Warum wir den Tod verstehen
All unsere Ängste sind eigentlich Ängste vor dem Tod, jedoch in verschiedenen Verkleidungen, das ist alles. Jede einzelne Angst hat Bezug auf die Angst vor dem Tod, auf verschachtelte Art und Weise. Dadurch, dass die Ängste verschachtelt sind, betrachten wir sie nicht als Angst vor dem Tod. Ohne Angst verliert aber das Wort Tod seine Bedeutung, die wir ihm beigemessen haben.
Was ist also der Tod?
Wenn ich euch diese Frage stelle, dann werdet ihr mir antworten: "Swamiji, der Tod ist das, was am Ende unseres Lebens geschieht." Wenn der Tod nichts anderes als das wäre, dann wäre es so einfach!
Der Tod ist aber nicht etwas, was am Ende unseres Lebens geschieht. Er ist etwas, das sich in jedem Moment unseres Lebens ereignet. All unsere Handlungen sind unbewusst auf unseren Tod bezogen, auf die Angst vor dem Sterben. Der Tod ändert die Qualität unseres Lebens. Er ist nicht das Ende; er ist der Höhepunkt unseres Lebens – auf den hin unser ganzes Leben ausgerichtet ist.
Warum sage ich das? Weil unser gesamtes Leben durch unser Konzept vom Tod bestimmt ist. Selbst unsere soziale Struktur ist bestimmt durch unser Konzept vom Tod. In der Tat sind alle großen Religionen und Weltphilosophien aus dem Versuch entstanden, die Frage: "Was geschieht nach dem Tod?" zu beantworten. In dem Versuch diese Frage zu beantworten, haben verschiedene Lebens-Lösungen ihre Wurzeln geschlagen.
Die Kulturen, die an ein einziges Leben glauben, ohne ein Konzept von Wiedergeburt, haben ihre gesamte Energie dafür verwendet, das Leben zu verbessern. Sie haben den Gipfel in Bereichen der Bearbeitung von Informationen, Erlangung von Wissen und materiellem Komfort erreicht.
Diese Kulturen haben die Wissenschaft hervorgebracht. Die Wissenschaft hilft uns, das Leben in seinem Optimum zu leben und hilft uns weiterhin, das Maximum aus unserem Leben herauszuholen.
Die Kulturen, welche an eine Reinkarnation glauben, haben den Fokus ihres Lebens nach innen gewandt. Ihre Suche ist anders. Sie sind nicht motiviert das Leben in Eile zu leben, weil sie die Ewigkeit vor sich haben.
Du kannst die Folgen dieses Konzepts klar in dem Verhalten der Menschen erkennen. In Bharat zum Beispiel, wenn ein Programmbeginn für 6:00 Uhr geplant ist, dann kannst du sicher sein, dass er nicht vor 7:30 Uhr beginnt, weil die Menschen die Ewigkeit vor sich haben!
Unsere gesamte mentale Struktur, der Gang unseres Lebens, unserer Gesellschaft, unserer Kultur, unserer Religion – das alles gründet auf nichts anderem als auf der Idee des Todes. Wir versuchen unser Äußerstes, nicht an den Tod zu denken – aber der Tod durchdringt jeden Moment unseres Lebens!
Wenn wir die Tiefe, das Geheimnis und das Mysterium des Todes verstehen, dann verstehen wir das Geheimnis des Lebens. Wir müssen das Rätsel des Todes lösen und erkennen, dass er ein Kontinuum in einer anderen Form ist. Andernfalls werden wir das Leben selber versäumen.
Wenn wir verstehen, dass der Tod nichts anderes als ein Kontinuum in anderer Form ist, dann werden wir keine Angst mehr vor dem Tod haben. Und wenn wir aufhören den Tod zu fürchten, dann werden wir erkennen, in welchem Ausmaß wir das Leben versäumt haben.
Wir nehmen das Leben als selbstverständlich hin und leben so oberflächlich, dass wir viele Aspekte des Lebens verpassen. Der Tod lehrt uns mit mehr Bewusstheit in uns hineinzuschauen. Der Tod ist der allergrößte Guru.
Wenn wir eine Überzeugung von etwas erlangen wollen, dann können wir dies auf zweierlei Art erlangen: erstens, wir können experimentieren und für uns selber erfahren, was die Wahrheit ist. Zweitens, wir können uns auf jemanden beziehen, der bereits durch diese Erfahrung gegangen ist. Ich werde euch nun eine Referenz aus den Upanishaden geben.