Das Heer kehrte um und verschwand.
Die Dorfbewohner liefen in das Dorf zurück und erzählten sich, was passiert war. Plötzlich verstanden alle die Wahrheit, die sich hinter den Aussagen des Weisen verbarg. Sie gingen zur Hütte des Weisen, aber diese war leer. Der Weise war verschwunden.
Existenz ist kein Zufall. Sie ist eine unabhängige Intelligenz. Wenn du verstehst, dass sie eine unabhängige Intelligenz ist, dass sie ein tiefes Geheimnis ist, das gelebt und nicht gelöst werden soll, wird sich Alles in deinem Leben öffnen und das innewohnende Geheimnis preisgeben.
Es gibt Leute, die fragen mich: "Swamiji, wie sollen wir unsere tiefe Dankbarkeit dir gegenüber ausdrücken?" Ich sage ihnen dann, dass der einzige Weg, die Dankbarkeit auszudrücken, darin liegt, Erleuchtung auf die Weise zu leben, wie ich sie gerade beschrieben habe. Das ist das Beste, das ihr für mich tun könnt und das ich für euch tun kann.
Auch fragen mich die Leute: "Welchen Beitrag kann ich für unsere Bewegung leisten." Ich sage ihnen, dass es der beste Beitrag ist, für die Entfaltung des eigenen Bewusstseins zu arbeiten. Wenn das geschieht, wirst du automatisch dort helfen, wo du benötigt wirst. Nicht aus deinem Ego heraus oder um Verdienste zu erwerben, sondern weil du feierst und überfließt. Dann kann man es nicht Arbeit nennen. Es ist nur ein Überfließen. So sollte Arbeit geschehen. Nicht als Geben, sondern als spontanes Teilen.
Dankbarkeit kann dein Karma verbrennen
Der Sufismus ist eine vollständig auf Dankbarkeit basierende Religion. Müsste ich die gesamte Religion des Sufismus auf ein Wort reduzieren, so wäre es Dankbarkeit. In den Dichtungen der großen Sufi Meister, wie Jalaluddin Rumi kann man das gut sehen. In deren Worten ist Dankbarkeit als eine fließende Energie erkennbar. Dankbarkeit macht dich zu einem Niemand, es bleibt nichts von dir übrig, außer fließender Energie.
Dankbarkeit ist wie ein Feuer, das imstande ist, all dein Karma zu verbrennen. Was ist Karma? Wenn wir uns einer Handlung nicht total bewusst sind und nicht vollständig darin involviert sind, bleibt unser Sein unerfüllt in dieser Erfahrung. Diese Unerfülltheit zwingt uns dazu, dieselbe Handlung immer wieder auszuführen. Um all diese Karmas, die wir angehäuft haben, zu erfüllen und abzuarbeiten, entscheiden wir uns immer wieder auf diesem Planeten geboren zu werden. Nur mit Dankbarkeit kann dieses Karma verbrannt werden. Das ist die Kraft der Dankbarkeit.
Dankbarkeit, das letzte Gebet und die letzte Religion
Wenn Dankbarkeit zu deinem Gebet wird, ziehst du immer mehr Wohlwollen an. Dankbarkeit ist das ultimative Gebet, das uns mehr bringen kann, als wir uns jemals vorstellen können. Echtes Gebet braucht keine Gebetsbücher, es bietet Gott keine materiellen Dinge dar, es schenkt den Tempeln kein Geld, es ist tiefe und stille Dankbarkeit der gesamten Existenz gegenüber dafür, dass sie so ist, wie sie ist. Es ist das unbedingte Vertrauen in die Existenz, dass sie für alles sorgen wird.
Viele Menschen denken, dass Gebet und Dankbarkeit Fesseln sind, nein. Sie sind die größten Befreier. Sie befreien dich von den Fesseln der Unzufriedenheit. Das Gebet sollte ein Überfließen der Dankbarkeit und Erfüllung in dir sein. Manche Menschen fragen: "Warum gehen wir zum Tempel und beten." Verstehe, im Gebet wird das Wohlwollen der Existenz uns gegenüber gefeiert. Wenn wir auf diese Art beten, reagiert die Existenz darauf. Wenn die Existenz reagiert, äußert sich das darin, dass in deinem Leben mehr Wohlwollen auftritt. Das ist der positive Kreislauf von Gebet und Segen.
In diesem Zusammenhang erzähle ich den Leuten immer eine wunderbare Geschichte über einen Sufi Heiligen. Der Sufismus ist eine in Dankbarkeit verwurzelte Religion. Sufismus ist nichts als Dankbarkeit der gesamten Existenz gegenüber.
Ein Sufi - Heiliger und dessen Schüler befanden sich auf Pilgerschaft. Drei Tage lang wanderten sie ohne einen Bissen zu essen. Am vierten Tag wurden sie sogar aus einem Dorf gejagt und sie waren gezwungen auf einen Friedhof zu übernachten. Am nächsten Morgen begann der Heilige wie immer mit einem Dankesgebet an Gott. Den Schülern wurde das zu viel. Sie waren seit Tagen ohne Essen und Unterkunft unterwegs und ihr Meister dankte Gott. Sie weigerten sich, mit ihm zu beten.
Die Schüler fragten den Heiligen: "Warum sollten wir dankbar sein, wenn uns für drei Tage Essen und Unterkunft verweigert wurde?"
Der Heilige antwortete: "Ihr habt aber vorher dreißig Jahre lang zu essen und eine Unterkunft gehabt. Sollten wir Gott nicht dafür dankbar sein?"
Gebet ist Dankbarkeit für das ununterbrochene Wohlwollen der Existenz uns gegenüber.
Deine Erwartung ist schuld - Lass sie los
Setz dich hin und versuche zuerst all das aufzuschreiben, was du als dein Eigentum betrachtest. Danach machst du eine Liste mit all den Dingen, die du nicht besitzt. Die erste Liste sollte jedes einzelne Ding beinhalten, das du hast, angefangen von deinen Augen, Ohren, Händen und Füssen. Es gibt nämlich Menschen, die einige dieser Körperteile nicht besitzen. Schließe all deine körperlichen und geistigen Fähigkeiten mit ein, bevor du zu den materiellen Dingen kommst. Falls du aufrichtig bist und alles niederschreibst, ohne etwas auszulassen, wirst du nicht imstande sein, die erste Liste zu vollenden! Das ist die Wahrheit. Wenn es dir unmöglich erscheint, die erste Liste zu vollenden, dann hat sich die Dankbarkeit in dir bereits ausgebreitet.
Das Problem liegt darin, dass wir mit einer kontinuierlichen Erwartungshaltung leben. Deshalb kann sich keine Dankbarkeit in uns ausbreiten. Mit Erwartungen zu arbeiten, ist dasselbe, wie Öl ins Feuer zu gießen, um es zu löschen. Kannst du ein Feuer löschen, indem du Öl hineingießt? Niemals! Du wirst dich nie so erfüllt fühlen, wenn deine Handlungen auf Erwartungen gegründet sind. Du wirst dabei nur deine Sinne ermüden.
Du kannst entweder in Erwartungen leben oder in Dankbarkeit, niemals in beiden. Mit Erwartung hast du das Verlangen, Dinge zu besitzen. Du wirst zum Besitzer. Mit Dankbarkeit wirst du zum Genießer. Bist du ein Besitzer, kannst du nur die Dinge genießen, die du besitzt. Bist du ein Genießer, kannst du dich an der gesamten Existenz erfreuen. Versuchst du zu besitzen, wirst du niemals genug haben. Wenn du genießt, scheint alles im Überfluss da zu sein. Das ist der Unterschied.
Eine kleine Geschichte: In einem Dorf drehte ein Nachtwächter seine Runden und pfiff regelmäßig mit seiner Trillerpfeife. Bei sich hatte er auch eine Tabakspfeife, die er ab und zu rauchte. Er stopfte sie und suchte Zündhölzer, um sie anzuzünden, merkte aber, dass er keine bei sich hatte.
Er ging zu einer Hütte und fragte die darin wohnende alte Frau, ob sie etwas Glut von ihrem Herd für ihn hätte. Die alte Frau sagte, dass sie den Herd seit drei Tagen nicht angefeuert hätte und dass sie nur Dank des wenigen Essens, das sie in einem Tempel erhielt, überlebte.
Er versuchte es an anderen Orten, konnte aber nirgends Feuer bekommen. Schließlich ging er zum Haus des Dorfvorstehers und bat die Dienstmädchen um Zündhölzer.
Eines der Mädchen betrachtete Ihn und fragte: "Du brauchst Feuer, um deine Pfeife anzuzünden? Warum nimmst du nicht das Feuer von deiner Laterne?"
Der Nachtwärter traute seinen Augen nicht. Während er nach Zündhölzern suchte, trug er das Feuer die ganze Zeit mit sich herum.
Wenn wir überzeugt sind, dass sich das Gesuchte außerhalb von uns befindet, leben wir in ewiger Erwartung und wir werden weiter suchen wie der Nachtwärter. Wenn wir überzeugt sind, dass die Existenz uns alles gibt, was wir brauchen, werden wir alles in uns finden, zu jeder Zeit.
Mit Dankbarkeit verändert sich selbst deine Körpersprache
Wenn wir die ganze Zeit mit Erwartungen leben, lässt sich in unserer Körpersprache eine subtile Gewalt beobachten; keine beabsichtigte Gewalt, sondern eine unserem ganzen Wesen innewohnende Gewalt. Erst wenn wir unserer Körpersprache gegenüber sensibel werden, sind wir in der Lage, diese Gewalt zu sehen.
Beobachte dich, während du am Computer tippst, beim Telefonieren, wie du den Hörer zurücklegst, mit welcher Aggression du gehst … alles. Du wirst merken, dass sich in all deinen Handlungen eine unscheinbare Gewalttätigkeit verbirgt.
Mit Dankbarkeit verändert sich deine gesamte Körpersprache. Wenn du beginnst tiefe Dankbarkeit zu fühlen, reagierst du anders in den verschiedenen Situationen des täglichen Lebens. Du beginnst im Takt der Existenz mitzuschwingen. Dein Körper wird in diesem Takt fließen, in kühler Anmut und Weichheit. All deine Handlungen werden aus dieser Anmut hervorkommen. Es gibt keine Gewalt mehr, nur eine fließende Freude. Und alles was du tust, macht das Leben nur noch süßer.
II. TIEFERE WAHRHEITEN DES LEBENS