KAILASA Library/Living Enlightenment (Gospel of THE SUPREME PONTIFF OF HINDUISM BHAGAWAN SRI NITHYANANDA PARAMASHIVAM)/Spiritualität – der Weg zur EhrfurchtSign in
Living Enlightenment (Gospel of THE SUPREME PONTIFF OF HINDUISM BHAGAWAN SRI NITHYANANDA PARAMASHIVAM)

Spiritualität – der Weg zur Ehrfurcht

Es gibt einen bekannten Spruch: "Wenn du dich sorgst, hast du nicht gebetet. Wenn du gebetet hast, sorge dich nicht."

Spiritualität ist der direkte Weg, sich aller Sorgen zu entledigen und frei zu sein. Es ist eine unbeschreibliche Befreiung für den modernen Menschen. Spiritualität ist wissenschaftlich nachweisbar. In der heutigen Welt, die von Wissenschaft und Wissen geprägt ist, muss auf den Ruf des Seins direkt reagiert werden. Spiritualität gibt dem Kosmos das Heilige und das Mystische zurück. Sie erinnert den Menschen daran, dass er nicht die wichtigste Kreatur auf diesem Planeten ist. Sie erinnert ihn an die kraftvolle, existentielle Energie, die das Universum durchdringt. Sie erzeugt Nichtwissen und unschuldige Hingabe in uns.

Spiritualität hat nichts mit Ritualen zu tun. Es ist die Wissenschaft, die uns den Weg zeigt, wie wir mit dem Universum eins werden können. Alle Weltreligionen haben sich seit jeher darum bemüht, einen Raum zu schaffen, wo dem Göttlichen die Möglichkeit gegeben wird, in unser Leben zu treten. Ein Tempel ist ein Raum, der geschaffen wurde, um sich wieder mit der kosmischen Energie zu verbinden und in ihr zu ruhen. Das war das eigentliche Ziel aller Religionen. Wenn es gelingt, diese Verbindung zu vertiefen, erhalten wir in uns selbst einen Raum voller Glückseligkeit. Religion ist das Sprungbrett zur Spiritualität.

Verschreibt sich der Mensch allein der Wissenschaft, wird er zu selbstsicher. Denn es sieht dann so aus, als ob die ganzen Entdeckungen und Erfindungen seine eigenen sind. Alles scheint unter der Kontrolle seines Intellektes zu sein. Die Spiritualität hingegen hält das Mysterium des Kosmos lebendig. Sie bewirkt eine ehrfürchtige Haltung der Lebenskraft gegenüber, die weitaus mächtiger ist, als der Intellekt. Das ist der Grund, warum die Unschuld durch Spiritualität wieder hergestellt werden kann.

Es gibt ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen, der kosmischen Kraft zu huldigen und den Intellekt zu beruhigen. Mit der Huldigung entsteht eine neue Intelligenz, die das kosmische Bewusstsein als zentralen Kern aller Aktivitäten ansieht. Dann verliert der Mensch seine Angst vor diesem unergründlichen Kosmos. In Einklang mit ihm lebt er in tiefer Verehrung, Liebe und Ekstase.

Der heilige Muruganar, ein glühender Verehrer Shivas, badete täglich im Morgengrauen in den kühlen Wassern des Flusses und sammelte Blumen und Blüten. Daraus knüpfte er Girlanden für die Shiva - Statue im Tempel. Dann schmückte er Shiva mit den Girlanden und sang stundenlang heilige Lieder.

Es wird gesagt, dass er nur aufgrund dieser unschuldigen Verehrung Shivas erleuchtet wurde.

Heute wird Muruganar als einer der 63 Nayanmars verehrt. Nayanmars sind Heilige, denen nur durch ihre unschuldige Verehrung Gottes die Erleuchtung zu Teil wurde.

Diejenigen, die der Spiritualität aus dem Weg gehen, haben noch nichts von der transformierenden Süße geschmeckt, die sich in ihr befindet. Das sind die Leute, die Spiritualität mit Ernsthaftigkeit verbinden. Nein! Gott ist immer eine Verkörperung von Glückseligkeit. Wie kann dann Spiritualität etwas mit Ernst zu tun haben? Der Mensch hat etwas Ernstes daraus gemacht, indem er sie zu profanen Ritualen reduzierte.

Unsere Meister haben sogar die Tageszeiten angegeben, in denen wir uns mit den tieferen Bereichen unseres Seins verbinden sollen. Sie sagten dass der frühe Morgen die beste Zeit für das Gebet sei. Warum ist das so? Der Intellekt hat sich in der Nacht ausgeruht und ist am frühen Morgen noch nicht voll in Funktion. Wird Spiritualität in dieser Zeit praktiziert, ist der Einfluss auf unseren Geist größer. Unser Geist ist noch frisch und arglos. Er ist noch nicht damit beschäftigt, Gedanken hin und her zu wälzen. So kann er besser beeinflusst werden. Die großen Meister haben uns Spiritualität nicht umsonst geschenkt. Wenn die Absicht klar ist, wird Spiritualität zu einem direkten Weg, um Unschuld und Vertrauen wieder herzustellen.

Eine kleine Geschichte: Ein Bauer kehrte vom Markt zurück und bemerkte plötzlich, dass sein Gebetbuch fehlte. Mitten im Wald hatte sein Wagen ein Rad verloren und er wurde sehr traurig, dass der Tag zu Ende ging, ohne beten zu können.

Er beschloss, selbst ein Gebet zusammenzustellen. Er betete: "Oh Gott, ich habe etwas Verrücktes getan. Ich habe meine Gebetbücher auf dem Markt zurückgelassen. Und mein Gedächtnis ist so schlecht, dass ich nicht ein einziges Gebet ohne Gebetbuch rezitieren kann… so habe ich mir folgendes ausgedacht: Ich werde die Buchstaben des Alphabetes sehr langsam, fünfmal hintereinander rezitieren und du, der du alle Gebete kennst, fügst die Buchstaben so zusammen, dass sich daraus die Gebete ergeben, die ich normalerweise bete.

An diesem Tag sagte Gott zu seinen Engeln: "Das war das beste Gebet, dass ich heute gehört habe, denn es kam aus einem einfachen und aufrichtigen Herzen."

Spiritualität ist eine Öffnung, durch die die Unschuld in ihrer reinsten Form ausgedrückt wird. Unschuld selbst ist eine Ehrerbietung an Gott. Unschuld selbst ist das größte Gebet an Gott.

Religion an sich ist nicht irgendein Glaube, so wie es immer dargestellt wird. Jede Religion ist das Resultat einer tiefen spirituellen Erfahrung des Religionsstifters. Sie gaben ihre Erfahrung als Religion an die Menschheit weiter, damit sie dieselben Erfahrungen machen kann. Es gibt keine andere Absicht. Wenn das verstanden wird, kann jede Person jede Religion praktizieren. Das ist das Schöne an den ursprünglichen Religionen.

Diese Wahrheit gilt auch, wenn du dich in der Nähe eines Meisters aufhältst. Du solltest dich dabei in einer Stimmung von unschuldiger Hingabe befinden. Bist du unschuldig und andächtig, kann die Stille des Meisters dein Sein durchdringen. Die Religion der Stille ist die größte Religion. Es ist die Religion aller großen Meister und Schüler und gleichzeitig wahre Spiritualität.

Wirf deine Klugheit weg und sei spontan

Als ich bei einer Veranstaltung die Geschichte von Satyakama erzählte, wurde ich von jemanden gefragt: " Swamiji, diese Techniken sind wahrscheinlich nur für sehr hoch entwickelte Seelen gedacht. In der Geschichte wird der Schüler nur erleuchtet, weil er vom Meister gesegnet wird. Dies kann sicherlich nur einer hoch entwickelten Seele passieren."

Ich antwortete: "Nein, es passiert nicht hoch entwickelten Seelen, sondern es passiert sehr unschuldigen Seelen!" Hoch entwickelte Menschen brauchen keine Techniken. Techniken wie Satyakama sie erhielt, werden unschuldigen Menschen gegeben, die von ihrer Schlauheit müde geworden sind. Was bedeutet es, müde zu sein von der eigenen Schlauheit?

Was ist Schlauheit? Es ist das Gegenteil von Intelligenz. Du kannst entweder schlau oder intelligent sein; niemals beides zugleich. Wenn du schlau bist, kannst du nicht verletzlich sein. Wenn du verletzlich bist, bist du rein wie ein Kind. Ein Kind kann gleichzeitig intelligent und unschuldig sein. Mit der Zeit wächst die Intelligenz, aber die Unschuld verwandelt sich unausweichlich in Richtung Schlauheit. Werden Kinder sich selbst überlassen, bleiben sie unschuldig. Wir überschütten sie aber mit soviel Wissen, dass sie sich zu sozialen Tieren entwickeln. Wir haben eine große Verantwortung, unsere Kinder zu erziehen ohne sie klug zu machen.

Der Dichter Kahlil Gibran sagt über Kinder:

Du kannst ihnen deine Liebe geben, aber nicht deine Gedanken; denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Klugheit ist Teilung. Es ist dauernde Berechnung - sie verhindert einen freien und unschuldigen Ausdruck. Sie weiß sich nur mit Berechnung auszudrücken. Berechnungen haben ihren Platz in der Arithmetik, aber nicht im Sein. Wir rechnen aus dem falschen Grund. Berechnen wir jemals unsere Segnungen? Nein, niemals, diese werden als selbstverständlich angesehen.

Klugheit beginnt mit der Aufteilung des Ganzen. Die Unschuld geht verloren, wenn dem Verstand beigebracht wird aufzuteilen. Einmal damit angefangen, macht der Verstand immer weiter und bewegt sich weit weg von seiner ursprünglichen Unschuld.

Zwei Kinderwagen mit zwei Babys wurden nebeneinander in einem Kaufhaus abgestellt.

Eines der beiden Babys wandte sich dem anderen zu und fragte: "Bist du ein Junge oder ein Mädchen?"

"Ich weiß es nicht", antwortete das Baby.

"Warte einen Moment, ich kann es dir sagen" sagte das erste Baby. Es kletterte in den anderen Kinderwagen und kroch unter die Decke. Dann krabbelte es wieder zurück und sagte: "Du bist ein Mädchen und ich bin ein Junge."

Das weibliche Baby fragte überrascht: "Wie hast du das herausbekommen?"

Prompt kam die Antwort: "Das ist ganz einfach, du trägst rosa Pantoffeln und meine sind blau."

Schon sehr früh wird Kindern Teilung gelehrt und zwar von Menschen, die ihrerseits mit der Klugheit zu kämpfen haben. Das Kind vertauscht unbewusst seine Unschuld mit Klugheit.

Die Gefahr bei der Klugheit ist, dass sich ihre Wurzeln in viele Richtungen ausbreiten und sie sich zur eigentlichen Natur des Individuums verfestigt. Der Mensch ist sich dann nicht einmal mehr bewusst, dass er klug ist. Er hat keine Ahnung davon, dass die Ursachen seiner Zerrissenheit in seiner Klugheit zu finden sind.

Jemand erzählte mir von seinen Problemen: " Swamiji, ich habe eine außereheliche Beziehung." Ich fragte: "Hast du das Gefühl, dass das falsch ist?" Er sagte: "Ja, mir ist klar, dass ich einen Fehler mache." Ich sagte ihm: "Dann mach Schluss!" Er meinte: " Nein, nur du kannst Schluss machen." Ich sagte zu ihm: "He, ich bin nicht derjenige, der die Beziehung beenden kann. Du hast diese Beziehung, also musst du dich entscheiden und sie beenden." Er blieb still und ich fragte ihn: "Was meinst du mit: ich soll sie beenden? Meinst du, ich sollte dir deine Autoschlüssel wegnehmen und dir nicht erlauben zu deiner Geliebten zu fahren? Was meinst du mit: ich soll es beenden?"

Er erwiderte: "Aber ich habe mich dir unterworfen und deshalb solltest du dich darum kümmern." Ich antwortete ihm, dass das ein starkes Stück sei: "Du hast eben gesagt, dass du dich ergeben hast. In Ordnung, dann bleib hier sitzen und meditiere." Er sagte: "Was meinst du damit, Swamiji?" "Du hast vorher gesagt, dass du dich vollkommen ergeben hast! Dann tu einfach alles, was ich dir sage. Bewege dich nicht weg von hier und sitze einfach." Er war nicht bereit, es zu tun!

Eine kleine Geschichte: Eines Tages versammelten sich alle Flüsse, um gemeinsam gegen das Meer zu protestieren. Sie sagten zum Meer: "Bevor wir uns mit deinem Wasser vermischen, sind wir frisch und

trinkbar, aber sobald wir uns mit dir vereinigen machst du uns salzig und ungenießbar."

Das Meer antwortete auf diese Beschuldigung: "Kommt einfach nicht. Dann werdet ihr auch nicht salzig."

Wenn du nicht für die naheliegende Lösung bereit bist, dann sei dir sicher, dass du ein falsches Spiel spielst! Dir kann nicht geholfen werden, bevor du nicht genug von deiner eigenen Klugheit hast. Keine Technik kann dir helfen, denn deine Schlauheit weiß, wie sie vor jeder einzelnen Technik flüchten kann. Die Leute kommen zu mir und sagen: "Swamiji, alles was du sagst ist richtig, aber…" Verstehe, in dem Moment, in dem das "aber" über deine Lippen kommt, liegst du schon daneben! In dem Moment, in dem du "aber" sagst, ist es vorbei. Du versucht mit Hilfe deiner Schlauheit zu entkommen.

Einige Leute sagen zu mir: "Alles was du sagst, ist richtig, aber bitte sorge auch dafür, dass ich tue, was du sagst." Was meinen sie damit? Soll ich zwei, drei Leute beauftragen, um sie zu beobachten und zu zwingen, ihre Aufgaben zu erledigen? Beendet dieses hinterlistige Spiel und ihr werdet automatisch das tun, was ich euch sage. Schlauheit ist nichts anderes als ein Versteckspiel, das ihr mit euch selbst spielt. Ihr könnt es nicht mit mir spielen. Ich weiß ganz genau, wo ihr euch alle versteckt. Ich brauche nicht zu euch zu kommen, um euch zu finden. Versteht deshalb, dass ihr nur mit euch selbst spielt. Trefft einfach eine klare Entscheidung, authentisch zu sein. Nur dann könnt ihr eure Schlauheit ablegen.

Wenn Schlauheit wegfällt, sind Authentizität und Aufrichtigkeit die Folge und du wirst schnell erleuchtet werden. Mit Authentizität wirst du dich keiner Form von Klatsch hingeben. Im Klatsch äußert sich deine Schlauheit in seiner reinsten Form. Wenn du so klug bist, dass du anderen deine Meinung nicht ins Gesicht sagen kannst, dann musst du es hinter ihren Rücken tun.

Gibst du deine Schlauheit auf, erblüht die Spontaneität in dir. Spontaneität ist das Gegenteil von Berechnung. Intelligenz plus Unschuld ergibt Spontaneität. Intelligenz plus Schlauheit ergibt Berechnung. Spontaneität ist ein fließender Ausdruck deiner Unschuld. Es ist ein nicht berechnender Zustand des Geistes. Er wird Sahaja genannt, unbelastet selbst zu sein. Die Last ist die Last, die durch andauernde Berechnung entsteht. Du denkst vielleicht, dass du mit Schlauheit viele Dinge gewinnen kannst, aber in Wahrheit verlierst du nur deine Unschuld. Die Unschuld zu verlieren bedeutet dein Leben*

zu verlieren. Du kannst dir erlauben alles zu verlieren, aber nicht deine Unschuld.

Kahlil Gibran – libanesischer Dichter (1883 – 1931), Verfasser von "der Prophet" Sahaja – spontane göttliche Freude