Habt Vertrauen und seid offen
Gut, lasst uns die Sitz-Ordnung ein wenig verändern. Wenn ihr hier seid, dann sitzt bitte nicht neben euren Verwandten oder Freunden oder Menschen, die ihr kennt. Setzt euch zufällig neben irgendjemanden, den ihr nicht kennt, mit dem ihr nicht zu sehr vertraut seid. Wenn ihr neben vertrauten Menschen sitzt, dann seid ihr gezwungen, Blicke auszutauschen oder Worte zu wechseln, während ich spreche. Wenn ihr neben Fremden sitzt, dann könnt ihr mich besser aufnehmen.
Und versteht eines: das erwähne ich immer wieder während meinen Reden. Während der Vortrag läuft, dann wird das ein schöner Fluss sein, Energie wird erzeugt und schwingt im Raum, eine tiefe Kommunikation zwischen euch und mir entsteht. Unterbrecht diese nicht durch zu spätes Ankommen. Der Fluss wird dadurch unterbrochen.
Das ist so, wie wenn ihr auf einen Geschwindigkeitsbegrenzer trefft, während ihr gemütlich auf der Straße fahrt. Der Geschwindigkeitsbegrenzer ist nur eine kleine Unterbrechung, aber um ihn zu überfahren, müsst ihr langsam werden, darüber hinweg fahren und die Geschwindigkeit wieder aufnehmen. Der reibungslose Fluss ist somit unterbrochen.
Und schaltet bitte eure Mobil-Telefone aus. Sie sind heutzutage ein weiterer, sehr verbreiteter Geschwindigkeitsunterbrecher. Tatsächlich können sie die Reise total holprig machen – ein Geschwindigkeitsunterbrecher nach dem anderen! Ich bin mir sicher, dass jeder von euch ein Telefon dabei hat!
Weiterhin, wenn ihr hier seid, seid nicht zu ernsthaft und zu schwer. Seid herzlich beim Zuhören und hört mit Offenheit und Leichtigkeit. Kommt nicht mit der Erwartung her, dass ihr gleich in der ersten Runde Gott erfahren werdet. In einer hellen und leichten Stimmung ohne Erwartungen, werdet ihr fähig sein, viel mehr von mir zu empfangen.
Der nächste Punkt: Lasst euer soziales Ego draußen und versucht eine einfache Person zu sein, während ihr hier seid. Der Ashram und die Präsenz des Meisters sind das beste Laboratorium für euch, um mit euch selbst zu experimentieren, euer Ego loszulassen, eure Illusionen loszuwerden, und um zu verstehen, dass ihr einfach ein schöner Teil der Existenz seid. Deswegen, selbst wenn ihr jemand in der Gesellschaft seid, versucht hier einfach zu sein und verbindet euch in eurem Herzen mit allen. Nicht nur meine Worte, sondern jeder Moment des Austauschs, jeder einfache Moment des Hierseins kann eine Transformation in euch bewirken. Ihr müsst nur wahrnehmen, das ist alles.
Eine kleine Geschichte:
Es war ein großer Zen-Buddhistischer Mönch, ein erleuchteter Meister.
Eines Tages kam der Gouverneur von Japan um ihn zu besuchen.
Der Gouverneur ließ seine Visitenkarte zum Meister bringen.
Sie trug die Worte: "Zak-San – Gouverneur von Japan".
Der Meister warf einen Blick auf die Karte und sagte: "Ich habe nichts zu schaffen mit diesem Idioten! Fordere ihn sofort auf wegzugehen!"
Zen-Meister können sehr grob sein, wenn sie jemandes Konzepte einreißen wollen, jemandes Ego. Sie werden niemals zögern, grobe Worte zu benutzen. Die Energie hinter ihren Worten kann eine Person geradewegs durchdringen und transformieren.
Der Schüler kam zurück zum Gouverneur, gab ihm seine Karte zurück und wiederholte, was ihm der Meister gesagt hatte.
Der Gouverneur sah die Karte an und verstand.
Er war ein intelligenter Mensch… nicht nur intellektuell, sondern auch intelligent!
Er strich still die Worte "Gouverneur von Japan" durch und gab die Karte dem Schüler zurück, der sie wieder mit nach drinnen nahm.
Der Meister warf einen Blick darauf und sagte: "Bring ihn herein!"
All unsere Titel, unsere Benennungen sind bloße Etiketten, die uns von der Gesellschaft aufgeklebt wurden. Wir beginnen dann zu denken, dass wir diese Etiketten sind. Nach und nach vergessen wir, dass wir nicht die Etiketten, sondern deren Inhalt sind. Wir fühlen uns großartig mit unseren Etiketten. Aber du kannst dich einem Meister niemals mit diesen Etiketten nähern. Mit deinen Etiketten kannst du niemals das Wesen erkennen. Ein Meister ist Existenz in menschlicher Form.
Was der Gouverneur tat, kann nicht als falsch bezeichnet werden. Es mag die korrekte Art gewesen sein, um sich der Gesellschaft zu nähern, um im Einklang mit dem sozialen Protokoll zu sein, aber gegenüber einem Meister muss Bewusstheit hinzukommen, und du musst dein Ego zurücklassen.
Hier entwickelt sich etwas zwischen Meister und Sucher. Wir werden etwas von der inneren Welt miteinander teilen. Etiketten der äußeren Welt stehen bei diesem Vorgang im Wege. Deine Persönlichkeit zu vergessen ist Spiritualität, da Persönlichkeit gesellschaftsbezogen ist. Wir sind hier, um unsere wahre Identität zu finden – unsere wahre innere Natur, unser Alleinsein, das wir im Bauch der Mutter genossen haben, unsere Verbindung mit der Existenz – die einzige Verbindung, die wir finden und hochhalten müssen!