Das versteckte Ego
Wenn du gewissenhaft jede Sorge, die in dir hochkommt, analysierst, wirst du erkennen, dass neunzig Prozent deiner Sorgen unbegründet sind. Das Problem ist aber, dass das Ego nicht gewillt ist, das zu akzeptieren. Das Ego hat zu viel in die Sorgen investiert. Sorgen können nicht einfach so abgelegt werden! Versuche jemanden zu sagen, dass seine Sorgen nicht der Rede wert sind. Er wird sehr beleidigt sein. Man würde erwarten dass eine Person froh ist, wenn man ihr sagt, dass ihre Sorgen nicht echt sind. Aber es ist nicht so. Sie wird sich beleidigt fühlen. Das Ego fühlt sich gekränkt, wann immer seine Sorgen nicht mit geziemendem Respekt anerkannt werden.
Durch das Ego werden die Sorgen am Leben gehalten. Die Sorgen entstehen aus Unwissenheit, werden aber vom Ego aufrecht erhalten. Die Sorgen bilden eine Achse, um die sich das Ego dreht. Werden die Sorgen weggenommen, leidet das Ego. Sorgen über Arbeit oder über Verantwortung sind klassische Beispiele dafür.
Manche Leute beschreiben ihre Situation so dramatisch, nur um zu beweisen, dass sie die größten Sorgen auf der ganzen Erde haben. Wenn man versucht ihnen zu widersprechen, fühlen sie sich verletzt.
Ein Problem des Egos ist es auch, sich darüber zu sorgen, was andere über uns denken. Das Ego ist ständig darüber besorgt, dass sein Selbstimage nicht von jemand besudelt wird. Das Ego will uns andauernd glauben machen, dass wir etwas Besonderes sein müssen. Wir vergeuden beachtliche Zeit, nur um uns über unser Selbstimage zu sorgen.
Verstehe, dass es die größte Gnade ist, ein Niemand zu sein und doch vollkommen glücklich zu sein. Das ist die größte Besonderheit. Man sagt, dass das Außergewöhnlichste an einem erleuchteten Menschen darin besteht, dass er sich für ganz gewöhnlich hält. Verstehe also, dass die Erleuchtung selbst eine Reise mit dem Ziel ist, in dir selbst zu ruhen und zufrieden zu sein. Du bist andauernd etwas Spezielles, lasse Sorgen und Ego nur fallen.
Verlasse deinen behaglichen Bereich
Wenn du wirklich aus deinen Sorgen herauskommen willst, kannst du jetzt sofort herauskommen, ohne zu versuchen jede einzelne deiner Sorgen zu rechtfertigen.
Die Sache ist aber die, dass wir uns gerade mitten in unseren Sorgen behaglich fühlen. Wir verstecken uns in ihnen. Sich in ihnen zu verstecken und bloß über sie zu reden hilft uns dabei, in unserer Bequemlichkeit zu verharren.
Jemand fragt Mahavira, einen erleuchteten hindu Meister des Jainismus: "Wer ist derjenige, der sich sorgt?"
Er antwortet auf schöne Weise: "Die Person, welche besorgt ist."
Er wird gefragt: " Was ist die Ursache der Sorgen?" Er antwortet: "Bequemlichkeit."
Dann wird er gefragt: "Wer beendet die Sorgen?" Er antwortet: "Der Mensch selbst."
Er wird gefragt: "Wie können die Sorgen beendet werden?" Er antwortet: "Indem man die Bequemlichkeit aufgibt."
Wenn du die Bequemlichkeit aufgibst, begibst du dich in eine gesunde Aktivität. Und wenn deine Aktivität gesund ist, lässt du deine Sorgen fallen. Die Behaglichkeit, die du inmitten deiner Sorgen verspürst, kann sogar von deiner Reaktion auf die Sorgen anderer Menschen abgelesen werden. Wenn du dich aufmerksam beobachtest, siehst du, dass du den Personen, die dir von ihren Sorgen erzählen, als erstes antwortest: "Was willst du da machen…", oder: "Solche Sachen passieren halt…" Du zeigst ihnen nie ohne zu Zögern eine Lösung auf. Wenn du so reagierst, dann sei dir im Klaren, dass du nicht nur sie, sondern auch dich selbst dazu ermunterst, bequem inmitten der Sorgen zu verweilen.
Wenn du ehrlich beobachtest, finden wir Gefallen daran, uns zu sorgen und über unsere Sorgen zu reden. Es gibt uns das Gefühl, dass wir eine große Last von Problemen auf unseren Schultern herumtragen. Es gibt uns das Gefühl wichtig zu sein, als ob die Welt ohne uns nicht in der Lage wäre, für sich selbst zu sorgen.
Wenn du ein Problem siehst und du möchtest die Lösung, dann verweilst du nicht für eine Sekunde bei dem Problem. Du gehst gleich zur Lösung des Problems über, das ist alles! Auf die gleiche Weise gibt es für jedes Problem eine sofortige Lösung. Du musst sie nur wollen; das ist der springende Punkt.
Die meiste Zeit bevorzugst du, in der Behaglichkeit deiner Sorgen zu verweilen. Dort fühlst du dich aufgehoben. Nehmen wir an, um ein Beispiel zu geben, du besuchst deine Tochter in einem Studentenheim. Du siehst einige Studenten, deren Zimmer sich in chaotischem Zustand befinden oder einige Studenten, die ihre Kleider untereinander austauschen und anziehen. Du speicherst alles in deinem Gedächtnis und glaubst, dass das allgemein die Art ist, wie in einem Studentenheim gelebt wird. Du ermahnst deine Tochter, ihr Zimmer sauber zu halten und nicht die Kleider anderer Studenten zu tragen. Auch wenn sie dir antwortet, dass sie alles sauber hält und nicht die Kleider anderer anzieht, bist du nicht gewillt, deine negativen Informationen sogleich zu löschen oder neu zu programmieren. Du klebst an dem, was du bei deiner früheren Beobachtung gespeichert hast.
Es gab sicherlich viele andere schöne Dinge im Studentenheim, die es wert gewesen wären, gespeichert zu werden – wie zum Beispiel die freudige Ausgelassenheit der Studenten, oder der Campus an sich, etc., aber immer wenn du an deine Tochter denkst, kommt nur diese eine Erinnerung hoch und du sorgst dich um sie. Nicht genug damit, allen, die du triffst, erzählst du, welcher Saustall in dem Heim herrscht und dass alle die Kleider untereinander austauschen und tragen. Deine Erinnerung selbst entspricht nicht der Wahrheit. Aber du wählst sie als deinen behaglichen Bereich und du fühlst dich wohl in ihm. Du verstärkst ihn noch.
Sogar bei deinen Sorgen bezüglich des Geldes ist dieselbe Logik erkennbar. Wenn du dich über das Geldverdienen sorgst, dann bedeutet das eindeutig, dass dich deine Bequemlichkeit in die Behaglichkeit der Sorge zurückzieht. Wenn du deine Bequemlichkeit abschüttelst und dich bewegst, wirst du auch Geld machen. Es gibt in der heutigen Welt tausende von Möglichkeiten, um Geld zu machen.
Mahavira, der vierundzwanzigste und letzte Thirthankara oder Erleuchtete, der das Lehrgebäude der Jainismus aufstellte, einer hindu Religion, die von einigen Millionen Menschen praktiziert wird.