KAILASA Library/KAPITEL 1 – WECHSELWIRKUNGEN/Die Schönheit der ZufriedenheitSign in
KAPITEL 1 – WECHSELWIRKUNGEN

Die Schönheit der Zufriedenheit

Unzufrieden zu sein bedeutet, dem Verstand Nahrung zum kauen zu geben. Der Verstand wird sie fressen und sich dadurch beschäftigen. Was geschieht, wenn wir uns zu sehr zufrieden fühlen? Der Verstand verhungert. Er weiß nicht mehr, was er tun soll. Dann wird er anfangen, nach seiner Nahrung zu suchen!

Eine Dame ging in ein Schuhgeschäft.

Sie fragte nach passenden Schuhen, und der Verkäufer zeigte ihr geduldig viele Paare.

Sie probierte eines nach dem anderen aus und fühlte, dass ihr keines perfekt passte.

Schließlich zeigte ihr der Verkäufer ein Paar und bat sie, dieses anzuprobieren.

Sie probierte diese und sagte: "Sie passen nur allzu gut. Ich frage mich, ob es die richtige Größe ist."

Wenn du dich dazu entschlossen hast dich unzufrieden zu fühlen, dann kann dir niemand helfen. Das ist ein Zustand des Geistes, dem nur du abhelfen kannst. Die meisten von uns fühlen eine gewisse Bequemlichkeit dabei, sich unzufrieden zu fühlen und darüber zu sprechen, weil es in diesem Fall immer etwas zu sprechen gibt; der Verstand ist dann ständig beschäftigt.

Sich immer zufrieden zu fühlen, ist wie den Verstand zu verlieren. Deswegen, obwohl wir uns eigentlich immer zufrieden fühlen wollen, sind wir jedoch nicht dazu bereit, wenn es eintritt. Unser Verstand spielt trügerisch, weil er etwas braucht, um darauf zu kauen.

Wir fühlen uns sicher, wenn wir dem Horizont hinterher laufen. Der Horizont ist zwar nur eine imaginäre Linie, aber wir fühlen uns sicher beim hinterherlaufen, weil es dann etwas gibt, hinter dem wir herlaufen können! Der Verstand ist darauf trainiert worden, immer zu rennen!

Wenn du so bist, dann betrügst du dich nur selber, das ist alles. Du erschaffst dir widersprüchliche Ergebnisse. Zum Beispiel möchtest du dich im Grunde deines Herzens zufrieden fühlen, aber du verweigerst dir immer wieder Zufriedenheit, indem du dich ständig beschwerst und dir verweigerst das anzuschauen, was dir bereits gegeben wurde! Du möchtest das eine, fügst dir aber etwas anderes zu. Und du fühlst dich auch noch wohl dabei, andauernd in deinem Leben nach Zufriedenheit zu suchen, gleichsam in einem lebenslangen Prozess!

Verstehe, dass von dem Moment an, wo du sich selbst widersprechende Konzepte in dir trägst, dein Elend seinen Anfang nimmt. Versuche dir Klarheit darüber zu schaffen, wie dein Leben sein sollte, und steuere jedes Quäntchen Energie dazu bei, es genau so zu gestalten. Wenn du von dieser Klarheit heraus wirkst, dann wirst du dich niemals selber in die Irre führen und du wirst sehen, dass du genau das wirst, was du sein wolltest!

Wenn du in einen Raum gelangst, wo Dankbarkeit zu deiner Meditation wird, ereignet sich Zufriedenheit von ganz alleine. Die normale Zufriedenheit, die wir kennen, geht immer mit einem Anlass einher. Sie steht immer in Bezug zu irgendetwas, das in der äußeren Welt geschehen ist, und das deinen Verstand nur zeitweise zur Ruhe gebracht hat, das ist alles. Wenn dein Verstand sich ausruht, dann sagst du, dass du zufrieden bist. Das ist jedoch keine echte Zufriedenheit.

Echte Zufriedenheit liegt nur dann vor, wenn du anhaltende Dankbarkeit gegenüber dem Wohlwollen der Existenz fühlst. Echte Zufriedenheit fragt nicht nach mehr. Sie genießt einfach alles ohne einen Grund; sie braucht keinen Grund. Wenn du diesen Zustand erreichst, wirst du nicht verstehen, worum es sich bei Unzufriedenheit überhaupt handelt.

Eine kleine Geschichte:

Ein Mann kam zu einem Arzt und klagte über Schlaflosigkeit. Der Arzt fragte ihn: "Sie können also die ganze Nacht lang nicht schlafen?" Der Mann antwortete: "In der Nacht schlafe ich gut, Herr Doktor." Der Doktor fragte: "Was ist dann also ihr Problem?"

Der Mann sagte: "Ich kann am Nachmittag und am Abend nicht schlafen."

Wir verlangen nach immer mehr und mehr, ohne jegliches Maß. Selbst mit einem Maß ist es grenzenlos; das ist das Problem. Wir sind vollkommen geblendet durch unsere Haltung, nach immer mehr zu verlangen. Deswegen wissen wir nicht einmal mehr, wo wir stehen. Wir haben schon seit geraumer Zeit nicht ein einziges Mal nach innen geschaut. Wir sind durch unseren Verstand geblendet. Wir leben ein vollkommen ignorantes Leben. Wir erzeugen in uns selbst Leid und suchen im Außen nach Erleichterung.

Du kannst über diesen Witz lachen, weil du ihn mit Abstand betrachtest; du weißt, dass du nicht Teil davon bist. Im Leben stehst du oftmals in der gleichen Situation, erkennst sie aber nicht. In diesen Momenten bist du nicht der Beobachter. Du bist dann derart in die ganze Sache verwickelt, dass sie dir vollkommen ernst erscheint. Sie wird zu einer solch soliden Realität für dich.

Versuche dich an diesen Witz zu erinnern, wann immer dich etwas ärgert. Versuche dich sofort mit dem Witz zu verbinden und beobachte mit Bewusstheit, was dich ärgert. Gehe tief hinein und sehe, ob du wirklich ein Problem hast oder ob du gerade nur zulässt, dass dein Verstand herumspielt. Vielleicht lachst du ja am Ende darüber.

Eine Dame befand sich auf einem interkontinentalen Flug.

Die Hostess kam und servierte für jeden das Essen. Sie sah, dass die Dame fest schlief und ging daher zum nächsten Gast über.

Nach einer Weile wachte die Dame auf und verlangte nach ihrem Essen.

Die Dame berührte das Essen und brauste auf: "In was für eine Luftlinie bin ich hier geraten? Das Essen ist nicht einmal warm. Ich habe so viel Geld für diesen Flug bezahlt und bekomme nicht einmal warmes Essen!"

Die Hostess entschuldigte sich und sagte: "Meine Dame, bitte entschuldigen Sie uns. Der Essenswärmer funktioniert nicht. Alle anderen Gäste hatten auch ihr Essen auf diese Weise erhalten."

Die Dame sagte: "Ist das so? Dann ist es in Ordnung."

Seht ihr, obwohl das Essen am Ende doch noch kalt blieb, war die Dame nicht mehr unglücklich, weil sie wusste, dass jeder ebenso auch sein Essen auf diese Art einnehmen musste! Das meine ich, wenn ich sage, dass alles ein Spiel des Verstandes ist; alles ist eine Einstellung des Verstandes. Der Verstand ändert ständig seine Haltung und spielt mit dir, weil du ihm die Führung überlassen hast. Du hast dich nicht auf die Zufriedenheit konzentriert und unterliegst so dem Einfluss deines Verstandes.

Wie ich also gesagt habe: wenn du am Ende des Tages nicht lachen kannst, dann bedeutet das, dass du die ganze Sache noch zu ernst nimmst; du hast immer noch das Gefühl, die ganze Welt auf deinen Schultern tragen zu müssen und dass das ganze Theater wegen dir läuft.

Die Schönheit der Existenz

Siehst du, ganz in der Tiefe liegt die Wahrheit verborgen, dass wir zur Existenz gehören, welche die letztendliche und alles durchdringende Energie ist, die die ganze Aufführung steuert. Unserer inneren Natur entspricht es, unsere Verbindung wieder zurück zur Existenz zu finden, damit wir ohne Probleme mitfließen können. Aber irgendwo verfehlen wir dieses Verständnis und trennen uns selber von der Existenz ab und beginnen, hinter materiellen Dingen herzulaufen, indem wir denken, dass es das ist, wonach wir suchen.

Wenn du einmal einen Zoo besucht hast, dann hast du vielleicht bemerkt, dass die meisten Besucher vor dem Gehege der Löwen und Tiger stehen. Du wirst dort immer Menschen finden, die lange Zeit vor den Löwen und Tigern stehen und sie mit Ehrfurcht und Respekt bewundern.

Wir tun dies, ohne uns darüber bewusst zu sein, weil wir eigenartigerweise Mut dadurch bekommen, Dinge zu betrachten, die größer oder stärker sind, als wir. Es gibt uns ein tröstliches Gefühl, dass wir nicht die allerhöchste Macht sind. Unser Wesen sucht tatsächlich eine Begegnung mit etwas derart Erhabenem, das uns an unsere wahre Rolle in diesem makrokosmischen Universum ermahnt.

Die Menschen gehen nur wegen ihrer Gewissheit in Tempel, dass sie dort Götterstatuen sehen werden. Diejenigen, die diese Gewissheit nicht in Tempeln finden, finden sie anderswo. Aber irgendwo, tief im Inneren wissen wir, dass wir nicht die höchste Kraft sind. Dieses Gefühl sollte eine erfahrungsgemäße Realität für uns werden. Erst dann werden wir uns dessen sicher sein.

Wenn du in den Himalaya gehst, dann wirst du eine ständige Ermahnung für die Tiefgründigkeit der Existenz bekommen. Von Gipfel zu Gipfel erheben sich die Berge, die Berge werden zu Tälern, und die Täler erheben sich wieder zu Bergen ohne erkennbaren Anfang oder Ende; und der Ganges fließt ständig in die Täler auf verschiedene Art, mit verschiedenen Farben und Läufen, schnatternd und lachend in der Sprache der Existenz. Wenn eine Welt existiert, die nicht menschengemacht ist, dann ist es der Himalaya. Der Himalaya beweist, dass die Menschen nicht die höchsten Könige sind.

Wenn du den Himalaya betrachtest, dann wirst du sehen, wie über hunderte von Kilometern die Berge nur als Eisberge erscheinen und dann zu Bergen und Wasser werden und später einfach nur Wasser sind. Solches sind die Wunder der Natur in Vollendung.

Was die Bücher dir nicht durch Worte lehren können, kann der Himalaya dir lehren, einfach durch die Erfahrung des Erlebens. Du musst nur dazu bereit sein es zu empfangen. Der Himalaya ist ein lebendiger Energiekörper mit einer durchdringenden Stille. Du musst ihm nur gestatten, dich von ihm durchdringen zu lassen. Wenn du verstehst, dass du nichts weiter als ein Körnchen des Glanzes der Existenz bist, dann wirst du es mit Anmut und Ergebenheit akzeptieren ohne Fragen zu stellen.

Wenn du dich selber der Existenz öffnest, dann erfüllt sie dich ganz. Wie sehr du dich ihr auch öffnest, so sehr erfüllt sie dich. Ihr alle denkt, dass man hart arbeiten muss, um an Gott festhalten zu können. Dem ist nicht so. Hast du je gesehen, wie junge Affen an ihrer Mutter hängen? Es besteht wohl die Möglichkeit, dass sie loslassen und fallen könnten. Wohingegen bei den Katzen es so ist, dass die Mutter an den Kätzchen hängt; die Kätzchen sind dadurch vollkommen geschützt.

Du musst nicht an Gott anhaften. Wenn du nur dir selber erlauben kannst, deine Pflicht zu tun und den Rest Gott zu überlassen, dann wird Gott an dir hängen. Vor Gott niederzufallen ist keine große Sache. Gott dazu zu bringen, dass er vor dir niederfällt, ist eine große Sache! Dies wird geschehen, wenn du unerschütterlichen Glauben hast und dein Leben in Liebe und im Dienst lebst.

Eine schöne, kleine Geschichte:

Es war ein Mann, der sehr gottesbewusst und liebend war, und der viele gute Taten in seinem Leben vollbracht hatte.

Ihm kam zu Ohren, dass es ein gewisses Buch bei einer Person gab, in dem die Namen der Menschen niedergeschrieben waren, die Gott liebten.

Er war sehr neugierig, ob auch sein Name in dem Buche erwähnt sei, und so ging er zu dem Mann, bei dem sich das Buch befand und bat darum, es einsehen zu dürfen.

Er blätterte mehrfach durch alle Seiten, konnte aber seinen Namen nicht darin finden.

Er war sehr enttäuscht darüber und ging fort.

Ein Jahr später kam er wieder um zu sehen, ob sein Name in dem Buch mit aufgeführt wurde.

Wieder konnte er seinen Namen nicht finden.

Als er gerade gehen wollte, sagte der Mann: "Mein Herr, bitte warten Sie. Dieses Buch enthält eine Liste von Namen von Menschen, die Gott lieben. Ich habe ein anderes, sehr kleines Buch, das einige Namen in sich trägt. Es ist die Liste von Namen von Menschen, die Gott liebt."

Er zeigte dem Mann das Buch.

Da fand der Mann seinen Namen darin.

Es ist sehr leicht, vor Gott niederzufallen. Schließlich ist er so liebend, so gebend, so kraftvoll und was nicht noch alles. Du kannst zwar ständig sagen, dass du ihn liebst, verbleibst dabei aber dort, wo du bist. Aber wenn du damit beginnst, Gott auf der Ebene deines Wesens zu fühlen und wenn die Transformation in dir geschieht, dann wird Gott vor dir niederfallen! Du wirst dann auf vielerlei Weise geliebt werden, wie du es nie zuvor gekannt hast. Derart ist Gottes mitfühlende Liebe.

Uns wurde immer gelehrt, uns vor der Natur in Acht zu nehmen, vor Gott, vor der Existenz. Uns wurde gelehrt, Schuhe zu tragen, wenn wir laufen, sodass uns die Erde nicht verletzt. Uns wurde beigebracht, uns vom Regen fernzuhalten. Uns wurde gelehrt, drinnen zu bleiben, wenn es windig ist. Uns wurde beigebracht, uns von Tieren fernzuhalten und was nicht noch alles.

Ich sage dir, dass die Existenz dein einziger Freund auf Erden ist. Weißt du, wie wunderbar es ist zu laufen und dabei die Erde zu spüren? Ich habe in den jüngeren Jahren niemals Schuhe getragen, außer als ich im College war, weil es dort die Regel verlangte und ich daher die Schuhe tragen musste. Ich bin immer barfuß gelaufen, sei es zu Hause oder in der Schule oder während der Tage meiner Wanderung.

Selbst jetzt gehe ich im Ashram die meiste Zeit barfuß. Natürlich verhätscheln mich die Leute mit meinen Sandalen, indem sie sagen, dass meine Füße verletzt werden könnten. Ich frage sie dann, wie meine Füße, die kreuz und quer barfuß durch Bharat gewandert sind, jetzt verletzt werden könnten!

Du trennst dich einfach vollständig von der Natur, indem du diese Dinge tust. Daher fragen mich viele Leute: "Swamiji, wie kommt es, dass deine Füße so weich und makellos sind, selbst nachdem du so viele Jahre in rauen Gegenden auf Wanderschaft warst?" Ich sage dir jetzt: ich habe mich niemals von der Existenz entfremdet gefühlt, deswegen. Das ist der wahre Grund. Ich habe immer gefühlt, dass ich Teil der Existenz bin.

Ich habe immer gefühlt, dass ich zur Natur gehöre. Deswegen bin ich ohne Vorsichtsmaßnahmen gewandert, ohne Angst zu haben vor irgendetwas.

Stell dir nur einmal vor, dass du allein in der Dunkelheit des Dschungels laufen musst, in dem es wilde Tiere gibt, ohne Essen und ohne zu wissen, woher du dein nächstes Essen bekommen kannst und ohne einen Platz zum Schlafen, außer unter der Decke des Himmels? Wie würdest du dich fühlen? Total verängstigt, nicht wahr?

Das kommt daher, weil dir niemals beigebracht wurde, dass die Existenz dein zuverlässigster Freund ist. Du hast immer Menschen um Hilfe gebeten, weil du glaubtest, dass nur Menschen dir helfen können. Du kannst nicht verstehen, dass es die Existenz ist, die durch die Leute hilft. Dein Vertrauen lag jedoch immer auf den Leuten – niemals aber auf der Existenz.

Wenn du dein Vertrauen in die Existenz setzt, dann kannst du wie ein Gott auf Erden leben. Ich habe meine Tage der Wanderschaft genossen. Ich bin einfach hingegangen, wo meine Füße mich hingetragen haben, mit keinem Gedanken an mein nächstes Ziel. Ich bin immer auf irgendeinen Zug aufgestiegen und an irgendeinem Bahnhof ausgestiegen, wo immer auch die Landschaft mich anzog. Ich konnte zu dieser Zeit nicht einmal die Hindi-Sprache sprechen, und den größten Teil meiner Wanderungen verbrachte ich im Himalaya in Nordbharat. Ich habe einfach einige Hindi-Worte aufgegriffen, um dort den Weg zu finden.

Eigentlich besteht die erste Schwierigkeit beim Lernen irgendeiner Sprache darin, den Gedanken zu überwinden, dass du die Sprache nicht kannst. Du entfremdest dich also zuerst von der Sprache, wodurch sie dir als schwierig erscheint. Hier entfremdest du dich zunächst auch wieder durch deine vermeintlich allwissende Natur.

Wie dem auch sei, meistens wanderte ich alleine und nicht mit einer Gruppe von Sadhus. Aber ich fühlte niemals, dass ich alleine gewesen wäre. Ich habe es genossen, Teil der Existenz zu sein. Wenn du es lernst in Beziehung mit der Natur zu treten, dann wirst du die Freude der Existenz spüren. Ich musste niemals um Essen betteln. Wenn ich hungrig war, oder auch andernfalls, kam Essen durch irgendjemanden oder auf irgendeine Art und Weise. Das genau meine ich, wenn ich sage, glaube einfach und lasse los, und die Existenz wird sich darum kümmern.

Die Leute fragen mich: "Swamiji, du hast in deinem Leben sehr gekämpft und dann dein Ziel erreicht. Sollten wir nicht auch leiden, um unser Ziel zu erreichen?" Ich sage ihnen: "Ich habe gekämpft, weil ich 10.000 Schlüssel ausprobiert habe, um das eine Schloss zu öffnen. Ich habe jahrelang experimentiert und schließlich den richtigen Schlüssel gefunden. Nun habe ich den richtigen Schlüssel bei mir. Ich bin bereit ihn jedem zu geben, der in möchte. Es wird für dich nur einen Moment dauern, um das Schloss damit zu öffnen! Natürlich, wenn du das Gefühl hast, dass du leiden musst, dann ist das deine Freiheit; ich werde da nicht eingreifen!"

Deine einzige Bemühung sollte darin liegen, dass du der Existenz erlaubst, frei durch dich zu fließen. Je weniger Widerstand du der Existenz entgegenstellst, desto weniger Mühe hast du mit dir selber. Dies ist eine direkt proportionale Beziehung. Wenn du erleuchtet bist, dann bist du nichts weiter als ein leerer Kanal, durch den die Existenz fortwährend fließt, das ist alles. Wenn die Bemühungen von deiner Seite her aufhören, dann kann die Existenz mühelos durch dich fließen.

Frage: Swamiji, wie hilft Meditation dabei, sich glücklich zu fühlen?

Siehst du, wenn du andauernd meditierst, dann wirst du weich und verletzlich werden. Du wirst durchlässig, empfindsam und bewusst werden. Du wirst feststellen, dass sich dein Bewusstsein in jedem Moment erweitert. Und dein Bewusstsein bestimmt deine Gefühle und deine Handlungen. Deswegen bitte ich dich immer wieder darum, zu meditieren. Dies wird dein Bewusstsein reinigen. Die Dinge werden dir dadurch klarer werden.

Du wirst erfahren, wie sich dein Zentrum vom Verstand zum Herzen hin verschiebt. Wenn sich der Abstand zwischen deinem Verstand und dir vergrößert, dann wird dein gesamtes Wesen anfangen, mit einem anderen Gefühl zu schwingen, und dieses Gefühl ist Zufriedenheit, eine tiefe Erfüllung, eine tiefe Liebe ohne Anlass – dem Ganzen gegenüber, eine anhaltende Wahrnehmung von Freude und Glückseligkeit.

Solange du von deinem Verstand aus arbeitest, wirst du nur nach immer mehr verlangen; du wirst analysieren, zerteilen und deine Schlüsse in Unzufriedenheit ziehen und das mehr als alles Andere. Wenn du von deinem Herz aus arbeitest, dann wird deine gesamte Analyse aufhören und du wirst weder die Vergangenheit analysieren, noch dich über die Zukunft sorgen. Du wirst einfach in der Gegenwart sein, ohne irgendwelche wertenden Gefühle, und in diesem Zustand wirst du nur Zufriedenheit und Dankbarkeit fühlen. Es wird sich sogar ein neuer Raum in dir erschließen.

Wenn du diesen Raum findest, dann wird all die Energie befreit, die du früher mit negativem Denken und Unzufriedenheit verbraucht hast, und du fühlst dich glückselig und ganzheitlich und erfüllt von Energie. Dankbarkeit wird dann zur deinem Gebet und "Dankeschön" wird zu deinem Mantra!

Dieser Energie-Schwall, den du fühlst, wenn du in dem Zustand von Dankbarkeit gegenüber der Existenz bist, kann nicht in Worte gefasst werden. Das muss erfahrungsmäßig erlebt werden. Jedes einzelne Ding, das deines Weges daher kommt, wird so viel Zufriedenheit in dir auslösen und immer mehr von der Existenz anziehen, dass du dich schließlich von der Existenz selbst beschenkt vorfindest.

Plötzlich wird die ganze Sache eine neue Dimension annehmen, wo immer mehr Glückseligkeit erlebt werden kann. Dann wirst du von jedem vorüberziehenden Moment überwältigt werden. Einfach nur zu existieren wird dir derart überwältigend erscheinen, dass es dir als eine Segnung für dich und die ganze Welt erscheint.

Wenn du bittest, dann bist du ganz klar abhängig. Wenn du dankbar bist, dann wird dir gegeben. Sei also ständig dankbar. Das ist der Hauptschlüssel zur ganzen Sache. Natürlich musst du Dankbarkeit aus deinem Wesen heraus fühlen, und nicht nur rein äußerlich. Nur wenn du Dankbarkeit von deinem Wesen her fühlst, werden die Dinge anfangen zu geschehen.

Wenn du dich schlafen legst, dann schlafe mit einem Gefühl der Dankbarkeit ein, dass du einen weiteren Tag mit der Existenz verbracht hast. Wenn du aufwachst, dann wache mit dem Gefühl der Dankbarkeit auf, dass du einen weiteren Tag mit der Existenz verbringen kannst! Das ist die einfachste und effektivste Meditation, die du tun kannst, um Dankbarkeit zu deinem Wesen zu erwecken.

Ich sage dir, indem du einfach Dankbarkeit fühlst und aus deinem Wesen heraus ausstrahlst, kannst du das Gesicht der Erde verändern. Der ganze Terrorismus, alle Kriege, religiöser Fanatismus, Krankheit, Armut usw. können dadurch ausgerottet werden, wenn du Bewusstheit über eben jene Dankbarkeit verbreitest, die in jedem Menschen hervorgebracht werden muss.

Wenn jeder Einzelne Dankbarkeit fühlt und ausstrahlt, dann wird es keine Lieblosigkeit, keinen Hass und keine Eifersucht mehr geben. Alle möglichen Wurzeln für die globale Negativität können mit genau diesem einen Gefühl zerstört werden, weil sich dadurch die Gründe für alle Negativität einfach auflösen werden. Das ist die Schönheit der Dankbarkeit!

Gut, nun lasst uns einige Zeit damit verbringen, eine schöne Meditationstechnik durchzuführen, die Sahasrara Dhyana Meditation genannt wird – die Meditation der Dankbarkeit.