Schuld ist die Ursünde
Was ist Schuld?
Wenn wir Verlangen haben, bedeutet das, dass wir gleichzeitig auch Schuldgefühle haben. Schuldgefühle sind die Kehrseite des Verlangens. Manchmal fühlt man sich schuldig, wenn man etwas begehrt, da man fühlt, dass es nicht richtig ist. Ein anderes Mal fühlt man sich schuldig, wenn Wünsche erfüllt werden, da man meint, nicht zu verdienen, was man bekommt. Auch wenn deine Wünsche sich nicht erfüllen, fühlst du dich schuldig, da du glaubst, nicht genug für deren Erfüllung getan zu haben. Verlangen führt unweigerlich zu Schuldgefühlen.
Schuldgefühle entstehen bei der Betrachtung von vergangenen Ereignissen und Taten mit deiner gegenwärtigen verbesserten Intelligenz.
Du hast zum Beispiel in deiner Schulzeit einem deiner Freunde etwas Verletzendes gesagt, und das hat dazu geführt, dass die Freundschaft zerbrach. Hat es einen Sinn, dass du dir nach so vielen Jahren, mit der dir nun zur Verfügung stehenden Intelligenz, den Vorfall vergegenwärtigst und dich schuldig fühlst? Nein! In jener Zeit hattest du eine gewisse Intelligenz und in der entsprechenden Weise hast du dich verhalten. Jetzt ist deine Intelligenz eine andere, sie ist gewachsen.
Es macht keinen Sinn, die Vergangenheit mit deinem gegenwärtigen Verständnis zu betrachten.
Die Nutzlosigkeit der Vergangenheit
Was vorbei ist, ist vorbei. Was getan wurde, wurde getan. Man kann es nicht rückgängig machen. Wenn man dauernd über die Vergangenheit nachdenkt und sich dabei schuldig fühlt, zerstört man nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft. Da nichts mehr geändert werden kann, ist es nutzlos sich schuldig zu fühlen. Was tun? Dasselbe Verhaltensmuster nicht zu wiederholen, ist alles, was man tun kann. Damals hast du entsprechend deiner Intelligenz, wie sie damals war, gehandelt, das ist alles.
Unsere Vergangenheit ist und bleibt vergangen, tot. Darum wird sie Vergangenheit genannt. Dennoch lassen wir uns von ihr irritieren. Wie erlauben wir der Vergangenheit uns zu beeinflussen? Dies geschieht auf zwei Arten:
Indem wir vergangene Taten oder Entscheidungen mit unserer gegenwärtigen Intelligenz betrachten, verursachen wir Schuldgefühle in uns.
Wenn wir gegenwärtige Entscheidungen auf Grund von vergangenen Erfahrungen treffen, wird unsere Zukunft nichts anderes sein, als die Wiederholung der Vergangenheit, vielleicht in einer etwas moderneren Version.
Auch wenn man nicht genau die gleichen Fehler begeht, so bewegt man sich doch in derselben Erfahrungswelt, auf derselben Ebene. Unser Denken ist in bestimmten Mustern eingefahren und zwingt uns das zu tun, was wir immer getan haben. So machen wir andauernd dieselben Fehler.
Drei Arten von Schuld
Es gibt drei Arten von Schuld, die sich in uns festsetzt und unsere Intelligenz abtötet.
- Schuld verursacht von unserer Familie.
- Schuld verursacht von gesellschaftlichen Normen.
- Schuld verursacht von uns selbst.
Schuld verursacht in unserer Familie
Bis zum Alter von sieben Jahren werden Schuldgefühle von unserer Familie verursacht. Falls wir nicht gemäß den Wünschen unserer Eltern handeln, flössen sie uns Schuldgefühle ein. Sie sagen uns, dass es Gott nicht gutheißen wird, was wir tun. Armer Gott, was alles über ihn gesagt wird! Oder deine Eltern sagen dir, dass du ihre Wünsche als Eltern respektieren solltest. Augenblicklich fühlst du dich schuldig, sie unglücklich zu machen. Auf diese Weise sät die Familie erste Samen von Schuld in dir. Du gibst diese Schuld dann an deine Kinder weiter. Wie eine Krone wird sie von Generation zu Generation weitergegeben.
Erwachsene können oft nicht erklären, warum bestimmte Dinge auf eine bestimmte Weise getan werden müssen. Deshalb werden Regeln aufgestellt, dem Kind aufgezwungen und Schuldgefühle in ihm erzeugt. Kindern gefällt es zum Beispiel sich im Kreis zu drehen. Sie lieben es den Bewegungen Ihres Körpers zu folgen. Es ist für sie eine natürliche Art ihre Energie zu zentrieren. Aber was tun wir? Wir stoppen das Kind und erzeugen Ängstlichkeit, indem wir ihm sagen, es könnte fallen. Wir geben nicht nach, bis das Kind genauso steif, kalt und abgestumpft ist wie wir!
Das Kind möchte zum Beispiel ins Freie hinausgehen und in der Sonne spielen oder Blumen pflücken oder einfach an der frischen Luft herumtollen. Wenn man bedenkt, was das Kind fordert, ist es nicht viel. Aber die Mutter sagt: "Nein" - es könnte krank werden wegen der zu starken Sonne. Wenn man etwas näher hinschaut, kann man erkennen, dass sie durch dieses Nein - Sagen ein subtiles Machtgefühl verspürt. Sie sagt zwar, es sei wegen der Sonne, aber es steckt mehr dahinter.
Das Nein der Mutter hinterlässt einen tiefen Eindruck im Kind. Es verursacht Schuldgefühle im Kind. Das Kind kann sich nun zwingen drinnen zu bleiben oder es kann sich den Augen der Mutter entziehen und hinausgehen. Auf jeden Fall wird seine unbeschwerte Lebensenergie unterdrückt. Falls das Kind sich zwingt, drinnen zu bleiben, kann es seine Energie nicht zum Ausdruck bringen. Falls es hinausgeht, fühlt es sich schuldig und hat Angst, dass es von jemandem gesehen wird. Und all das wegen nichts Besonderem – nur um in der Sonne zu spielen.
Mit dem Heranwachsen graben sich diese Erinnerungen von Schuld tief in ihm ein. Sogar als erwachsener und unabhängiger Mann kann es nun vorkommen, dass er, auf einer Wiese in der Sonne sitzend von diesen Kindheitserinnerungen überwältigt wird. Er kann sich ohne Grund schuldig und unwohl fühlen. Es gibt nichts, worüber man sich schuldig zu fühlen brauchte, nur weil man irgendwo im Gras sitzt. Aber die alten Erinnerungen sind erwacht.
So entstehen Schuldgefühle. Kleine Vorfälle wie diese häufen sich und machen Schuld zu einem natürlichen Begleiter in unserem Leben.