Wenn Sannyas passiert, ist der Moment richtig
Eine kleine Geschichte: Eines Tages wurde Sokrates, der griechische Philosoph, von einem jungen Mann aufgesucht. Er sagte: "Großer Sokrates, ich bin zu dir gekommen, um Wissen zu erwerben". Sokrates ging mit dem jungen Mann hinaus ans Meer und drückte den Kopf des jungen Mann ins Wasser.
Als er ihn losließ, schnappte der Mann nach Luft. Sokrates forderte ihn auf, seinen Wunsch zu wiederholen. Der junge Mann antwortete: " Wissen."
Daraufhin drückte ihn Sokrates wiederum ins Wasser, diesmal etwas länger. Dann ließ er ihn los und fragte ihn, ob er immer noch nach Wissen verlangte. Der junge Mann antwortete: "Ja".
Sokrates wiederholte den Vorgang einige Male bis der junge Mann auf die Frage, was er wolle nur mehr röchelnd antwortete: "Luft, ich will nur Luft, ich will nur Luft!
Sokrates sagte: "Gut, wenn es dich so sehr nach Wissen verlangst, wie es dich eben nach Luft verlangt hat, dann sollst du es bekommen."
Sannyas ist ein Sehnen, das tief in deinem Inneren keimt. Es ist eine tiefe Sehnsucht. Es ist nicht schlimm, wenn diese Sehnsucht nicht immer dieselbe Intensität hat. Du kannst den Sprung trotzdem wagen. Die Sehnsucht ist vielleicht noch nicht beständig. Aber es geht nicht darum, dass sie beständig ist. Es genügt, wenn sie Wurzeln schlägt. Dann bist du bereit. Wenn du einmal hineinspringst, kommt der Rest ganz von alleine.
Ein Mann wanderte im Winter in Richtung Himalaya. Er begegnete einem alten Mann, der ihn fragte: "Es ist sehr kalt geworden in den Bergen. Bist du sicher, dass du es schaffst?" Der Mann antwortete: " Mein Herz befindet sich bereits dort. Daher ist es einfach für den Rest von mir nachzufolgen."
Die Initiation selbst setzt den Prozess in Gang. Die äußeren Symbole von Sannyas werden sich um die inneren Symbole kümmern. Deshalb erhältst du bei der Initiation einen neuen Namen und die safranfarbene Kleidung. Diese werden den Großteil der Arbeit für dich erledigen. Sie werden das Gewahrsein in dir in jedem Moment lebendig erhalten.
Wenn du aber über deine Entscheidung, den Sprung zu wagen, nachdenkst, wirst du ihn verfehlen. Sannyas ist mit deiner Energie verbunden. Nur ein Blick auf deine Energie genügt und ich kann beurteilen, ob du für Sannyas bereit bist! Energie kann man nicht mit Logik analysieren. Energie ist jenseits von Logik. Wenn du Sannyas nimmst, ist der Moment richtig, das ist alles. Auch wenn du es später wieder ablegst, brauchst du das nicht bedauern. Der Same wurde gesät. Einmal ein Sannyasi, für immer ein Sannyasi. Es wird im richtigen Moment wieder passieren. Dieser Moment kann auch dein letzter Moment sein.
Sannyas ist eine Entscheidung, die von intelligenten Menschen getroffen wird. Wenn das Leben den Siedepunkt erreicht, wenn es zu
einer einzigen Depression wird, wenn du fühlst, dass alles in der äußeren Welt nutzlos ist und nichts mehr getan werden kann, um deine Situation zu verbessern, dann hast du drei Möglichkeiten, für die du dich entscheiden kannst.
Die erste Möglichkeit ist Selbstmord. Selbstmord erscheint als augenblickliche Freiheit, aber in Wirklichkeit verursacht er unermessliches Leiden. Die Leute denken, dass man mutig sein muss, um Selbstmord zu begehen. Mut ist ein schönes Wort, das hier falsch verwendet wird. Brauchst du Mut, um Chilimehl in deine Augen zu streuen? Nein! Dazu braucht es nur Verrücktheit. Ebenso braucht es keinen Mut, um Selbstmord zu begehen. Es ist nichts als Verrücktheit. Es gibt dabei nichts, was man als Mut bezeichnen könnte.
Verstehe die Wissenschaft, die sich hinter dem Selbstmord verbirgt. Nimm an, dass deine Lebensspanne in dieser Geburt neunzig Jahre beträgt und dass du mit 45 Jahren Selbstmord verübst. Das bedeutet, dass du die restlichen 45 Jahre als Geist ausharren musst. Erst nach 90 Jahren kannst du dir einen neuen Körper für die nächste Geburt auswählen. Diese 45 Jahre bedeuten die schlimmste Hölle, die du erleben kannst. Die leidvollen Erfahrungen während des Aufenthaltes in deinem Körper sind nichts dagegen. Selbstmord gibt dir nicht die Erleichterung, wie du dir das vorstellst.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, sich in Alkohol, Drogen oder eine andere Sucht zu flüchten und den Körper langsam zu vergiften. Das ist genauso verrückt, weil du dabei deinen Körper bewusst missbrauchst.
Der dritte und intelligenteste Weg besteht darin, nicht vor dir zu flüchten, sondern in dich selbst hineinzuschauen. Wenn die äußere Welt keinen Sinn mehr ergibt, ist die Zeit gekommen, nach innen zu schauen. Sannyas geschieht, wenn du dich entscheidest nach innen zu schauen und dich zu prüfen. Sannyas ist eine Alchemie, die deinen gesamten Lebensstil transformiert, damit sich deine gesamte Energie in Richtung Erleuchtung bewegen kann. Wenn der erste Gedanke auftaucht, nach innen zu schauen, wenn der erste Gedanke auftaucht, sich für die Spiritualität zu öffnen, macht ein intelligenter Mensch den Sprung in Sannyas. Sannyas ist die Abkürzung.
Eine kleine Geschichte: Ein fünfzig Jahre alter Mann besuchte einen Zen-Meister und sagte: "Seit meiner Jugendzeit interessieren mich spirituelle Dinge. Irgendwo habe ich gelesen, dass letztendlich auch
Bäume und Gräser die Erleuchtung erlangen. Das kommt mir ziemlich seltsam vor."
Der Meister antwortete: "Was hat es für einen Sinn zu diskutieren, ob Gräser und Bäume erleuchtet werden. Die Frage ist, wie du die Erleuchtung erlangen kannst. Hast du jemals das jemals darüber nachgedacht?"
Der alte!!! Mann antwortete: "Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht."
Der Meister sagte: "Dann geh nach Hause und mach dir Gedanken darüber!"
Sannyas ist eine intensive Auseinandersetzung mit dir selbst. Es ist eine bewusste Vereinbarung mit dir selbst, dass du alles zerstören wirst, was nicht zu dir gehört und dich vollkommen reinigst."
Wenn du einmal diese Vereinbarung mit dir getroffen hast, wird sich dein Sehen, Hören, Reden und Fühlen verändern. Die gleichen Dinge werden ein neues Verständnis in dir verursachen. Das ist es, was das Bekenntnis zu Sannyas in dir bewirkt. Sannyas wird die einzige Lösung für die Zukunft sein, denn es ist das Einzige, das dich lehrt, in dir selbst zu ruhen und doch in der äußeren Welt in einer spielerischen, freudigen und ekstatischen Weise zu lernen. Sannyas erlaubt dir alle
Rollen zu spielen ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Du befindest dich die ganze Zeit in einer ununterbrochenen freudigen Erregung und Ekstase. Du erfährst die Essenz deiner Geburt auf der Erde.
Wahre Liebe steht nicht im Wege
Eine wahre Mutter lässt ihr Kind ziehen, wenn die Zeit dafür reif ist. Eine Mutter, die ihrem Kind gegenüber zu besitzergreifend ist, sollte sich von vorneherein zurückhalten, ein Kind zu gebären! Der Geburtsvorgang selbst ist eine Form von Loslassen; Die Mutter erlaubt dem Kind, ihren Körper zu verlassen! Nur eine Mutter die bereit ist, die nächste Ebene der Expansion zu erlauben, die bereit ist, loszulassen, die in der Lage ist, Inspiration zu schenken, kann eine wahre Mutter sein.
Wenn du besitzergreifend bist, wenn dich nur bei dem Gedanken Traurigkeit überkommt, dass du dich eines Tages von deinem Kind
trennen musst, dann solltest du das Kind überhaupt nicht zur Welt bringen! Du solltest es weiterhin über die Nabelschnur ernähren. Die Verbindung mit der Nabelschnur sollte ständig aufrechterhalten werden! Das Kind kann sich körperlich nur außerhalb von dir weiterentwickeln. Ebenso kann es sich psychologisch nur dann weiterentwickeln, wenn du ihm erlaubst, dich zu verlassen.
Körperliche Trennung ist Geburt. Psychologische Trennung ist Sannyas.
In dieser Beziehung hatte ich großes Glück. Als ich meine Mutter aufsuchte, um ihr mitzuteilen, dass ich Sannyas nehmen möchte, war es elf Uhr abends. Ich kam gerade zurück vom Tempel. Ich öffnete die Tür mit meinem Schlüssel und ging ins Haus. Ich trug hölzerne Sandalen, die normalerweise nur von Asketen getragen werden. Sie machten einen lauten Lärm auf dem Boden aus Granitstein! Meine Mutter hatte sich meistens bereits hingelegt, aber sie hatte die Angewohnheit, aufzustehen, sobald sie meine Schritte hörte, um mir ein Abendessen meiner Wahl zu servieren. Hatte ich bereits im Tempel was gegessen, dann sagte ich es ihr und wir gingen beide ins Bett.
Auch in jener Nacht stand sie auf und bereitete mir das Essen. Ich rief sie zu mir und sagte: "Ich habe mich entschlossen, das Haus zu verlassen und Sannyas zu nehmen. Du kannst mir heute Nacht etwas zu essen geben, obwohl ich schon gegessen habe. Ich werde jetzt was essen, denn morgen bin ich weg."
Ich erwähnte das alles nur so beiläufig. Natürlich war sie sehr betroffen, aber sie sagte nichts. Nun war es so, dass alle in meiner Familie wussten, dass es ein vollkommen sinnloses Unterfangen war, mich von einmal getroffenen Entscheidungen abbringen zu wollen. Sie wussten genau, dass ich mir, bevor ich etwas sagte, in meinem Inneren sehr klar darüber war. Nur nachdem ich genau wusste, was ich tun werde, sagte ich es laut zu anderen. Wenn ich etwas sagte, dann heißt das, dass es auch so gemacht wird!
Tränen quollen aus ihren Augen. Ich sah sie an und fragte: "Was bedeutet dein Weinen? Bedeutet es, dass ich nicht gehen soll?"
Sie schüttelte den Kopf und sagte: "Nein, es bedeutet nicht, dass du nicht gehen sollst. Ich weine, weil ich nicht imstande bin, mich zu kontrollieren. Ich bin nicht imstande, es zu akzeptieren. Es bedeutet nicht, dass du nicht gehen sollst."
Seit langem wusste sie bereits, dass dieser Tag kommen würde. Eines Tages werde ich fortgehen. Es wurde in meinem Horoskop vorhergesagt. Das Schöne daran war, dass sie niemals "Nein" sagte. Sie überbrachte die Nachricht auch meinem Vater. Mein Vater dachte zuerst, dass es Probleme zwischen uns gegeben hätte und ich deswegen gehen wollte. Er fragte sie: " Hast du ihn angeschrien? Hast du ihm Probleme bereitet? Du weißt, wie er ist."
Meine Mutter sagte: "Nein, ich habe nicht geschrien oder etwas gesagt. Er kam von sich aus und sagte mir, dass er geht." Daraufhin beruhigte sich mein Vater.
Es war eine einfache Erklärung. Mein Vater setzte sich zu mir und sagte: "Swami, deine Mutter hat mir von deinen Absichten berichtet. Ist das alles wahr?"
Komischerweise nannten sie mich damals schon Swami.
Ich sagte ihm: "Ja ich habe mich entschieden, als Sannyasi auf die spirituelle Wanderschaft zu gehen, um Erleuchtung zu finden."
Es war ein Schock für ihn, aber meine Körpersprache war so sicher, ruhig und entspannt, dass er es gleich akzeptierte. Er machte nur eine Bemerkung: "Solltest du während deiner Wanderschaft krank werden, bitte informiere uns. Dann möchten wir dir helfen. Das ist das einzige das wir wollen, nichts anderes. Sonst kannst du tun was du willst."
Meine Eltern sind mir nie im Weg gestanden. Jede Beziehung einschließlich der Eltern-Kind-Beziehung ist nur dann eine gesunde Beziehung, wenn die Bereitschaft da ist, loszulassen, wenn die Zeit dafür reif ist. Ich habe Tausende von Jugendlichen gesehen, die inspiriert waren, die kühn und wagemutig genug waren, diesen Weg zu gehen. Aber wegen ihrer Eltern machten sie erst gar nicht den Versuch, sich auf die innere Entdeckungsreise zu begeben.
Eltern geraten unweigerlich in die gesellschaftliche Ordnung hinein, d. h. sie leben, um das Ego anderer Personen zu bestätigen und um Kinder groß zu ziehen. Sehr selten gibt es einige Individuen, die über genügend Inspiration und Mut verfügen, sich selbst zu erforschen. Ich verlange nicht, dass ihr eure Kinder auf eine Weise erzieht, dass sie Swamis werden wollen oder es gar von ihnen verlangt. Nein! Was ich sagen will, ist, dass ihr eurem Kind nicht im Wege stehen sollt, sollte der seltene Fall auftreten, dass es bei ihm klickt und es sich zu Sannyas hingezogen fühlt. Auch ihr werdet dann gesegnet sein.
Habt die Intelligenz, den Weg zu sehen, den das Kind gewählt hat. Es hat den höchsten Weg gewählt, den ein Mensch wählen kann. Auch wenn es Tränen gibt, wenn es mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat und versagt, bedeutet das keinen Fehlschlag - wenn es das ist, was ihr befürchtet. Ich war vielleicht in meinen vorherigen zehn Geburten ein Fehlschlag. Das ist der Grund, warum ich diesmal erfolgreich bin! Wenn der Kampf für Sannyas ist, ist es kein Fehlschlag, auch wenn die Erleuchtung nicht erreicht wird. Es ist ein großer Erfolg, weil du mit Integrität gelebt hast. Du befindest dich gänzlich unter der Obhut der Existenz. Du wirst bei jedem deiner Schritte beschützt. So verstehe, dass jede Entdeckung, jede Forschung, jedes Abenteuer im Bereich des Gewahrseins erlaubt, ermutigt und unterstützt werden sollte.
Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar dafür, dass sie mir nicht im Weg gestanden sind.