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KAPITEL 1 – WECHSELWIRKUNGEN

Werdet zuerst leer!

Ihr mögt an vielen Orten gewesen sein, vielen Vorträgen zugehört haben, viele Techniken praktiziert haben, bevor ihr hierhergekommen seid. Das ist alles in Ordnung. Nur eine Sache: wenn ihr hier seid, dann seid ganz und gar hier, das ist alles.

Lasst einfach das ganze Wissen hinter euch, das ihr zuvor an anderen Orten gesammelt habt und kommt dann herein. Vielleicht habt ihr draußen die Tafel gesehen, auf der steht: "Lasst eure Schuhe und euren Verstand draußen." Vielleicht habt ihr euch gefragt, was das bedeutet. Das heißt: Wenn ihr eure Schuhe draußen lasst, dann entschließt euch einfach dazu, auch euren Verstand draußen zu lassen. Lasst all euer gesammeltes Wissen bei euren Schuhen und kommt herein. Ihr könnt es wieder mitnehmen, wenn ihr hinausgeht. Sorgt euch nicht darum! Niemand wird euch euer Wissen wegnehmen. Das ist jedenfalls sicher.

Vielleicht können eure Schuhe von anderen mitgenommen werden, nicht aber euer Wissen; niemand wird es berühren. Das garantiere ich euch! Die Menschen sind unfähig, mit ihrem eigenen Verstand umzugehen; sie werden daher sicher nicht den eurigen berühren!

Wenn ihr mit einem leeren Geist kommt, ohne Vorurteile, dann könnt ihr das, was ich euch sage in seiner Gesamtheit aufnehmen. Wenn ihr mit eurem Wissen kommt, dann werdet ihr jedes Wort das ihr wisst mit dem vergleichen, was ich spreche, und dem, was ihr früher schon von anderen gehört habt. So werdet ihr einfach das versäumen, was ich euch zu sagen versuche. Ihr könnt mich nur dann aufnehmen, wenn es genügend Raum in euch gibt. Wenn ihr aber bereits gefüllt seid, dann könnt ihr mich nicht mehr aufnehmen.

Eine kleine Geschichte:

Ein gelehrter Professor aus dem Westen besuchte in Japan einen Zen-Meister. Er hatte viele Untersuchungen auf verschiedenen Gebieten durchgeführt.

Er ging zu dem Meister, um spirituelles Wissen zu erlangen und verschiedene Dinge mit ihm zu diskutieren, um so die Spiritualität in besserer Weise verstehen zu können.

Als er bei dem Meister eintraf, war dieser gerade dabei Tee zuzubereiten.

Der Professor setzte sich und begann nach einer Weile von seinen bisherigen Tätigkeiten zu erzählen, von all seinen Studien, seinen Entdeckungen, seinen Reisen um die Welt, seinen Erfahrungen mit verschiedenen Menschen, seinen Erkenntnissen bei verschiedenen Themen und so weiter.

Der Meister beendete die Teezubereitung und stellte zwei Tassen zwischen ihnen auf.

Er begann Tee in die Tasse des Professors zu gießen. Er goss und goss und die Tasse begann langsam schon überzulaufen. Der Tee lief über die Untertasse und floss auf den Tisch. Der Professor beobachtete, was geschah und konnte sich nicht mehr zurückhalten. Er schrie: "Meister, was machen Sie da? Nicht weiter gießen! Die Tasse läuft ja schon über!"

Der Meister hörte ruhig auf und sagte: "So bist du."

Der Professor war schockiert und verstand augenblicklich, was ihm der Meister mitteilen wollte.

Der Professor war so voll wie diese Teetasse! Alles was der Meister ihm sagen würde, wäre nur nach außen übergelaufen, nicht in ihn hinein. Nur durch dieses eine Wort des Meisters erfasste der Professor was er meinte und was er ihm vermitteln wollte!

Versteht also: Wenn ihr wirklich etwas gewinnen wollt, dann seid hier einfach wie eine leere Tasse. Seid vollkommen offen und empfänglich. Seid wie Kinder, unschuldig und neugierig, oder wie ein Schwamm, bereit alles aufzusaugen; das ist ausreichend.

Drei Arten von Wissen

Seht ihr: es gibt drei Arten von Wissen. Das erste ist intellektuelles Wissen – das Wissen eures Verstandes. Für dieses braucht ihr nur euren Verstand, nichts sonst. Wenn ihr aufmerksam seid und ein gutes Gedächtnis habt, dann ist das genug. Wenn ihr Logik gut anwenden könnt und wenn ihr ein wenig Vernunft habt, um Dinge verbinden und verstehen zu können, dann ist das ausreichend dafür. Dies ist wie das Wissen, das ihr in der Schule aus Büchern gewinnt. Um Mathematik und Wissenschaften zu erlernen, ist euer Verstand ausreichend. Damit könnt ihr große Mathematiker oder große Wissenschaftler werden.

Die zweite Art von Wissen ist das Wissen des Herzens. Hier müsst ihr auch euer Herz gebrauchen, nicht nur euren Verstand. Kunst, Musik, Dichtung und Tanz – sie alle gehören in diese Kategorie. Wenn ihr hier nur euren Verstand einsetzt, könnt ihr nichts vollbringen. Ihr müsst hier auch euer Herz gebrauchen. Zum Malen, zum Gedichteschreiben und zum Singen müsst ihr dramatisieren. All dies sind Schöpfungen. Sie sind Ausdruck eures Herzens. Könnt ihr ein Gedicht schreiben, ohne überhaupt Gefühle zu haben? Kann ein Künstler zeichnen und malen, nur mit seinem Verstand? Nein! Er muss sich mit seinem Herzen verbinden, dann wird alles leicht fließen.

Mit dem Verstand alleine könnt ihr zwar verschiedene Punkte bewältigen, verschiedene Techniken über das Schreiben von Gedichten oder das Malen, aber letztendlich wird alles nur aus eurem Herzen kommen.

Die dritte Art von Wissen ist spirituelles Wissen – Wissen, das weder vom Verstand noch vom Herzen kommt, sondern aus eurem Wesen! Genau genommen können wir es nicht einmal mehr als Wissen bezeichnen. Es ist ein tiefes Erkennen jenseits von Logik. Dies kann weder gelernt, noch aufgenommen werden. Es geschieht einfach aus einer tiefen Einheit mit der Seins-Ebene heraus.

Ich sage immer wieder: Ich kann euch Spiritualität nicht lehren, ihr aber könnt sie erlernen! Ihr könnt sie dadurch erlernen, indem ihr einfach die Worte des Meisters auf der Seins-Ebene aufnehmt – wie Energie. Die Energie hinter den Worten des Meisters ist so kraftvoll, dass, wenn ihr sie zulasst, sie euch durchdringen und auf der Seins-Ebene berühren wird. Sie kann dann eine Transformation bewirken, die nicht allein durch Worte des Verstandes und Gefühle des Herzens zustande kommen kann.

Wenn ich spreche, dann spreche ich aus der Erfahrung der höchsten Wahrheit – aus meinem Sein. Wenn ihr zuhört, dann hört vollständig aus eurem Wesen. Nur dann könnt ihr einen Blick auf meine Erfahrungen hinter den Worten werfen. Ich bin nicht hier, um euch nur Worte zu geben. Ich bin hier, um euch jenseits der Worte zu bringen. Nur wenn ihr mit scharfer Aufmerksamkeit und Stille hier seid, könnt ihr jenseits der Worte gelangen und einen Blick auf euer eigenes Wesen ergattern.