Frage: Swamiji, meinst du, dass wir einfach durch das Beobachten unseres Atems diese Glückseligkeit erreichen können?
Ja. Es ist eine sehr kraftvolle Technik. Siehst du, wenn du deinen Atem beobachtest, dann ist deine Bewusstheit intensiv und kein Gedanke kann unbewusst auftreten. Wenn jeder Gedanke durch deine Bewusstheit geht, dann wirst du von selbst keine negativen Gedanken mehr für dich erzeugen.
Du musst keine Zeit damit verbringen deine Gedanken zu korrigieren; die Bewusstheit wird es für dich tun. Dein Denksystem wird automatisch neu strukturiert. Die Kraft der Bewusstheit ist dergestalt, dass sie dein Denksystem in positive Energie umwandelt.
Eigentlich sind wir so konditioniert und denken, nur wenn wir hart arbeiten und Schmerzen in irgendeiner Form erfahren, dann sind wir des Glückes wert. So rennen wir bis wir Schmerzen bekommen; wir rennen bis wir an ein Hindernis stoßen. Wir sind so an das Konzept eines Hindernisses gewöhnt, selbst wenn uns jemand sagt, dass es kein Hindernis bzw. keine Grenze gibt, sind wir nicht bereit das zu glauben. Wir rennen bis wir irgendwie an ein Hindernis stoßen und Schmerzen fühlen; dann halten wir zufrieden an, wenn wir den Schmerz gespürt haben. Wir haben dann das Gefühl, dass wir uns unsere Wünsche erlauben können. Wir meinen immer, dass wir durch Angst und Sorgen gehen müssen, um des Segens wert zu sein. Wir befinden uns ständig in Vorbereitung auf Sorgen und Schmerzen.
Desweiteren gibt es einige Menschen, die sich ständig Sorgen bereiten und dann Alkohol trinken, um die Sorgen zu vergessen. Das ist heutzutage sehr üblich. Das ist vergleichbar mit einem Schwein das nicht fähig ist, den Gestank und Schmutz seines eigenen Lebensraums zu ertragen und deswegen seine Nase noch hineinsteckt. Du denkst, dass du all deine Sorgen durch das Trinken bekämpfen kannst, während du aber in Wirklichkeit dadurch noch viel tiefer sinkst.
Wir möchten etwas erreichen, erzeugen jedoch widersprüchliche Ergebnisse und bekommen dadurch nur noch mehr Probleme. Das ist das Hauptproblem, obwohl wir dessen nicht bewusst sind.
Eine kleine Geschichte:
Ein unwillkommener Besucher kam zum Haus eines Mannes.
Der Mann schrie zu seiner Frau, die in der Küche war, nach dem Kaffee für den Besucher.
Die Frau schrie ihrem Mann zurück, dass es keinen Kaffee im Haus gäbe und auch kein Geld, um welchen zu kaufen.
Der Mann wurde ärgerlich und begann, seine Frau zu beschimpfen und gab ihr schließlich einen Schlag, weil sie keinen Kaffee servieren konnte.
Die Frau begann zu weinen.
Als der Besucher das sah, stand er langsam auf und ging weg.
Die Frau wischte ihre Tränen weg und sagte triumphierend zu ihrem Mann: "Hast du das gesehen? Ich habe vorgetäuscht zu weinen und ihn dadurch heraus getrieben!"
Der Mann antwortete: "Gut! Ich habe vorgetäuscht ärgerlich zu sein und dich zum Weinen gebracht!"
Der Besucher stimmte ein: "Ich gab vor zu gehen und nun bin ich wieder da!"
Unsere Gedanken sind verschieden von unseren Worten, und so verlieren wir das Leben, das wir leben. Ramakrishna sagt: "Unsere Gedanken und Worte zu vereinigen ist wie das Ableisten von Buße." Aber was machen wir stattdessen? Wir editieren unsere Gedanken und bringen sie dann als Worte heraus. Da gibt es so viel Berechnung, die innerlich vonstattengeht bevor die Worte herauskommen. Wir betrachten "Gewinn und Verlust" und analysieren die Zukunft, bevor wir zu sprechen beginnen. Deswegen wird unsere Persönlichkeit niemals ganzheitlich werden und daher bruchstückhaft bleiben.
Die Leute fragen mich, wie ich stundenlang ohne jegliche Vorbereitung sprechen kann. Seht ihr, ich spreche die Wahrheit wie sie ist – ganz spontan, das ist alles. Ich denke nicht daran die Wahrheit hervorzuheben! Ich überarbeite niemals meine Worte. Für mich ist Denken gleich Sprechen. Bei euch geschieht zuerst das Denken; dann erfolgt die Überarbeitung und erst danach kommt die Rede. Die Unschuld geht in diesem Prozess verloren und du bist zudem in so vielen Worten gefangen.
Ihr seid nur deswegen fähig mir so viele Stunden zuzuhören, weil ich spontan spreche. Andernfalls würdet ihr unruhig werden. Die Tatsache, dass ihr hier seid, ohne euch um die verstrichene Zeit zu kümmern, ist Beweis genug für das, was ich euch sage.
Wenn Spontanität herrscht, dann fließt ihr einfach ohne zu denken. Andernfalls stagniert ihr in eurer eigenen geistigen Konditionierung. Ihr bekommt einen eingleisigen Verstand.
Eine kleine Geschichte:
Ein Mann versuchte einzuschlafen, was ihm aber nicht gelang, weil der Hund des Nachbarn andauernd bellte.
Diese Szene blieb für einige Nächte unverändert.
Schließlich entschloss sich der Mann mit dem Besitzer des Hundes darüber zu sprechen.
Am nächsten Tag ging er zum Nachbarn hinüber und begann sich über den Hund zu beschweren.
Der Nachbar war unberührt davon und sagte: "Ich kann nichts daran ändern. Was wollen Sie tun?"
Der Mann antwortete: "Gut, heute Nacht werde ich den Hund in meinem Garten anbinden und dann werden sie schon sehen, wie das ist!"
Bedenke nur einmal wie verrückt das ist, was der Mann vorgeschlagen hat! Er geht mit einem eingleisigen Verstand an die Sache. Wie kann er so eine Lösung finden? Wenn du spontan bist, dann fordert dich das nicht einmal für einen Moment lang heraus. Du wirst sofort mit einer Lösung aufwarten. Wenn du spontan bist, dann wirst du einfach von jeder Klippe springen und dir deine Flügel auf dem Weg nach unten bauen!
Frage: Swamiji… was ist die Ursache für so viele Sorgen und Spannungen in unserem Leben?
Die Tatsache, dass du diese Frage stellst, zeigt, dass du den Sachverhalt tief anschauen möchtest.
Seht ihr, wir haben andauernd irgendwelche Vorstellungen von irgendetwas – von den Menschen die uns umgeben, den Orten wo wir leben, den Situationen die entstehen und dem Lebensstil dem wir folgen. Wir fantasieren andauernd oder erwarten, dass Dinge auf bestimmte Weise geschehen. Aber die Wirklichkeit ist immer verschieden von diesen Vorstellungen. Die Lücke zwischen Wirklichkeit und unserer Vorstellung ist es, die die Spannung in unser Leben bringt.
Wir haben in uns eine virtuelle Welt erschaffen und trachten andauernd danach, diese in der Realität zu verwirklichen. Je mehr wir uns vorgestellt haben, desto größer wird die Lücke zwischen Realität und unserer Vorstellung und umso größer wird die sich daraus ergebende Spannung.
Wir denken immer, dass wir kurz vor der Realisierung unserer Vorstellungen sind, aber wenn wir knapp davor sind, hat sich unsere Vorstellung bereits wieder verändert und so kommen wir niemals dort an. Dies erzeugt Enttäuschungen, Spannungen und Sorgen in uns.
Es ist eine Tatsache, dass wir uns nicht einmal im Klaren darüber sind, dass wir mit Vorstellungen arbeiten. Unsere Vorstellung ist solch eine solide Sache für uns, dass wir sie nicht einmal mehr als Imagination betrachten können. Wir sind in ihr gefangen. Wenn das Hinarbeiten auf etwas in dir Spannung erzeugt, dann arbeitest du nicht in der Wirklichkeit; du arbeitest im Bereich der Imagination.
Jeden Moment versuchen wir unsere Erwartungen in der äußeren Welt zu realisieren. Wenn die Menschen nicht so reagieren oder antworten wie wir uns vorgestellt haben, dann fühlen wir uns im Stich gelassen. Von kleinen bis großen Dingen schauen wir immer nach etwas Passendem, was unserer Vorstellung entspricht. Dies ist zu einem unbewussten Prozess in uns geworden, weswegen wir nicht die Ursache der Spannungen verstehen. Die Ursache ist so subtil verwoben in der ganzen Sache, dass sie nicht mehr herausgefunden werden kann.
Wenn du deine Bewusstheit bis aufs Äußerste auf diesen Punkt richtest und dich einmal für einige Stunden lang beobachtest, dann wirst du verstehen, wie dein Verstand arbeitet. Entschließe dich einfach ein Beobachter deines Verstandes und der Menschen um dich herum zu sein. Du wirst sehen wie subtil dein Verstand ständig Erwartungen in Bezug auf jede Kleinigkeit die du siehst und tust erzeugt, und wie die Wirklichkeit manchmal deine Erwartungen erfüllt und manchmal nicht, und wie Gefühle von Spannung und Sorgen in dir aufsteigen wenn dies geschieht.
Indem du Bewusstheit in diese ganze Sache fluten lässt, kannst du erkennen, wie dein Verstand spielt und Spannungen in dir aufbaut. Wenn du gelernt hast ein Beobachter zu sein, dann werden deine Sorgen verschwinden und du wirst auch keine Ereignisse der äußeren Welt verinnerlichen. Wenn du die Dinge der äußeren Welt verinnerlichst, dann erzeugst du nur einen größeren Bestand an Worten in dir, aus welchen wieder neue Sorgen entstehen.
Wenn du Termine planst und der Realisierung deines Terminplanes ohne jeglichen Verzug entgegen arbeitest, dann bist du auf dem Pfad der Wirklichkeit. Wenn du dich selber mehr sorgend als arbeitend vorfindest und nichts erreichst, dann bist du auf dem Pfad, auf dem es eine Lücke zwischen Wirklichkeit und dir selber gibt. Dann ist es an der Zeit in dich zu gehen und deine Gedanken wieder neu zu ordnen.
Zu denken, um Termine zu planen ist in Ordnung, aber darüber nachzudenken wie du diesen Plan ausführen wirst, ist das, was nicht in Ordnung ist. Dies wird psychologisches Planen genannt und ist genau das, was Sorgen und Spannungen erzeugt.
Wenn es nur zwei Stunden dauert, um einen Plan zu erstellen, dann stehen die verbleibenden 22 Stunden zur Ausführung des Planes zur Verfügung. Warum wird aber der Plan dann nicht ausgeführt? Weil du mehr als 80% der verbleibenden Zeit damit verschwendest dir zu überlegen, wie du den Plan ausführen wirst.
Wenn du dir immer wieder den Plan vor Augen führst, dann gibst du damit deine ganze Energie dort hinein. Anstatt deine Energie zu nutzen, um den Plan auszuführen, verschwendest du sie einfach. Wie soll die Arbeit dann erledigt werden?
Eine weitere Sache: wenn du wirklich die Aufgabe erledigen willst, dann musst du sie ausführen, ohne dich dabei zu sorgen. Spannungen und Sorgen sind reine Ausreden dafür, um vor der Wirklichkeit wegzulaufen. Unter dem Vorwand von Sorgen und Spannungen fliehst du vor deiner Verantwortung.
Jedes Problem beinhaltet auch seine Lösung. Wenn du es wirklich lösen möchtest, dann wirst du es schaffen. Alles was du tun musst, du musst das Problem mit tiefer Bewusstheit anzuschauen und die Lösung wird automatisch auftauchen. Wenn du es hingegen nicht lösen möchtest, dich aber wohl dabei fühlst über das Problem zu sprechen, dann wirst du andauernd darüber sprechen und dich im Kreise drehen und dich großartig dabei fühlen, dass du dich so sehr darüber sorgst.
Die beste Art Verantwortung abzuschütteln besteht darin, sich in einen Zustand der Täuschung zu begeben – einen Zustand von Sorge und Spannung. Sehr oft fühlen sich Menschen, die unter Depressionen leiden, sehr wohl in diesem Zustand, weil sie darin keine Verantwortung aufnehmen müssen. Sie können einfach frei von jeglicher Verantwortung sein.
Eine kleine Geschichte:
Ein Mann, der als großer Heiler bekannt war, besuchte ein Dorf.
Sehr bald versammelte sich die Menge um ihn.
Er berührte einen Mann am Nacken, und der Mann, der unter einer chronischen Wirbel-Arthrose litt, wurde sofort vom Schmerz befreit.
Dann berührte er einen anderen Mann an seinem Kopf, und die Kopfschmerzen dieses Mannes verschwanden einfach im gleichen Moment.
Er ging auf einen anderen Mann mit Krücken zu.
Aber der Mann auf Krücken wich ihm aus und sagte: "Berühre mich nicht!"
Der Heiler war verwundert und fragte warum.
Der Mann sagte: "Ich habe gerade meinen Behinderten-Ausweis beantragt!"
Wir reden endlos über unsere Probleme, aber wenn wir eine dauerhafte Lösung angeboten bekommen, dann finden wir es schwer sie zu akzeptieren! Wenn wir eine dauerhafte Lösung angeboten bekommen, fühlen wir augenblicklich eine große Leere in uns. Wir haben dann das Gefühl, als wenn es für uns im Leben nichts mehr zu tun gäbe. Wir fühlen uns zu sehr erleichtert! Wir haben den Eindruck, dass wir nicht mehr klar denken können, wenn unsere Probleme plötzlich verschwinden, weil wir niemals über unsere Probleme hinaus gedacht haben!
All deine Spannungen und Sorgen sind tatsächlich Komfortzonen, in denen du dich vor der Wirklichkeit versteckst. Wenn du wirklich etwas erledigen möchtest, was hindert dich daran? Warum solltest du dich in unproduktive Spannungen und Sorgen stürzen? Du tust dies entweder, weil du zu viel Zeit hast, oder weil du der Wirklichkeit entfliehen möchtest oder weil du dich gut dabei fühlst, so viele Spannungen und Sorgen zu haben, das ist alles.
Lass all deine Vorstellungen über deinen Lebensstil, die Leute usw. fallen und beginne, im gegenwärtigen Moment zu leben, und die Dinge werden automatisch geschehen. Bedenke: du kannst nicht lange in dieser Komfortzone leben. Früher oder später wird dich die Wirklichkeit einholen. Beginne daher bewusst zu leben, triff bewusste Entscheidungen und trage Verantwortung für jede Entscheidung, die du getroffen hast.
Es ist sehr leicht sich nach der Entscheidung anderer zu richten und sie am Ende dann für schuldig zu erklären. Tue dies niemals. Es ist das dümmste und feigste, was man tun kann. Erkläre niemals irgendjemanden für irgendetwas schuldig. Merke, nur wenn du unfähig dazu bist etwas zu bewältigen, wirst du andere dafür beschuldigen.
Frage: Swamiji… wie sollen wir immer entspannt bleiben?
Wenn dein Bewusstsein die ganze Zeit über wach ist, dann wirst du auch die ganze Zeit über entspannt sein. Meditation ist der Schlüssel, um diesen Zustand zu erreichen. Verstehe dies zunächst einmal, zumindest intellektuell. Dann wirst du dies zumindest für kurze Zeitabschnitte erfahren. Diese Perioden können dann ausgedehnt und schließlich zu einem anhaltenden Zustand werden.
Ich sage den Leuten immer, um herauszufinden ob ein Meister ein wahrer Meister ist, dass sie ihn beobachten sollen während er schläft. Ein wahrer Meister wird wie eine Blume erscheinen, wenn er schläft. Er wird im Schlaf vollkommen entspannt und schön anzusehen. Er wird beim Schlafen kindliche Unschuld ausstrahlen. Ein gewöhnlicher Mensch hingegen wird im Schlaf angespannt und verspannt wirken.
Ein Meister ist immer im Zustand des Überbewusstseins, und er schläft nur, um seinen Körper zu entspannen. Wenn du ständig in einem Zustand von Bewusstheit oder Achtsamkeit bist, dann kannst du niemals angespannt sein. Nur wenn du zulässt, dass du in Unbewusstheit fällst, in einen Zustand der Täuschung, dann wirst du dir selber Spannungen bereiten. Die einzige Möglichkeit, um immer entspannt zu bleiben besteht darin, immer bewusst zu sein, bei jeder noch so kleinen Sache die innerhalb und außerhalb von dir geschieht.
Lerne dich mit Bewusstheit zu entspannen. Wenn du mit einem Meister zusammen bist und dabei zulassen kannst, entspannt zu bleiben, dann wird er dich durchdringen; sein Zustand wird dich durchdringen. Wenn du jedoch verschlossen und verspannt bleibst, dann ist es ihm nicht möglich, dich zu durchdringen.
Das Wort Upanishad bedeutet: " Zu Füßen des Meisters sitzen." Wenn es dir möglich ist, zu Füßen eines Meisters mit offenem und entspanntem Geist zu sitzen, dann wird er dich durchdringen und mit all seinem Mitgefühl an dir arbeiten. Keine Worte werden dann vonnöten sein. Er benutzt Worte, nur um dich beschäftigt zu halten, während er versucht, dich zu durchdringen. Ein Meister kann dir beibringen dich zu entspannen.
Wenn du dich in der Gegenwart eines Meisters entspannst, dann lässt du dich eigentlich in deinem eigenen Körper nieder; du lässt dich in deiner eignen Individualität nieder und fühlst dich in deiner eigenen Persönlichkeit entspannt. Dann gibt es keinen Keil mehr in dir und du wirst ganzheitlich werden. Praktiziere also das Entspannen in der Gegenwart eines Meisters. Das ist eine Abkürzung und ist der höchste Weg zur Entspannung.