Hingabe, Liebe, Mitleid, Sannyas
Sannyas heißt "Ja" zu sagen zur Existenz. "Ja" zu sagen ist Hingabe. "Ja" zu sagen ist Liebe und Mitleid.
Der menschliche Verstand ist geschult darin, "Nein" zu sagen. Dadurch wird das Ego gestärkt. "Ja" zu sagen macht unser Ego verletzlich und deshalb fährt der Verstand
fort "Nein" zu sagen. Sannyas heißt, zur gesamten Existenz "Ja" zu sagen. Die Existenz hat dich erschaffen. Sie wartet nur darauf, dass sie ihr göttliches Spiel durch dich zum Ausdruck bringen kann. Indem du "Ja" sagst, erlaubst du dem göttlichen Spiel, dass es sich durch dich ausdrücken kann. Wenn das göttliche Spiel geschieht, dann geschieht alles exakt im Strom der Existenz. Dann wird alles glückverheißend.
Mit dem Bemühen, "Ja" zu sagen, wirst du nach und nach weicher. In Sannyas geht es darum, weich und empfindsam zu werden. Solange du "Nein" sagst, bleibst du hart. Entscheidest du dich , "Ja" zu sagen, wirst du weicher. Es beginnt mit dem bewussten Entschluss, "Ja" zu sagen. Das ist der Punkt, an dem der Meister ins Spiel kommt. Sannyas bedeutet " Ja" zum Meister zu sagen, ohne nach einer Begründung zu fragen. Wenn du beginnst dem Meister total zu vertrauen, beginnt sich Sannyas in dir zu entfalten. Irgendwo klickt es in dir, dass es der Meister besser weiß als du. Dann klammerst du dich nicht mehr an deinem Verstand. Stattdessen ergreifst du die Hände des Meisters. Die
Hände des Meisters waren immer schon ausgestreckt, aber du warst bisher nicht bereit, sie zu ergreifen. Mit dem "Ja" ergreifst du gleichzeitig auch seine Hände.
Dann gibt es Raum, in dem sich die Liebe entfalten kann. Liebe gedeiht nur, wenn du "Ja" zu sagt. Durch das "Ja" sagen beginnst du nicht nur zu lieben, du erlaubst auch dem anderen, dich zu lieben. Dann wird dein Inneres, das zuerst wie ein Stein war, weich wie Wolle! Es wird mit Liebe durchtränkt. Diese Liebe geschieht ohne Ursache und ist nicht nur auf eine Person beschränkt. Es ist eine überfließende Energie und richtet sich grundlos auf die gesamte Existenz. Du beginnst mit Bäumen zu kommunizieren und mit allem um dich herum. Du fühlst, dass das Leben ein Lied ist. Das Lied der Existenz, von der du ein Teil bist. In einer tiefen, empfänglichen Stimmung öffnest du dich allen Dingen und Menschen um dich herum. Deine Handlungen sind einfach ein Ausdruck von Freude und Ekstase, die dich pausenlos umgeben.
Eine kleine Geschichte: Ein Zen-Meister traf früher als erwartet zu einer Veranstaltung im Versammlungssaal der buddhistischen Gesellschaft von Cambridge ein. Die Leute waren gerade damit beschäftigt, den Saal zu reinigen und auszuschmücken.
Sie waren überrascht, als sie den Meister sahen, denn er sollte eigentlich erst einen Tag später kommen.
Er aber band einfach die Ärmel seiner Robe zurück und beteiligte sich an den Vorbereitungen. Als der Meister bemerkte, dass die anderen überrascht waren, ihn arbeiten zu sehen, sagte er:"Warum kann ich nicht auch bei den Vorbereitungen für den großen Tag meiner Ankunft mithelfen?"
Wenn du mit der Existenz schwingst, erfreust du dich an allem, eingeschlossen deiner selbst. Du siehst dich selbst nicht als etwas von allem Getrenntes an. Es gibt
Menschen, die mit der Natur verbunden sind, aber kläglich versagen, sobald sie sich mit Menschen abgeben müssen. Das heißt aber, dass auch ihre Verbundenheit mit der Natur nicht echt ist. Nur für die Natur zu empfinden, ist kein Maßstab, um die Liebesfähigkeit eines Menschen zu messen.
Die Leute sagen mir, dass sie bereits mit der Existenz eins sind. Bäume und Tiere bereiten ihnen keine Schwierigkeiten. Deshalb behaupten diese Leute, dass sie mit ihnen kommunizieren! Bäume und
Tiere bleiben ruhig und sind nicht nachtragend, man kann ihnen alles erzählen. Du kannst deine Gefühle herauslassen und sie ihnen aufdrängen und dabei fühlst du dich gut, das ist alles. Es ist nicht mehr, als ein Egotrip. Du musst auch mit der gesamten Existenz kommunizieren können, auch wenn ich euch Schwierigkeiten mache! Wenn du den Raum der Liebe unabhängig von den Umständen erschaffen kannst, dann bist du verbunden.
Ein Dichter schrieb ein Liebesgedicht und schickte es an seine Freunde. Einige Tage später erhielt er einen Antwortbrief von einer Dame: "Ich bin so gerührt von dem Gedicht, bitte komm zu mir nach Hause und frage meine Eltern, ob du mich heiraten kannst."
Der Dichter war überrascht und schrieb ihr zurück: "Das Gedicht entstand aus einer spontanen Inspiration meines Herzens und ich wollt euch alle daran beteiligen. Ich hatte keine anderen Absichten."
Sie antwortete ihm: "Du bist ein Heuchler, wegen dir werde ich mich in Zukunft nie mehr mit einem Dichter einlassen."
Das Problem ist, dass alles mit der Vernunft, dem Intellekt geschieht. Liebe ist zur bloßen Lust auf den Körper des anderen reduziert worden. Das ist das Problem. Wahre Liebe ist ein Ausdruck überfließender Energie, die in dir zu fließen beginnt, wenn du "Ja" zur Existenz sagst.
Der berühmte hindu Mystiker Kabir sagt, dass du nicht zweimal denken sollst, wenn dich die Liebe ergreift. Tauche einfach hinein. Wenn du zu denken beginnst, dann ist das, als ob du deine Kissen arrangierst, wenn dich tiefer Schlaf übermannt. Er sagt auch, "es gibt keinen Grund zum Weinen, wenn du deinen Kopf opfern musst!"
Der Meister wartet viele Leben lang auf dich. Aber du musst "Ja" sagen. Vergiss nicht, der Meister ist ein Gentleman. Er gibt dir die Freiheit, in Gebundenheit zu bleiben. Er kann warten. Wenn du einmal "Ja" sagst, nimmt er dich in die Arme. Der Meister ist der einzige, der dir die Macht der Liebe zeigen kann.
Die Liebe und das Mitleid eines erleuchteten Wesens sind unermesslich. Sannyas bedeutet zu leben wie ein erleuchtetes Wesen. Es bedeutet, Erleuchtung zu leben.
Ein Sannyasi ist jemand, dessen innere Welt auf Liebe und Mitgefühl gegründet ist und dessen äußere Welt auf Konzentration und Präzision gründet. Ein echter Sannyasi hat
die Präzision eines Schwertes. Wenn er seine Augen schließt, ist die äußere Welt nicht mehr. Wenn er seine Augen öffnet ist seine Arbeit Perfektion. Perfektion nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in den Beziehungen! Er ist gleichzeitig Vater, Mutter, Bruder und Freund.
Er wird in allem, was er tut, von einer inneren Intelligenz geleitet. Daher befindet er sich die ganze Zeit in der Gegenwart. Er reagiert auf den Moment. Die tiefste Bedeutung von Verantwortung ist spontan auf den Moment zu reagieren. Wahre Liebe und Mitgefüh sind spontane Reaktionen auf den Moment. Deshalb tauchen sie unabhängig von Menschen und Situationen auf.
Eine kleine Geschichte: Ein Mann suchte den Meister eines Zen-Klosters auf und sagte zu ihm: "Meister, ich möchte mich für den Rest meines Lebens den Zen-Meditationen widmen, aber in meinem bisherigen Leben fehlte es mir meistens an Ausdauer. Bei allem, was ich tue, suche ich nach Abkürzungen. Gibt es eine Abkürzung zur Erleuchtung?"
Der Meister antwortete: "Ich nehme dich ins Kloster auf, aber nur für zwei Tage. In diesen zwei Tagen werde ich dir die Abkürzung zur Erleuchtung zeigen. Gibt es etwas bestimmtes, was du tun möchtest?"
Der Mann sagte: "Da es nichts gibt, dem ich mich für längere Zeit widmen kann, kann ich nicht sagen was ich am liebsten tue. Aber Schach spiele ich gerne."
Der Meister ließ einen jungen Mönch kommen, der auch als guter Schachspieler bekannt war. Er forderte die beiden auf, sich zu setzen und legte ein Schachbrett zwischen sie. Dann nahm er sein Schwert, legte es auf den Boden und sagte: "Beginnt nun mit dem Spiel. Derjenige, der verliert, wird auf der Stelle enthauptet."
Die beiden erschraken zutiefst, als sie die Worte des Meisters vernahmen!
Sie eröffneten die Partie und von Beginn an konzentrierten sich die beiden auf das Spiel, wie sie es noch nie vorher getan hatten.
Zu Beginn machte der junge Mönch die besseren Züge und es sah so aus, als ob er das Spiel für sich entscheiden könnte. Plötzlich unterlief ihm aber ein Fehler. Der Mann nutzte den Fehler und drehte die Partie zu seinen Gunsten.
Doch plötzlich sah er die Hingabe und Selbstaufopferung, mit der sich der junge Mönch dem spirituellen Leben unter der Führung des Meisters widmete. Dann musste er daran denken, wie trivial er selbst sein bisheriges Leben vergeudete. Er beschloss, wenn einer von ihnen sterben müsse, er es selbst sein sollte. Er machte vorsätzlich einen falschen Zug und der junge Mönch war wieder im Vorteil.
Der Meister beobachtete alles ganz genau, schubste das Brett weg und die Figuren fielen zu Boden. Er sagte: "Das Spiel ist aus. Niemand gewinnt, niemand verliert. Für die Erleuchtung braucht es nur zwei Dinge: Konzentration und Mitgefühl. Heute hast du beides gelernt. Bleib bei mir und studiere den Weg so, wie du heute Schach gespielt hast und du wirst erleuchtet werden!"
Sannyas bedeutet Konzentration und Mitgefühl zusammenzuführen. Mit Konzentration vergisst du niemals das eigentliche Ziel deines Lebens - Erleuchtung. Mit Mitgefühl bist du bereit, dein Leben zu opfern, so dass der andere das Ziel erreichen kann! Wenn beides vorhanden ist, werden beide, du und der andere, es erreichen. Das ist die Größe von Sannyas. Das ist der Raum von Sannyas.
Die größte Qualität eines Sannyasi ist sein unendliches Vertrauen in die Existenz. Die Gesellschaft lehrt dich, dass du dich vor jedem und allem schützen musst. Das ist das Problem. Sie redet dir ein, dass die Existenz dein Feind ist, vor der du dich schützen musst. Mit dieser Einstellung begegnest du auch dem Meister. Du schützt dich auch vor ihm. Der Meister erscheint in deinem Leben mit der einen Absicht, dein Ego zu zerstören, sodass der Zustand von Sannyas in dir erblühen kann.
Sannyas bedeutet genau herauszufinden, wo du dich im Leben verirrt hast. Der Ort, an dem das passiert ist, ist nichts anderes als dein Ego. Wenn du das verstehst, wirst du dich dem Meister öffnen und ihm erlauben das Ego zu zerschlagen. Du bist bereit, deine Abwehrmechanismen fallen zu lassen und dich zu öffnen. Sich der Präsenz des Meisters zu verschließen ist, also ob man bei einer duftenden Brise die Nase mit den Fingern verschließt. Wenn du dich dem Meister mit Vertrauen öffnest, wirst du sehen, wie Wunder um dich herum geschehen.
Vertrauen hat eine erstaunliche Kraft. Sie arbeitet jenseits der Logik. Alles was jenseits der Logik arbeitet, ist die direkte Wahrheit. Sie macht keine Fehler. Wenn du dem Meister vertraust, wenn du dich ihm hingibst, dann übergibst du ihm die Verantwortung für dich. Er macht nichts falsch! Das bedeutet nicht, dass du dich ihm ergibst und dann dumme Sachen machst. Nein! Echte Hingabe wird dich niemals
veranlassen, dumme Sachen zu tun. Nur Hingabe im Namen der Hingabe wird versuchen, verrückte Dinge zu tun. Echte Hingabe ist ein Bewusstseinszustand und kein Konzept für Tollerei.
Sannyas ist ein Bewusstsein, das in Gruppen von Menschen in Anwesenheit eines Meisters erblüht. Über die Jahre hinweg ist Sannyas immer schon in Gruppen erblüht. Alle großen Meister haben ordinierte Gruppen von Sannyasins. Wenn eine Gruppe von Menschen beginnt sich in Liebe aufzulösen, wenn eine Gruppe von Menschen zu schmelzen beginnt, geschieht Sannyas. Plötzlich erstrahlt soviel Schönheit. Plötzlich erscheint die Existenz unergründlich mystisch und schön. Die Kraft des Zusammentreffens wird zu einem Lebensweg. Enorme Energie beginnt zu fließen. Ohne Grund ist das Leben unermesslich schön. Jedes Ding erscheint perfekt. Man hat das unerklärliche Gefühl, dass rund herum alles zu blühen beginnt.
Es ist nicht so, dass die Existenz irgendwie schöner geworden wäre. Die Existenz ist immer dieselbe. Du hast begonnen auf sie zuzugehen. Das ist alles. Deine eigenen
menschlichen Qualitäten sind gewachsen.. Das ist Sannyas. Wenn du beginnst, auf die Existenz einzugehen, wenn du beginnst mit der Existenz zu verschmelzen, wenn du beginnst dich nach ihr zu sehnen, dann passiert Sannyas in dir.
Wenn Sannyas geschieht, fügst du der Existenz automatisch mehr Schönheit hinzu. Du wirst zu einem Schöpfer. Die Leute glauben, dass Sannyas bedeutet, die Kreativität aufzugeben. Nein! Sannyas heißt einen Schritt in Richtung Gott zu tun und Gott ist der höchste Schöpfer. Die Energie von Sannyas ist Schöpfung. Dieser Aspekt von Sannyas ist wenig bekannt.