung, solange du dich in einer niedergeschlagenen Stimmung befindest. Durch die gedrückte Stimmung siehst du die Fakten verzerrt. Es ist nicht die richtige Verfassung, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Am besten ist es,

abzuwarten bis die gute Stimmung zurückkommt und man die Dinge wieder klarer sieht. Du triffst deine Entscheidungen ja auch nicht in der Nacht, wenn es dunkel ist und wenn du schläfst, sondern am hellichten Tag, wenn du wach bist. Ebenso ist es besser, Entscheidungen mit Gewahrsein zu treffen und nicht in innerer Aufruhr.

Das Tief wird genauso vorübergehen wie das Hoch vorüberging. Das liegt in der Natur unserer Psyche. Es ist wie bei einem Rad. Was unten ist, muss nach oben kommen und was oben ist, muss nach unten. Das Oben ist nicht realer als das Unten. Sie sind beide da, das ist alles. Dem Positiven mehr zu vertrauen, ist deine Wahl.

Wen sich jemand in einer depressiven Stimmung entschließt, mich zu verlassen, liegt das Problem darin, dass er seine Entscheidung bereuen wird, sobald er sich wieder in einer optimistischeren Stimmung befindet. Dann wird es schwierig für ihn, zu mir zurückzukommen. Er wird sich schuldig fühlen und wird nicht mehr den Mut haben, zurückzukommen.

Ich sage den Leuten immer: "Geht niemals weg, wenn ihr niedergeschlagen seid. Gerade wenn du niedergeschlagen bist, ist das die richtige Zeit, in meiner Nähe zu sein. Mich zu verlassen, wenn du in Engrammen gefangen bist, ist so, wie wenn du krank bist und nicht mit deinem Arzt zusammen sein willst!

Bhagavan – ehrfurchtsvolle Anrede für große Meister, bedeutet buchstäblich "blühend" oder "erfolgreich".Murunagar – Schüler von Ramana Maharshi und tamilischer Dichter, der viele Verse über Ramana geschrieben hat.

Erwachen zum Sinn deines Lebens und zum Meister

Der Schüler weiß nichts über seine Unwissenheit, denn er lebt in Dunkelheit. Die Verantwortung liegt nicht bei der Person, die sich der Dunkelheit befindet, sondern bei der Person, die sich im Licht befindet.

Eine kleine Geschichte: Ein blinder Mann wanderte im Himalaya. Bei seiner Suche nach einem Stock stolperte er über eine erstarrte, gefrorene Schlange. Er dachte, es sei ein Stock und benutzte sie. Ein erleuchteter Meister sah dies und schrie ihn an: "Dummkopf, das ist eine Schlange, lass sie fallen." Der blinde Mann entgegnete: "Nein! Ich

glaube du hast keinen Stock. Deshalb möchtest du, dass ich meinen fallen lasse, damit du ihn nehmen kannst."

Der Meister antwortete: "Dummkopf, ich brauche keinen Stock und überhaupt, was du in der Hand hältst, ist kein Stock, sondern eine Schlange. Die Sonne wird bald aufgehen und die Schlange wird zum Leben erwachen. Sie wird dich töten." Der blinde Mann war nicht bereit, die Schlange fallen zu lassen. Daraufhin sagte der Meister: "Auch wenn du mir nicht glaubst, so habe ich doch die Verantwortung, dich zu retten." Der Meister versuchte die Schlange zu ergreifen und sie fort zu werfen, aber der blinde Mann benutzte sie, um auf ihn einzuschlagen.

Der Meister sagte: "Auch wenn du mich schlägst, werde ich dich trotzdem retten, denn du hast keine Ahnung von der Wahrheit." Er entriss ihm die die Schlange und warf sie weg.

Du weißt nicht, seit wie vielen Geburten du dich abmühst und darum betest, einem Meister zu begegnen. Du bist dir nicht einmal deiner wahren Sehnsucht bewusst. Dass ein Meister in deinem Leben erscheint, ist keine Nebensächlichkeit. Du weißt nicht, wie viele Geburten du dich angestrengt und intensiv gebetet hast, um den flüchtigen Blick eines lebenden Meisters zu erhaschen. In deinem Leben zum Meister zu erwachen ist nichts anderes, als zu dieser tiefen Sehnsucht und zu dem Zweck deines Lebens zu erwachen.