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KAPITEL 1 – WECHSELWIRKUNGEN

Energie-Zertifikate?

Wenn du von äußeren Energiequellen abhängig bist, dann bedeutet das nur, dass du psychologisch behindert bist. Wenn du körperliche Unterstützung benötigst, dann bist du körperlich behindert. Wenn du psychische Unterstützung benötigst, dann bis zu psychisch behindert. Das ist alles.

Mit einer körperlichen Behinderung ist dir klar, dass du behindert bist, da du es deutlich vor Augen hast, aber mit einer psychischen Behinderung weißt du nicht einmal, dass du behindert bist. Du bist dir nicht einmal dessen bewusst. Wenn du dir aber dessen nicht bewusst bist, dann wirst du nicht die Konsequenzen erkennen können, die daraus resultieren. Und wenn dann die Konsequenzen oder die Krankheit bzw. das Unbehagen (disease – Krankheit; dis-ease – Unbehagen) eintreten, dann fragst du dich, was die Ursachen dafür sein könnten.

Wenn du Kinder beim Spielen beobachtest, dann hast du vielleicht schon einmal gesehen, dass sie Häuser aus Karten bauen. Sie bauen ganze Pyramiden aus Karten. Es ist schön, ihnen dabei zuzusehen. Wenn du aber nur eine Karte von diesem Gebilde entfernst, dann bricht das gesamte Kartenhaus in sich zusammen! Je größer das Kartenhaus, desto höher die Wahrscheinlichkeit des Zusammenbruchs.

Ebenso bauen wir unser Selbst-Bildnis wie ein Kartenhaus aus den Meinungen der Anderen über uns. Wir sammeln Zertifikate und Unterschriften von unserem Vater, Mutter, Freund, Freundin, Lehrer und wem nicht noch alles und arrangieren dann all diese Zertifikate und Unterschriften, um damit ein Kartenhaus in Form unseres Selbstbildnisses zu bauen. Das Bild sieht schön aus, und wir fühlen uns damit glücklich.

Aber wenn auch nur eine Person ihr Zertifikat zurückzieht oder ihre Unterschrift durchstreicht, was geschieht dann? Dann fällt das Kartenhaus in sich zusammen! Du fühlst dich dann miserabel dir gegenüber, fühlst dich deprimiert. Du fühlst dich, als wenn die ganze Welt zu Ende ginge.

Du erkennst zumindest in dem Fall der Kinder, dass sie ihr Kartenhaus mit ihren eigenen Karten gebaut haben. Aber wir haben unser Kartenhaus mit Karten von anderen, mit Zertifikaten von anderen gebaut! Wir haben also keine Kontrolle über unser Kartenhaus, weil es mit Zertifikaten Anderer gebaut ist!

Was machen wir daher? Wir arbeiten mühevoll daran, das Kartenhaus zu erhalten, es gut zu bewachen. Wir beginnen uns so zu verhalten, dass uns die Leute nicht ihre Zertifikate oder Unterschriften entziehen. Wir beginnen daher Dinge zu tun, um ihre anhaltende Bestätigung zu bekommen, weil ihre Bestätigung unser täglich Butter und Brot ist.

Eine kleine Geschichte:

Einst ging eine Dame mit ihrem Mann zum Einkaufen, weil sie einen Mantel für sich kaufen wollte.

Sie besuchten viele Geschäfte, konnten aber nicht finden was sie suchte.

Ihr Mann wurde müde.

Er fragte sie: "Meine Liebe, weißt du denn genau, was für ein Mantel du kaufen möchtest?"

Die Frau antwortete: "Natürlich mein Lieber! Ich suche nach einem Rutsch-mir-den-Buckel-runter-Mantel."

Der Mann konnte nicht verstehen, was sie meinte.

Er fragte: "Was ist ein Rutsch-mir-den-Buckel-runter-Mantel, meine Liebe?"

Sie antwortete: "Wenn ihn die Leute sehen, dann können sie mir den Buckel runterrutschen!"

Die ganze Zeit halten wir Ausschau, wie wir Zertifikate von anderen Leuten sammeln können! Jede Aktion von uns ist unbewusst darauf gerichtet, was die Leute dazu sagen und wie sie darauf reagieren werden.

Zum Beispiel mag eine Handtasche einen angemessenen Preis haben und auch viele gute Funktionen. Aber unbewusst wird sich dein Verstand vorstellen, wie du die Tasche trägst, und was die Anderen dazu sagen werden, wenn sie dich damit sehen. Dann entscheidest du, dass sie nicht gut genug für die Anderen ist, wenn sie dich damit sehen. Und so wirst du weitersuchen! Aber du wirst nicht erkennen, dass du dabei nach Bestätigung suchst, weil dies ein unbewusster Prozess in dir ist!

Ihr werdet fast wie Tausendfüßler. Ein Tausendfüßler braucht 1000 Füße, um laufen zu können. Entsprechend benötigen wir gleichzeitig Bestätigung von 1000 Menschen, damit wir im Leben laufen können. Was geschieht, wenn selbst ein einziges Bein eines Tausendfüßlers nicht in Ordnung ist? Er wird stolpern und dort hängen bleiben, wo er gerade ist. Was geschieht mit uns, wenn uns selbst eine einzige Bestätigung nicht erteilt wird? Wir geraten in Depression.

Wenn wir derart abhängig von Anderen sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wir in Depression fallen werden. Menschen, die unter Depressionen leiden, leiden tatsächlich unter einem Aufmerksamkeits-Bedürfnis. Dabei gibt es eine Entwicklung. Sie bekommen nicht genügend Aufmerksamkeit und sind nicht fähig damit umzugehen. Schon ein Wort genügt, um uns in Depression zu versetzen. Aber wir erkennen nicht den wahren Grund unserer Depression. Was werden wir also tun? Wir werden Medikamente nehmen, um die Depressionen zu bekämpfen.

Wie können wir sie aber heilen? Die Ursache für die Depression liegt im Innern und ihr sucht im Außen nach helfenden Medikamenten. Wenn Menschen mit Depression zu mir kommen, dann rate ich ihnen, mit der einfachen Mahamantra-Meditation zu beginnen, und ich sage ihnen, dass wir langsam mit der Einnahme von Medikamenten aufhören wollen.

Ihr seht, dass diesen Menschen aufgezeigt werden muss, dass ihre Energiequelle in ihnen liegt und dass Meditation es ihnen aufzeigen kann.

Abhängig von der Ernsthaftigkeit mit der die Leute meditieren, können sie leicht die Energie in sich stabilisieren, und wieder aus der Depression herauskommen. Medikamente werden sie dagegen nur noch mehr betäuben. Das musst du gut verstehen.

Ich sage euch: wenn ihr eure Energie von außerhalb bezieht, dann kann euch das leicht in ein Chaos stürzen. Dann werdet ihr geradewegs zu einer Puppe werden.

Lasst mich euch eine Geschichte erzählen. Es handelt sich um ein Experiment, das an der Chicago-Universität durchgeführt wurde:

Ein junger, gesunder und intelligenter Mann wachte eines Morgens auf und machte sich bereit, um zur Arbeit zu gehen. Seine Frau sah ihn an und sagte ihm: "Du siehst müde aus; geht es dir gut?" Er fühlte sich durch ihren Kommentar irritiert und bat sie darum, damit aufzuhören sich Dinge einzubilden und verließ das Haus. Als er mit seinem Auto aus der Garage fuhr, erblickte ihn der Nachbar und rief ihm zu: "Geht es dir gut? Du siehst aus, als wenn du nicht ganz auf der Höhe bist!" Der Mann war überrascht, sagte sich aber, dass schon alles in Ordnung sei und fuhr weg. Als er im Büro ankam, sah ihn der Mann am Empfang mit besorgtem Blick an und sagte: "Mein Herr, Sie sehen krank aus! Warum kommen Sie heute zur Arbeit?" Der Mann antwortete: "Nun, ich denke, mir geht es gut. Wir werden sehen…" und er ging in sein Büro. Er begann mit der Arbeit. Ein Kollege kam herein und rief: "Hey! Du siehst schrecklich aus. Was ist los? Hast du Fieber oder was?" Das war zu viel für den Mann. Er begann sich schlecht und unwohl zu fühlen. In diesem Moment rief ihn der Chef zu sich hinein. Der Chef warf einen Blick auf ihn und sagte: "Sie sehen wirklich schlecht aus. Sind Sie sicher, dass sie heute weitermachen können? Warum gehen Sie nicht zum Arzt?" Da hatte der junge Mann genug. Er fühlte sich jetzt wirklich schlecht; er sagte, dass er nach Hause gehen wolle und verließ das Büro. Als er im Auto nach Hause fuhr spürte er, wie seine Temperatur anstieg. Als er zu Hause ankam, war seine Frau erstaunt ihn wieder zu sehen. Sie fühlte an seiner Stirn und merkte, dass er Fieber hatte!

Der Mann, der morgens gesund und fröhlich war, wurde bis zum Nachmittag krank! Und wie wurde er krank? Nur dadurch, dass die Leute ihm sagten, dass er krank sei! Die Leute waren angewiesen worden, ihm dasselbe immer wieder zu sagen. Und was geschah? Er wurde tatsächlich krank. Dieses Experiment wurde bei elf Menschen durchgeführt, und alle elf Menschen wurden am Ende krank.

Das geschieht, wenn du nicht in deiner eigenen Energie zentriert bist. Du bewegst dich von Hoch bis Tief nur aufgrund äußerer Einflüsse. Wenn wir in uns selbst zentriert sind, dann kann uns nichts Äußerliches erschüttern.

Wir alle tun andauernd Dinge, um Lob und Bestätigungen zu erhalten, aber wir tun dies im Namen der Liebe und der Pflicht. Menschen sagen mir: "Swamiji, wir tun nichts um des Lobes oder der Bestätigung willen; wir tun es nur deswegen, weil es unsere Pflicht ist."

Sei dir ganz klar: in dem Moment wo du etwas aus Pflicht tust, ist das tatsächliche Motiv für deine Handlungen, Bestätigung zu erlangen, weil, wenn du es nicht tust, werden die Menschen aufhören dich zu bestätigen. Deine Leute werden dich nur solange bestätigen, wie du jedes kleine Detail erfüllst, das sie von dir erwarten. Nur ein kleiner Ausrutscher bei dem, was du tust, und schon sind sie dazu fähig, die Beziehung zu dir zu verändern. Und weil dir das klar ist, tust du getreu deine Pflicht.

Du wirst sagen: "Swamiji, ich bin ihr Vater. Wenn ich nicht für sie sorge, wer dann?" Versuche zu verstehen: ich sage nicht, dass ihr nicht für eure Kinder sorgen sollt. Ihr habt sie geboren; ihr müsst für sie sorgen bis sie unabhängig geworden sind und sie die Dinge selber erledigen können. Aber was auch immer du tust, tue es ohne jegliche Erwartungen. Lass es Ausdruck deiner inneren, liebenden Energie sein.

Jetzt wirst du gleich behaupten, dass du alles ohne jedwede Erwartungen tust, aber wenn das Gegengeschäft von der anderen Seite etwas nachlässt, dann wirst du schon sehen; dann wirst du die Spannung in dir beobachten können, die Unruhe in dir, die Enttäuschung in dir. Diese Unruhe, Spannung und Enttäuschung sind das Ergebnis von Erwartungen die du hattest, während du deine Pflicht erfülltest. Die Intensität mag von Person zu Person variieren, aber wir werden sie überall zu einem gewissen Grad finden.

Wenn du nicht frei davon bist, dann wirst du nicht aus einem Ausdruck liebender Energie heraus handeln, sondern du wirst aus einer niedrigeren, begrenzten Qualität heraus handeln, die dann als Pflicht oder sogenannte Liebe deklariert wird. Diese ist kein Ausdruck der existenziellen Energie in dir, sie ist ein rein äußerliches Geschäft, das ist alles.

Die Bhagavad Gita sagt sehr schön: