Transzendiere die Zeit – Sei in der Gegenwart
Deine Gedanken beziehen sich immer entweder auf deine Vergangenheit oder deine Zukunft. Du kannst nur darüber nachdenken, was in der Vergangenheit passiert ist oder was in der Zukunft passieren wird. Deine Gedanken über die Vergangenheit sind in der Regel Reuegefühle über das, was du nicht getan hast, oder Schuldgefühle über das, was du getan hast. Gedanken über die Zukunft bestehen meist aus Wünschen, die du dir erfüllen möchtest.
Verstehe bitte, in Wirklichkeit gibt es weder Vergangenheit, noch Zukunft. Die Vergangenheit ist tot und vorbei. Meistens lernen wir nicht einmal etwas aus der Vergangenheit. Alles was wir tun, ist zu versuchen, die Zukunft nach dem Vorbild der Vergangenheit zu wiederholen. Es ist so, wie wenn man ein Auto steuert, indem man nur in den Rückspiegel schaut. Du weißt sicherlich, wo du dabei enden wirst!
Die Zukunft ist sogar noch unwirklicher. Sie ist noch nicht geschehen. In dem Zustand, in dem du dich befindest, hast du sehr wenig Kontrolle über die Zukunft, denn deine Zukunft wird vom unbewussten Teil deiner Psyche gesteuert. Du wirst von den dort eingebetteten Erfahrungen der Vergangenheit geleitet.
Deine Gedanken sind nichts anderes, als das Hin - und Herspringen deines Verstandes zwischen Vergangenheit und Zukunft. Dein Verstand will niemals ausruhen. Würde er nämlich ausruhen, könntest du entdecken, dass es auch ohne ihn geht!
Wenn du deinem Verstand nur erlauben würdest, auszuruhen oder wenn du ihn überreden könntest, auszuruhen, dann würdest du einen glückseligen Zustand erreichen. Dieser Zustand ist im gegenwärtigen Moment zu finden. Deine gesamte Zukunft entsteht in diesem gegenwärtigen Moment. Es sind deine Entscheidungen in diesem Moment, welche deine Zukunft erschaffen. Wenn du dich gewissenhaft um den gegenwärtigen Augenblick kümmerst, wenn du den gegenwärtigen Augenblick bewusst lebst, dann hast du keinen Grund mehr, deine Vergangenheit zu bereuen oder dich wegen ihr schuldig zu fühlen.
Die horizontale Achse repräsentiert die Zeit. Je größer dein GPS
(Thoughts Per Second = Gedanken pro Sekunde) ist, desto weiter entfernt bist du vom gegenwärtigen Moment. Während du dir Gedanken über die Zukunft machst, gleitet diese in die Vergangenheit hinüber, ohne dass du jemals einen flüchtigen Blick auf den gegenwärtigen Moment werfen könntest.
Wenn dein GPS sinkt, näherst du dich mehr und mehr der Gegenwart und wenn das geschieht, bekommst du eine klarere Sicht auf die Vergangenheit und auf die Zukunft. Du fragst dich vielleicht, was bezüglich der Vergangenheit unklar sein soll. Es ist begreiflich, dass die Zukunft unklar ist, aber warum die Vergangenheit. Ich habe sie durchlebt, warum sollte sie deshalb unklar sein! Du musst verstehen,
dass deine jetzige Erinnerung an die Vergangenheit nur deine Bewertung der Vergangenheit ist, nicht die Vergangenheit, wie sie sich tatsächlich abgespielt hat. Wie oft sprechen wir von der guten, alten Zeit. Wie viel ist über goldene Zeitalter geschrieben worden? Es gibt nichts Goldenes in Bezug auf die Vergangenheit. Wir wollen nur die schönen Abschnitte davon sehen, deshalb erscheint sie golden.
Wenn du dich in einen intuitiven Zustand befindest, dann sei dir im Klaren: Dein GPS hat abgenommen und du bist mehr in der Gegenwart. Wenn dein GPS null beträgt, dann kannst du die gesamte Vergangenheit und die gesamte Zukunft klar sehen.
Der Punkt, an dem die Zukunft auf die Vergangenheit trifft, ist die Gegenwart. Das ist der Ort, wo deine Gedankenfrequenz null beträgt und du dich in einem gedankenfreien Zustand befindest. Du hast dabei deine Gedanken nicht kontrolliert oder unterdrückt, was unmöglich ist. Du hast den Verstand transzendiert, was möglich ist.
Meditation bringt den Verstand dazu, auszuruhen. Meditation schaltet den Verstand aus, damit er aufhört seine Spielchen zu spielen. Den gedankenfreien Zustand können wir auch in der Gegenwart eines Meisters erfahren. Der Meister ist immer in einem gedankenfreien Zustand, welcher dem Null-GPS - Zustand entspricht. Wenn du dich in der Nähe seines Gewahrseins befindest, entweder körperlich oder anders, sinkt auch deine GPS Rate. Du kannst die Null -GPS einfach dadurch erreichen, dass du dich in der Gegenwart des Meisters aufhältst. Die Gegenwart des Meisters ist Meditation. Das Gewahrsein des Meisters ist Meditation.
Physiologische Auswirkungen von Stress
Wir haben nun gesehen, was die alten Schriften über Stress aussagen und was ich über die Ursachen von Stress denke. Sehen wir nun, was die Wissenschaft dazu sagt.
Ein Teil unseres Gehirns kontrolliert automatische, nicht willentlich steuerbare Vorgänge wie Atmung oder Verdauung. Die Natur hat sozusagen ein ausfallsicheres System entwickelt und dieses in einem Teil unseres Gehirns, dem Hypothalamus, eingepflanzt. Dieser beinhaltet auch das sogenannte Reptiliengehirn.
Verhaltensforscher sprechen oft von der Kampf-oder Flucht-Reaktion. Wenn unser Körper-Verstand-Mechanismus eine Bedrohung unseres Lebens wahrnimmt, wird der Hypothalamus unbewusst alarmiert. Das Unterbewusstsein funktioniert millionenfach schneller als unser bewusstes Handeln. Deshalb werden wir instinktiv aufmerksam, noch bevor wir die Gefahr bewusst wahrgenommen haben. Der Hypothalamus aktiviert die Hirnanhangdrüse, die die Ausschüttung von Adrenalin veranlasst. Dieses Hormon gelangt über den Blutkreislauf bis in unsere Hände und Füße. Wir sind dann bereit für die Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Die Energie bereitet uns entweder dazu vor, gegen die Gefahr anzugehen, oder vor ihr zu flüchten.
Das unbewusste Reptiliengehirn entsendet chemische Stoffe in unseren Körper, um uns zu schützen. Das funktionierte recht gut in den Zeiten der Höhlenbewohner, die sich mit Löwen und Tigern auseinanderzusetzen hatten. Sie mussten ohne zu überlegen in der Lage sein, zu kämpfen oder wegzulaufen.
Um die Auswirkungen von Adrenalin auf den modernen Menschen zu untersuchen, wurden Experimente an Athleten durchgeführt. Man ließ Hundertmeterläufer in Startposition gehen und der Startrichter erhob seinen Arm, um mit einer Pistole das Startsignal zu geben. Er brach den Start jedoch wieder ab, indem er den Arm senkte. Die Sprinter lockerten sich und nahmen dann ihre Position an den Startblöcken wieder ein. Diese Prozedur wurde sechs Mal wiederholt. Ohne auch nur einen Meter zu laufen, brachen einige Sprinter an ihren Startblöcken zusammen. Der Adrenalinspiegel in ihren Körpern hatte ein bedrohliches Ausmaß erreicht. Das lebensrettende Adrenalin kann zum Killer werden, wenn es ohne Grund produziert wird.
Die Wahrscheinlichkeit, heutzutage einen Tiger oder Löwen anzutreffen, ist fast gleich Null. Nichtsdestotrotz fährt unser Unterbewusstsein fort, Signale solcher Gefahren auszusenden. Diese äußern sich als Angstanfälle. Psychologen schätzen, dass wir täglich ca. ein halbes Dutzend solcher Angstanfälle erleben. Diese Angstanfälle verursachen die Produktion einer großen Menge von Adrenalin. Es gilt als bewiesen, dass Depressionen eine direkte Folge dieser Adrenalin - Produktion sind. Depressionen ihrerseits sind die Ursache vieler chronischen und lebensbedrohlichen Krankheiten.
Die medizinische Forschung hat herausgefunden, dass in den Industrieländern die Arterien von jungen Menschen und sogar Teenagern schon so blockiert sind, wie das sonst nur bei Menschen über sechzig der Fall ist! Die körperliche Verfassung macht aber nur einen Teil des Problems aus. Einen weit größeren Teil des Problems
bildet die emotionale Verfassung. Inzwischen ist eindeutig bewiesen, dass emotionale Belastungen als Auslöser für Herz- und Schlaganfälle gelten, auch wenn die körperliche Disposition dafür schon lange vorhanden war.
Stress ist ein Killer, aber er befindet sich in unserem Kopf.