Das soziale Ego
Es gibt ein weiteres Spiel des Ego, das wir alle so gut können, das "soziales Ego" genannt wird.
Was ist soziales Ego?
Du fühlst, dass dein Leben etwas ganz Privates ist, und deswegen niemandem Einblick gewährt werden sollte.
Zum Beispiel kommen Leute zu mir, um die unbeständige Art ihrer Kinder zu besprechen. Aber sie fühlen sich nicht wohl dabei, wenn andere mit anwesend sind. Du möchtest andere an diesen Dingen nicht teilhaben lassen, weil du dieses aufgebaute "Image" aus Sicht der Gesellschaft für dich und deine Familienmitglieder hast. Wenn du nun Menschen an diesen Familienangelegenheiten teilhaben lässt, dann fühlst du, als ob du ihnen gegenüber dein gesamtes Wesen offenbaren würdest. Du hast Angst davor, dass dein gesamtes Image zusammenbricht und dass nichts mehr übrig bleibt, was dich in der Gesellschaft stützen könnte. Das ist soziales Ego.
Das Image, das du so sorgfältig aufgebaut hast, das Image, welches zu deiner Identität geworden ist, mit dem du dich in der Gesellschaft identifizierst, steht auf dem Spiel. Es ist mehr eine Identität für dich selber als für andere! Wenn du dich deiner Familie einfach so zeigen kannst, wie du bist, dann wirst du entspannter sein, weil es dann keinen Druck mehr gibt etwas verbergen zu müssen.
Natürlich könntest du sagen: "Swamiji, der einzige Grund, warum wir diese Dinge geheim halten wollen, besteht darin, dass wir nicht wollen, dass die Leute anfangen darüber zu reden." Lasst mich euch sagen: Niemand ist berechtigt, über andere zu sprechen. Wenn sie es dennoch tun, sind sie Dummköpfe. Denkt daran, und automatisch werdet ihr diese Kraft verbreiten, und ihr Gerede wird einfach verschwinden. Ihr habt ihnen die Macht gegeben, euch zu beeinflussen, nicht wahr? Nun wird diese Macht wieder schwinden.
Entschließt euch einfach dazu, wie ein offenes Buch zu leben, das ist alles. Indem sie euren Mut und eure Körpersprache sehen, werden die Leute von alleine verstehen, dass es nichts bringt, über euch zu schwätzen! Ich sage dir, lass dein soziales Ego fallen und lebe ohne Privatsphäre. Das ist eine große Befreiung.
Wegen unseres sozialen Ego sind wir andauernd so befangen. Wir sind so gehemmt, weil wir denken, dass die Leute ständig auf uns schauen und andauernd über uns sprechen. Sei dir ganz klar: wenn du befangen bist, dann bist du sehr egoistisch. Du denkst, dass du sehr wichtig bist, und dass ständig alle Augen auf dich gerichtet sind. Das ist der Grund, warum du befangen bist.
Wenn du denken würdest, dass du ein "Niemand" bist, wärst du dann gehemmt? Nur weil du denkst, dass du ein "Jemand" bist, bist du befangen. Und noch obendrein denkst du, dass du Demut zeigst, indem du gehemmt bist. Das ist etwas, von dem du eigentlich nicht einmal weißt, dass du darunter leidest. Du denkst einfach nur, dass du bescheiden und demütig seist und benimmst dich daher weiterhin so.
Wenn du gehemmt bist, dann lebst du und lebst zugleich nicht. Es ist wie eine Begrenzung deiner Schönheit und deines Anmuts. Daher kommt deine Schönheit nicht frei zum Ausdruck. Schau die Tiere und die Natur an. Sie fließen so schön und frei. Warum ist das so? Weil sie nicht gehemmt sind. Sie sind einfach fröhlich, indem sie ganz eins mit der Existenz sind. In dem Moment, in dem du denkst, dass Leute dich beobachten, ist das Ego hinzugekommen, und so verlierst du deinen natürlichen Ausdruck.
Kinder sind nicht so gehemmt, wie die Erwachsenen. Wenn du sie beim Spielen beobachtest, wirst du sehen, dass es so viel Schönheit und Unschuld dabei gibt. Auch wenn du Bilder von dir und anderen aufnimmst, wirst du bemerken, dass die Bilder, bei denen du nicht gemerkt hast, dass du fotografiert wurdest, viel besser aussehen, als die anderen Bilder, bei denen du gebeten wurdest vor der Kamera zu posieren.
In dem Moment, von dem an du zum Posieren gebeten wurdest, bist du gehemmt. Dein Ego fürchtet sich davor, was die anderen dazu sagen könnten und dass es eingebeult werden könnte. Das gehemmte Ego wägt bei allem ständig die Für und Wider ab. Es wägt ständig die Blicke und Meinungen der anderen ab und passt sich dann nach eigener Maßgabe an.
Selbst in unseren Meditations-Kursen, wenn ihr mal beobachtet, bitte ich euch eure Augen mit Tüchern zu verbinden bevor die Meditation beginnt. Aber was macht ihr zuerst? Ihr seht erst nach, ob die anderen Teilnehmer ihre Tücher richtig um ihre Augen binden! Ihr seid so gehemmt, selbst in der Meditations-Halle. Manche von euch führen die Meditation nicht richtig aus, da sie wegen der Helfer und mir gehemmt sind, weil wir unsere Augen geöffnet haben! Ihr führt die Meditation in einer verhaltenen Weise durch und verliert am Ende noch das Ziel aus den Augen, weswegen ihr zu dem Meditations-Kurs gekommen seid.
Wenn ihr mit dem Rechnen aufhört und anfangt, arglos und offen zu sein, dann werdet ihr die ganze Zeit über von Erstaunen und Frische erfüllt sein. Das Leben wird für euch niemals mehr dumpf und unterdrückt sein.
Der arglose Mensch fügt niemals jemandem irgendein Leid zu, da er erst rechnerisch werden müsste um Leid zuzufügen. Selbst wenn er unabsichtlich Leid zufügte, werden die Menschen dadurch nicht verletzt werden, weil sie wissen, dass es nicht so gemeint war. Seine gesamte Körpersprache wird seine Arglosigkeit zum Ausdruck bringen und ihm beistehen.
Das Ego des Wissens
Lasst uns nun zu einer anderen, wichtigen Form von Ego kommen – dem Ego, das mit dem Wissen einhergeht.
Während du aufwächst, sammelst du durch deinen Umgang mit Menschen Urteile über sie und sammelst auch Daten aus Büchern und Heiligen Schriften. Diese beiden ergeben zusammen dein Wissen, deine ganze geistige Struktur. Alles, was du siehst, erblickst du durch diese geistige Struktur.
Alles, was du siehst, wird nur zu einem unterstützenden Argument für deine bereits vorgeformten Schlüsse. Du bist fast wie eine Leiche! Es gibt keine Aussicht auf irgendein Wachstum in dir. Du schaust die ganze Zeit durch ein Glas mit einer gewissen Farbe – einer Farbe, die du aufgebracht hast! Du kannst dir nicht vorstellen, wie viel du deswegen versäumst, in dieser von Wundern erfüllten Welt.
Eine kleine Geschichte:
Ein Mann sagte seinem Freund: "Weißt du, ich habe wirklich einen Narren aus mir gemacht."
Der Freund fragte: "Warum, was ist geschehen?"
Der Mann sagte: "Ich habe zehn gesprungene Fensterscheiben in meinem Haus ersetzt und dann festgestellt, dass ich einen Sprung in meiner Brille hatte!"
Wenn wir nur für einen Moment lang nach innen schauen, werden wir verstehen, dass wir der allgemeine Faktor sind, bei allem, was wir sehen. Aber irgendwie möchten wir niemals nach innen schauen. Wir haben das Gefühl, dass wir alles bereits wissen, und da beginnt das Problem. Weltliches Wissen alleine gibt uns nicht die Möglichkeit uns zu entwickeln.
Die gefährlichste Sache ist, dass du das Gefühl hast, durch dein Wissen fest geworden zu sein. Du fühlst, dass du eine solide Person geworden bist, durch die Vorzüge deines Wissens. Aber du weißt nicht, dass du deinem Wesen eine Last geworden bist und nichts sonst.
Dein Wesen gleicht einem Fluss, und du hast ihn mit deinem sogenannten Wissen zur Stagnation gebracht. Wahres Wissen besteht darin zu erkennen, wie du das Wissen fallen lassen kannst, das du mit der Zeit angesammelt hast und wie du wie ein Kind leben kannst, fließend in Spontanität. Du musst dich vom Ego zur Spontanität bewegen.
Wir sind alle dazu bereit, zu kategorisieren und alles abzustempeln, was wir in unserem Leben sehen. Schließlich berauben wir das Leben seiner Spontanität. Wir kategorisieren Menschen, Orte, Situationen und alles, was uns in die Quere kommt.
Eine kleine Geschichte:
Ein Mann ging einst in ein Kino, um einen Film anzuschauen.
Der Film begann mit dem Vorspann eines berühmten, internationalen Filmstudios, das den Film produziert hatte.
Der Mann sagte zu sich: "Oh! Ich habe diesen Film bereits zuvor gesehen!", stand auf und ging fort.
Jede Produktion dieses Studios kommt mit dem gleichen Logo daher, und der Mann schloss daraus, dass er den Film bereits zuvor gesehen hatte! Er hat ihn einfach versäumt, das ist alles.
So sind wir alle; speziell die Erwachsenen. Kinder sind nicht so. Sie sehen alles mit einer Frische. Sie sind so voll von Leben; sie sind nicht so tot, wie wir.
Wenn du an den Strand gehst, beobachte einfach die Kinder, wie begeistert sie sind. Dagegen, wenn du selber zum Strand gehst, dann hast du das Gefühl, dass du den Strand bereits kennst. Selbst die unvergleichliche Frische und Schönheit der Natur geht durch deine gefärbten Brillengläser verloren. Du kannst nicht die Brille absetzen, die du trägst. Selbst der Strand wird noch zu einem Ort für dich, um dein sogenanntes Wissen zu bekräftigen. Lass dir sagen: wenn du das Gefühl hast, dass du das Leben überhaupt nicht genießen kannst, dann ist das wegen deines Verstandes, wegen deines festen Ego und nicht deswegen, weil das Leben nicht schön ist.
Ein Mann ging in die Schweiz, um dort Ferien zu machen und kehrte nach einem Monat zurück.
Eines Abends traf er seinen Freund und entschloss sich, mit ihm Essen zu gehen.
Der Freund fragte ihn: "Hast du also die schöne Landschaft der Schweiz genossen?"
Der Mann antwortete: "Ja, in gewisser Weise. Aber die Berge standen mir im Weg!"
Wir sind so unsensibel; wir sind so weit entfernt von der Natur. Uns umgibt so viel Schönheit, aber wir sind unfähig, sie zu genießen und beschweren uns darüber, dass es nichts zu genießen gibt.
Die Fähigkeit zu genießen liegt in dir. Mache nichts außerhalb dafür verantwortlich. Als Kind konntest du alles um dich herum genießen. Was geschah aber dann? Du wurdest ernst und verlerntest das Genießen. Du wurdest abgestumpft, durch dein sogenanntes Wissen.
Wie ich bereits erzählte, haben mich Menschen oft gefragt: "Swamiji, wie kommt es, dass du mit all deinem Wissen wie ein Kind wirkst? Jedes Mal wenn du einen Witz erzählst, lachst du so spontan, und wir sehen dich mit Ehrfurcht an! Wenn du einen Witz erzählst, den wir schon einige Male zuvor gehört haben, dann lachen wir nicht mehr, du aber genießt ihn so sehr, als wenn du den Witz das erste Mal erzählen würdest!"
Seht ihr, das meine ich genau, wenn ich sage, dass ihr eure Spontanität und Fähigkeit zu genießen verloren habt. Ihr bekommt ein all-wissendes Verhalten durch euer Wissen.
Nun, da ich euch dies gesagt habe, lasst mich euch eine Geschichte erzählen, die ich sehr oft während meiner Reden erzähle, und die mich selbst jetzt noch zum Lachen bringt!
In den Dörfern in Tamil Nadu wird während des jährlichen Tempel Festivals eine Bühne im Freien aufgebaut, auf der berühmte Schauspielergruppen ihre Spiele aufführen, meistens Szenen eines großen Hindu-Epos, wie dem Mahabharatha oder dem Ramayana.
Ich bin gerne hingegangen und habe mir diese Dramen angeschaut.
Bei einer solchen Gelegenheit stellten sie eine Szene aus dem Mahabharatha dar, in der Draupadi von Dushaasana geraubt und schließlich durch Krishna gerettet wurde.
Die Draupadi-Figur wurde von einem Mann dargestellt, der in einen Sari gekleidet war.
Normalerweise würde er sieben Saris tragen, einer auf dem anderen, und Dushaasana würde sie einen nach dem anderen abwickeln und dabei mitzählen.
Wenn der siebte und letzte Sari erreicht war, dann würde Draupadi um Krishnas Hilfe rufen und Krishna würde erscheinen.
Aber… der Draupadi-Darsteller hatte nur sechs Saris an, und als der sechste Sari abgezogen wurde, bemerkte Draupadi das Missgeschick!
Er begann zu schreien: "Hey, lass los! Hey, lass los!" zu Dushaasana.
Dushaasana dachte, dass Draupadi ihre Rolle so schön spielte und fuhr fort daran zu ziehen!
Schließlich stand Draupadi (männlicher Darsteller) auf der Bühne, nur in Unterhose und mit einer Bluse gekleidet, und das in der Aufmachung einer Frau!
Aber er war sehr geistesgegenwärtig und rief: "Oh Krishna! Wie gnädig du bist; du hast mein Geschlecht verwandelt, um mich vor Schande zu bewahren!"
Selbst jetzt, wenn ich an diese Szene denke, kann ich nicht aufhören zu lachen!
Verstehe also, dass Wissen in Ordnung ist, aber nutze es nicht, um dich zu definieren. Deine innewohnende Natur ist flussartig, ist fließend. Spontanität ist deine Natur. Du hast dich von ihr mit Hilfe von sogenanntem Wissen entfernt. Wenn du arglos lebst, wird sich dir eine ganz neue Welt eröffnen.
Entdecke nur jeden Moment mit Offenheit. Habe keine vorgefassten Ansichten. Wenn du so lebst, wird dir nichts als alltäglich erscheinen. Du wirst dann sehen, dass selbst deine Frau, mit der du jeden Tag zusammen lebst, frisch und angenehm erscheint.
Wenn dies zu deiner Haltung wird, dann besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass die andere Person die Offenheit in dir wahrnimmt und sich dir gegenüber auf angenehme Weise öffnet. Das wird dann ein positiver Kreislauf werden, worin du dich in jedem Moment zu mehr Frische bewegst. Schließlich wird nur noch überall Frische sein, nichts Schales mehr!
Wenn du hingegen mit Ego lebst, dann benötigst du ständig einigen Krimskrams, einige Stützen, einige Menschen um dich. Diese Unterstützung ist es dann, die dir deine Identität verleiht. Ohne diese bist du ein Niemand. Ein König ist nur ein König, wenn er ein Königreich hat. Andererseits ist ein Paramahamsa ein Mensch, der nichts braucht, der dort schläft, wo er seine Beine ausstreckt und der dort isst, wo er seine Hand ausstreckt! Er folgt einfach dem Fluss der Existenz. Er ist eine verwirklichte Seele und ist sich selber ein König. Er braucht kein Königreich!
Wenn du ein Paramahamsa wirst, dann wird sich von ganz alleine ein großes Königreich um dich formen, aber du wirst weder berührt davon, noch dadurch versucht werden. Nur die Schwachen bauen ein Königreich für sich selber und ziehen ihre Unterstützung und ihre Stärke daraus. Nur die Schwachen benötigen den Status und das Ego, um sich zu unterstützen. Für den Status eines Paramahamsa ist alles gut genug; er wird unberührt von dem Status sein, der ihn umgibt.
Du suchst nach Krimskrams, weil du das Gefühl hast, dass das Leben ansonsten zu leer und banal ist. Und du empfindest das Leben als banal, weil du ständig nach Wundern suchst. Die größten Wunder der Existenz ereignen sich jeden Moment vor deinen Augen. Du aber bist so voreingenommen mit deinem Ego, dass du sie versäumst!
Dein eigener Körper ist ein Wunder. Er ist großartiger als jeder Supercomputer, der jemals gebaut werden wird. Millionen von Zellen und tausende synchronisierter Abläufe, die sich in jedem Moment in deinem Körper ereignen, sind das größte Wunder auf dem Planeten Erde. Wenn du verstehst, wie du deinen Verstand fallen lassen und in Einklang mit der Existenz leben kannst, dann wirst du verstehen, dass die Wunder, nach denen du suchst, nichts anderes als die natürlichen synchronen Ereignisse sind, die sich in der Existenz in jedem Moment ereignen. Nur dein Ego ist es, das diese Dinge als gewöhnlich erachtet, das ist alles. Dein Wissen zerteilt und analysiert immer und reduziert die Dinge auf banale Logik.
Frage: Swamiji, wie kommt es, dass wir wissen, aber die Dinge dennoch so ausführen?
Das ist eine schöne Frage! Wenn wir die Wahl haben, glücklich zu leben, warum wählen wir dann das Leid?
Seht ihr, ihr kennt nicht euer Selbst, euer Wesen, welches eigentlich eure wahre Identität ist. Im Laufe der Zeit beginnt ihr, mit der äußeren Welt in Beziehung zu treten und euch eine Pseudoidentität für euch selbst aufzubauen. Über diese Pseudoidentität könnt ihr mit der äußeren Welt in Beziehung treten. Diese Pseudoidentität ist euer Ego. Sie ist rein aus den Etiketten gemacht, die euch andere aufgeklebt haben. Ihr wisst nicht, wer ihr wirklich seid.
Nehmen wir an, ich frage euch, wer ihr seid. Was werdet ihr sagen? Ihr werdet sagen: "Ich bin der Vater von so und so. Oder Ich bin ein Doktor." usw. Aber was sind all diese Identitäten? Sie stellen nur eure Beziehungen und Berufe dar. Du bist Tochter deinem Vater gegenüber, Ehefrau deinem Ehemann gegenüber, Mutter deinen Kindern gegenüber und so weiter. Ihr seid all diese Dinge in Bezug auf die Menschen um euch. Aber was seid ihr dann selber?
Gegenwärtig existiert ihr nur in Beziehungen und Berufen. Euer Ego ist darauf gegründet. Eure Identität definiert sich nur dadurch. Deswegen besteht immer die Gefahr, dass ihr eure Identität verliert. Sie ist ein menschengemachtes, zerbrechliches Ding, und so kann sie jeden Moment zerbrechen. Deswegen musst du so schwer arbeiten, um sie zu erhalten.
Deine innewohnende Natur ist eigentlich, "allein zu sein". Als du im Bauch deiner Mutter warst, warst du allein. Du bist dir überhaupt selbst genug. Das ist deine Individualität. Mit der Zeit wurde die Individualität von dem übernommen, was ihr Persönlichkeit nennt. Individualität ist natürlich, Persönlichkeit ist gesellschaftlich.
Es ist ähnlich wie: ein Paket kommt von einem Ort zu einem anderen, und an jedem Ort wird es mit verschiedenen Signaturen gestempelt. Aber das Paket besteht ja nicht aus diesen Stempeln, sondern aus dem Inhalt des Pakets, nicht wahr? In gleicher Weise, bist du nicht die Stempel, die die Leute dir aufgedrückt haben, sondern du bist der Inhalt von dir selber.
Mit der Zeit ist jedoch dein Ego aufgrund dieser Stempel gebildet worden, und du brauchst immer mehr Menschen, um es zu füttern. Deswegen merkst du, dass du vollkommen unfähig bist, alleine mit dir selber zu sein. Wenn du mit dir alleine bist, dann hörst du nicht die Stimmen der anderen, die dein Ego füttern. Dein Ego fühlt sich unversorgt an. Was machst du dann? Zumindest schaltest du dann den Fernseher ein und siehst fern!
Eine kleine Geschichte:
Ein Mann, der zu einer lange regierenden politischen Partei gehörte, lag im Sterben.
Seine Freunde erfuhren, dass er seine Gefolgschaft der Oppositionspartei übergeben hatte, im Moment des bevorstehenden Todes.
Sie waren erstaunt und fragten ihn, warum er dies getan hatte.
Der Mann antwortete: "Oh! Ich wollte lieber, dass einer von ihnen stirbt!"
So stark ist unsere Pseudoidentifikation! Sie ist zu solch einer festen Realität für uns geworden, dass sie uns blind macht, irgendetwas anderes zu sehen. Selbst im Moment des Todes finden wir es schwer, unser Prestige loszulassen! Wir leben und wir sterben, unbewusst.
Die Angst, unsere Persönlichkeit zu verlieren, die unser einziger Ankerpunkt ist, veranlasst uns sich so zu benehmen, wie wir uns benehmen. Deswegen sagen wir, dass sich dein Ego aufspielt. In der gesamten Spiritualität geht es darum, diese Persönlichkeit zu verlieren, diese Pseudoidentifikation loszulassen.
Das kann nur geschehen, wenn du zuzuschauen beginnst, anstatt verwickelt zu sein und zu glauben. Wenn du ein Zuschauer wirst, dann wirst du verstehen, dass du der Inhalt des Pakets bist und nicht die Namen und Etiketten, die auf dem Paket aufgebracht wurden. Wenn dieses Bewusstsein in dir erwacht, dann brauchst du keine Vorlesung, keine Zeremonie, keine Lehre und keine Predigt mehr.
Frage: Swamiji, wenn wir uns dir hingeben, unserem Meister, wird dann unser Ego betreut werden?
Zunächst einmal, wenn du dich wirklich hingibst, dann wirst du erleuchtet. Es gibt also nicht die Frage von "wenn ich mich hingebe" usw. Aber um der Argumentation willen, wenn du zulässt, dass ich dich durchdringe, werde ich dein Ego beschneiden, wie einen Bonsai-Baum und aufbewahren, bis die Zeit kommt, wo du es vollkommen loslässt und erleuchtet wirst.
Du wirst genug Ego haben, um dein Geschäft zu betreiben, deine alltäglichen Aktivitäten zu verrichten, ohne andere Menschen oder dich selber zu verletzen. Dein Ego wird wie gerösteter Samen sein, der nicht mehr wachsen wird.
Verstehe, dass ein Mensch, der noch nicht erleuchtet ist, in sich das Ego in der einen oder anderen Form trägt. Ob du nun aktives Ego oder passives Ego hast, je mehr du beginnst, ein Beobachter zu werden, desto mehr wird sich dein Ego auflösen. Das soll jetzt genug der Erklärung sein.
Bei normalen Leuten kannst du leicht dein Ego beschützen und mit ihm davonkommen. Bei einem Meister kannst du mit deinen Tricks nicht durchkommen. Du kannst dich nur selber täuschen, indem du denkst, dass du ihn getäuscht hast. Egal wie tief verborgen und gut du dein Ego und deine Klugheit versteckt hast, sie werden einfach unter dem Blick des Meisters klar und deutlich erscheinen. Während du darum kämpfst, dein Ego zu beschützen, versucht der Meister es zu heilen. Nur er weiß, was für eine krebsartige Krankheit das Ego ist.
Lasst mich euch einige Dinge aus der Bhagavad Gita erzählen. Die Bhagavad Gita ist Krishnas Belehrung an die Welt.
Am Anfang der Bhagavad Gita ist Arjuna verwirrt.
Er sagt: "Oh Herr! Ich weiß nicht, was im Leben zu tun ist. Bitte führe mich."
Krishna erklärt ihn den Sankhya Yoga – den Weg, die Seele zu erreichen.
Dann erklärt er den Karma Yoga, dann den Bhakti Yoga, dann den Karma Sanyasa Yoga, dann den Jnana Karma Sanyasa Yoga, dann den Raja Vidya Yoga usw.
Er erklärt die verschiedenen Meditations-Techniken mittels 700 Versen in 18 Kapiteln.
Am Ende davon sagt Arjuna: "Krishna, ich bin jetzt verwirrter als ich am Anfang war. Welcher Methode soll ich nun folgen? Welches ist die beste und die schnellste Methode? Welches ist die Abkürzung – die höchste Technik?"
Krishna antwortete darauf in dem abschließenden, achtzehnten Kapitel.
Bei jedem Meister sind die Worte, mit denen er abschließt, die letztendliche, sichere und höchste Wahrheit.
Krishna sagt: Sarva dharman parithyajya mamekam sharanam vraja, aham thva sarvapapebhyo
mokshayishyami ma suchaha.
Dieser Vers ist so, dass, wenn wir uns alle Religionen, Philosophien und spirituellen Bücher als einen Topf voller Milch vorstellen, dieser Vers die daraus gewonnene Butter von allen gemeinsam darstellt.
Er sagt: "Ich habe dir alle Formen der Gerechtigkeit dargelegt. Gib Mir einfach alles hin. Übe Hingabe an Mich, und Ich werde mich um dich kümmern. Ich werde dich von all deinen Sünden befreien und dich in die Befreiung erheben."
Krishna macht tatsächlich ein schönes Versprechen in diesem Vers.
Durch diesen Vers zeigt Krishna der Welt, dass Hingabe die letztendliche, sichere und höchste Technik ist – die Abkürzung in den ichlosen Zustand, die Abkürzung zur Befreiung.
Eine andere schöne Geschichte über Krishna und Arjuna:
Eines Abends verbrachten Krishna und Arjuna ihre Zeit gemeinsam.
Krishna zeigte plötzlich auf eine Krähe und sagte: "Arjuna, siehst du dort die grüne Krähe?"
Arjuna sah in die Richtung und sagte: "Ja Krishna, ich sehe sie!"
Einige Minuten später rief Krishna: "Arjuna, sieh die schwarze Krähe dort!"
Arjuna sagte: "Ja Krishna, ich sehe sie!"
Krishna fragte nun, um Arjuna zu testen: "Arjuna, wie dumm bist du! Es gibt überhaupt keine grünen Krähen. Wie konntest du sie also dann gesehen haben?"
Arjuna antwortete: "Krishna, wenn du sagst, dass es eine grüne Krähe war, dann habe ich auch eine grüne Krähe gesehen."
Selbst die Sinne von Arjuna waren an Krishna hingegeben. Die Sinne an den Meister hinzugeben, ist die schwierigste Form der Hingabe überhaupt. Der Meister ist die Existenz selber; er ist das Formlose in Form. Wenn deine Sinne nur das wahrnehmen, was der Meister sagt, dann hast du den höchsten Zustand in der Hingabe erreicht.
Was ist Hingabe? Das Wort Hingabe hat eine sehr tiefe Bedeutung. Wenn wir es nicht richtig erfassen, dann werden wir es missverstehen! Wir werden einen schweren Fehler begehen. Wir werden eine tiefe Wahrheit nicht verstehen.
Eine kleine Geschichte:
Eines Nachts gingen zwei Trunkenbolde eine Straße entlang, einer Halogen-Lampe entgegen. Einer von beiden deutete auf sie und rief: "Siehe, die Sonne ist für uns aufgegangen!"
Der andere antwortete: "Nein, es ist Nacht; es ist der Mond."
Der erste fuhr fort: "Das Licht ist von weißgelber Farbe, und deswegen ist es die Sonne."
Ein dritter Betrunkener kam hinzu.
Sie fragten ihn: "Sie, bitte sagen Sie uns, ob das die Sonne oder der Mond ist."
Der Mann antwortete: "Ich bin neu hier in der Nachbarschaft; ich weiß es nicht."
Wenn du also jemanden fragst, der nicht Bescheid weiß, dann wirst du entweder keine oder eine falsche Antwort bekommen.
Nur diejenigen, die erfahren haben, können klar erklären. Wenn du die Bedeutung von Hingabe bei einer Person erfragst, die sie nicht erfahren hat, dann wird sie sagen: "Gebe einfach alles an Gott hin, das ist alles."
Das ist keine Hingabe.
Ein Mann kam zu mir und fragte: "Wenn ich alles an Gott hingebe, wird dann alles gut werden?"
Ich antwortete: "Ja, wenn du wahrhaftig alles an Gott hingibst, dann wird alles gut sein."
Nach drei Tagen kam er zurück und sagte mir: "Swamiji, ich habe alles an Gott hingegeben."
Ich war glücklich und fragte ihn: "Wo gehst du jetzt hin?"
Er antwortete: "In die Bar."
Er fuhr fort: "Was auch immer ich tue, Gott ist von nun an verantwortlich dafür."
Das ist natürlich eine Methode, um sich selber an der Nase herumzuführen. Wenn er sich wirklich hingegeben hätte, dann hätte er auch seine Trinkgewohnheiten hingegeben. Es wäre ihm nicht mehr möglich gewesen weiterhin zu trinken.
Ramakrishna sagte sehr schön: "Wenn wahre Hingabe von deinem Herzen kommt, wird Gott dich bei jedem Schritt deines Lebens führen und du kannst niemals wieder falsch handeln." Wenn Hingabe nicht aus deinem Inneren erblüht und nur ein Lippenbekenntnis ist, dann wirst du dich und andere betrügen.
Hingabe lässt dich ständig an die Existenz denken. Du wirst langsam deine eigene Identität bzw. dein Ego verlieren. Im Bhagavatam gibt es einen Vers, worin eine Gopi von sich selbst sagt: "Ich bin nicht fähig, an etwas anderes zu denken als an Krishna. Ich habe meinen Geist Ihm hingegeben. Wenn ich an etwas anderes denken müsste, dann müsste ich meinen Geist von Ihm zurückziehen. Wie könnte ich das tun?"
Ramakrishna Paramahamsa litt während seiner letzten Tage an Krebs.
Jemand fragte ihn: "Warum kannst du deinen Geist nicht einen Moment lang auf deine Krankheit richten, um sie zu heilen?"
Er antwortete: "Ich habe meinen Geist der unendlichen Energie hingegeben. Wie könnte ich ihn zurücknehmen und auf meine Krankheit richten!"
Das ist wahre Hingabe.
Die kosmische Energie wird sich um uns kümmern. Du könntest fragen: "Wird sich die kosmische Energie um all meine Probleme kümmern, wenn ich mich hingebe?" In der Bhagavad Gita antwortet Krishna sehr schön – oder verspricht eher: "Ohne jegliche andere Gedanken, wenn ein Mensch nur an Mich denkt, dann werde ich mich um seine Begabungen kümmern, ebenso um deren Zügelung oder deren Genuss. Für diejenigen, die sich Mir jedoch mit Engagement hingeben, werde ich auch für ihr Einkommen sowie für ihren Wohlstand sorgen. Ihre Probleme werden sich auflösen."
Engagement und Reife des Geistes werden benötigt, um echte Hingabe geschehen zu lassen. Du musst dich nicht Gott oder einem Meister hingeben. Du kannst dich an irgendetwas hingeben. Die Hingabe selbst ist eine Tugend und trägt große Kraft in sich. Wenn du dich hingibst, dann erkennst du an, dass es eine größere Kraft als dein Ego gibt, das ist alles.
Tatsächlich ist Gott nur ein Vorwand, um sich hinzugeben. Der Akt der Hingabe selbst ist das, was wichtig ist. Gott ist nicht das Ziel; Hingabe ist das wirkliche Ziel. Wenn du dich hingibst oder wenn du dein Ego verlierst, dann bist du nicht länger eine getrennte Einheit von der Existenz, sondern du vereinst dich mit der Existenz bzw. mit Gott. Dann wirst du verstehen, dass kein Gott oberhalb von dir sitzt. Es gibt nur Existenz, die alles in diesem Universum erfüllt, von welchem du ein Teil bist.
Eine kleine Geschichte:
Ein Mann entschied sich dazu, sich hinzugeben, wusste aber nicht, wem er sich hingeben sollte.
Er entschloss sich, in den Wald zu gehen und sich der ersten Person hinzugeben, die ihm über den Weg kam.
Dann ging er in den Wald und wartete dort.
Die erste Person die ihm erschien, war ein Dieb, der gerade vor der Polizei floh, die dabei war, ihn zu jagen.
Der Mann umklammerte die Füße des Diebes und erklärte, dass er nun sein Guru wäre und dass er sich ihm hingegeben habe.
Der Dieb war erstaunt und wusste nicht, was er tun sollte.
Er antwortete hastig: "Nun gut, wenn dem so ist, dann schließe deine Augen und verbleibe hier, bis ich zurückkomme." Dann rannte der Dieb weiter.
Der Mann war eine sehr engagierte Person und verblieb dort ohne Nahrung oder Schlaf für eine sehr lange Zeit.
Nur durch sein Engagement erschien der Herr vor ihm, umarmte ihn und schenkte ihm die Befreiung.
Es ist nicht wichtig, wem du dich hingibst; es ist der Akt der totalen Hingabe selbst, der die Kraft besitzt, dein Leben in ein glückseliges zu verwandeln. Wenn du dich hingibst, dann wirst du ein Besitzer der unerschöpflichen Energie, welches die Existenz ist, und du kannst es mit allem aufnehmen, was deines Weges daherkommt.
Du wirst stark und unerschütterlich werden, komme was wolle. Die Menschen in deiner Nähe werden dich als eine Säule der Stärke empfinden. Sie werden fähig sein, die unsichtbare Hand der Existenz durch dich zu erfahren. Wenn du dich nicht hingegeben bist, bedeutet das, dass dein Ego dich noch immer von der Verschmelzung mit dem Unendlichen zurückhält und so bist du automatisch begrenzt in deinen Ressourcen und deiner Energie.
Ein Meister ist ein Hilfsmittel, das dir zu deiner Hingabe verhilft. Hingabe bedeutet nicht, dass du auf jemanden angewiesen bist. Es bedeutet einfach, dass du dessen Hilfe in Anspruch nimmst, um dein eigenes Ego aufzulösen.
Frage: Swamiji, kannst du uns bitte mehr über Meditation sagen, und wie sie dazu beitragen kann, unser Ego zu verlieren?
Ja, aber lasst mich zuerst erzählen, wie und warum Meditationstechniken entstanden sind.
Seit seiner Schöpfung hat sich der Mensch darüber gewundert und hat untersucht, was es ist, das dieses schöne Universum erschaffen hat; was es ist, das diese schöne Erde erschaffen und sie ins Universum gesetzt hat, und was es ist, das die Flüsse fließen und die Berge wachsen lässt. Er kam zum Schluss, dass es eine Kraft oder eine Energie gibt, die dieses alles ausführt. Er schloss daraus, dass es eine gewaltige, existenzielle Energie gibt, die alles am Laufen hält. Er begann dann zu untersuchen, wie eine Verbindung mit dieser Energie hergestellt werden kann.
Die ersten Menschen, die zu diesem Schluss kamen, ihn erforschten und eine Verbindung mit dieser Energie herstellten, waren die Rishis bzw. die verwirklichten Seelen bzw. die erleuchteten Meister. Als sie Erleuchtung erlangt hatten, erschufen sie viele Wege für zukünftige Generationen, um diese Energie ebenso zu realisieren. Die Wege, die jeder von ihnen angab, sind die verschiedenen Meditationstechniken und Religionen.
Jeder von ihnen verwirklichte Gott auf verschiedene Art, durch verschiedene Techniken, und sie zeichneten ihren Weg unabhängig voneinander auf. Dies geschah ähnlich wie bei Wissenschaftlern, die ihren Forschungsbericht über ihre Entdeckungen und Erfindungen erstellen. Jeder Rishi erstellte einen Bericht über seine Erleuchtung, und dieser wurde zu einer Religion oder einer Meditationstechnik.
Diese frühen, verwirklichten Seelen bildeten verschiedene Religionen, um diese Ideen über die Lebenskraft, die die Welt leitet, einzuführen. Wir nennen diese Lebenskraft Jesus, Allah, Shiva usw. Du musst nicht einmal an einen Gott glauben. Atheisten glauben an keinen Gott, aber sie müssen an ihre eigene Existenz glauben. Wenn wir an unsere eigene Existenz glauben und nach einer Antwort auf die Frage "Wer bin ich?" suchen, dann wird dies zu einer Meditationstechnik, und wir werden Gott verwirklichen. Wie dem auch sei, diese verschiedenen Wege oder Meditationstechniken wurden mit der Zeit verschiedene Religionen.
Was geschah aber später? Die Menschen haben diese grundlegenden Ideen hinter allen Religionen zur Seite gelassen und begannen, im Namen der Religion zu kämpfen.
Eine kleine Geschichte:
Ein Tamile, ein Engländer, ein Nordinder und ein Bengale reisten gemeinsam. Sie sahen einen See aus der Entfernung.
Der Tamile sah ihn von Süden und nannte ihn Thanneer, was in Tamil für das Wort Wasser steht.
Der Engländer sah ihn von Westen und nannte ihn "Water".
Der Nordinder sah ihn von Norden und nannte ihn "Paani".
Der Bengale sah ihn von Osten und nannte ihn "Jal".
Alle vier bezogen sich auf die gleiche Sache, nämlich "Wasser".
Aber sie begannen darum zu kämpfen und behaupteten, dass jeder von ihnen das korrekte Wort benutzte.
Keiner von den vier Leuten versuchte, selber in den See zu gehen, um für sich zu erfahren, was Wasser genau ist. Der Tamile wiederholte, was ihm sein Großvater gesagt hatte; der Engländer erklärte, dass sein Großvater es "Wasser" genannt hatte; der Nordinder und der Bengale hingen ebenfalls an dem, was ihnen jeweils ihre Großväter erzählt hatten.
Das ist genau das, was wir auch tun. Menschen, die um Religionen kämpfen, tun genau das Gleiche. Sie müssen verstehen, dass der Blickwinkel, mit welchem die damals verwirklichten Seelen sahen auch deren Benennung beeinflusste; aber alles ist eins – Existenz bzw. Gott. Krishna und Christus bedeuten das Gleiche. Die Menschen haben sie nur von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet, das ist alles.
Diese vier Menschen argumentieren, ohne in den See gegangen zu sein darüber, was ihnen ihre Vorväter erzählt hatten. Was wird geschehen? Sie werden nur streiten, weil jeder von ihnen denkt, dass nur das richtig ist, was ihnen ihre Vorväter erzählt haben. Wenn sie sich entschieden hätten, das zur Seite zu tun, was ihnen ihre Großväter erzählt haben und selber in den See gegangen wären, dann hätten sie verstanden, dass ihre Großväter das gleiche gemeint haben! Dann würde es keinen Streit geben.
Heutzutage kämpfen nur diejenigen miteinander, die nicht in den See gegangen sind und nicht einen Mund voll Wasser genommen haben. Diejenigen, die im Namen von Religion und Kaste Terrorismus verbreiten, sind genau die, welche nicht in den See der Spiritualität eingetaucht sind und nicht einen Geschmack der Wahrheit erlangt haben. Die vier Leute, die sich streiten, stehen am Ufer und kämpfen miteinander! Versteht also, dass die Wahrheit lediglich in verschiedenen Formen ausgedrückt wurde, das ist alles.
Zurück zur Meditation, einfach gesagt, ermöglicht die Meditation deinem Geist zu entspannen, das ist alles. Meditation ist nicht Konzentration, was die Leute meistens von ihr denken. Wenn du dich konzentrierst, dann versuchst du eigentlich, alles von deinem Geist zu verdrängen, was eine unmögliche Aufgabe ist.
Setze dich nur einmal für zwei Minuten lang hin und versuche, alles von deinem Geist auszuschließen; du wirst verrückt werden! Jedes einzelne Ding, das du auszuschließen versuchst, wird zurückkommen und dich quälen. Konzentration ist also nicht Meditation. Meditation besteht darin, einfach alles einzuschließen und zu entspannen. Wenn du dich nicht darauf konzentrierst, irgendetwas auszuschließen, dann kannst du dich entspannen.
Wann immer du Zeit hast, entspanne dich einfach und sei all dessen gewahr, was um dich herum ist. Es mag der Klang der Vögel sein, der Klang des Kalenders im Luftzug, der Klang eines Ventilators über dir, der Klang von Menschen um dich herum oder was auch immer. Höre nur einfach mit offenem Herzen hin. Denke daran, dass sie alle keine Störungen sind. Du fließt mit ihnen, und so sind sie keine Störungen. Wenn du mit ihnen fließt, dann hören sie auf Störungen zu sein.
Während du dies tust, wirst du wahrnehmen, dass es da eine gewisse Stille gibt, einen Kern im Inneren, der eigentlich all dies wahrnimmt, und du wirst immer mehr dieser Stille in dir gewahr werden. Du wirst einen flüchtigen Blick von der Stille in dir erlangen.
Langsam wirst du auch das Bewusstsein von deinem Körper verlieren. Du wirst nur noch Bewusstheit haben. Du wirst dich nur noch durch dein Bewusstsein wahrnehmen, nicht mehr durch deinen Körper oder durch deinen Verstand. Dein Körper wird nicht taub sein, aber du wirst nicht fähig sein ihn zu fühlen, das ist alles; nur noch deine Bewusstheit wird übrig bleiben. Dies kann dich jenseits deines Verstandes bringen, wenn es intensiv geübt wird.
Meditation wird dir zu erkennen helfen, dass du nur der Beobachter im Leben bist. Sie wird dir helfen, dich selber in deinem Wesen gut zu zentrieren und dabei mit der äußeren Arbeit fortzufahren, jedoch sehr viel effizienter und glückseliger, weil du eine innere Stille in dir tragen wirst, die nicht zulässt, dass du abgelenkt oder durch irgendetwas gestört wirst. Wenn du fortfährst, dies zu tun, dann beginnst du, das "Ich" und das "Mein" zu verlassen. Dein Ego löst sich auf. Dein Ego ist nichts anderes, als das starke Gefühl und die Identität, die du mit deinem Verstand und deinem Körper hast.
Was denkst du, warum wir eine weltweite Bewegung für Meditation erzeugen möchten? Meditation ist der einzige Schlüssel zu weltweitem Frieden. Wenn du anfängst, nach innen zu schauen, dann bist du nicht mehr abgelenkt von den Ablenkungen der äußeren Welt, wie Macht, Geld, Vergeltung usw. All deine Grundenergien werden in höhere spirituelle Energien transformiert. Das kollektive Bewusstsein wird eine Anhebung erfahren, und Friede wird von ganz alleine vorherrschen.
Deswegen konzentriere ich mich auf die Transformation von Einzelnen. Wenn eine gewisse Anzahl von Menschen mit erfahrungsmäßigem Verständnis transformiert ist, dann werden diese ihrerseits weitere Menschen durch ihre eigenen Erfahrungen inspirieren, und das wird so weiter gehen und ein neues, positives, geistiges Muster in der Gesellschaft erzeugen.
Bis dein Verständnis zur Erfahrung wird, ist Transformation nicht möglich. Meditation kann jedoch deinem Verständnis zur Erfahrung verhelfen. Meditation ist die einzige Hoffnung für die Transformation des Einzelnen und die Transformation der Gesellschaft.
Wenn du meditierst, wächst deine Intelligenz. Du beginnst Klarheit in allen Belangen zu gewinnen. Du musst nicht weiterhin Menschen nach Alternativen befragen. Du weißt einfach. Das ist alles. Du weißt, weil du vollkommen im Einklang mit deiner inneren Intelligenz bist. Du weißt, dass es nicht falsch sein kann.
Du wirst von deinem Wesen her wissen, dass du auf dem richtigen Weg bist. Vielleicht kommen Momente, wo der Fortschritt schwer wird, weil du gegen den Strom schwimmst, aber du weißt, dass das Ergebnis wunderschön und befreiend sein wird! Alles, was du tun musst ist durchzuhalten, mit einem tiefen Vertrauen in deine eigene Intelligenz.
Wenn du dich selber mit Meditation förderst, dann wird sich deine Kapazität ausweiten, und du wirst fähig werden so viele Dinge in der äußeren Welt zu tun. Es wird keine Begrenzungen geben, bei dem, was du tun und ausdrücken kannst. Du wirst erleben, wie du in verschiedene Dimensionen wächst.
Alles wird leicht zu dir kommen, wenn du mit Hilfe deiner inneren Intelligenz arbeitest, und nicht von einem Ego aus. Wenn dir etwas schwer wird, dann kommt das von deinem Ego, das dich von diesem Ding abschreckt. Wenn du dich selber verlierst und beginnst, dich mit der Existenz zu vereinen, dann wird nichts kompliziert sein; du wirst einfach fließen. Deine Intelligenz wird automatisch für dich arbeiten, um die existenzielle Energie in dir einzuspannen.
Du wirst anfangen, dich selber als eine wunderhafte Person zu betrachten! Dinge, die jenseits deiner Reichweite lagen, werden plötzlich in unmittelbarer Reichweite liegen. Du wirst dich von Ignoranz hin zu tiefer Bewusstheit bewegen.
Frage: Swamiji, wenn wir in tiefem, traumlosen Schlaf sind, und wenn wir in echter Meditation sind, sind wir dann im gleichen "No-Mind" Zustand?
Nein. Wenn du im Tiefschlaf bist, dann gehst du auf die Ebene des Keimhaften und kommst beim Erwachen zurück in den Zustand, in dem du vor dem Schlafengehen warst. Kein Wachstum geschieht in dir. Wenn du in echter Meditation bist, dann gehst du auf die Ebene des Keimhaften, der Keim springt auf, und du bewegst dich zum nächsthöheren Zustand. Das ist der Unterschied. Sie sind beides Extreme. Natürlich, wenn du von außen schaust, sehen sich Extreme immer ähnlich. Ein Verrückter sieht wie ein Mystiker aus, und ein Mystiker wie ein Verrückter! Beide haben den Verstand verloren, aber in verschiedene Richtungen.
Frage: Swamiji, wie kommt es, dass du immer so schön aussiehst!
(Swamiji lacht!)
Ja, das ist eine interessante Frage! Warum sehe ich immer so schön aus!
Seht ihr: wenn ich nur Form wäre, die Form, die du schön findest, zu der du dich hingezogen fühlst, dann würde das Ziehen mit der Zeit schwanken. Es würde entsprechend den Situationen, dem Schmuck usw. schwanken. Bedenke nur: du siehst mich ständig im gleichen Schmuck, hörst die gleichen Gesänge, die gleiche Stimme jeden Tag und bist doch hier mit dem gleichen Eifer, wie immer. Denkst du, du könntest so verfahren, mit jemand anderem in deinem Leben? Verstehe, dass es nicht die Person ist, es ist die Gegenwart, die die Schönheit ausstrahlt, die du fühlst, die dich anzieht.
Soweit es dich betrifft, bist du eine Person. Soweit es mich betrifft, bin ich einfach nur Gegenwart, das ist alles. Die ichlose Gegenwart ist so kraftvoll, dass sie dich einfach anlockt. Es gibt so viele männliche Modelle und Schauspieler, die gutaussehend sind und mit einer viel besseren Persönlichkeit ausgestattet sind, nicht wahr? Du könntest von ihnen allen angezogen sein, aber nicht mit einem Verlangen von tief innen, wie bei mir.
Hier kommt das Verlangen von deinem Wesen her, weil dein Wesen die Göttlichkeit hinter der Form erkennt. Das ist das einzige Anliegen deines Wesens. Die ichlose Gegenwart ist ekstatisch für dein Wesen. Deswegen wirst du immer wieder zu mir hingezogen!
Siehst du: das Verlangen Gott zu fühlen, liegt in der Tiefe eines jeden Menschen, aber es ist nicht greifbar! Wenn du mich siehst, dann fühlst du ein Ziehen und wunderst dich, was dieses Ziehen ist. Dieses Ziehen ist der Ruf deines Wesens. Aber sofort beginnst du zu überlegen, was das sein könnte; du weißt nur deinen Verstand anzuwenden und reduzierst alles auf Logik. Gott ist jenseits von Logik. Deswegen kannst du nicht mit deiner Logik erklären, warum du ein Ziehen zu mir verspürst.
Ihr alle sitzt hier, starrt mich an und wundert euch, was euch über Stunden am Starren hält, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Dies geschieht immer, wenn die innere Sehnsucht tief ist. Diese Sehnsucht ist das Verlangen nach der Heimat. Für viele Leben habt ihr versucht, diese Sehnsucht zu erfüllen, ward aber nicht erfolgreich dabei, und so seid ihr wieder zurückgekommen; ihr nahmt eine weitere Geburt auf euch.
Wenn ihr diese Sehnsucht spürt, dann verfolgen sie einige von euch und beginnen ihre Reise nach innen, während andere Angst bekommen und fliehen! Ihr verweilt in den äußeren Bereichen und seht mir zu, sodass, wenn irgendetwas geschieht, ihr leicht davonlaufen könnt! Dann muss ich mit euch tricksen und euch lehren, um euch zu zeigen, dass ihr angekommen seid und dass es nichts weiter zu tun gibt, als loszulassen – euer Ego loszulassen!
Du handelst immer aus Angst, weil dir diese Art so gelehrt wurde. Angst ist eine passive Form von Ego. Du hast Angst davor nachzugeben, sodass du unter dem Deckmantel der Angst einen Abstand beibehältst. Denke nicht, dass Angst etwas Demütiges ist. Angst ist eine sehr trügerische Form des Ego. Du hast Angst davor loszulassen. Du hast Angst davor, dass du dich auflösen könntest.
Verstehe, dass die Existenz Liebe ist. Sie ist nur Liebe und nichts sonst. Auch kennt dich die Existenz, weil du ein Teil von ihr bist. Wenn die Existenz dich nicht kennt, wer dann? Daher gibt es nichts zu fürchten.
Die Existenz stellt keine Ansprüche an dich. Du kannst einfach dein gewöhnliches Selbst sein, und die Existenz wird weiterhin auf dich einströmen. Die Existenz weiß nur zu lieben und zu vergeben. Sie kennt keine andere Tugend. Du beurteilst die Existenz mit deinen eigenen, egoistischen und sogenannten moralischen Normen; deswegen beginnst du, all diese Dinge zu tun.
Wenn du weißt, dass du Teil der Existenz bist, dann wirst du dich befreit fühlen. Wenn du denkst, dass du getrennt von der Existenz bist, dann wirst du in Elend geraten. Weißt du, es ist solch ein großartiges Gefühl, Teil der Existenz zu sein. Nur wegen deines Ego fühlst du dich verschieden von der Existenz.
Wenn du deine Reise nach innen richtest, dann wirst du immer mehr gewahr, dass du Teil der Existenz bist. Bewusstheit wird langsam dein Ego ersetzen. Wenn Bewusstheit die Führung übernimmt, dann muss das Ego sich auflösen. Da gibt es keinen Weg daran vorbei. Bis die Bewusstheit jedoch übernimmt, fühlst du dich als eine solide Einheit und entkoppelst dich vollkommen von der Existenz.
Tatsächlich ist der gesamte Himmel dafür da, dass du ihn siehst. Aber du siehst nur durch ein Fenster, gerade so groß wie dein Ego es zulässt und du glaubst, dass der Himmel in dem Rahmen der wahre Himmel sei. All diese Spiele sind nichts als Spiele des Ego. Dessen bewusst zu werden ist der erste Schritt, um da herauszukommen. Bewusstheit ist der Generalschlüssel, mit dem du jedes Schloss in dir selber öffnen kannst. Deswegen sage ich immer wieder – bringe Bewusstheit hinein.
Frage: Swamiji, wie würdest du dein Anliegen für uns beschreiben?
Mein einziges Anliegen für euch ist euch zu helfen, damit ihr erblüht. Das ist das Größte, was ich für euch tun kann, und was ihr für mich tun könnt! Ich möchte, dass die Menschen ihre innewohnende Glückseligkeit verwirklichen, ihre potentielle Energie. Jetzt denkt der Mensch noch, dass er ein menschliches Wesen sei, das nach spiritueller Erfahrung Ausschau hält. Er muss klar verstehen, dass er ein spirituelles Wesen ist, das nach menschlicher Erfahrung Ausschau hält. Ich arbeite daran, ihm das zu lehren.
Und der einzige Weg, auf dem er es lernen kann, ist durch das Bewusstwerden der Formen des Ego, die ihm das Gefühl geben, dass er ein menschliches Wesen ist, anstatt ein spirituelles Wesen zu sein. Wenn der Mensch sich vom Beten zum Werden bewegt, dann hat er den Schlüssel gefunden.
Frage: Swamiji, wie geschieht die Transformation, wenn man meditiert? Und kannst du uns mehr über die Rolle des Meisters erzählen?
Wenn eine Person meditiert, dann werden alle seine Grundemotionen wie Ärger, Lust, Neid, Eifersucht, Anhaftung usw. in höhere Energien transformiert. Das treibt ihn in höhere Regionen des Bewusstseins und der Erkenntnis. Dann wird er nicht mehr ruhelos sein, wie zuvor. Die Transformation der Energie kann sich nur durch Meditation ereignen.
Wenn sich diese Transformation in jedem Individuum ereignet, dann wird die gesamte Gesellschaft transformiert. Es wird weniger Gewalt und mehr globale Harmonie geben. Der praktischste Weg zu globalem Frieden führt über die Transformation des Einzelnen.
Durch Meditation und die Führung des Meisters ist die Transformation ein Prozess, den du durchläufst, um all das zu zerstören, was du nicht bist. Es ist ein schmerzhafter Prozess, den du mit einem Meister durchläufst, weil du alle Dinge loslassen musst, die du in deinem Herzen festgehalten hast; all die Dinge, von denen du gedacht hast, dass du sie seist.
Der Meister wird dir andauernd zeigen, was du alles nicht bist, und das alles wird von dir abfallen. Er wird Situationen für dich schaffen, damit diese unterdrückten Gefühle an die Oberfläche kommen. Du musst ihn nur an dir arbeiten lassen, sodass er all den Müll wegbrennt, den du über viele Leben lang angesammelt hast.
Ich sage den Leuten immer wieder: wenn du wegzulaufen versuchst, dann wirst du mich ein weiteres Mal verpassen. Versuche nicht wegzulaufen. Ich werde meine Hände genau auf die Tumore legen, die in dir verborgen sind, auf die Tumore, die dein Ego sind. Setze einfach deinen Glauben in mich und habe den Mut, dich zu öffnen. Es wird mir dann möglich sein, all deine Tumore zu heilen. Allein durch das Öffnen dem Meister gegenüber, verlässt dich die Hälfte deines Ego. Um den Rest wird er sich dann kümmern. Du musst nur deine Hand ausstrecken; dann wird er dich emporheben, das ist alles.
Wenn du ein ernsthafter Sucher bist, wenn du für die Transformation bereit bist, dann wirst du dich dem Meister gegenüber öffnen, und die Dinge werden von ganz alleine geschehen. Wenn du nur ein Schaufenstergucker bist, dann kann nicht viel geschehen; du wirst lediglich von einem Meister zu einem anderen wandern, und von keinem etwas lernen.
Wenn du meditierst, meditiere intensiv. Wenn Intensität mit der Meditation einhergeht, dann muss die Transformation geschehen; das Über-Bewusstsein muss sich ereignen. Normalerweise sind wir entweder intensiv und verpassen die Meditation, oder wir meditieren ohne Intensität. Wir fangen eines und verpassen das andere. Wir müssen beide fangen, um wirklich zu erblühen.
Es ist egal, wie lange du meditierst; wie intensiv du meditierst ist das, was zählt. Die Qualität des Bewusstseins ist das, was zählt. Wenn du die bewusste Entscheidung triffst, dich nach innen zu wenden, dann wird sie dir die Intensität in der Meditation verleihen.
Frage: Swamiji, wir möchten immer etwas im Leben erreichen. Ist das auch ein Spiel unseres Ego?
Ja und ob! Du hast es auf den Punkt gebracht. Wenn du denkst, dass das Leben einen Zweck hat und du diesem hinterherrennst, dann bist du egoistisch. Wenn du die Schönheit der Existenz wahrnimmst und mit ihr fließt und wenn du verstehst, dass das Leben selbst der Zweck ist und alle Ziele nur Illusion sind, dann hast du Bewusstheit erlangt; dann bist du nicht mehr egoistisch.
Ein Meister ist jemand, der dir klarmacht, dass das Leben "absichtslos" ist. Wenn du mit einer Absicht suchst, dann verpasst du die Wirklichkeit, weil, wenn du hinter dem Zweck her rennst, dann versäumst du die Gegenwart. Du verfehlst einfach die Existenz.
Wenn du die Absichtslosigkeit des Lebens erkennst, beginnt ein neues Bewusstsein in dir zu erblühen. Du wirst dann verstehen, dass die Diamanten, die du immer beschützt hast, einfach nur Steine sind. Du wirst verstehen, dass die Dinge, die du als großartig erachtet hast, nur einfache Spielzeuge sind. Du wirst verstehen, dass Geld nicht der wahre Segen ist, nach dem du suchst. Du suchst jenseits davon.
Du wirst auf das Leben als ein großes göttliches Spiel sehen – ein Spiel der Existenz. Du wirst das Drama genießen und deine Rolle spielen, mit größtmöglicher Freude und Perfektion. Du wirst nicht für Ziele leben; du wirst um des Lebens willen leben und dein Leben genießen.
Versteht, dass ich nicht sage, dass ihr aufhören sollt, Geld zu verdienen. Ohne Geld könnt ihr nichts tun im Leben. Ich sage nur, dass ihr das Leben in jedem Moment genießen sollt und dass ihr die Ziele in dem ganzen Prozess nur beiläufig werten sollt. Ihr müsst verstehen, dass die ganze Sache nur ein Drama ist, worin ihr ein Darsteller seid. Wenn ihr an Zielen anhaftet, dann verpasst ihr die gesamte Idee.
Macht es irgendeinen Sinn, in einem Drama an seiner Rolle anzuhaften, oder an einer anderen Rolle, oder an irgendetwas? Nein! Es würde geradezu lächerlich erscheinen, nicht wahr? In gleicher Weise ist das Leben auch ein großes Drama; hafte also nicht daran, in keiner Weise. Spiele einfach nur deine Rolle und genieße die ganze Schau.
Verstehe, dass das Leben nicht das Ziel ist, sondern der Weg selbst. Wenn du ein Ziel hast, dann wirst du dem hinterherrennen, deine Füße werden nicht einmal den Boden berühren. Wenn du nicht den Boden berührst, dann verpasst du die Schönheit der Existenz. Wenn du rennst, dann verpasst du wörtlich das Gefühl der Existenz unter dir. Wenn du das Ziel fallen lässt, dann wird die Betonung automatisch auf dem Weg liegen. Der Weg ist dazu da, um genossen zu werden; um das Ziel wird sich dann von selbst gekümmert.
Wenn du die Absichtslosigkeit des Lebens verstehst, dann wirst du die Bedeutung des Lebens verstehen. Bis du das verstehst, lebst du dein Leben auf eine unbewusste Art und Weise. Du lebst ohne ein sauberes Bewusstsein. Du lebst mit einem festen Ego, das nur Ziele im Blick hat und nicht die Schönheit des Lebens selbst.
Dein ganzes Leben nur um eines Zieles willen zu opfern ist nicht die Art zu leben. Wenn du auf diese Weise lebst, dann wirst du, wenn du dann das Ziel erreicht hast, nur bereuen, dass du dein ganzes Leben für diese unbedeutenden Dinge verschwendet hast. Lasse das Ziel fallen und genieße den Weg. Meditiere über diese Lehre wieder und wieder. Eines Tages wird dir die Wahrheit dämmern.
Noch eine Sache: schließe nichts von deinem Leben aus und denke niemals, dass du etwas in deinem Leben verpasst. Spiritualität ist niemals ausschließend, sie ist immer allumfassend. Wenn du etwas von deinem Leben ausschließt, dann verpasst du etwas. Integriere und schließe stattdessen alles ein. Dann wirst du ganz werden. Wenn du ganz geworden bist, dann wirst du heilig!
Natürlich, wenn gewisse Dinge dich nicht interessieren, dann ist das eine andere Sache. Du musst dich nicht darum sorgen, diese in dein Leben mit einzuschließen. Wirke einfach mit Bewusstheit und bleibe am fließen.
Verstehe, dass ein Wissenschaftler ein Mensch ist, der eine Formel hervorbringt, um etwas wiederzugeben, das er in der äußeren Welt entdeckt hat, damit andere es auch erfahren können.
Ein Meister ist ein Mensch, der eine Formel hervorbringt, um etwas wiederzugeben, das er in der inneren Welt erfahren hat, damit andere es auch erfahren können. Er erzeugt eine Formel, um die Glückseligkeit, die er in seinem eigenen Bewusstsein erfahren hat, für andere erfahrbar und reproduzierbar zu machen.
Ich gebe euch jetzt eine Formel, damit ihr die höchste Glückseligkeit oder Nithyananda erfahren könnt.
Frage: Swamiji, wie sollten wir vorgehen, um unser Ego zu zerstören?
Versteht zunächst einmal klar, dass ihr Ego habt, in der einen oder anderen Form – mag es aktiv oder passiv sein. Dann erkennt die verschiedenen Arten, in denen sich euer Ego manifestiert – die Arten haben wir bis jetzt besprochen. All deine Schuld, Wünsche, Ängste, Demut, Selbstherrlichkeit usw. sind allesamt verschiedene Formen des Ego, die sich in dir ereignen, weil du ein solides "ich" und "mein" fühlst. Wenn du das verstanden hast, dann werde zu einem Zuschauer, sodass du erkennst, dass das ganze Leben ein Drama ist. Indem du dies tust, wirst du fähig werden wahrzunehmen, dass dein solides Selbst sich auflöst, dein Ego schmilzt.
Wenn dies geschieht, wirst du automatisch mit der Existenz im Einklang sein und wahrnehmen, wie sich die Dinge von alleine neu ordnen und das Leben für dich schöner machen. Dann lebe mit dem einzigen Ziel, dein Ego zu töten. Behüte es in keiner Weise. Sei immer bereit, dein Ego zu töten. Wenn du bereit bist, dein Ego zu töten, dann bist du bereit dafür, befreit zu werden, das ist alles.