Empfinde Dankbarkeit ohne Grund
Eine kleine Geschichte:
In einem christlichen Haushalt saß ein Kind zusammen mit seiner Mutter am Esstisch.
Das Essen wurde auf den Tisch gebracht und das Kind begann zu essen, ohne vorher einen Dank auszusprechen.
Die Mutter war erstaunt und fragte es, wie sie so etwas tun könne.
Das Mädchen antwortete direkt: "Es gibt nichts auf diesem Teller, für das ich nicht zuvor mindestens einmal gedankt hätte."
Das ist es, was ich mit der Haltung meine, die Dinge als selbstverständlich zu betrachten. Es ist traurig, wenn wir sehen, wie diese Dinge bereits bei kleinen Kindern Fuß fassen.
Eine weitere kleine Geschichte:
Ein kleines Mädchen fragte ihre Mutter: "Mutter, wie viele Tage sind es noch bis Weihnachten?"
Die Mutter fragte: "Warum möchtest du das wissen?"
Das Mädchen antwortete: "Ich habe mich nur gefragt, ob es jetzt schon Zeit für mich wird, ein liebes Mädchen zu sein."
So erziehen wir heutzutage unsere Kinder zu denken und sich zu verhalten. Wir bringen ihnen bei, wie sie Geschäfte machen können. Wir bringen ihnen bei, dass alles nichts als ein Geschäft ist. Wir lehren sie nicht, spontan und fließend zu sein. Wir bringen ihnen nicht bei ohne Zweck zu leben. Wir machen alles zielorientiert für sie. All das ist ausgesprochen unsinnig.
Wegen dieser Dinge, die uns in der Kindheit angetan wurden, musst du zunächst hart arbeiten, um sie wieder ungeschehen zu machen. Sei dir ganz klar, dass alles, was ich mit dir mache, nichts anderes ist als rückgängig zu machen. Andauernd lösche ich. Stelle dir nur die Menge von Dingen vor, die dir angetan wurden! Über Generationen hinweg haben Menschen ihre Ideen an dich weitergegeben. Ich muss zuerst all diese Dinge wieder ungeschehen machen und dann einen Raum in dir erzeugen, damit du wieder erblühen kannst.
Wenn ich den Leuten sage, dass sie ein anhaltendes Gefühl von Dankbarkeit in sich spüren sollen, dann kommen sie später zu mir und sagen: "Swamiji, jetzt sage ich sogar Danke zum Taxifahrer und zu den Dienern zuhause." Sei dir ganz klar – wenn Dankbarkeit zu deinem Wesen wird, dann wirst du mir nicht einmal solche Dinge berichten.
Wenn du den Verlust eines geliebten Menschen betrauerst, sprichst du dann deine Trauer aus? Wirst du deine Trauer aussprechen können? Nein! Sie ist solch eine tiefe Emotion in dir, dass sie zu einem Zustand deines Wesens wird. Du kannst sie nur fühlen; du kannst aber niemals darüber berichten.
Auf gleiche Weise, wenn Dankbarkeit zu deinem eigenen Wesen wird, dann wird sie einfach dein Zustand werden; du wirst nicht darüber sprechen. Du wirst auch nicht davon berichten können. Natürlich, sich zu bedanken ist aus sozialen Gründen angebracht, weil der Dank ansonsten nicht das Ohr des anderen Menschen erreichen könnte.
Aber was ich hier zu sagen versuche, ist, dass wir uns von der Dankbarkeit unseres Verstandes zur Dankbarkeit unseres Wesens bewegen müssen. Die Dankbarkeit, über die wir sprechen, wirst du niemals ausdrücken können, weil sie so tief ist.
Die Leute sagen oft zu mir: "Swamiji, wir sind dir so dankbar für die vielen Dinge, die sich in unserem Leben ereignet haben nachdem wir dir begegnet sind."
Aus Gründen der sozialen Etikette magst du zwar einem Menschen für irgendetwas danken, aber Dankbarkeit ist nicht etwas, das du auf eine andere Person richtest. Wenn du nur einer Person gegenüber Dankbarkeit für etwas empfindest, z.B. für etwas, das du erhalten hast, dann nennen wir das die Dankbarkeit des Verstandes. Das ist der Kindergartenstatus von Dankbarkeit.
Wahre Dankbarkeit ist ein tiefes, überwältigendes Gefühl in dir, was nicht als ein Ergebnis von einem Zugewinn auftritt, sondern durch die Gedanken zu existieren bzw. durch die Gedanken an die mitfühlende Lebenskraft, welche die Existenz selber ist, das ist alles. Diese Dankbarkeit bedarf keiner Beziehung; sie ist nicht von irgendjemandem oder irgendetwas abhängig; sie steht nicht unter dem Einfluss von einer Emotion wie Lust, Ärger, Hass oder Liebe. Sie IST einfach, das ist alles.
Du drückst deine Dankbarkeit in Worten aus, weil du egoistisch bist und nicht möchtest, dass die Leute denken, dass es dir an Höflichkeit mangelt. In dem Moment, wo du sie zum Ausdruck bringst, schmälerst oder verfälscht du sie.
Eigentlich drückt sich Dankbarkeit über deine Körpersprache aus. Deine Augen strahlen sie aus; dein Lächeln drückt sie aus; deine Wärme kann sie viel besser als Worte zum Ausdruck bringen. Tränen der Dankbarkeit bringen sie besser als alles andere zum Ausdruck. Wenn du überwältigt bist, wenn du übersprudelst, dann fließen auch die Tränen über.
Ich fordere dich damit nicht auf zu weinen! Ich sage dir nur, dass, wenn du überfließt, deine Körpersprache dies zeigen wird und du es nicht verstecken kannst, und dass das die wahren Merkmale für den Zustand deines Wesens sind.
Und bedenke, diese Tränen gehören zu keiner Gesellschaftsklasse oder Glaubensgemeinschaft oder Religion. Sie können nicht als Hindu-, Moslem- oder Christen-Tränen bezeichnet werden; diese Tränen gehören zu keiner Religion. Sie gehören zum Wesen, und das Wesen ist jenseits davon. Dankbarkeit ist eine große Sache, die alle künstlich hergestellten Begrenzungen und Konditionierungen auflösen kann; deswegen ist sie das höchste Gebet.
Alles Tiefe kann niemals vollständig ausgedrückt werden. Dichter mögen Gedichte schreiben, um es auszudrücken, Maler mögen malen, um es auszudrücken, Schriftsteller mögen schreiben, um es auszudrücken, aber es wird immer ein Teil verbleiben, der niemals durch diese ausgedrückt werden kann. Die Existenz kann niemals durch gewöhnliche Dinge ausgedrückt werden. Deswegen ist sie so mystisch und verlockend. Deswegen ist es so aufregend jenseits dessen, was Worte beschreiben können, wenn es dir geschieht! Deswegen kannst du es nur erfahren und nicht ausdrücken. Deswegen kommst du immer wieder hier her zu mir!
Bei mir musst du keine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, weil ich sie, selbst ohne dass sie ausgedrückt wird, erkennen werde. Wenn wahre Dankbarkeit dich überwältigt, dann werde ich das erkennen, noch bevor du es tust! Ich kenne den Takt deines Herzens! Ich erkenne ihn aus der Tiefe des Blicks in deinen Augen! Vielmehr, wenn du sie mir gegenüber ausdrückst, wirst du dich meist selber täuschen, du denkst und sprichst dann auf widersprüchliche Weise. Du magst zwar etwas in dir denken, jedoch etwas anderes äußerlich ausdrücken.
Die Existenz weiß ganz genau, wenn ein Mensch innerlich erblüht. Fühle einfach nur tiefe Dankbarkeit der Existenz gegenüber, das ist genug. Du musst sie nicht ausdrücken, sondern werde sie einfach, das ist alles.
In Bharat gibt es den Brauch, die Füße des Meisters zu berühren. Wenn du dem Meister gegenüber von Dankbarkeit überfließt, dann gibt es eigentlich keinen Weg, das zum Ausdruck zu bringen. Daher berührst du einfach seine Füße, fühlst die Einheit mit ihm und bringst somit deine Dankbarkeit zum Ausdruck.
Viele Menschen kommen von überall her um mich zu besuchen. Manche kommen und stehen vor mir und sagen überhaupt nichts. Es fließen nur Tränen der Freude in ihren Augen. Sie fühlen sich nicht gezwungen, irgendetwas zu sagen, weil sie nicht mehr sagen können, als was ihre Tränen zum Ausdruck bringen. Sie handeln einfach aus ihrem Wesen heraus.
Wenn du in der Gegenwart des Meisters bist, dann sei dort einfach in tiefer Dankbarkeit und Liebe, mit einem Gefühl von Dankbarkeit ihm nahe sein zu können. Du wirst feststellen, dass sich all deine Fragen auflösen und dass du im Nu von einer gewissen Freude erfüllt bist. Wenn du spielend leicht erfüllt wirst, bedeutet das, dass du den richtigen Faden aufgenommen hast. Wenn du nicht spielend leicht erfüllt wirst, und mit einem Gefühl von Unzufriedenheit gehst, mit unbeantworteten Fragen, dann hast du es verpasst!
Sei bei einem Meister immer mit tiefer Bewusstheit; dann wirst du es nicht versäumen. Wenn du in Dankbarkeit bei dem Meister bist, dann wird die Energie des Meisters dein Wesen erfüllen, und diese Erfahrung wird dich einfach überfluten.
Und wenn du nur Dankbarkeit dem Meister gegenüber fühlst, dann wird das Bedürfnis, ihm körperlich nahe zu sein sich ebenfalls langsam auflösen. Dankbarkeit hilft dir, Raum und Zeit zu überwinden. Sie löst Begrenzungen auf und lässt dich weiter werden. Wenn du weit geworden bist, dann fühlst du dich mit allem eins. Nach einiger Zeit wird dir selbst Dankbarkeit wie eine Störung erscheinen, nur noch Stille wird überwiegen!
Selbst in Beziehungen, wenn du fühlst, dass eine Beziehung zu Ende gekommen ist, ohne dass die Liebe verloren gegangen ist, dann kannst du einfach nur Dankbarkeit dem Anderen gegenüber fühlen und weggehen, das ist alles. Fühle einfach nur Dankbarkeit dafür, mit dem anderen Menschen für eine Zeit lang verbunden gewesen zu sein, für all das, was du gelernt und genossen hast, aufgrund deiner Verbindung mit ihm oder ihr während dieses Zeitraums und gehe von dannen. Dann wird selbst das wunderschön werden!
Die Leute fragen mich: "Swamiji, wie können wir Dankbarkeit unseren Feinden gegenüber fühlen?"
Ich frage dich, warum nicht? Deine sogenannten Feinde sind schließlich dafür verantwortlich, dass du stärker geworden bist. Sie sind eine Herausforderung für dich; sie führen dich zu Wachstum. Indem sie dich verletzen, zeigen sie dir eine andere Perspektive des Lebens, die bewältigt werden muss. Warum daher keine Dankbarkeit ihnen gegenüber fühlen?
Und schließlich möchtest du dich entwickeln, nicht wahr? In jedem Moment möchtest du intelligenter werden, oder? Wenn diese Menschen dir keine Gelegenheit dazu geboten hätten, dann hättest du einfach nur in Täuschung gelebt, mit Freunden, die dich umgeben. Das wird dir nicht viel helfen. Du musst durch die Schwierigkeiten hindurchgehen; nur dann wirst du durchbrechen und Intelligenz wird in dir erblühen.
Der Same muss aufbrechen, damit ein Baum wachsen kann. Wenn der Same damit zufrieden ist, ein Same zu bleiben, dann wird er einfach mit der Zeit zerfallen und sterben, das ist alles. Keine Transformation wird mit ihm geschehen.
Wenn es zu einer sogenannten Feindseligkeit kommt, wird ein gewöhnlicher Mensch sie hässlich erscheinen lassen. Er wird sie zu einem Punkt bringen, wo sie zu einem zerstörerischen Kreislauf wird und sich von Hass zu Hass bewegt. Es gibt so viele Familien, in denen es Fehden gibt. Sie werden hässlich, und es gibt schließlich so viel zu bewältigen. Warum? Du bist es, der zugelassen hat, dass sich alles auf diese Weise entwickelt hat. Du hast nicht auf der Basis tiefer Bewusstheit und Intelligenz gehandelt. Du hast nicht auf der Basis von Erfüllung gehandelt und damit zugelassen, dass sich alles auf diese hässliche Weise entwickelt hat.
Wenn du auf der Basis von Erfüllung gehandelt hättest, dann wäre es dir nicht möglich gewesen, der Feindschaft Raum zu geben, um sich entwickeln zu können! Kannst du dem folgen, was ich sage? Wenn du ständig in dem Zustand von Erfüllung bist, dann kannst du nicht einmal den Raum für diese Dinge sehen. Es wird dir wie eine unbekannte Sprache vorkommen. Selbst wenn die andere Person die Feindseligkeit fortführen möchte, dann wirst du keinen Hass ihr gegenüber empfinden. Wenn sie die Beziehung beenden möchte, dann wirst du nur wieder in Dankbarkeit enden!
In so vielen Familien sehen sich die Menschen nicht in die Augen, oder sie nehmen die Mühe auf sich, sich in der Öffentlichkeit aus dem Wege zu gehen. Warum all diese unnötigen Dinge? Warum verschwendest du deine Energie an derlei Dinge? Lass niemals zu, dass der Hass dich vereinnahmt. Schau ihn mit tiefer Bewusstheit und Intelligenz an, und der Hass wird verschwinden und lediglich Liebe und Dankbarkeit werden verbleiben.
Frage: Swamiji… zurzeit fühle ich dir nur Dankbarkeit gegenüber, und ich habe in gewisser Weise keine Wünsche an dich. Aber komischerweise möchte ich, dass du dich meines Namens erinnerst und mich dann und wann bei meinem Namen rufst! Handelt es sich dabei um eine Art von Unzufriedenheit oder Verlangen meinerseits, Swamiji?
Dies ist ein schöner Aspekt, den du vorgebracht hast. Er zeigt uns, dass du dich auf eine sehr tiefe Art und Weise analysiert hast. Du erkennst: wenn du von deinem Verstand her nach Aufmerksamkeit verlangst durch Eifersucht oder Unzufriedenheit, dann wird das ungesund. Aber wenn du dich aus Liebe und Dankbarkeit danach sehnst, dann ist dies keine Begierde; es ist einfach eine tiefe Liebe zu mir, das ist alles.
Wenn du mit einem Wunsch betest, dann ist dies einfach Undankbarkeit und ein Spiel des Ego. Wenn du aber aus tiefer Liebe bittest, dann wird dies ein Gebet, erfüllt von Dankbarkeit und Hingabe. Da ist ein großer Unterschied zwischen beiden.
Du bist in Bewusstheit, und deswegen kann es nicht Unzufriedenheit oder Begierde genannt werden. Mit der Zeit jedoch wird auch das von dir abfallen. Und noch eine Sache: du hattest den Mut, diese Frage vorzubringen! Ich bin mir sicher, dass viele andere hier insgeheim auch auf diese Weise fühlen, es aber niemals laut geäußert hätten! Sie mögen sich damit getröstet haben, sich zu sagen: "Was gibt es da in einem Namen?", oder Sie mögen sich zu schüchtern gefühlt haben damit herauszurücken! Natürlich gibt es da nichts mit einem Namen. Aber du musst jenseits davon gelangen, mit Hilfe deines erfahrungsmäßigen Verständnisses, ohne dich selbst dabei zu täuschen. Die Tatsache, dass du diese Frage vorgebracht hast, zeigt, dass du das mutig durchschreiten willst.
Die Leute fragen mich: "Swamiji, was können wir für dich tun, um uns dir gegenüber dankbar zu erweisen?"
Ich sage ihnen: "Das Beste, was ihr mir erweisen könnt ist zu erblühen!" Das ist das Beste, was ihr mir tun könnt und das Beste, was ich für euch tun kann. Versteht das. Wenn ihr diese Worte verinnerlicht und Dankbarkeit zu eurem Wesen macht, dann habt ihr viel im Gegenzug für mich getan.
Wenn ihr aber das Gefühl habt, etwas im Gegenzug tun zu müssen, dann leistet einen Dienst an der Gesellschaft, helft anderen. Die Hilfe erweckt andere zur Freude, die ihr bereits gefunden habt. Handelt nicht aus Ego oder Überlegenheit. Handelt aus Liebe zum Teilen, aus Freude zum Teilen. Gebt eure ganze Energie hinein und genießt es, das zu tun. Es wird eine freudvolle Meditation für euch werden und ein Erwachen für die anderen.
Jedes Mal, wenn ihr tiefe Dankbarkeit fühlt, dann seid ihr eigentlich in Meditation. Stellt euch daher nur mal vor, wenn ihr für immer in Dankbarkeit wäret! Ihr würdet die ganze Zeit über in Meditation sein.
Dankbarkeit kann niemals gelehrt werden. Natürlich kann die Idee der Dankbarkeit den Kindern erklärt werden, wenn sie noch klein sind, damit sie darüber Bescheid wissen. Aber es bleibt doch nur eine soziale Konditionierung, wie auch bei anderen Dingen, die euch in gleicher Weise beigebracht werden, wie z.B. die Älteren zu respektieren und den Lehrern in der Schule einen guten Tag zu wünschen. Es ist nur ein Mechanismus in deinem Verstand, nicht ein tatsächliches Gefühl in dir.
Erst wenn du beginnst, eine Verbindung mit der Existenz zu fühlen, kann wahre Dankbarkeit in dir erwachen. Es gibt keinen anderen Weg. Wenn die Dankbarkeit auf diese Weise erwacht, dann ist sie auf nichts Bestimmtes gerichtet, sie ist einfach nur da, gleichsam als dein Duft, das ist alles.
Wenn dies geschieht, dann weißt du von selbst, dass Dankbarkeit dein Gebet ist! Dieses Gebet ist ausschließlich erhebend. Es lässt dich in Liebe und Erfüllung erstehen. Du erkennst das Geheimnis, mit der Existenz zu kommunizieren! Du weißt, wie du die ganze Zeit über tief verbunden bleiben kannst. Du kannst ohne einen Grund genießen. Du erkennst, wie jeder und alles als Teil des Ganzen gesehen werden kann. Du kannst in Einheit zusammenfügen, anstatt zu zerpflücken und zu analysieren und sich dabei unzufrieden zu fühlen.
Vor allem wirst du wissen, wie du mit einem Meister in Verbindung stehen kannst. Diese wahrhaftige Beziehung mit einem Meister kann nur dann gelingen, wenn die Dankbarkeit zu deinem Gebet geworden ist. Bis dahin bist du nur bittend und wenn du bittest, dann versäumst du.
Sei dir völlig klar: Selbst jetzt lehre ich dich nicht dankbar zu sein. Ich versuche nur einen inneren Raum in dir zu erzeugen, worin du fühlen kannst, was ich sage; worin es zu deiner eigenen Erfahrung wird. Die Energie hinter meinen Worten kann diesen Raum in dir erzeugen, das ist alles.
Wann immer dir Freiheit gegeben wird, wirst du ein besserer Mensch werden und du wirst bereit sein dich zu öffnen. Wenn du unter psychologischer Sklaverei stehst, wird es dir schwer fallen zu erforschen, und deinen inneren Raum zu entdecken.
Ich sage den Leuten immer, dass ich ein befreiender Guru bin! Ich gebe enorme Freiheit, wenn ich mit Menschen arbeite. Nur dann wird es für sie leicht werden, sich zu erforschen und sich zu entwickeln.
Natürlich sage ich damit den Eltern nicht, dass sie ihren Kindern völlige Freiheit geben und sie nur beobachten sollten ohne einzugreifen. Ich sage nur, dass psychologische Sklaverei vermieden werden sollte. Biete einfach die Bedingungen, damit sich die Kinder entwickeln können. Treffe alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zweifelsohne, aber erlaube ihnen die Wahrheit für sich zu erkunden, anstatt sie ihnen in den Hals zu stopfen. Lass ihnen genügend Raum, um zu wachsen und ihre innere Glückseligkeit zu erfahren.
Manchmal fragen mich die Leute: "Swamiji, wie kommt es, dass du die ganze Zeit über so glückselig bist?"
Die Meister sind immer in einem ekstatischen Zustand, wegen ihrer tiefen Dankbarkeit, die andauernd in ihnen wallt – weil sie die ganze Zeit über in Kommunion mit der Existenz sind!
Wenn du nur mir oder nur jemand anderem gegenüber Dankbarkeit fühlst, dann verpasst du das Ganze. Dankbarkeit ist nicht wie ein Strahl, der in kontrollierter Weise auf die geeigneten Leute gerichtet wird. Sie ist wie ein Duft. Wenn du ihn verströmst, dann strahlt er einfach von dir aus. Deswegen erscheint ein Meister ständig glückselig. Der Meister ist wie ein Duft, den du erfahren und genießen kannst! Deswegen fühlst du dich immer wieder zu ihm hingezogen.
Verstehe, dass jeder Moment wunderbar ist, wenn du bereit dazu bist, dies zu empfangen und zu sehen. Es ist nicht so, dass nur, wenn wir ein Ereignis feiern oder einen Erfolg errungen haben oder wenn wir etwas erreicht haben, dass nur dieser Moment wunderbar ist.
Jeder einzelne Moment ist wunderbar, weil die Existenz spontan und freudvoll durch ihn fließt, und weil alle Ereignisse ständig in Übereinstimmung stattfinden. Wenn du das verstehst, wird dir niemals mehr etwas als "falsch" erscheinen. Dann wirst du dich nur wundern, über was sich die Leute ständig beschweren!
Wenn du Dankbarkeit der Existenz gegenüber fühlst, dann wird die gesamte Existenz zu einem Tempel für dich. Dann bist du in andächtiger und meditativer Stimmung, egal wo du auch bist. Dann brauchst du nicht länger Tempel um zu beten. Du vereinigst dich einfach mit dem Ganzen und fühlst dich ständig glückselig.
Wenn die gesamte Existenz zu einem Tempel wird, dann werden die Bäume, der Himmel, die Erde alles eins. Wenn du dann davor niederkniest, um was könntest du bitten?! Du wirst dann einfach in Dankbarkeit dafür niederknien, ein Teil dieser unergründlichen Existenz zu sein, das ist alles.
Wenn das geschieht, dann kannst du mit Bäumen, mit dem Himmel, mit der Erde, und mit allem sonst in Beziehung treten. Dann bewegst du dich von der Kommunikation, welche eine Sprache des Verstandes ist, zur Kommunion, welche die Sprache des Herzens ist. Dann verlegst du dein Zentrum von deinem Verstand in dein Herz.
Für diejenigen unter euch, die glauben, dass Gott ihre Gebete beantwortet, lasst mich euch eines sagen: Gott ist derart mitfühlend, dass er eher öfters als selten eure Gebete unbeantwortet lässt!
Auf ähnliche Weise: wenn ein Kind um ein Eis bittet, während es unter einer Erkältung leidet, werdet ihr ihm dann ein Eis geben? Nein, ihr werdet es ihm nicht geben.
Nun wird sich das Kind dafür euch gegenüber undankbar zeigen, aber ihr wisst genau, dass ihr nur das Beste für euer Kind wollt, weil es nicht weiß, dass das, um was es bittet, in diesem Moment nicht das Richtige für es ist.
In gleicher Weise wisst ihr ja in eurer tiefen Ignoranz nicht, was das Beste für euch ist, aber ihr fahrt damit fort, Gott um die verschiedenen Dinge zu bitten. Aber aus reinem Mitgefühl schiebt Gott eure Gebete sachte zur Seite und gewährt euch nur die Dinge, die ihr gerade benötigt, und er schubst euch einer höheren Intelligenz entgegen, was im Übrigen sein einziges Anliegen für euch ist. Erinnere dich, dass, je mehr deine innere Intelligenz wächst, desto weniger du betest oder bittest.
Um was kannst du Gott bitten? Von dem Moment an, wo du bittest, bedeutet das, dass du denkst, dass es einige Dinge gibt, die Gott nicht weiß! Es bedeutet, dass du das Gefühl hast, dass Gott nicht weiß, wenn du nicht darum bittest. Das klingt doch einfach lächerlich, nicht wahr? Kann es etwas geben, das Gott nicht weiß?
Verstehe, Gott gibt dir das, was du brauchst und nicht, was du möchtest. Wenn er damit anfangen würde, dir all das zu geben, was du möchtest, dann würdest du dich von Elend zu Elend bewegen! Wenn er dir gibt, was du brauchst, dann wirst du dich zu immer mehr Intelligenz bewegen und irgendwo unterwegs wird das Fragen aufhören und Dankbarkeit wird sich einstellen.
Gott gibt dir Stärke und Mut, die du brauchst, um Schwierigkeiten zu überwinden.
Er gibt dir die Weisheit, deine sogenannten Probleme zu lösen.
Er gibt dir eine unschätzbare Quelle, welche deine eigene, erneuerte Intelligenz ist, die dir Wohlstand bringt.
Er gibt dir Gelegenheiten, deine eigene Liebe und Fürsorge zu erkunden.
Er gibt dir alles, was du brauchst, um zu verstehen, dass alles, was du hast, all das ist, was du brauchst.
Er gibt dir alles, was du brauchst, damit du in deinem Duft reifen und erblühen kannst.
Das grundlegende Problem von uns allen ist, dass wir wohl bereit dazu sind zu glauben, dass Gott die Shakti bzw. Macht hat, uns alles zu geben was wir wollen, verstehen dabei aber nicht, dass Gott ebenso die Buddhi bzw. Intelligenz besitzt zu entscheiden, was gut oder was nicht gut für uns ist! Nur weil wir glauben, dass Gott nur Macht hat, fahren wir fort zu bitten und zu betteln.
Wir denken immer, dass das, was wir wissen, das Beste für uns ist und beten darum zu Gott. Wir wollen unsere Intelligenz und Gottes Macht nutzen, um das zu bekommen, was wir wollen! Wir sagen ihm ganz klar: "Das ist es, was ich möchte und so sollten die Dinge sein, also bitte, tue dies für mich mit deiner Macht!" Wir reichen all unsere Wünsche mit unseren Vorlieben in Klammern als ein Gebet bei Gott ein!
Das ist die Haltung, die uns in Schwierigkeiten bringt. Du musst verstehen, dass Gott nicht nur Macht, sondern auch Intelligenz hat, um zu entscheiden, was gut für dich ist. Wenn du das verstehst, dann wirst du aufhören zu bitten.
Du denkst, dass die ganze Welt aufgrund deiner Intelligenz läuft. Sei dir ganz klar: die Welt läuft trotz deiner Intelligenz.
Du bist so an das Konzept des Feilschens gewöhnt, dass es schwierig für dich geworden ist zu verstehen, dass es jemanden gibt, der noch nicht einmal dein Bluts-Verwandter ist, der für dich bedingungslos sorgen kann, ohne etwas im Gegenzug dafür zu erwarten. Das ist zu viel für dich, um wahr zu sein!
Ich sage dir, dass die Existenz sich um dich kümmert, wie es niemand sonst kann. Diese Wahrheit kann ich dir sagen, aber es liegt an jedem von euch, das von innen heraus zu erfassen, nämlich aus eurer eigenen Erfahrung. Nur dann kann es zu einem Wissen aus erster Hand werden.
Ich sage den Leuten immer: "Ich kann euch nicht Spiritualität lehren, aber ihr könnt sie lernen!" Ich kann euch zwar die großen Wahrheiten mitteilen, damit ihr zumindest wisst, was ihr nicht wisst. Aber es liegt an euch, diese Wahrheiten in Verständnis zu verwandeln. Ich bin jedenfalls dazu bereit, euch so oft ihr wollt von der Wahrheit zu erzählen.
Eine kleine Geschichte:
Als einst Shankara auf einer Parivarajaka Yatra war – einer Pilgerwanderung zu Fuß mit seinen Schülern, wurde er an einem Ort sehr durstig.
Sie sahen sich um, konnten aber nichts finden, um seinen Durst zu löschen.
Es gab nur ein Palmenhain, wo sie den landestypischen Arrak produzierten.
Shankara ging in den Hain und fragte die Arbeiter, ob sie irgendetwas hätten, um seinen Durst zu löschen.
Sie sagten, dass sie nichts weiter hätten als diesen Arrak.
Shankara bat um diesen Arrak und trank ihn.
Die Schüler sahen, wie Shankara ihn trank. Sofort danach baten sie ebenfalls um Arrak und tranken ihn!
Der Arrak beeinflusste Shankara nicht, weil er ein erleuchtetes Wesen ist, das grenzenloses Bewusstsein hat!
Er ging stetig weiter, aber seine Schüler stolperten hinter ihm her!
Nach einigen Tagen waren sie wieder unterwegs, dieses Mal aber in einem Wüstengebiet.
Sie fühlten sich wieder durstig und diesmal entdeckten sie nur eine Eisen-Fabrik.
Nichts sonst gab es.
Shankara fragte die Arbeiter, ob es etwas zu trinken gebe.
Die Arbeiter sagten, dass sie nichts zu trinken hätten.
Aber als Shankara das geschmolzene, flüssige Eisen sah, bat er die Arbeiter darum und trank es.
Nachdem er das flüssige Eisen getrunken hatte, wendete er sich seinen Schülern zu und bot ihn davon an!
Die Schüler waren vollkommen schockiert.
Shankara wollte ihnen zu verstehen geben, dass sie das tun sollten, was er sagte und nicht das, was er tat. Der Arrak beeinflusste ihn nicht, weil er in dem grenzenlosen Bewusstsein gegründet war. Sofern du dieses nicht erfahren hast, wirst du es nicht kennen. Daher kannst du es nicht einfach von außen imitieren. Es muss sich bei jedem von euch innerlich ereignen und dann werdet ihr erkennen.
Wie verpflichtet oder wie verbunden du dich der Wahrheit gegenüber fühlen magst, liegt ganz in deiner Entscheidung. Ich kann nur denjenigen helfen, die sich selbst helfen. Ich kann euch meine Hand reichen, um euch hochzuziehen, aber ihr müsst zumindest eure Hand heben und meiner entgegen strecken. Wenn du wirklich hochgezogen werden willst, dann würdest du zumindest deine Hand nach mir ausstrecken. Anderenfalls lasse ich dir die Freiheit einfach da zu bleiben, wo du gerade bist, das ist alles. Deswegen sagen sie: "Gott lässt dir die Freiheit, in der Gebundenheit zu verbleiben!"
Die meisten von uns denken, dass uns von Gott nicht geholfen wird, so wie es sein sollte. Ich sage dir, Gott kennt dich besser als du dich selbst. Das ist die Wahrheit. Du musst das verstehen, das ist alles. Lass einfach die Zweifel fallen und habe Vertrauen; das ist genug. Um den Rest wird sich von alleine gekümmert werden.
Eine kleine Geschichte:
Zwei Goldfische waren in einem Fischbecken.
Einer von beiden fragte den anderen: "Glaubst du wirklich an die Existenz Gottes?"
Der andere antwortete: "Wer sonst, glaubst du, wechselt täglich unser Wasser?"
Wenn du glaubst, dass die Existenz sich um all deine Bedürfnisse kümmert, dann wirst du frei von jeglichen Sorgen sein. Aber denke daran, wie ich dir gesagt habe, deine Bedürfnisse sind verschieden von deinen Wünschen. Deine Bedürfnisse sind wenige, aber deine Wünsche sind viele. Deine Bedürfnisse werden automatisch von der Existenz erfüllt. Wenn deine Wünsche anwachsen, dann verlierst du den Glauben an die Existenz, weil du nicht deren Erfüllung erlebst.
Siehst du, gewöhnlicher Glaube besteht einfach nur im daran- glauben, das ist alles. Vertrauen andererseits ist Glaube, plus der Energie, es in die Tat umzusetzen. Du kannst mit Glauben beginnen, musst aber zum Vertrauen gelangen. Im Glauben gibt es Zweifel; beim Vertrauen gibt es keine Zweifel, weil du es erfahren hast. Wenn du das Wunder der Dankbarkeit für dich selbst erfahren hast, dann wirst du immer mehr Glück in deinem Leben anziehen. Ich sage das aus meiner eigenen Erfahrung.
Eine kleine Geschichte:
Einst besuchte ein Junge einen Königspalast.
Er bat um die Erlaubnis, eine Nacht lang im Palast bleiben zu dürfen.
Der König stimmte zu, und der Junge blieb.
Am nächsten Morgen kam der Junge zum König und beschwerte sich endlos über die Missstände der Unterbringung.
Der König befahl, dass der Junge sofort aus dem Palast gebracht werden müsse, weil selbst eine einzige Unterbringung für solch eine Person schon zu viel sei.
Der Junge fühlte sich elend und ging zu einem Sufi-Heiligen, dem er von den Vorkommnissen erzählte.
Der Heilige sagte nichts. Er bat den Jungen einfach nur darum, sein Schüler zu werden.
Einige Monate später sagte der Heilige zu dem Jungen, dass er beim König eingeladen worden sei und bat darum, ihn zu begleiten.
Sie gingen zum Palast und baten darum, für einige Tage dort bleiben zu können.
Der König stimmte ein.
Am nächsten Morgen fragte der König den Heiligen, ob er sich wohl gefühlt habe mit der Unterbringung, die ihm zur Verfügung gestellt worden sei.
Der Heilige drückte dem König gegenüber seine herzliche Dankbarkeit aus für die Bequemlichkeiten, die ihnen bereitet wurden.
Der König war sehr glücklich darüber und befahl sofort, der Unterbringung für den Heiligen besondere Beachtung zu schenken.
Der Heilige sagte dem Jungen: "Siehst du nun? Das ist das Geheimnis des Lebens. Fühle Dankbarkeit und du wirst bekommen."
Das ist genau das, was geschehen wird, wenn du der Existenz dankst, anstatt ständig Fehler bei allem zu suchen, was dir gegeben wurde. Indem du Dankbarkeit fühlst, sendest du positive Schwingungen aus, die wiederum von alleine mehr zurückbringen, als du dir je vorstellen konntest.
Das bedeutet natürlich nicht, dass du die Leute nur mit Lippenbekenntnissen loben und heuchlerisch täuschen sollst, um mehr zu bekommen. Nein! Wenn du ständig in dem Zustand der Dankbarkeit bist, unabhängig von dem Zustand in der äußeren Welt, dann wird die Dankbarkeit von dir ausstrahlen. Dann werden sich die Dinge einfach bei dir ereignen.
Die Leute fragen mich: "Swamiji, es gibt so viel Leid um uns herum. Warum ist das so?" Ich sage dir, das ist alles Unsinn. Zuerst einmal ist da nicht so viel Leid, wie du zunächst denkst. Es gibt Leid, in Ordnung, aber es wird vergrößert durch deinen eigenen Verstand. Wenn du die richtigen Statistiken nimmst und sie betrachtest, dann wirst du verstehen, wie sehr sich dein Verstand bei diesen Dingen täuscht. Es ist zu einem alltäglichen Gesprächsstoff geworden, über diese Dinge zu sprechen und dabei die ganze Situation zu verstärken. Und zweitens gibt es Leid, weil du dein Vertrauen verloren hast, das ist alles. Wir sind habsüchtig geworden, angetrieben von unserer unbewussten Lebensweise.
Verstehe, dass die Existenz die Dinge im Universum aufeinander abstimmt. All die Ereignisse werden vollkommen synchron ausgeführt, dass du, je bewusster du bist, umso mehr die erstaunliche Ordnung wahrnehmen kannst, die dir jetzt noch als chaotisch erscheint. Wir müssen nur dem gewahr werden und unseren Teil dementsprechend spielen; dann wird das Leben wie Musik fließen.
Wenn du für dieses Phänomen empfänglich wirst, dann wirst du beginnen von kleinen bis großen Ereignissen wahrzunehmen, wie sich die Dinge fügen und sich mit dir ereignen, wobei du ein Instrument in dem ganzen Prozess bist. Die Kraft der Fügung wird anfangen, sich dir in ihrer ganzen Pracht zu offenbaren. Dir wird bewusst werden, dass du ein Teil des makrokosmischen Zusammenspiels bist, mit dessen Musik du nur einfach mitfließen und genießen musst! Nur wenn du gegen diesen Fluss ankämpfst, wenn du versuchst, gegen ihn zu schwimmen, dann beginnen die Probleme.
Eine kleine Geschichte:
Eines Tages kamen Leute zu einem Mann gerannt und sagten ihm, dass seine Frau in den Fluss gefallen sei und von Fluss mitgerissen worden sei.
Der Mann rannte sofort zum Fluss, zog seine Kleider aus, sprang hinein und schwamm stromaufwärts.
Die Leute schrien: "Warum schwimmst du stromaufwärts? Sie ist natürlich stromabwärts mitgerissen worden."
Der Mann schrie zurück: "Nur ich kenne meine Frau. Selbst im Fluss würde sie nur gegen den Strom schwimmen – nicht mit ihm!"
Wenn wir gegen den Fluss angehen, beginnen die Probleme, weil wir dadurch zulassen, dass unser Ego zwischen die Existenz und uns selbst tritt. Wenn wir andererseits den Fluss der Existenz verstehen und mit ihm gehen, dann werden wir spontan sein; wir werden fähig sein, all das, was uns auf unserem Weg begegnet anzunehmen, und wir werden in Dankbarkeit aufgehen.
Wenn du spontan bist, bedeutet das, dass du dazu bereit bist, jedwede Verantwortung aufzunehmen. Ich sage den Leuten immer, dass Verantwortung die Fähigkeit ist spontan zu reagieren. Die Meister nehmen Verantwortung für die gesamte Welt auf sich!
Wie? Weil sie so spontan sind und sich ständig mit den Fluss der Existenz bewegen! Sie wissen, dass, wenn sie einfach mit der Existenz fließen, die Existenz die Dinge auf natürliche Weise geschehen lässt.
Wenn du mit den Ashram-Bewohnern unseres Ashrams sprichst, dann werden sie dir von ihren Erfahrungen berichten. Es ist sehr schwer für sie, die Dinge im Vorhinein zu wissen und mit ihnen Schritt zu halten, weil ich ständig mit der Existenz fließe! Mit der Zeit lernen sie, zunächst ihre Vorstellung davon fallen zu lassen, dass sie genügend Vorlaufzeit brauchen um handeln zu können, und dann lernen sie langsam, für alles jederzeit bereit zu sein! So laufen die Dinge im Ashram. Die Dinge geschehen aus dem Moment heraus.
Ein Außenseiter wird erstaunt sein, das ständige Chaos im Ashram zu sehen, dass sich andauernd ereignet. Seien es Poojas oder Aufgaben, ich teile sie ihnen nur einige Stunden zuvor mit, und die Dinge werden erledigt. Ich gebe ihnen nur einige Stunden zuvor Bescheid, weil ich ständig fließe ohne jedweden Rahmen oder Plan.
Wenn wir lernen mit der Existenz zu fließen, dann können wir ohne Sorgen leben. Aber irgendwie haben wir alle die Kunst gemeistert, gegen die Existenz anzukämpfen. Daher leiden wir. Wenn du dich auf den Fluss der Existenz einstimmst, dann wirst du feststellen, dass du jeden Moment beobachtet wirst und dir genau das gegeben wird, was du in diesem Moment brauchst.
Wenn du dich einstimmst, dann trägst du die Strahlung und die Energie der Existenz in dir. Dann wirst du sehen, wie sich die Dinge fügen, wie sie wie ein Puzzleteil an ihren Ort fallen, sodass die Dinge für dich arbeiten; du wirst erleben, wie die Menschen dich mit einer dir bislang unbekannten Spontanität und mit Enthusiasmus empfangen, wo immer du auch hingehst.
Die Menschen werden dich anders betrachten. Sie erfahren eine unerklärliche Anziehung zu dir. Dein Leben wird zu einem Lied, das von einem unsichtbaren Musiker gespielt wird, zu dem du einfach nur tanzt. Das Leben wird zur Musik und zum Tanz. Es wird zu einem Fest!
Aber anstatt zu feiern, suchen wir ständig nach mehr, suchen nach Wundern. Ständig halten wir Ausschau nach Wundern, dass sie erscheinen mögen, stellen dann aber fest, dass sie nicht geschehen.
Wunder werden niemals getan; sie ereignen sich einfach ständig um uns! Es ist unsere begrenzte Wahrnehmungsfähigkeit, die sie zu Wundern macht! Nimm z.B. Dankbarkeit und stimm dich selbst auf die Existenz ein, und du wirst die Wunder sehen wie sie geschehen! Dankbarkeit wird dich auf die Wunder einstimmen und entweder genießt du sie, oder du versäumst sie. Die Wahl liegt ganz bei dir!
Wenn du sie versäumst, wirst du unzufrieden bleiben. Es ist gleichsam wie eine offene Tür, an die du ständig anklopfst! Ich sage dir, dass alles, was du brauchst, bereits da ist und dass du es nur empfangen musst, aber du bist nicht bereit dazu das zu glauben. Du siehst nicht die Wunder, die sich ständig um dich ereignen und gehst stattdessen auf die Suche nach ihnen.
Verstehe, dass Wasser in Wein zu verwandeln kein Wunder ist. Den Menschen in Gott zu verwandeln, das ist das wahre Wunder. P.C. Sarkar, der große Magier, kann das Erstere vollbringen. Aber es bedarf tiefen Verständnisses für das Letztere.
Eine kleine Geschichte, die Ramakrishna oft zu erzählen pflegte:
Zwei Brüder lebten zusammen.
Der ältere Bruder beschloss, ein Geschäft zu betreiben, während der jüngere Bruder loszog, um ein Sadhu zu werden.
Nach ein paar Jahren begegneten sie sich wieder.
Sie fragten sich einander, was sie die vergangenen paar Jahre erreicht hatten.
Der ältere Bruder zählte all die materiellen Dinge auf, die er in der äußeren Welt geschaffen hatte. Er sprach über sein Geschäft und wie der Reichtum sich angesammelt hatte. Dann fragte er den jüngeren Bruder, was er erreicht hatte.
Der jüngere Bruder nahm ihn einfach mit zu einem Fluss, überquerte ihn direkt zu Fuß und verkündete stolz: "Das ist es, was ich erreicht habe."
Der ältere Bruder mietete sich ein Boot, ließ sich auf die andere Seite des Flusses übersetzen und sagte: "Was? Was nur zwei Pfennig kostet um es zu erreichen, das hast du in so vielen Jahren erreicht?!"
Die Menschen denken, dass, wenn sie in der äußeren Welt Wunder bewirken können, sie spirituell und machtvoll geworden sind. Nein! Verstehe: Spiritualität ist kein Spiel von Wundern in der äußeren Welt. Sie ist ein Spiel in der inneren Welt – deine Persönlichkeit in Individualität zu verwandeln – welches das größte Wunder ist! Die Persönlichkeit in Individualität zu verwandeln, ist das größte Wunder.
Die Leute bitten mich immer wieder, Wunder zu wirken. Ich sage ihnen, dass diese sogenannten Wunder kein Maßstab dafür sind, um meinen Zustand zu ermessen. Aber sie möchten nicht hören. Selbst wenn ich, um so einfache Techniken wie z.B. Materialisierung zu demonstrieren, nur ein oder zwei solcher Dinge tun würde, würden die Leute anfangen, nur deswegen zu kommen, um diese Wunder zu sehen; wegen der Magie-Vorstellung, nicht wegen der Transformation! Das ist meine Sorge.
Was bei der Teleportation tatsächlich geschieht, ist das gleiche, wie beim Telefonieren, wo die Schallwellen von deiner Stimme in elektrische Signale verwandelt werden, dann über das Medium gesendet werden, und am Ende zurück in Klang-Wellen umgewandelt werden, so verwandele ich Materie in Energie, bewege sie durch die Luft und wandle sie wieder in Materie zurück, das ist alles. Dabei gibt es kein Wunder.
Höre also auf, nach Wundern zu suchen. Lebe mit dem Gefühl von Dankbarkeit und Liebe für die Existenz, und du wirst automatisch das wahre Wunder in dir erleben. Eine Transformation ist das größte Wunder, das durch einen Meister geschehen kann! Und denke daran, du brauchst keine Wunder von einem Meister; du brauchst nur Intelligenz.
Wenn deine Intelligenz wächst, dann wirst du deine täglichen Aktivitäten ohne Anstrengung bewältigen, und du wirst dabei in Frieden bleiben. Zum Beispiel, wenn du ein Manager bist, dann hast du viele Aufgaben – du stellst Leute ein, überwachst ihre Leistung, legst ihre Gehälter fest usw. Bist du fähig, all diese Dinge zu tun, ohne in Stress zu geraten? Mit Intelligenz wirst du dazu fähig sein sie ohne Stress zu bewältigen. Du wirst im Frieden bleiben. Was du dazu brauchst, ist Intelligenz, nicht Kraft. Behalte das in Erinnerung.
Wenn du verstehst und erfährst, dass die Existenz sich darum kümmert, dann wirst du dich verwandeln und wirst dich dahingehend entwickeln, ein Individuum zu werden, welches von allen möglichen Täuschungen befreit ist. Wir setzen unser Vertrauen immer in Menschen, Astrologen, Wahrsager, Planeten und Sterne, und was nicht noch alles; niemals aber in die Existenz, die jedoch die eigentliche Lebens-Quelle des Universums ist.
In Bharat gibt es eine Tradition, bei der Menschen einen Papagei nach ihrer Zukunft fragen!
Auf einem Bürgersteig an der Straße steht dann ein Käfig mit einem Papagei drinnen, der neben dem sein Besitzer steht.
Manche Passanten bleiben stehen, zahlen dem Besitzer treuherzig etwas Geld und fragen nach ihrer Zukunft.
Der Besitzer öffnet den Käfig und befiehlt dem Papagei, herauszutreten und aus einer Reihe von Papieren irgendeines aufzupicken.
Der Papagei kommt aus seinem Käfig, hebt ein Papier mit seinen Schnabel auf und hält es dem Besitzer hin.
Der Besitzer liest laut vor, was darauf geschrieben steht. Das ist dann die Vorhersage für die Zukunft dieses Menschen!
Ein Mensch mit 6 Sinnen bittet einen Papagei mit 4 Sinnen, ihm die Zukunft vorherzusagen! Wie könnte das möglich sein? Lass all diesen Unsinn beiseite und beginne damit in Einklang zu kommen; nehme den zentralen Faden auf, welcher die Dankbarkeit ist, und bewege dich im Einklang mit der Existenz.
Wenn du die Meister beobachtest, dann erscheinen sie so anmutig, so wunderbar und so göttlich. Das kommt daher, weil sie sich im Einklang mit der Existenz bewegen. Aber du siehst nicht ihren Zustand; du siehst nur ihren Status. Wenn du ihren Zustand betrachtest, wirst du erkennen, dass sie einfach mit der Existenz vereint sind und daher ständig so glückselig erscheinen. Das ist der Zustand, den du erreichen solltest.
Aber was sagst du stattdessen? "Oh! Er ist ein Meister; er ist immer glückselig. Wie kann er um meine Probleme wissen? Ich kämpfe hier um mein täglich Butter und Brot, und er bittet mich, ständig in Dankbarkeit zu sein."
Du siehst nur die Rosen-Blätter um des Meisters Füße; du siehst nur seinen Status und denkst, dass er nichts von den täglichen Angelegenheiten weiß. Bedenke, dass der Respekt, der ihnen entgegengebracht wird, seinem Zustand gebührt – nicht seinen Status. Du hast keine Ahnung von den Kämpfen, die dazu notwendig waren, um diesen Zustand zu erreichen.
Du sprichst davon, wie du um dein täglich Butter und Brot kämpfst. Ich sage dir aus meiner eigenen Erfahrung, dass ich viele Tage meiner Wanderung ohne zu essen gegangen bin. Gewiss, ich habe das damals nie als Mangel seitens der Existenz empfunden. Ich war so eifrig bei der Suche nach der Wahrheit, sodass alles zur Meditation wurde, eingeschlossen das Wandern ohne Essen.
Wisst ihr, abgesehen von einigen Wohltätigkeitshäusern in Nordbharat, wo sie den Sannyasis großen Respekt entgegenbringen, meiden die Leute immer einen Sannyasi. Sannyasis werden immer mit Argwohn betrachtet. Die Leute denken, dass sie gekommen sind, um ihr Eigentum zu stehlen. Ich sage dir, meide sie niemals. Warum gibst du ihnen nicht einfach eine Schale voll Reis? Das ist genug für sie. Sei niemals knauserig, wenn es darum geht, Menschen etwas zu geben. Denke daran – wenn du kein Dhaani sein möchtest, das ist ein Mensch, der ein Teil seines Wohlstandes gibt –wirst du ein Mahadhaani werden, jemand, der all seinen Wohlstand zurücklässt und stirbt!
Wie dem auch sei, versteht bitte, dass ich aus meiner eigenen Erfahrung erzähle. Selbst in den tiefsten Sorgen und Kämpfen, wenn du aus unerschütterlichem Vertrauen und Dankbarkeit heraus handelst und deine innere Intelligenz benutzt um da durchzugehen, dann wirst du sehen, dass du daraus erfolgreich auftauchen wirst, mit weit größerer Dankbarkeit und Intelligenz!
Selbst wenn du etwas sehr Wertvolles dabei verlierst, sei einfach dankbar dafür, dass du es für eine Weile genießen konntest, das ist alles. Wenn du zur reinen Dankbarkeit wirst, dann wirst du um nichts Verlorenes weinen. Du wirst es genießen solange es da ist und selbst, nachdem es weg ist, weiterhin nur Dankbarkeit empfinden.
Eine kleine Geschichte:
Ein König hatte die Angewohnheit, sich des Nachts in seinem Königreich unerkannt umzuschauen.
Jede Nacht sah er einen Meister, der in glückseligem Zustand unter einem Baum saß, während der Rest der Stadt schlief.
Er fühlte tiefen Respekt für den Meister und bat ihn eines Nachts, mit in den Palast zu kommen.
Der Meister sagte: "Gut, ich werde heute mitkommen, weil der Morgen nicht gewiss ist."
Der König war verblüfft über diese abrupte Annahme seiner Einladung, nahm ihn aber mit in den Palast.
Im Palast stellte er dem Meister den schönsten der Räume zur Verfügung und gab das beste Essen.
Der Meister genoss alles aufs Äußerste.
Der König beobachtete ihn dabei, wie er all die materiellen Bequemlichkeiten genoss. Er konnte nicht glauben, dass ein echter Meister die Dinge derart genießen würde, und so nahm sein Respekt für den Meister von Tag zu Tag ab. Er fühlte sich in gewisser Weise betrogen.
Schließlich sprach der Meister eines Tages zum König: "Irgendetwas scheint dich zu bedrücken. Warum kommst du nicht heraus damit?"
Der König sagte: "Ja, ich kann den Unterschied zwischen dir und mir nicht erkennen, wenn ich sehe, wie du all diese Dinge genießt, genauso, wie ich es tue."
Der Meister lächelte und sagte: "Nun gut, lass uns einen Spaziergang machen."
Der König stimmte zu, und so machten sie sich auf den Weg. Sie gingen lange Zeit in Stille.
Da kamen sie zu einem Fluss, der die Grenze des Königreiches markierte.
Der Meister sagte: "Nun gut, mein Aufenthalt ist vorüber. Ich gehe – verlass du auch dein Königreich. Kommst du mit mir?"
Der König sagte: "Wie könnte ich? Ich habe mein Königreich und meine Leute und so viele Dinge zu lösen!"
Der Meister lächelte und sagte: "Hast du nun eine Antwort auf deine Frage bekommen?"
Da ging ein Ruck durch den König bei den Worten des Meisters.
Die Meister wissen, dass alles zur Existenz gehört. Deswegen leben sie in jedem Moment umfassend, genießen ihn aufs Äußerste. Jeder Moment wird voll und ganz gelebt. Sie haben keine Angst davor, irgendetwas zu verlieren, weil schließlich – was gehört dir, sodass du es verlieren könntest?
Bedenke immer, dass alles zur Existenz gehört. Du bist ein zeitweiliger Besitzer dessen, das ist alles. Fühle immer Dankbarkeit, ob du nun viele Dinge besitzt oder nichts. Das ist der Weg zu einem befreiten Leben.
Du kannst eine enorme Freiheit genießen, wenn du diese eine Sache verstehst.
Eine weitere kleine, schöne Geschichte:
Gott und all die Wissenschaftler der Welt trafen sich in einem Wettbewerb.
Was für ein Ding Gott auch erschuf, das wurde identisch von den Wissenschaftlern aus irgendwelchen Materialien nachgebaut. Den Wissenschaftlern war es möglich, alle Dinge ohne Probleme zu reproduzieren.
Schließlich erschuf Gott einen Menschen aus Staub, und forderte so die Wissenschaftler heraus.
Die Wissenschaftler wollten gerade den Staub aufnehmen…
als Gott sagte: "Wartet! Macht ihn aus eurem Staub, nicht aus meinem!"
Der Mensch muss verstehen, dass die Existenz der Schöpfer, das Geschaffene und der Schöpfungsvorgang selber ist. Erst dann kann er beginnen, die Dinge genussvoll und ohne Einschränkung zu nutzen. Erst dann kann er Besitztum und Täterschaft aufgeben.
Verstehe also: wenn du deine Haltung vom Standpunkt des Suchens nach Unzufriedenheit, Sorgen und Depression dahingehend änderst, das Gegenwärtige in Dankbarkeit zu suchen, dann wirst du von ganz alleine fähig sein, dir die Energie der Existenz besser zunutze machen zu können. Dann wird es dir möglich sein, die Existenz besser zu würdigen und folglich wird Dankbarkeit zu deiner Haltung werden.
Eine kleine Geschichte:
Ein Mann ging zum Markt, um Gemüse für seine Frau zu kaufen.
Er kaufte Okraschoten ein, ging nach Hause und zeigte sie seiner Frau.
Die Frau sah die Okraschoten und sagte: "Oh! Diese sind schon überreif. Ich kann damit nicht kochen."
Am nächsten Tag kaufte der Mann noch einige Okraschoten, suchte sie diesmal aber sorgfältig aus, ging nach Hause und zeigte sie seiner Frau.
Die Frau sagte: "Was hast du gekauft? Sie sind zu weich, um das Essen zu kochen, das ich mir vorgestellt habe."
Am nächsten Tag ging der Mann wieder zum Markt, betete zum Ladenbesitzer und sagte: "Bitte geben Sie mir einige gute Okraschoten, die weder zu reif noch zu weich sind."
Der Ladenbesitzer suchte die besten Okraschoten selber aus. Der Mann nahm sie mit nach Hause und zeigte sie seiner Frau.
Die Frau sah sie und sagte: "Was? Du hast heute schon wieder Okraschoten gekauft!"
Wertschätzung geschieht bei vielen von uns niemals spontan. Wenn wir nicht spontan anerkennen können, bedeutet das, dass wir eine klagende oder unzufriedene Natur in uns haben. Überhaupt ist Unzufriedenheit die Nahrung für unseren Verstand.