Status versus Zustand
Eine echte Führungskraft ist eine Person, die bereit ist, bewusst Verantwortung zu übernehmen, die bereit ist, ihr Leben bewusst zu führen und die nicht von der Vergangenheit und den damit verbundenen Erinnerungen abhängig ist. Wenn du von deinen Erinnerungen abhängig bist, wenn du von der Vergangenheit abhängig bist, um Entscheidungen zu treffen, dann sei dir klar, dass du nur ein Mitläufer bist. Dann kannst du kein Anführer sein.
Auf neue Situationen spontan zu reagieren, nenne ich Verantwortung.
Ein verantwortungsbewusster Führer ist eine Person, die in der Lage ist, spontan auf Situationen zu reagieren. Es ist eine Person, die immer frisch und voller Leben ist und nicht in der Vergangenheit gefangen ist.
Ich möchte euch nun erklären wie unser Verstand arbeitet, wie der innere Status eines Führers erreicht wird, wie Führerbewusstsein in uns entsteht. Wir wollen verstehen, wie der Verstand arbeitet, wie wir Daten aufnehmen, sie verarbeiten und Entscheidungen treffen.
Du siehst zum Beispiel etwas durch deine Augen. Natürlich erhalten wir Informationen durch alle fünf Sinne – Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut. Beschränken wir uns aber der Einfachheit halber auf das Sehen. Wenn du durch deine Augen siehst, gehen die Daten in einen Raum, in Sanskrit Chakshu genannt, der so etwas wie ein digitaler Signalprozessor (DSP) ist. Alles, was du auch durch die Augen siehst, wird in Biosignale umgewandelt. Diese Daten wandern in einen mit der Datenspeicherung in einem Computer vergleichbaren Raum, Chitta genannt. Hier startet der Prozess der Identifikation. Du siehst zum Beispiel dieses Buch, die Daten gehen zum DSP, dem Chakshu, die gesamte Datei wird in Biosignale umgewandelt und gelangt zum Chitta, dem Gedächtnis.
Das Gedächtnis beginnt mit einer Analyse: "Dies ist kein Stein, dies ist kein Baum, dies ist kein Tier…" Der Eliminierungsprozess geschieht im Gedächtnis. Als nächstes geschieht die Identifikation im Verstand, Manas genannt: "Dies ist ein Buch." Im Verstand beginnst du, zu identifizieren: " Dies ist ein Buch,… es ist ein Buch über Spiritualität,… es wurde von einem erleuchteten Wesen geschrieben".
Nach der Identifikation gelangt die Datei in einen Raum, den ich als "Ego" bezeichne, dem Zentrum für Entscheidungsfindung. Im Ego beginnst du zu denken: "Auf welche Weise bin ich mit dieser Situation verbunden?" Wenn deine vergangenen Erfahrungen mit ähnlichen Büchern gut waren, entscheidest du dich weiter zu lesen. Wenn sie schlecht waren, wenn du das Gefühl hattest: "Oh, das war es nicht wert, das letzte Mal hab ich mich ziemlich gelangweilt" oder du denkst "Ich habe ähnliche Bücher gelesen, aber es war reine Zeitverschwendung." Mit diesen negativen Gefühlen wirst du nicht weiter lesen. Das Ego entscheidet aufgrund der vergangenen Erfahrungen. So funktioniert dein Verstand.
Es ist nun wichtig zu verstehen, dass die Entscheidung unbewusst getroffen wird. Wenn der Prozess, so wie der eben beschriebene, auf eine unkomplizierte Art und Weise abläuft, wirst du in deinem Leben keine größeren Probleme haben. Alles verläuft dann in geordneten Bahnen.
Dies ist aber nicht immer der Fall. Manchmal schleichen sich, ohne dass es dir bewusst ist, Störungen ein. Wenn du zum Beispiel früher beim Lesen eines ähnlichen Buches irgendwie gestört oder verletzt wurdest, erwacht in dir, sobald du das Buch siehst, unbewusst diese Erinnerung.
Du kannst es selbst in deinem Leben beobachten. Du wirst zum Beispiel an einem bestimmten Ort oder in einer bestimmten Situation oder von einer bestimmten Person mit einer spezifischen Haarfarbe verletzt. Wenn du dich nun das nächste Mal an diesem Ort befindest oder in eine ähnliche Situation gerätst oder einer Person mit derselben Haarfarbe begegnest, wirst du in eine negative Stimmung versetzt, obwohl dir die Vernunft sagt, dass dieser Platz oder diese Person in diesem Moment nichts mit deinen vergangenen Erfahrungen zu tun haben. Die Erinnerungen steuern deine Entscheidungen ohne dass es dir bewusst ist. Dies ist es, was ich unter Samskaras eingravierten Erinnerungen, verstehe.
Die eingravierten Erinnerungen verzerren oder stören den Entscheidungsfindungsprozess. Wenn der Prozess im Verstand und auf bewusster Eben abläuft, dann ist es ein durchsichtiger und logischer Prozess. Aber aufgrund des Einflusses der nicht bewussten Teile des Verstandes ist der Prozess manchmal unlogisch. Wie ich vorher beschrieben habe, neigen wir aufgrund von Erfahrungen, die wir früher mit einer bestimmten Person oder in einer bestimmten Situation gemacht haben, zur Voreingenommenheit. Das ist der Raum, wo Politik gemacht wird! Dies ist der Raum, wo sich die Dinge unlogisch bewegen. Dies ist der Raum, wo die vergangenen Erinnerungen und Engramme sitzen und diese sind dafür verantwortlich, dass du gar nicht mitbekommst, welche Entscheidungen du triffst!
Ich möchte es zum besseren Verständnis an einem Beispiel illustrieren. Wenn wir es mit Vernunft und Logik analysieren, wissen wir alle, dass Rauchen der Gesundheit schadet. Aufgrund der Daten, die mit den Sinnen gesammelt wurden und vom Verstand ausgewertet worden sind, ist dir klar, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist. Trotzdem entscheidest du dich plötzlich aus heiterem Himmel eine Zigarette zu rauchen – gegen alle Vernunft. Dies ist auf deine unbewussten Engramme zurückzuführen.
Du weißt, dass Rauchen der Gesundheit abträglich ist. Erreicht die Akte mit diesen Informationen aber das Ego, macht sie einen Quantensprung und du entscheidest dich plötzlich zu rauchen. Vielleicht ist da eine Erinnerung an eine Situation in der Vergangenheit, in der du dich beim Rauchen entspannt und gut gefühlt hast. Oder vielleicht hast du in deiner Jugend geraucht und du hast dich dabei wie ein Held gefühlt. Diese Engramme sind mit dieser Gewohnheit verbunden und plötzlich entscheidest du dich auf einmal auf Grund dieser Engramme zu rauchen. Auch wenn du bewusst weißt, dass Rauchen der Gesundheit schadet.
Auf die gleiche Weise kommt es in deinem Leben oft vor, dass du unbewusst etwas tust, auch wenn dir bewusst ist, dass es nicht richtig ist. Dein Leben ist unter der Kontrolle von unbewussten Engrammen. Es ist nicht unter deiner Kontrolle. Du denkst vielleicht, dass du die Entscheidung getroffen hast, aber in Wirklichkeit haben sich deine unbewussten Engramme entschieden!
Unser Verhalten wird hauptsächlich von diesen Samskaras oder Engrammen bestimmt. Sie sind dafür verantwortlich, warum wir mit bestimmten Menschen auf eine bestimmte Weise umgehen und warum
wir uns in bestimmten Situationen auf eine bestimmte Weise verhalten. Diese Engramme beeinflussen uns bei der Erledigung unserer Aufgaben und sie verzerren beim Treffen wichtiger Entscheidungen unsere Einschätzung der tatsächlichen Situation. Produktivität, zwischenmenschliche Kompetenz, Teamfähigkeit, Urteilsvermögen, ja im Grunde genommen unser gesamtes Verhalten, wird von diesen Engrammen diktiert. Bisher wurde die Wirkung dieser Engramme nicht verstanden und weder bei der Ausbildung von Führungskräften, noch bei innerbetrieblichen Fortbildungsprogrammen wurde ihnen Bedeutung beigemessen.
Die Mystiker und inneren Wissenschaftler des Ostens haben tausende von Jahren damit verbracht, Werkzeuge und Meditationstechniken zu entwickeln, mit deren Hilfe wir uns von den eingravierten Erinnerungen befreien können. Die eingravierten Erinnerungen können mit Hilfe dieser Meditationstechniken effektiv gelöscht werden.
Kürzlich war ich zu Gast im Hause eines meines Anhänger. Im Wohnzimmer sah ich einen interessanten Spruch an der Wand hängen:
"Ich bin der Boss in diesem Hause. Ich habe die Erlaubnis, meiner Frau das zu sagen!"
Auf ähnliche Weise glaubst du, dass du der Boss bist, in Wirklichkeit aber, bestimmen die unbewussten Engramme, wo es lang geht! Solange du in diesen unbewussten Samskaras gefangen bist, kannst du niemals die Führungsrolle einnehmen. Du erreichst vielleicht den äußeren Status eines Anführers, musst dich jedoch sehr bemühen und leiden.
Sei dir klar: Hast du den Chefsessel mit Anstrengungen und Leiden inne, trägst du die unbewusste Tendenz in dir, das an deine Untergebenen weiterzugeben.
Immer wieder wird dir dein Verstand zuflüstern: "Ich habe mich so abgemüht und gelitten, sie sollen dasselbe durchmachen wie ich." Du wirst nur deine alte geistige Einstellung in anderen Menschen reproduzieren. Dies kann zu einem gravierenden demotivierenden Faktor in einem Unternehmen werden.