KAILASA Library/KAPITEL 1 – WECHSELWIRKUNGEN/Angst vor dem Verlust von AnsehenSign in
KAPITEL 1 – WECHSELWIRKUNGEN

Angst vor dem Verlust von Ansehen

Wie bei der Moral, so gibt auch das Ansehen Anlass zur Angst; Ansehen bzw. Geltung, Name und Ruf, sozialer Status – all diese geben Anlass zur Angst. Diese Ängste sind nichts anderes als Ängste deines Ego. Welches Ansehen versuchst du aufrechtzuerhalten? Lebe einfach mit innerer Erfüllung und Würde, das ist genug.

Menschen, die ihr Ansehen bewahren, sind die größten Heuchler auf dem Planeten Erde. Sie sind Menschen, die in ständiger Angst leben. Ihr sogenanntes Ansehen ist unter ihrer ständigen Aufsicht.

Eine kleine Geschichte:

Eines Tages angelte ein Mann an einem Fluss.

Er saß lange dort, ohne einen Fisch fangen zu können.

Da schlief er mit der Angelrute in seiner Hand ein.

Plötzlich biss ein großer Fisch an und zog mit einem starken Ruck an der Angel.

Der Mann fiel daraufhin ins Wasser, noch bevor er aufwachen konnte.

Ein Junge beobachtete dies aus einiger Entfernung. Er fragte sein Vater: "Vater, hat der Mann den Fisch gefangen oder hat der Fisch den Mann gefangen?"

Mit dem Ansehen musst du sehr vorsichtig sein. Wenn für dich das Ansehen wichtiger wird als das Leben, dann beginnt es dich aufzuzehren. Es wird dich einfach aufzehren, und so musst du dich auch nicht mehr auf die Suche nach dem Ansehen begeben.

Und warum hast du Angst dein Ansehen zu verlieren? Weil dein Ansehen dir das Gefühl gibt, dass du außergewöhnlich bist. Dein Ansehen verleiht dir eine stabile Identität in der Gesellschaft. Menschen mit Geld und Ansehen begehen alle Arten von unsinnigen und unmoralischen Taten und kommen damit ungestraft davon. Menschen grüßen sie freundlich von Angesicht zu Angesicht, doch hinter ihrem Rücken reden sie über sie wegen ihrer Macht und ihres Ansehens.

Das ist ihr Ansehen, das sie so gründlich bewahren möchten. Lasst mich ganz klar sein; die Existenz wird dich niemals auserwählen, wenn du so bist. In der materiellen Welt magst du zwar bekommen was du willst; du magst erfolgreich scheinen, aber in den Augen der Existenz wirst du arm bleiben. Die Existenz hat ihre eigenen Wege um auszuwählen.

Versteht, dass Ansehen, Name, Ruf und Macht alles nur deine eigenen Vorstellungen sind. Du gibst ihnen Leben; du erzeugst sie und entwickelst selber Angst davor sie zu verlieren.

Lebe einfach mit unendlicher Liebe für jeden und alles um dich herum. Fühle eine tiefe Liebe für jeden, und alles was dir über den Weg kommt. Wenn du das Leben dergestalt lebst, wird dir von alleine Ansehen zuteil. Menschen werden dich achten wegen deiner Qualitäten, und nicht wegen deiner Quantität. Und mit dieser Art von Ansehen gibt es keine Angst, sie zu verlieren; du musst sie nicht die ganze Zeit über bewahren; du bist einfach frei von derlei Ängsten.

Selbst Ängste wie das Sprechen vor Öffentlichkeit usw. sind auch in gewisser Weise Ängste vor dem Verlust des eigenen Ansehens. Wenn du Angst hast vor einer Versammlung zu sprechen, dann hast du eigentlich Angst davor, wie sie dich beurteilen könnten. Du hast Angst davor, dass dein Ego wegen etwas leiden könnte, das sie über dich sagen. Das ist eine passive Form sein Ego zu beschützen. Angst ist zum größten Teil eine Manifestation des Ego. Verstehe das genau.

Was, wenn die Menschen deine Rede nicht bestätigen? Wenn du aus einem Gefühl der Ganzheit heraus sprichst ist das genug. Genieße dich einfach selber und tue es; kümmere dich nicht darum, was andere darüber sagen werden. In dem Moment wo du Angst davor hast, was andere sagen könnten, beschützt du dein Ego.

Angst vor dem Leid des Ego ist auch ein Grund dafür, warum Menschen Angst haben, wenn sie in Meditation gehen. Wenn du meditierst gibt es immer eine Angst dich selber zu verlieren – nämlich an die Existenz, an die existenzielle Energie die dich umgibt. Deswegen hältst du fest. Du widersetzt dich der Meditation. Wenn ich dich hingegen bitte etwas zu singen, dann wirst du es fröhlich singen. Da gibt es keine Angst.

Dein Ego ist so voller Angst davor, dass es sich auflösen könnte. Wenn es sich auflöst, verschwinden auch alle Konzepte, mit denen du dich identifizierst. Das ist zu viel für dein Ego. Du wirst zu niemand! Daher widersetzt du dich und bleibst jemand, zumindest für dich selber. Dieser Widerstand ist eine reine Angst deines Ego. Du fürchtest dich sehr davor, verletzlich zu werden, durchlässig zu werden.

Angst ist auch der Grund, warum Menschen so viel in gesellschaftlichen Zirkeln reden. Wenn du einfach nur Menschen beobachtest, wirst du sehen, dass sie sich regelrecht dazu gezwungen fühlen, etwas von ihrer Seite aus zu erzählen. Sie fühlen, dass sie irgendetwas sagen müssen, da sie andernfalls von den Anderen als unzulänglich erachtet werden könnten. So sagen sie irgendetwas – selbst wenn es keinen Sinn macht. All das sind subtile Manifestationen der Angst, die schwer für dich wahrnehmbar sind.

Frage: Swamiji, du sprachst über die Angst vor dem Unbekannten. Kannst du mehr darüber erklären?

Ja, ich komme darauf.

Die Angst vor dem Unbekannten ist nichts anderes, als die Angst, die wir vor Dunkelheit haben, vor Geistern, vor Gott und letztlich vor unserem eigenen Tod.

Tatsächlich haben wir große Angst vor unserem Tod! Das ist die Wahrheit. Wir haben Angst davor, unseren Ängsten zu begegnen und lassen daher zu, dass unsere Ängste große Ausmaße annehmen. Dadurch werden wir immer angstvoller.

Eine kleine Geschichte:

Ein Mann reiste in einem Zug.

Der Schaffner kam zu ihm und fragte nach seinem Fahrschein.

Er begann verzweifelt in seiner Brieftasche nach dem Fahrschein zu suchen, in seinem Gepäck, in seinen Hosentaschen und überall.

Der Schaffner beobachtete den Mann und sagte: "Mein Herr, warum suchen Sie nicht in ihrer Manteltasche?"

Der Mann antwortete: "Bitten Sie mich jetzt nicht darum dort nachzusehen. Meine letzte Hoffnung besteht darin, dass er dort ist!"

Wir haben so viel Angst hinzuschauen! Wir haben Angst davor, auf unsere Ängste zu schauen; das ist das ganze Problem. So täuschen wir uns selber mit Tröstungen und machen so weiter wie immer.

Habe niemals Angst hinzuschauen. Von dem Moment, von dem du Angst hast hinzuschauen, erzeugst du nur noch mehr Ängste, weil es immer ungewisser für dich wird. Schaue einfach die Angst an und akzeptiere, dass du Angst hast. Automatisch wird sich die Angst auflösen. Wenn du anfängst deinen Ängsten eine nach der anderen mit Bewusstheit zu begegnen, dann wird im Laufe der Zeit die Intelligenz irgendwie die Ängste ersetzen, sodass du immer weniger angstvolle Gefühle und dir tragen wirst.

Wenn wir gerade dabei sind von der Angst vor dem Unbekannten zu sprechen, so ist die Angst vor Geistern auch sehr verbreitet. Aber wir müssen uns nicht vor ihnen fürchten. Verstehe einfach, dass Geister viel machtloser sind als wir. Wir geben ihnen mehr Macht als sie natürlicherweise haben und gestatten ihnen, unsere Ängste zu kontrollieren. Da beginnt das Problem.

Beschäftige dich nicht zu sehr mit dem Thema der Geister. Es ist nutzlos. Wenn du gut in deiner Mitte verankert und klar über dich selber bist, dann ist das ausreichend. Dann kann dich nichts berühren, und du wirst auch keine Angst vor solchen Dingen haben.

Angst vor Dunkelheit ist ebenfalls Angst vor dem Unbekannten. Angst vor Dunkelheit ist nichts anderes als die Angst vor dem Tod. Im Garten deines Hauses, wo du dich tagsüber aufhältst, wirst du dort auch nachts herumlaufen? Nein! Du hast Angst! Warum? Du kennst das Gelände deines Gartens gut, warum hast du also Angst? Du hast nicht Angst vor dem Garten, sondern vor der Dunkelheit.

Du hast Angst, dass dir etwas in der Dunkelheit zustoßen könnte. Du hast Angst um dein Leben. Das meine ich, wenn ich sage, dass jede Angst letztlich etwas mit der Angst vor dem Tode zu tun hat. Im Falle der Dunkelheit ist es sehr offensichtlich, aber bei anderen Ängsten ist es sehr subtil, das ist alles.

Tatsächlich aber ist Dunkelheit schön! Es ist wie im Mutterleib deiner eigenen Mutter. Als du im Mutterleib warst, warst du in vollkommener Dunkelheit. Als du jedoch zur Welt kamst, hast du die Verbindung zu Dunkelheit verloren; du begannst sie als etwas Unbekanntes zu fürchten. Tantriker meditieren über die Dunkelheit, um die Intensität der Existenz zu fühlen.

Es gibt keinen Grund vor der Dunkelheit Angst zu haben. Versuche nur einmal mit tiefer Liebe in die Dunkelheit zu schauen, mit dem beruhigenden Gefühl dass sie dein Mutterleib ist, dann wirst du keine Angst mehr verspüren.

Wenn sich ein Kind vor der Dunkelheit fürchtet, dann sage ihm nicht: "Sei mutig!" Wenn du ihm dies sagst, wird es nur in Anspannung geraten, weil es keine Angst haben darf. Es wird dadurch nicht seine Angst vor Dunkelheit fallen lassen. Erlaube ihm einfach durch die Angst vor Dunkelheit zu gehen. Lass es ein wenig zittern. Zumindest bekommt es dadurch eine Möglichkeit seine Angst zu untersuchen. Wenn es dies einige Male erlebt, wird es langsam seine Angst vor Dunkelheit verlieren.

Kommen wir nun zur Angst vor Gott. Gott ist uns auch unbekannt und so fürchten wir Gott. Versteht, dass Gott nichts anderes ist, als ein Name den wir der Existenz gegeben haben, dem Kosmos der existenziellen Energie, der Lebenskraft die das Universum durchdringt. Diese Existenz, diese universelle Energie kennt nur Liebe. Wenn du das verstehen kannst, dann werden all deine Ängste von alleine abfallen. Menschen fürchten Gott so sehr. Manche fragen mich: "Swamiji, die Leute sagen wenn wir gute Taten bzw. punya tun anstatt schlechter Taten bzw. paapa, dann kommen wir in den Himmel und nicht in die Hölle. Ist das wahr?"

Versteht zunächst einmal, dass Himmel und Hölle nicht geographische Orte sind. Es gibt keinen Himmel, der sich über deinem Kopf befindet, und keine Hölle unter deinen Füßen. Dies sind Begriffe, die dazu erschaffen wurden, um dem Menschen Angst und Gier einzuflößen, das ist alles. Hölle oder Himmel können so interpretiert werden, dass wir entweder einen tumultartigen Tod oder einen friedvollen und bewussten Tod haben, das ist alles.

Jeder Moment deines Lebens, den du in Meditation verbracht hast, ist ein Moment von punya oder guter Tat. Wenn ich Meditation sage, meine ich nicht mit geschlossenen Augen dazusitzen, sondern ich meine Momente, die du bewusst im Hier und Jetzt verbracht hast; wenn du in einem bewussten Zustand warst; Momente, in denen du aus deinem normalen, unterbewussten Zustand herausgekommen und in die Gegenwart gekommen bist; Momente, in denen du die existenzielle Energie gefühlt hast und mit ihr in Resonanz warst.

Jeder Moment, der nicht in solch einem Zustand verbracht wird, ist paapa. All die Momente in bewusstem Zustand sind wie dein Bankguthaben. Zum Zeitpunkt des Todes sind es diese Zustände, die auftauchen und dich befreien werden.

Menschen denken, wenn sie Schalen voller Milch den Gottheiten in einem Tempel opfern, dass ihr punya sich vergrößern wird und sie den Himmel erreichen werden! Lasst mich euch sagen: durch das Opfern von Milch an den Herren wird nichts geschehen. Wenn du eine wachsende Dankbarkeit der Existenz gegenüber fühlst, dann kannst du dies ausdrücken, indem du der Gottheit Milch opferst, die du als Existenz verehrst. Das ist vollkommen in Ordnung. Aber verbinde dies bitte nicht mit punya bzw. guten Taten.

Selbst ein Tropfen geopferter Milch mit reiner Freude und Dankbarkeit dargereicht, ist ein Moment von ernsthafter Meditation, der zu dir stehen wird im Moment des Todes. Andererseits wird Schale um Schale von Milch zu opfern aus bloßer Angst nicht genug punya zu sammeln, keine Ergebnisse zeitigen. Erhöhe also bitte deine Bewusstheit und lebe bewusst. Mache jeden Moment, was auch immer du gerade tun magst, zu einer Meditation. Das ist genug. Dann kannst du ohne Angst vor Sünden leben.

Lasst mich euch einen Vorfall erzählen:

Ich kam zu einem Shiva Tempel in einem hindu Dorf.

Am Eingang der Hauptgottheit brannte eine Neonröhre.

Das Licht war kaum sichtbar, weil darauf in schwarzer Schrift geschrieben war: Vishnunathan B.Sc.

Ich wunderte mich, warum Shiva Vishnunathan genannt wurde. Dann entdeckte ich darunter in kleiner Schrift den Namen – Kailasanathan – den korrekten Namen von Shiva.

Vishnunathan war der Name des Menschen der die Neonlampe spendiert hatte!

Wir sind immer darauf aus, keine Gelegenheit in unserem Leben auszulassen, um gute Taten zu sammeln, sodass wir gleichsam materialistisch ein Bankkonto von guten Taten für uns selber errichten. Aber dabei belassen wir es nicht. Wir informieren Gott immer wieder über all die guten Dinge, die wir getan haben, sodass er uns nicht vergisst! Wir sind so materialistisch, selbst bei Angelegenheiten die Gott betreffen.

Versteht, dass Gott keinen Zufluchtsort im Himmel hat, wo du Einlass bekommen kannst durch das Sammeln von sogenannten guten Taten auf Erden. Während du lebst, versuchst du ständig solch materielle Dinge zu tun, ohne die Idee oder ein Gefühl der Wahrheit die dahinter steht. Du versuchst, dir aus deinen punya bzw. guten Taten ein Schloss zu errichten, in das du in der Stunde deines Todes dann Zuflucht nehmen kannst.

Es ist etwa so: wenn du dir in deinem Traum ein Haus baust, es anmalst, es verzierst und genießt, was geschieht wenn du von deinem Traum erwachst? Wo ist das Haus? Es ist dir von keinem Nutzen, wenn du aufgewacht bist! In gleicher Weise betrügst du dich nur selber durch dieses punya-Konzept. Wir reduzieren alles, inbegriffen das Göttliche, auf ein gewöhnliches Handelsgeschäft.

Ich habe Menschen gesehen, die jeden Samstag eine bestimmte Gottheit in einem bestimmten Tempel mit einer Spende besuchen. Wenn es ihnen an einem Samstag nicht möglich ist, dann senden sie einen Fahrer mit der Spende zu dieser Gottheit! Sei dir klar darüber, dass die materielle Welt nicht mit dir kommt, wenn du stirbst. Nur Augenblicke der Bewusstheit, des Bewusstseins und der Meditation kommen mit dir.

Und versteht folgendes: Gott kennt dich besser als du dich selber. Du kannst nichts vor ihm verbergen, weil er alles weiß. Daher gibt es keinen Grund Ihn zu fürchten und Ihm zu gefallen. Wenn Gott dich nicht verstehen kann, dann gibt es in der ganzen Welt kein Verständnis.

Gott kennt dich besser als deine Mutter oder dein Vater. Er kennt dich nicht nur in dieser Geburt, sondern in all den Leben, die du bis jetzt gelebt hast. Daher gibt es nichts zu befürchten. Du bist ein offenes Buch vor Ihm. Er kann Bezug auf jede Seite nehmen, in jedem Augenblick!

Lass also deine Angst vor Gott fallen und schau auf Ihn als die Gesamtheit der Existenz. Betrachte Ihn als einen Freund. Wie sehr dir auch die Gesellschaft Angst einflößen möchte vor Gott, höre nicht auf sie. Entwickle deine eigene Beziehung zu Gott – eine solide und vertrauensvolle; die einzige Beziehung, die im Leben benötigt wird.

Wenn du anfängst mit der Existenz bzw. Gott in Beziehung zu treten, dann beginnst du mit dir selber viel besser in Beziehung zu treten als je zuvor. Du wirst genau wissen, was in dir vor sich geht. Klarheit wird aufkommen. Deine innere Intelligenz wird wachsen. Deine Ängste werden verschwinden. Du wirst lernen die Dinge genau anzuschauen, bevor du dich vor ihnen ängstigst. Du wirst keinen Zwang fühlen etwas zu tun, weil die Intelligenz die Angst ersetzen wird. Du wirst entspannter und freudvoller sein. Du wirst dich befreit fühlen.

Wenn ihr die Existenz voll versteht, dann werden all die Kriege nicht mehr sein, die im Namen der Religion geführt werden. Die Menschen, die sich vor ihrer Religion fürchten und die Menschen, die für ihre Religion kämpfen, haben die Liebe der Existenz nicht klar verstanden. Sie verfehlen andauernd die ganze Sache. Sie sind wie blinde Menschen, die miteinander kämpfen.

Und sehr wichtig: gib bitte deine Konzepte von Gott nicht an deine Kinder weiter, damit du ihnen keine Angst vor Gott anerziehst. Lehre sie Gott zu umarmen. Lehre sie, dass Gott die alldurchdringende Existenz ist, die allumfassend ist. Lehre sie, dass Gott reine Liebe ist und nichts anderes. Helfe ihnen mit einer liebevollen Haltung gegenüber Gott bzw. der Existenz als Ganzem aufzuwachsen. So wachsen sie nicht mit vielen Ängsten auf, wie es normalerweise der Fall wäre.

Frage: Swamiji, wir fragen uns oft – was auch immer uns geschieht, ist das Schicksal oder ist es unsere Wahl?

Eine sehr häufig gestellte Frage!

Dein gegenwärtiger Augenblick ist die Gesamtheit all deiner vergangenen Entscheidungen. Nun bist du hier an diesem Ort. Du hast dich entschieden, früh am Morgen aufzustehen, die richtige Strecke zu fahren, hier anzukommen, dich hinzusetzen und hier zu bleiben, habe ich Recht?

Entsprechend formen all deine vergangenen Entscheidungen deine Gegenwart – wie zum Beispiel jetzt hier zu sein. Dementsprechend wird die Zukunft das Ergebnis all deiner gegenwärtigen Entscheidung sein. Nun, warum denken wir, dass dies Schicksal sei? Das kommt daher, weil wir unsere Entscheidungen unbewusst treffen und uns einige Ereignisse somit unerwartet widerfahren. Wenn unerwartete oder unerwünschte Ereignisse eintreten, dann nennen wir das Schicksal.

Wenn wir bewusste Entscheidungen treffen, sind wir uns der Neben- und Nachwirkungen bewusst. Wenn wir nicht der Nebeneffekte und Nachwirkungen gewahr sind, nennen wir es Schicksal. Tatsächlich aber ist das Leben reine Wahl. Wir sind es, die die Entscheidungen treffen; niemals jemand anderes für uns.

Gott ist gnädig, und obwohl die Welt sein ist, lässt Er uns die Wahl! Der einzige Weg, die richtigen Entscheidungen zu treffen liegt darin, Bewusstheit in unseren eigenen Atem zu bringen, sodass jede Handlung von uns, jede Entscheidung von uns mit Bewusstheit geschieht und niemals in ein unterbewusstes oder unbewusstes Entscheiden übergeht. Dann musst du dich nicht um Schicksal und Vorsehung sorgen.

Und versteht eines: Niemand wartet darauf Hand an euren Besitz anzulegen, um euch ein sogenanntes schlechtes Schicksal zu bereiten. Irgendwie leben wir in der ständigen Angst, dass Menschen darauf warten uns unseren Besitz zu rauben. Das ist die Angst vor dem Verlust des Besitzes.

Mit dieser Angst bauen wir viele Mauern um uns auf. Schließlich sind wir selber gefangen in unserer eigenen Zelle. Deswegen sage ich: "Öffnet die Türen und lasst eine frische Brise herein." Habe Vertrauen, dass die Lebenskraft auf dich aufpassen wird. Ich sage nicht: "Verschließt nicht eure Häuser!" Ihr müsst eure Häuser auf körperlicher Ebene abschließen. Ich sage, dass ihr auf der geistigen Ebene eure Besessenheit mit dem Verschließen fallen lassen sollt, das ist alles.

Stellen wir uns vor, du reist in einem Zug. Sobald du dich in deinem Abteil niedergelassen hast, was machst du? Du beginnst mit den Menschen zu sprechen, die neben dir sitzen. Du fragst sie woher sie kommen. Du versuchst herauszufinden, an welche Religion sie glauben. Du stellst Fragen über ihren Hintergrund und so weiter. Und warum? Geschieht das, weil du dich eigentlich für ihre Daten interessierst? Nein! Das kommt davon, weil du sie als unbekannt betrachtest, und wenn du all diese Informationen über sie weißt, dann vermindert sich psychologisch die Angst vor dem Unbekannten, sodass du dich entspannter fühlen wirst, das ist alles.

Wenn du ein Hindu bist und sie ebenfalls Hindus sind, dann fühlst du dich entspannt. Wenn du ein Hindu bist und herausfindest, dass sie Muslime sind, dann beginnst du dich unbequem und ängstlich zu fühlen; du beginnst sie misstrauisch zu beäugen. Vielleicht denkst du auch darüber nach, deinen Platz zu wechseln. So arbeitet deine Angst. Unbewusst hast du ständig Angst davor, deinen Besitz zu verlieren.

Sharada Devi sagt: "Vertraue anderen, selbst wenn du ausgenutzt wirst. Eben jene Qualität, dem Universum von deinem Wesen aus zu vertrauen, lässt dich wie Gott auf Erden leben."

Wenn der Verstand schärfer wird, dann wirst du fähig wie ein Wissenschaftler zu verstehen; wenn die Emotionen schärfer werden, erblüht Vertrauen; wenn Gefühle schärfer werden, erblüht Erleuchtung. Lasse also deine Ängste fallen und gestatte dem Verstehen und Vertrauen sich in dir zu entwickeln.

Lasse also die Ängste um dein Eigentum fallen. Alles gehört der Existenz. Du bist ein zeitweiliger Besitzer davon, das ist alles. Wenn du das auf einer tiefen Ebene verstanden hast, dann wirst du nicht mehr zulassen, dich selber von der Angst um deinen Besitz verzehren zu lassen.

Wir sprachen jetzt von der Angst vor Fremden in Zusammenhang mit Besitz. Aber betrachten wir den Fall wie die Angst im Zusammenhang mit Prestige arbeitet. Nehmen wir einmal an, dass manche Dinge tun möchten, die nicht von der Gesellschaft gutgeheißen werden, wie z.B. eine außereheliche Beziehung oder ein kurzes Liebesabenteuer haben, was machen sie also? Sie werden ihren Spaß mit einer unbekannten Person haben, die sich in keiner Weise gesellschaftlich mit ihnen identifiziert.

In diesem Falle wird das Unbekannte zu einem Verbündeten der Angst. Hier geben Bindung und Beteiligung Anlass zur Angst, und so hältst du Ausschau nach unbekannteren Menschen, wo Bindung und Beteiligung gering gehalten, wenn nicht sogar total vermieden werden können. Sieh nur wie die Angst spielt! Sieh nur wie du ständig in den Klauen der Angst bist, die ganze Zeit über.