Lebe mit Dankbarkeit, das ist genug
Den Kindern wird von klein auf beigebracht, dass Himmel und Hölle Orte sind, die außerhalb von ihnen existieren. Ihnen wird beigebracht, dass Gott über ihnen sitzt, auf einem großen Thron und jeden Moment beobachtet und dabei die guten und schlechten Taten notiert.
Indem wir auf diese Weise denken, beginnen wir den Ursache und Wirkungszyklus bei all unseren Handlungen zu aktivieren. Wir verknüpfen die guten Taten mit dem Himmel und die schlechten Taten mit der Hölle. Wir beginnen uns Gott und die gesamte Existenz als ein Handelszentrum vorzustellen. Jeder von uns wird auf diese Weise zu einem Geschäftsmann, egal welchen Beruf er auch ausüben mag!
Was machst du, wenn du zum Tempel gehst? Du kaufst Blumen, Kokosnüsse und Früchte und gehst zu deiner Gottheit hinein und bringst diese im Namen deiner Familie dar. Du zählst die Namen, die Geburtssterne usw. von allen Familienmitgliedern auf und vollziehst dabei dein Ritual.
Der arme Priester hält ein Gefäß in seiner Hand, und du sagst ihm die lange Liste von Namen mit all den Details deiner Familie auf. Du hast so große Angst davor, dass Gott die Segnungen zu den falschen Personen senden wird, zum falschen Haushalt! Du gibst ihm die genaue geographische Lage usw. und betonst, dass du es bist, und niemand anderes sonst, der gekommen ist, um dieses Opfer darzubringen. Und nachdem du alles erledigt hast, verlässt du den Tempel. Habe ich recht?
Als wenn Gott dich nicht kennen würde, wenn du ihm nicht all diese Details aufzählen würdest! Als wenn du Gott an deine Existenz erinnern müsstest, sodass er bereit ist dir zu geben. Alles was notwendig ist, ist andauernde Dankbarkeit Ihm gegenüber zu fühlen. Er gibt dir immerfort.
Oder ist es eher so, dass Er dich in Nöten sieht und dir dann aus der Klemme hilft, oder sieht, dass es dir gut geht und dich deswegen ignoriert? All das ist unsere eigene Konditionierung, die wir auf Gott projizieren, und die wir so sehen wollen. All das hat uns die Gesellschaft von Jugend auf beigebracht.
Der Begriff der Dankbarkeit ist unter uns vollkommen entstellt worden. Wir meinen, dass Dankbarkeit etwas ist, das wir fühlen müssen, wenn wir von großen Problemen befreit werden oder wenn sich jemand große Mühe gibt, sich um etwas zu kümmern oder etwas zu verteilen. Das ist der lächerlichste Glaube, der uns je gelehrt wurde.
Gehe einfach in einen Tempel aus Dankbarkeit; stehe vor jeder Gottheit für einige Minuten mit einer tiefen Dankbarkeit, und verlasse wieder den Tempel in dieser Stimmung. Das ist genug. Um den Rest wird Gott sich kümmern. Das ist höchstes Gebet. Dankbarkeit ist die höchste Pooja bzw. Opfergabe.
Nutze die paar Tage effektiv, die du hier bist um zu erfahren, was ich dir sage. Lasse zu, dass die Dankbarkeit während dieser sieben Tage in dir Wurzeln schlägt, während du weg von der äußeren Welt bist. Öffne dich und lasse zu dass du erblühst. Das ist eine seltene Gelegenheit für dich. Dies ist eine Möglichkeit für dich, um dich zu transformieren. Versäume sie nicht. Erzeuge diesen neuen, inneren Raum in dir, den du mitnehmen kannst, wenn du diesen Ort wieder verlässt.
Das Problem ist, dass wir immer versuchen, Gott mit Hilfe unseres Kopfes zu erreichen. Du kannst niemals Gott mit deinem Kopf erreichen; wenn du deinen Kopf einfach loslässt, dann wirst du von ganz alleine aus deinem Herzen funktionieren und du wirst entdecken, dass du nicht einmal nach Ihm greifen musst; Er ist bereits in dir!
Mit deinem Kopf wirst du immer außerhalb suchen, aber Du kannst niemals Gott im Außen finden. Mit deinem Kopf wirst du nach Gründen suchen, um dich dankbar zu fühlen. Wenn du aus deinem Kopf in dein Herz kommst, wird sich ein ganz neuer Raum in dir eröffnen, und du wirst erkennen, dass du immer wusstest und dass es dein Verstand war, der das ganze Chaos verursacht hat und der dich daran gehindert hat zu erkennen.
Wenn du von deinem Herzen aus arbeitest, dann bist du immer in Dankbarkeit. Sagen wir jemals "gedachte Dankbarkeit"? Nein! Wir sagen "herzliche Dankbarkeit", nicht wahr?
Als nächstes wirst du fragen: "Wie kommen wir vom Kopf zu unserem Herzen, Swamiji!" Sei dir einfach nur deines Kopfes bewusst, das ist genug! Nur weil du dir deines Kopfes nicht bewusst bist, lässt du ihn ungehindert arbeiten, auf mechanische Weise. Erst wenn du dir deines Kopfes bewusst wirst, wird es dir möglich sein ihn loszulassen.
Dankbarkeit ist keine Tugend. Sie muss deine grundlegende Haltung sein. Das ist alles, was du brauchst, um dich im Einklang mit der Existenz zu fühlen. Wenn du nur Dankbarkeit fühlst, dann kannst du dich wunderbar auf die Existenz einstimmen, und die Existenz wird dir ihren magischen Glanz offenbaren. Dann ist alles, was du noch tun musst dich zurücklehnen und genießen!
Lasst mich erklären, was ich mit Einstimmen meine. Wir alle wissen, wie ein Radio funktioniert. Ein Radio kann, ohne seine Form zu verändern, mit verschiedenen Sendestationen verbunden werden, die jeweils ihr eigenes Programm ausstrahlen, nicht wahr? Wenn du einem gewissen Sender zuhörst, bei dem es Störungen oder Übersprechen gibt, was machst du dann? Du wirst den Sender besser einstellen, um die gewünschte Station klarer hören zu können, das ist alles. Wende nun das gleiche Konzept auf dich an, um dich auf die Existenz einzustimmen.
Um uns gibt es tausende von Programmen. Worauf wir uns auch immer einstellen, das werden wir erfahren. Du hast die Freiheit das Programm anzuhören, das du wünschst, richtig? Dem entsprechend, wenn du dich auf Chaos einstimmst, das um dich herum durch den Verstand der Menschen erzeugt wird, dann wirst du chaotisch werden. Du wirst dich in dem niemals endenden Strudel von Sorgen, Unzufriedenheit, Zwängen usw. verfangen.
Wohingegen, wenn du dich auf die Existenz einzustimmen vermagst, die die zentrale Richtschnur ist, auf der diese gesamte Aufführung läuft, dann hast du die richtige Frequenz aus dem ganzen Chaos aufgenommen, welches dich umgibt, und du wirst frei von jeglichen Emotionen werden. Du wirst gar eine schöne Blume werden, die in herrlichem Duft erblüht.
Mit den früheren Emotionen glich das Leben einem ewigen Zustand der Unzufriedenheit. Mit der neuen Abstimmung wird das Leben zur Musik – der eigentlichen Sprache der Existenz, welche du in ständiger Dankbarkeit genießen wirst. Je besser du dich auf die Existenz einstimmen kannst, umso ekstatischer wird dein Leben.
Unzufriedenheit zieht dich herunter, macht dich schwer und unglücklich. Andererseits machen dich Dankbarkeit und damit einhergehende Erfüllung leicht und glückselig. Wir alle fühlen uns nur deswegen unzufrieden, weil wir die Dinge als gegeben betrachten. Wenn du die Dinge als selbstverständlich betrachtest, dann versäumst du viel und nichts kann dich wirklich glücklich und freudvoll stimmen. Nimm niemals etwas als selbstverständlich hin.
Hört dieser kleinen Geschichte zu:
Ein Bettler hielt einen Mann auf der Straße an, und fragte ihn: "Vor zwei Jahren hast du mir immer zwei Mark gegeben; das ganze letzte Jahr hast du mir nur eine Mark gegeben, und in diesem Jahr hast du mir nur 50 Pfennige gegeben. Warum?"
Der Mann antwortete: "Erst war ich Junggeselle, dann habe ich geheiratet und nun habe ich ein Baby, das ist der Grund."
Der Bettler rief: "Was? Du benutzt mein Geld, um deine Familie zu versorgen?"
Der Bettler sagte: "Du benutzt mein Geld, um deine Familie zu versorgen!" Tatsächlich denken manche von uns, dass es unser Geburtsrecht sei, dass wir von einer anderen Person versorgt werden. Wir betrachten das einfach als selbstverständlich.
Wir wissen nicht, in welch tiefer Ignoranz wir stecken, wenn wir diese Haltung einnehmen. Uns ist dabei nicht einmal klar, dass wir vollkommen bedürftig sind, wenn wir auf diese Art leben. Eine solche Haltung muss eine radikale Veränderung erfahren. Sogar dein eigener Vater und deine Mutter oder dein Ehemann oder deine Ehefrau sollten nicht als selbstverständlich betrachtet werden.
Eine weitere kleine Geschichte:
Ein Mann kam eines Tages von der Arbeit nach Hause und fand seine Frau in schrecklicher Laune vor.
Sie schrie ihn an: "Ich hatte dem Hausmädchen alles beigebracht, sodass sie die ganze Arbeit im Haus erledigen konnte. Nun hat sie uns verlassen!"
Der Mann fragte mitfühlend: "Aus welchem Grund denn, meine Liebe?"
Sie antwortete: "Nun, du bist der Grund! Sie beschwerte sich, dass du so rüde mit ihr am Telefon gesprochen hast, sodass sie sich gezwungen sah uns zu verlassen, um ihre Selbstachtung zu wahren."
Der Mann war perplex und rief aus: "Aber ich habe gedacht, dass ich mit dir spreche!"
Wir betrachten Beziehungen immer als selbstverständlich und geraten daher oft in Schwierigkeiten. Lerne, jeden Mensch als Teil des Ganzen zu betrachten, und fühle Dankbarkeit gegenüber ihm oder ihr; dann wirst du niemanden mehr als selbstverständlich betrachten. Dann wirst du jeden dafür ehren und respektieren ein Teil der Existenz zu sein.
Wenn du nicht die Dinge als selbstverständlich betrachtest, dann wirst du deine Segnungen kaum zählen können. Wenn du das einmal genau betrachtest, dann wirst du feststellen, dass wir immer das zählen, was wir nicht erreicht haben! Wie viel uns auch immer gegeben wird, wir sind nicht zufrieden, weil wir über die Dinge nachdenken, die wir noch nicht erhalten haben!
Stell dir vor, du nimmst dir Zeit und machst eine Liste von Dingen, bei denen du das Gefühl hast, dass sie dir im Leben gegeben wurden. Du kannst die Liste zum Beispiel mit deinen eignen Augen beginnen. Ist dir eigentlich klar, wie viele Menschen nicht mit Augenlicht gesegnet sind? Kannst du dir vorstellen, dass du eines Tages aufwachst und feststellst, dass du blind geworden bist? Du würdest nicht einmal dazu fähig sein, aus dem Bett aufzustehen und in das Badezimmer zu gehen! Jede Aufgabe, die du zuvor undankbar ausgeführt hast, würde jetzt all deiner Mühe bedürfen.
Wie dem auch sei, wenn du damit anfängst, eine Liste von all den Dingen aufzuschreiben, die dir im Leben gegeben wurden, dann wird es eine lange Liste werden. Wenn du dann die Liste vervollständigt hast, schreibe eine neue Liste von all den Dingen, von denen du das Gefühl hast, dass sie dir nicht gegeben wurden. Diese wird auch eine lange Liste werden… wahrscheinlich eine sehr lange sogar! Diese Liste wird womöglich mit einem Mercedes-Benz Auto anfangen und dabei enden, länger als der Mercedes selber zu werden! Beide Listen sind endlos, unendlich sogar, wenn du ernsthaft schreibst, ohne einen einzigen Punkt auszulassen.
Gut, jetzt haben wir die beiden Listen vor uns liegen. Nun liegt es an uns zu entscheiden, auf welche der beiden Listen wir uns konzentrieren wollen. Werden wir auf die Dinge schauen, die uns nicht gegeben wurden und die unser Leben dumpf und leblos machen, oder sehen wir auf die Dinge, die uns gegeben wurden und die wir genießen, um unser Leben schön zu machen? Das ist ganz allein unsere Wahl!
Ein Mensch, der all das als selbstverständlich betrachtet, wird auf die Liste der unerreichten Dinge mit Habgier und Unzufriedenheit schauen. Wenn du gierig bist, dann wirst du dich automatisch unzufrieden fühlen, weil kein Ende deiner Gier abzusehen ist und in dir sich deswegen niemals Zufriedenheit einstellen kann! Wie dem auch sei, ein solcher Mensch verpasst vollständig die Freude am Leben, die es mit der anderen Liste gibt!
Alles was deiner Wege kommt, mag es noch so groß oder klein sein, wird dir als gewöhnlich erscheinen und du wirst nur auf die nächste Gelegenheit warten die da kommt. Und wenn die nächste Gelegenheit kommt, wird sie dir ebenfalls nur gewöhnlich erscheinen, weil du bereits an die nächste Sache denkst!
Wohingegen ein Mensch, der immer dankbar ist, nicht einmal wissen wird, dass eine zweite Liste existiert! Er kennt nur, fühlt nur und atmet nur Dankbarkeit in jedem Moment. Das Leben ist ein ewiges Fest für ihn. Er wird vollkommen leicht und freudvoll sein. Es wird ein Genuss sein ihm zuzusehen. Er wird eine Schönheit ausstrahlen, die für sich schon einzigartig ist. Er weiß nicht einmal, dass eine zweite Liste existiert. Er kennt nicht einmal diese Sprache! Er weiß nur alles in tiefer Liebe und Dankbarkeit zu genießen, das ist alles.
Nur indem du ständig in Dankbarkeit lebst, kann dir jede sogenannte weltliche Sache als heilig und wundervoll erscheinen! Ich sage dir, dass du nur deswegen das Leben als weltlich empfindest, weil du die Gewohnheit hast, die Dinge als selbstverständlich zu betrachten. Das Leben ist nicht weltlich, wie du denken magst. Jedes kleine Ding ist wunderbar. Dein Verstand ist es, der weltlich ist; dein Verstand verhindert die Dinge zu durchdringen und die wundervolle Art zu betrachten, in der die Existenz dahinfließt.
Dein Verstand hat ein totes Muster übernommen, das ständig wiederholt: "Was als Nächstes".
Wenn du dazu fähig bist, die Dinge in einer bewundernden Haltung anzuschauen, mit Ehrfurcht, dann erfüllt dich das mit großer Dankbarkeit und Ehrfurcht, weil du in diesem Moment nicht zu fragen beginnst. Du erlaubst dann letztlich deinem Verstand nicht zu spielen. Du schwingst einfach mit deinem Herzen. In diesem Moment wirst es zu einem Kind, und wenn du zu einem Kind geworden bist, dann erscheint dir nichts mehr als weltlich; alles ist wundersam!
Deswegen sind Kinder so schön anzusehen. Ihr Verstand ist noch nicht tot; ihr Verstand ist frisch und fließend. Die Gesellschaft hat ihren Verstand noch nicht mit den gewohnten Mustern geprägt.
Lerne alles mit Dankbarkeit und Ehrfurcht anzusehen. Nimm deinen eigenen Körper als Beispiel. Versuche nur einmal diese kleine Übung. Setze dich und schließe deine Augen. Stelle dir vor, dass der kleine Finger deiner rechten Hand ein wenig abgeschnitten wurde, bei einem kleineren Unfall. Stelle dir vor, wie dein kleiner Finger nur noch dreiviertel seiner Originalgröße hat. Es gibt keine andere Deformation an deinem Körper, von der du wüsstest. Du hast einen perfekten Körper. Plötzlich ist nur der kleine Finger etwas abgeschnitten.
Wie wird deine Reaktion sein? Es wird für dich sehr schwer sein das anzunehmen. Für jede einfache Aufgabe, für die du deine Hand benutzt, spielt der kleine Finger eine wichtige Rolle, nicht wahr? Was wird es dir ergehen? Du wirst wahrscheinlich sogar depressiv werden.
Nun bedenke einmal, wie viele Menschen es auf der Welt gibt, die Missbildungen haben. Es gibt so viele Menschen, die nicht einmal alle fünf Finger haben! Von Kopf bis Fuß, wenn es selbst nur eine Behinderung gibt, dann könntest du irgendeinen Aspekt des Lebens nicht mehr voll genießen.
Versuche jeden Tag einige Minuten in deinem Raum damit zu verbringen, jeden Teil deines Körpers mit Liebe zu berühren und danke diesem Teil, dass er es dir ermöglicht, so viele Dinge im Leben zu genießen.
Hast du jemals über deinen Körper in dieser Weise nachgedacht? Wie sehr betrachtest du deinen Körper als selbstverständlich! Wie sehr missbrauchst du deinen Körper. Manche von uns hassen ihren Körper sogar, weil sie meinen, dass er nicht schön genug sei. Ich sage dir, wenn du diese Übung jeden Tag durchführst und dabei tiefe Liebe und Dankbarkeit für jeden Teil deines Körpers empfindest, dann wirst du sehen, dass dein Körper und dein Gesicht mit neuer Ausstrahlung zu glühen anfangen.
Dein Körper reagiert auf deinen Geist. Missachte oder betrachte ihn niemals als selbstverständlich. Letztlich bist du nur durch deinen Körper fähig alle Dinge zu genießen. Selbst um heute hierher zu kommen und diesem Vortrag mühelos zuzuhören, müssen alle Teile deines Körpers ordentlich funktionieren.